dazwischen

Während mein Liebster grad eben an den unsichtbaren und feinen Dingen arbeitet und darüber bloggt und dabei die gedruckten Bücher anderer Bloggender erwähnt, klettere ich am Büchergestell herum und staple fixfertig gedruckte Bücher auf den Tisch. Auch ein paar handsignierte sind dabei. Bücher von Menschen, die ich persönlich kenne. Von Menschen, die den Mut hatten, ihre Manuskripte sichtbar zu machen. Von Menschen, die Verlage fanden. Von Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben …

Und wann wird DEIN Printblog erscheinen?, smste Irgendlink heute.
Wer würde den schon lesen wollen?, schrieb ich zurück.

Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Krö… , denke ich beim Sortieren der Bücher. Eine große Tasche steht hungrig für die aussortierten Bücher bereit. Bücher fürs Brocki oder für die Bücherborde meiner FreundInnen, ArbeitskollegInnen oder sonst wie Interessierten. Dazu läuft iTunes auf dem Lap. Gazpacho mal wieder, die ich vor einem Jahr rauf und runter gehört habe, bis sie mir ein wenig verleidet sind.

Wie viele Bücher ich habe! Wie viele Geschichten! Die meisten gelesen, doch auch ein ganzes Tablar ungelesene haben sich im Laufe der Jahre bei mir eingefunden. Da und dort gekauft oder geschenkt erhalten und für später aufgehoben. Wie viele Buchstaben! Eigentlich ja immer die gleichen sechsundzwanzig, bloß immer wieder anders zusammengesetzt. Zu immer wieder neuen Choreographien versammelt. Und doch ist jede Geschichte längst erzählt. Wie Wasser, das wiederkehrt. Wie Kompost, der zu Erde wird, dann Frucht und wieder Kompost. Mist. Ewiger Kreislauf. Die Gedanken ebenfalls. Und das Spinnen auch. Denken und loslassen. Schlafen und wachen. Spirale, ewige.

Doch jetzt grad bin ich die Frau fürs Grobe. Zwischendurch fließen die Tränen, wenn mir das eine oder andere in die Finger kommt. Feine Tränen, die schmerzhafte Erinnerungen wandeln helfen. Wie Regen, der den trockenen Boden wässert und neues Leben möglich macht.

Während ich Kiste um Kiste fülle und dabei Musik höre, wird mir bewusst, wie reich ich bin. Nicht die Materie meine ich. All die Geschichten, die ich in mir trage.

Montagmorgenwege

Da fahr ich also – relativ gut gelaunt für Montagmorgen und mit gutem Sound im Ohr – zur Post. Nichts böses ahnend und – dank Irgendlink – seit November sogar gut beradhelmt, um gegen die Gefahren der bösen Welt und der Straße gewappnet zu sein. Wie gesagt, gut gelaunt und nichts böses ahnend betrete ich also den neuen provisorischen, weitläufigen Schalterraum, gehe zu unserem Postfach, kralle mir die Post und will wieder aus der Halle raus, als ich auf einmal von einem Schalterbeamten hinter Panzerglas blöd angemacht werde. Er winkt rum und sagt etwas, deutet auf mein Stahlpferdchen an meiner Seite, das mich bis zum Fach begleiten darf und sagt irgendwas.

Ich verstehe nix, habe ja die Stöpsel in den Ohren. Ich höre eben lieber Kristofer singen als Schalterbeamte wettern. Nett wie ich bin, nehme ich die Stöpsel raus, bereue es aber sogleich. Muss mir nämlich eine Das darf man nicht-Litanei anhören. Dass ich das Rad draußen lassen müsse, sagt er.
Wieso?,
frage ich. Da steht nirgends, dass Räder hier drin verboten sind. Ich denke an den Krug, der zum Brunnen geht, bis er bricht und dass ich insgeheim auf diesen Eklat gewartet habe, seit es diese neue provisorische Postfastanlage gibt. Was ich natürlich nicht sage. Außerdem stört das doch niemanden, sage ich stattdessen.
Oh, doch, sagt da jemand hinter mir, ein Securitasmännlein in orangem Tarn- ähm Warnanzug, das mich vorher, als es sein Postfach leerte, schon dumm angegafft hat. Und ich es klug ignoriert. Oh doch, das versperrt den Weg, sagt es.

Ich muss fast losprusten, halte mich aber zurück und tue erbost. Zwei gegen eins, ihr Feiglinge aber auch, fühlt euch stark, nicht wahr?, denke ich. Die automatische Türe ist breit, die Gänge sind breit, neben meinem Rad kommen noch vier Leute locker gleichzeitig durch die Türe, oder drei dicke. Ich schüttle nur den Kopf …

Morgen komme ich mit dem Motorrad, sagt nun der tumbe Securitastyp, der es nicht leiden mag, dass jemand etwas wagt, das er in Tat und Wahrheit selbst auch möchte, aber sich nicht traut. Selbst etwas so banales, wie mit dem Rad eine Schalterhalle zu betreten. Nein, diese Typen kann ich echt nicht ernst nehmen. Da geht’s nur um Powergames. Noch immer kopfschüttelnd verlasse ich den Raum und weiß nicht, ob ich ob dieser Bigotterie und Kleingeistigkeit weinen oder lachen soll. SVP-Wähler, denke ich. Mein Urteil ist gefällt. Genau aus solchen Menschen besteht die Wählerschaft der k…braunen Schweizer Großkotzpartei. Ein Grund um stolz zu sein ist das wahrlich nicht.

Mainstream ist Sch***, schreibt C. in ihrer Mail, nachdem sie von einem wiedergetroffenen Kollegen erzählt hat, der sich von seiner Akademikerkarriere verabschiedet hat, um endlich seinen Traumberuf zu lernen, Automech. Und nun endlich glücklich ist.

Stacheln im Fleisch

Es ist kurz vor drei. Nachts. Die Füße in einem Becken Warmwasser, das braun von der Erde ist, die sich langsam auflöst. Seit einer Viertelstunde bin ich wieder zuhause. Obwohl ich auch dort, wo ich herkomme, zuhause bin. Geographisch ebenso wie mit dem Herzen. Was für ein Tag!, denke ich, während ich die Füße trockne und mit der Pinzette ein paar kleine Stacheln aus den noch winterweichen, hornhautfreien Fußsohlen pulle. Was für ein Tag!

Normalerweise ist der Freitag mein bürofreier Tag. Wie schon der Name sagt. Doch weil mein Scheff, der in den letzten Tagen eh nur noch rumgenervt hat, seit Donnerstag in den Ferien ist und ich seine inoffizielle Stellvertreterin bin … Kurzer Sinn der halbgaren Vorrede: Ich traf mich, zusammen mit Kollegin U. aus unserer Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit gestern Nachmittag mit dem Bühnenkünstler und Bestsellerautoren P. L. und der Programmteilnehmerin T. H. um den Ablauf einer Werbekampagne für unser Hilfswerk, die in fünf Wochen über die Bühne geht, zu nageln. Es galt sowohl P. L. und T. H. miteinander bekannt zu machen, als auch – unter Einbezug derer Ideen – ihnen unser Konzept zu kommunizieren und es so weit zu definieren, dass wir es publizieren können. Eine Angelegenheit, die mir im Voraus einige Nervosität beschert hat. Werden sich die beiden verstehen und sympathisch finden? Und werden sie unsere Ideen gutheißen, gar mitdenkend eigene Anregungen beitragen?

Selten hat mir eine Arbeitssitzung so viel Spaß gemacht. P. L. ist ein toller Mensch und sehr engagiert, T. H. ist zwar noch sehr unsicher, ist sie doch erst seit zwei Jahren in der Schweiz, doch sie ist unglaublich motiviert und motivierbar und es war eine richtig tolle Stimmung am Tisch. Die Sitzung dauerte sogar weniger lang als gedacht, weil wir so sprudelnd und effizient arbeiteten.

Was tut frau, die sich seit Wochen ziemlich unter Druck fühlt und gerade eine Herausforderung gut gemeistert hat? Die auf einmal eine halbe Stunde Zeit geschenkt bekommt, bevor die Reise weitergeht? Die sich eine kleine Belohnung gönnen will, zumal sie mitten in der Einkaufsmeile Berns steht? Ja. Sie konsumiert! Zumal sie gleich um die Ecke das verführerische Schild eines Schuladens blinzeln sieht.

Der Frühling kommt bald, sage ich mir. Jetzt habe ich ja noch Geld. Es ist, wie fast immer, wenn ich Schuhe kaufe, Liebe auf den ersten Blick. Und natürlich passen sie wie angegossen. Nur der Preis lässt mich drei Mal leer schlucken. Darf ich mir das leisten? Das ist fast ein ganzer Arbeitstag, in Schweizer Dimensionen gedacht. In deutschen gar ein Wochengehalt – je nach Arbeitsstelle. Als ich dann noch den hölzernen Schuhlöffel schön drapiert herumliegen sehe und sich die Verkäuferin rührend um mich kümmert, beschließe ich, die Wirtschaft anzukurbeln.

Ich zahle mit Karte. Das heißt, ich will mit Karte zahlen. Das Gerät zickt – schon den ganzen Tag, wie mir beschieden wird. Ich sehe nichts auf dem Display, mache einfach was Verkäuferin Nr. 1 mir sagt und gebe den PIN ein. Bei Abbruch Nr. 3 fängt sie an zu hypern und ruft nach Tämmi, einer Kollegin. Die mit dem goldenen Technikhändchen. Nun klappts. Da ich keine Anzeige habe, kontrolliere ich zumindest den Beleg, den sie mir reicht. Tämmi ist leider Zahlenlegasthenikern und hat mir sechsunddreißig Franken zu viel abgeknöpft. Ich lache und frage, ob sie mir das zu viel verrechnete Geld in bar geben könne. Geht nicht, sagt sie. Also nochmals Karte rein. Wir albern über Technik. Verkäuferin Nr. 1. schenkt mir ein Imprägnierspray zum Trost. Mit der richtigen Quittung in der Hand, den richtigen Schuhen an den Füssen und dem richtigen Grinsen im Gesicht verlasse ich das Geschäft, radle nach Hause, wechsle die Schuhe, packe die große Tasche mit den Decken, Tüchern und dem Taboulé für danach und fahre mit Sternchen, meinem guten alten Toyota, in meine alte Heimat.

Auf einmal fällt der ganze Druck der letzten Tage ab. Zwar hat es unglaublich viel Feierabendverkehr, doch richtig Stehstau hats nicht. Mich kann jetzt nichts mehr aus der Ruhe bringen. Ich komme sogar rechtzeitig zu spät im Wald an. A. ist auch erst angekommen. Mein alter, neulich wieder getroffener Bekannter. Weil er noch B. und J. am Bahnhof abgeholt hat, ein herziges Pärchen, das ebenfalls an der Schwitzhütte teilnimmt, sind sie ebenfalls eine halbe Stunde zu spät da. Zum Glück war ich nicht pünktlich. Zuerst bin ich ein wenig enttäuscht, dass wir nur zu viert sind und A. somit Feuerhüter und Zeremonieleiter sei muss, sein wird. Doch im Nachhinein muss ich sagen, es war perfekt. So eine kleine Gruppe in einer Schwitzhütte ist auch mal schön.

Ich habe schon Hütten – früher, in vergangenen Leben – erlebt, wo wir sogar in zwei Reihen saßen und uns kaum rühren konnten. Meist jedoch habe ich das mir so wertvolle Ritual in Gruppen mit zehn bis fünfzehn Leuten erlebt. Wie gesagt: früher. Seit ich wieder in Bern gelebt habe, habe ich zwar die eine oder andere Hütte besucht, nie aber wirklich das Gefühl gehabt, meine Gruppe gefunden zu haben. So ließ ist es eben bleiben. Bis ich A. vor einem Monat beim Trancetanzen wiedertraf, bei dem ich früher ein paar Hütten besucht hatte. Mit seiner Einladung in der Hand wusste ich: Ich will da hingehen.

Später am Feuer, das die Steine zum Erglühen bringt, kann ich nicht mehr verstehen, dass ich am Morgen noch ans Absagen gedacht hatte. Weil ich doch so viel zu tun habe, bei der Arbeit und zuhause. Umzugkisten packen. Putzen. Einkaufen. Bürokram.

Alles kalter Kaffee. Im Wald. Am Feuer. Ich bin ganz ruhig und fühle mich zuhause. Gespräche, die sich um die persönliche Entwicklung drehen. Dazwischen Lachen. Anekdoten aus dem Alltag eines Werklehrers, die A. beiläufig einstreut.

Wie ich es liebe, im Schwitzhüttenkreis zu beten. Zuerst mit der Gebetspfeife, später ohne. Beten – ein Wort, das ganz viele Assoziationen auslöst, ich weiß. Ein heikles Wort. So wie ich es brauche, so wie wir es bei Ritualen anwenden, meint es einfach unsere Rückbesinnung, unsere Rückverbindung mit der spirituellen Mitte in allem. Das Ahnen, das Bewusstsein, dass alles miteinander verbunden ist, bildet schon viele Jahre meinen spirituellen Kern. Im Kreis benenne ich meine Ängste und verbinde mich sehr bewusst mit meinem Lebensmut.

Nein, kein Hokuspokus, kein Spektakel. Im Stockdunkel und in der Hitze der Hütte wird alles gewandelt, kann ich alles loslassen. Ein bisschen wie Sterben und Wiedergeburt. Die Hütte als Bild für den Mutterleib. Alchemie pur. Holz, zu Glut und Asche geworden, hat die Steine zum Glühen gebracht. Zu Dampf verwandeltes Wasser, über die in der Mitte der Hütte liegenden, glühenden Steine gegossen, hüllt uns ein. Atemluft, so heiß, dass die Gedanken nicht mehr dem Kopf, nur noch der Intuition gehorchen können.

Wir beten für uns. Wir beten aber auch für Menschen, die uns lieb sind. Und wir singen viel. Wir sind. Wir sind still. Wir sind Schweiß. Und irgendwann, die Unerträglichkeit der Hitze ist beinahe erreicht – hundert Grad mindestens bei hundert Prozent Luftfeuchtigkeit – gebären wir uns neu. Kriechen aus der Hütte. Und ich kann nicht anders als jubeln. Leben, ist hab noch was vor mit dir!

Später, am Feuer, stellen wir fest, dass es schon halb eins ist. Was? Über drei Stunden waren wir da drin? Wie immer nach einer Schwitzhütte erstaunt es mich, wie ich im Ritual aus der linearen Zeitwahrnehmung falle. Mein iPhone sagt, wann J.s und B.s letzter Zug fährt. Wir essen etwas kleines, räumen auf, umarmen uns herzlich und fahren nach Hause. Zurück ins Leben. Darum geht es. Ein Ritual ist nur dann ein gutes Ritual, wenn es mir dabei hilft, meinen Alltag zu leben. Mit allen Sinnen. Selbst wenn ich danach Stacheln aus den Fußsohlen pullen muss.

Neue Wörter braucht das Land

Die besten Dinge passieren nebenbei, absichtslos, unauffällig … Die besten Ideen kommen, wenn wir nicht denken, wenn wir nicht grübeln. Auf einmal sind sie da. Ganz logisch passen sie in den Zusammenhang. Serendipität, ihr wisst schon.

Möglich, dass auch die Linkschreibung, ursprünglich als Wortspiel „passiert“, so eine Sache ist … Die Rechtschreibung mit ihren vielen Regeln ist gut und recht. Doch zugegeben ziemlich stur, unkreativ und beschränkt. Was wir wirklich brauchen, ist Raum. Raum für Ideen, für Gedankenspiele, für Höhenflüge, für Tiefschürfungen … Jedes Ding auf dieser Erde definiert sich über sein Gegenüber, über einen Gegenpol. Auch machen Kontraste ja das Leben erst farbig.

Doch was soll denn der Gegenpol zur Rechtschreibung und ihren Regeln sein? Eine Sprache ohne Regeln? Ja. Das heißt, nein, denn auch die Linkschreibung braucht möglicherweise ein paar Leitplanken. Ohne jedoch durch deren Festlegung elitär werden zu wollen.Leitplanken, die es erst noch zu definieren, zu ergänzen und mit Leben und neuen Wörtern zu erfüllen gilt. Und auszuweiten. Denn Raum braucht Weite. Neue Wörter braucht das Land. Oder bestehende Wörter – in neuen Kontexten. Oder oder oder …

Ich freue mich auf eure Inputs, Verlinkungen, Inspirationen …

Erste Leitplanken der neuen deutschen Linkschreibung sind:

1.) politisch unkorrekte Sprachanwendung
2.) anarchistische Anti-Regeln
3.) intuitive Un- und Umregeln
4.) neue Wortkreationen
5.) sinnleere Wörter
6.) sub- und adversive Sprachneuschöpfungen
7.) rot-grün klingende Wortmelodien
8.) mehrwortige Begrifflichkeiten
9.) Vergegenteilungen/Verwandlungen/Erweiterungen einzelner Wortteile
10.) …

Beispiele (in Klammer die Nummer der Leitplanke):

Weiber (1) (nur von echten Weibern anwendbar)
ManöverInnen und -außen (2) (by sofasophia)
Hailait, pl. Hailaiz (für Highlight/s) (3) (by sofasophia)
Liebstöckelschuhe (4) (by irgendlink)
fremdstören (4) (by irgendlink)
Brummland (5) (by irgendlink)
Lachland (5) (by sofasophia)
Rechthabmensch (6) (by irgendlink)
Linkloslasstier (6) (by sofasophia)
Langzeitherrscher in der Schlucht des Vergessens (8) (by irgendlink)
anderverständlich (9) ( > selbstverständlich) (by irgendlink)
Sinrad (9) ( > Konrad) (by irgendlink)
Ichden (10) ( > Duden) (by irgendlink)
Sieden (10) ( > Duden) (by irgendlink)
zurechtschlimmen (10) (by sofasophia)

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Gerade noch rechtzeitig vor dem historischen Moment des Publizierens dieses Artikels kommt per irgendlinkscher Mail der Titel unseres neuen Buchprojekts rein:

SIEDEN – neue deutsche Linkschreibung (Assoziationen, äh, Dissoziationen zum Standardwerk, äh, Sitzdardwerk der deutschen Sprache).
2. Erweiterte Auflage mit iPhone Fipptehler Standards

Spiegelimspiegelimspiegel

Du meinst also, du weißt, wie ich ticke. Schließlich bist du Stammleserin, Stammleser. Stimmt’s?
Du kennst mich
a.) sogar persönlich
c.) zwar nicht direkt persönlich, aber dafür meine Schreibe.
Jedenfalls glaubst du zu wissen, wer ich bin. Dein Bild ist gemacht. Du denkst: Sofasophia ist so, denkt so, macht so … möglicherweise liegst du mit der einen oder anderen Annahme sogar goldrichtig.
Aber …

Und ich? Ich meine, zu wissen, wie du tickst. Ich kenne schließlich dein Blog/deine Mails/dich schon lange. Ich habe dich
a.) zwar noch nicht
b.) sogar schon einmal
c.) schon oft persönlich getroffen.
Jedenfalls glaube ich zu wissen, wer du bist. Mein Bild von dir ist gemacht. Ich denke, XY ist so, denkt so, macht so und möglicherweise liege ich mit dem einen oder anderen Gedanken sogar goldrichtig.
Aber …

… was wir voneinander sehen, sind Ausschnittchen. Selbstdarstellung kleiner Ausschnitte meiner Welt, deiner Welt. Von dir ausgewählt, von mir rausgepickt. Rosinen. Misthaufen. Zurecht geschönt, zurecht geschlimmt. Zoom. Das Spiegelbild im Spiegelbild im Spiegelbild. Immer kleiner und kleiner wird es, je genauer wir hinschauen. Immer unklarer, unschärfer.

Selbst wenn ich alle deine Blogtexte, alle deine Bilder, alle deine Mails oder alle unsere Gespräche verinnerlicht hätte, sie immer und immer wieder gelesen und betrachtet und erforscht hätte, oder du meine Schreibe, meine Bilder oder meine Aussagen bis ins Detail studiert hättest – wer ich bin, kannst du nur ahnen, wer du bist, kann ich nur ahnen. Eine Illusion, jemanden wirklich verstehen zu wollen, ganz verstehen zu können.

Ich will dich immer wieder überraschen. Und
ich will mich von dir immer wieder überraschen lassen.
Ich will dir und mir Raum geben für Veränderungen.
Ich will querdenken und rückwärtstaumeln dürfen, aber
ich will mir auch erlauben, für einmal ohne Umwege von A nach B zu gehen und Ziele erreichen zu können.
Ich will mir erlauben, es mir grundlos gut gehen zu lassen.
Ich will meine Prinzipien, falls ich denn welche habe, immer mal wieder fallen lassen und ihnen untreu werden, wenn es der Sache dient, der Entwicklung meines Lebens.
Ich will mich immer wieder neu begreifen und vor allem
will ich mir immer in die Augen schauen können.

Adrenalin

Morgen. Männer. Warnwesten. Orange. Polizei in schwarzen Buchstaben. Aufgenäht vermutlich. Autos im Schritttempo. Adrenalin im Blut der Fahrerinnen und Fahrer. Von unsern Bürofenstern aus schauen Kollegin A., der Scheff und ich zu, wie die einen angehalten, die andern durch gewunken werden. Mächtige Buchstaben auf den Westen machen Motoren langsam. Mächtige Farbe, dieses Orange.

Reize. Eindrücke. Forderungen. Sophia, kannst du bitte …? Meinst du, dass du das bis Mittag schaffen kannst? Telefongeklingel. Der Versuch, meine Notizen von der gestrigen Sitzung in einen Zusammenhang zu bringen, der andern sinnvoll erscheint. A. telefoniert nun schon bald eine Stunde. Laut. Der Scheff nebenan auch. Auch laut. Da sitze ich, eingeklemmt in die Stimmen, und versuche zu denken. Reize. Überflutung. Lärm. Der Drucker. Mittendrin ein paar stimmungsaufhellende SMS vom Liebsten. Weiterarbeit.

Mittagspause. Heimradeln. Musik im Ohr. Noch so ein Reiz. Ein wohltuender allerdings. Alleweil besser als der Lärm der Autos. Hören. Und hingucken. Augen auf. Knapp die Fußgängerin verfehlt, die ohne Fußgängerinnenstreifen die Straßenseite wechselt und mich nicht gehört hat. Die nicht geguckt hat. Muss ich denn für alle mit gucken?, grummle ich vor mich hin.

Reizüberflutung. Nachmittags noch ein paar Könntest du bitte?, die eigentlich schon keine Bitten mehr sondern Hilfeschreie sind. Um fünf fahre ich meinen Rechner runter. Genug! Im Großverteiler mit dem großen M im Namen, mit dessen Budget-Klopapier ich mir am liebsten den Po putze, hat es so viele Leute wie vor Weihnachten. Mit meinem Korb ecke ich überall an. Die andern ebenfalls. Sorry hier, sorry da. An der Kasse beichte ich, dass ich das Klopapier nicht gefunden habe, dieses ganze bestimmte. Die Schlange hinter mir wächst, ich spüre nicht sehr liebe Blicke, ignoriere sie ohne mich lächelnd dafür zu entschuldigen, dass ich Klopapier brauche. Die nette Kassiererin geht im Lager nachschauen, kommt zurück, sagt, nein, es hat keins mehr und tippt weiter, während ich, der Schlange zum Trotz, das zweitbeste hole. Ich spüre, wie gleichgültig mir die Warteschlange ist. Ausnahmsweise. Kein Adrenalin mehr. Ich kann mich nicht fremdstören. Heute nicht. Zu müde.

Mich fremdstören – Wortkreation aus dem Hause Irgendlink, letztes Wochenende.
Stört es dich eigentlich, dass mich XYZ stört?, hatte ich ihn gefragt.
Ich gestehe, sagt er, dass ich mich zuweilen fremdstöre. Für dich.
Nett irgendwie,
sage ich, aber ist nicht nötig. Kann ich ganz allein, wenns sein muss.

Leute, vergesst das gute alte Fremdschämen, österreichisches Wort des Jahres 2010. Fremdstören ist das Wort – was sage ich? –, das Gebot der Stunde! Ob du ebenfalls fremdgestört bist, erkennst du daran, dass du einen Umstand verbesserst oder zumindest verbessern oder verändern willst, von dem du denkst, dass sich jemand irgendwann daran stören könnte. Konjunktiv. Prophylaxe. Tun wir oft. Frauen mehr als Männer vermutlich. Jetzt, wo ich einen geschärften Blick dafür habe, sehe ich es überall. Wie ich mich fremdstöre. Wie sich andere fremdstören. Wir sind eine Gesellschaft voller Fremdstörenden, voller Fremdgestörten. An der Kasse, heute, war es mir egal. Ich lasse mich nicht stressen. Adrenalin-Depot leer. Punkt. Und stören können sich die anderen eh ganz allein. Wenns denn sein muss.

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(((Notiz an mich: (Warum) kann ich bloß erst, wenn ich völlig erschöpft bin, gesunde Egoistin sein?)))

Hailaiz

Okay, das müsste natürlich Highlights heißen, aber Hailaiz ist kürzer und schreibt sich leichter. Und überhaupt, wir könnten so viel Zeit sparen, wenn wir die Rechtschreibung vereinfachen würden. Nein. Darüber will ich jetzt nicht schwadronieren. Weder über Zeit und Geld und Sparen noch über Recht- und Linkschreibung (die noch erfunden werden wird. Irgendwann).

Heute will ich tun, was im Hochglanzheft stand, dass ich bei meiner Hof-Friseuse gelesen habe. Über das Glücklichsein im Alltag, um dem phösen Stress ein Schnippchen zu schlagen. Zehn Tipps. Einer davon hat, wen wunderts, mit Dankbarkeit zu tun. Sich jeden Abend an die Hailaiz des Tages erinnern, solle mensch, und für all die guten Dinge dankbar sein.

Tu ich jetzt. Und für die von gestern auch gleich. Weil … eigentlich hat ein Hailait von heute schon gestern Abend angefangen. Weil ich an der Kasse warten musste. Das hier:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=433nDJyV1Cg]

Gestern nämlich, im genossenschaftlichen Großverteiler mit den vier orangen Kleinbuchstaben, wartete ich – wie gesagt  – an der Kasse, ließ meine Augen herumspazieren und entdeckte auf dem rot getitelten Boulevardblättchen oben rechts ein Bild meines Lieblingsrockmusikers … Zusammen mit Sina. Muss ich googlen, zuhause, notierte ich im Geist. Tat ich auch, eine Stunde später, und fand obiges Video. Keine Ahnung, wie oft ich es heute schon auf meinem iPhone gehört habe … 🙂

„… müesst gränne vor Glück …“ Gopf, wie romantisch ich drauf komme, wenn das Stück läuft!

Draußen vor der Tür – noch immer auf dem Heimweg, noch immer bei besagtem Großverteiler – erwartet mich mein Stahlesel. Verdutzt betrachte ich die Frau, die ihre Einkäufe in meinen Fahrradkorb gestellt hat und nach ihrem Fahrradschlüssel kramt. Versteckte Kamera?

Öhm, sorry, darf ich bitte mein Rad wieder haben?, sage ich lächelnd. Nun ist sie verdutzt und stammelt im schönsten Walliser Deutsch – was mich natürlich an Sina erinnert und daran, dass ich zuhause Sina und Büne googlen muss – dass sie das falsche Rad angepeilt habe. Weil … sie habe sich heute dasjenige ihrer Nachbarin ausgeliehen. Kenne es nicht gut. Es sei eben auch silbrig wie meins. Sie schaut sich um und deutet auf einen schnittigen Bergler. Ob ich tauschen soll? Na ja, einen Korb kannst du auf dem Mounty nur schwer montieren …, denke ich. Da bleib ich doch lieber meinem Göpel treu. Lachend wünschen wir uns einen guten Abend. Ich grinse noch, als ich Minuten später mein Treppenhaus hochsteige.

Heute Morgen. Auf dem Weg zur Arbeit. Effingerstraße stadteinwärts. Rechterhand alte Stadthäuser. Im ersten Stock treten im gleichen Augenblick – in schönster Spontanchoreographie, die nur das gelebte Leben schreiben kann – eine ältere Frau und ein älterer Mann auf ihre Balkons und schauen auf die Straße herunter. Die Frau sieht sich um und entdeckt ihren Nachbarn. In harmonischer Symmetrie winken sie sich einen Guten-Morgen-Gruß zu. Wie jeden Tag?

Am frühen Mittag bei C., meiner Hof-Friseuse. Ich atme ihr Glück ein während ich sie zur Begrüßung küsse.
Frisch verliebt?
Jaaaa … und wie! (Stammleserinnen erinnern sich.)
Ich freue mich so für dich! Noch ein Hailait! Ein weiteres ist ihre Haarwäsche. Und der Austausch mit ihr. Tolle C.!
Ich werde dich vermissen, sagt sie.
Ich dich auch. Und das meine ich so. Ich werde mir dich nicht mehr leisten können, wenn ich nicht mehr hier wohne, sage ich theatralisch.
Aber wir sehen uns trotzdem ab und zu!?
Und wir schreiben uns, gäll!?
Bestimmt!

Gopf, so viele liebe Menschen kenne ich hier. So viele Erlebnisse, Erfahrungen, Erinnerungen habe ich hier gemacht. Nein, es wird mir nicht leicht fallen, von hier wegzuziehen. Dankbarkeit erfüllt mich, während ich am Abend, nach einer Marathonsitzung, endlich nach Hause radle, die Wohnung betrete, Badwasser einlaufen lasse und dabei in Gedanken diesen Artikel hier kreiere.

Später dankbar all die tollen und ermutigenden Kommentare lesen, die meine BlogbesucherInnen hier hinterlassen. Faule Bloggerin ich, die nicht mal Kommentare beantwortet! Lesen tu ich alle. Immer. Dankbar.

Vielleicht Bestandsaufnahme

Mein heutiger Blogartikel würde Bestandsaufnahme heißen. Wenn ich denn einen schreiben würde. Und darin käme mein Schreibtisch im Büro vor. Nein, Stopp! Besser nicht. Besser nur der Schreibtisch zuhause, das reicht. All die Papierberge überall machen mich eh ganz nervös. Überall Baustellen. Nein, das ist definitiv nicht mein Ding. Zum Glück ist es absehbar. Da muss ich einfach durch. Dennoch graut mir.

Im Gästezimmer stapeln sich die heute Abend aus dem Keller geholten leeren Kisten. Gar nicht mal so wenige. Brauchen tu ich dennoch mehr. Die Jagd nach Packmaterial geht los. Doch vor allem müssen jene gefüllten Kisten, die im Keller vor sich hin motten und in denen mein ganzer alter Krempel schläft – alte Liebesbriefe, Fotoalben, Schulhefte sogar –, gesichtet werden. Jedes Ding will betrachtet und entweder neu verpackt oder endgültig entsorgt zu werden.
Lumpensammler sind wir,
sagte E., J.s Schwester am Samstag, als wir über unsere Unfähigkeit Dinge, an denen Erinnerungen kleben, loslassen zu können, philosophierten.
Es sind ja gar nicht die Dinge, es sind die Erinnerungen, sagte ich. Der Wert eines Gegenstandes wird einzig definiert durch die Hingabe, mit der wir einen Gegenstand hüten. Wir als Individuum im speziellen und wir als Gesellschaft im generellen, wir werten alles. Schrot. Geld. Kunst. Technik. Blech.

Weiter würde ich wohl den Lärm der Sirene in meinem heutigen Blogartikel erwähnen, wenn ich heute denn bloggen würde. Jener Sirenenlärm, der gestern, als ich um halb elf Uhr nachts, todmüde von der dreieinhalbstündigen Nonstop-Fahrt in Bern angekommen war, das ganze Haus erfüllte. Aus dem Keller kam er, wie ich nach kurzem Spurenlauschen herausfand. Im Heizungsraum an der Schaltzentrale leuchtete der Alarmknopf. Rot. Nur eine kleine arretierende Metallschnur hat mich daran gehindert, den Lärmknopf umzukippen. Erst versuchte ich Hauswart und Pikettzentrale zu erreichen. Irgendwann, nachdem ich alle möglichen Comboxen besprochen und eine lange SMS an den Hauswart abgeschickt hatte, stiegen meine beste Schere und ich nochmals in die Abgründe des Heizungsraumes herab. Es ging ums Überleben – sie oder ich! Also zerschnitt ich sie, die kleine Metallschnur, und kippte den Tonschalter. Stille. Endlich. Wieso nur hat das vor mir niemand getan? Bin ich die einzige, die bei diesem Lärm fast durchdreht? Können die anderen gar so schlafen?

Erst heute Morgen erfuhr ich, dass gar nicht die Heizungsmaschine zickt, sondern bloß das Frühwarnsystem. Es schlage zu früh Alarm, ohne Anlass. So sei es schon das ganze Weekend gegangen. Mensch gewöhnt sich offenbar sehr schnell an einen unerträglichen Lärmpegel. Tja. Wieso dann erst recht niemand hingeht und den Zauberschalter kippt? Nein, das Mysterium Mensch habe ich noch längst nicht verstanden.

Soll diese Story in meinem heutigen Blog wirklich vorkommen? Wenn ja, wieso? Zählt grundlos als Grund oder hat sie gar einen wenn auch geringen Unterhaltungswert, was ein halbgarer Grund wäre? Oder hat sie gar eine Lehre, eine klitzekleine? Oder vielleicht taugt sie zur Metapher, wenn ich an ihr herum feile. Wozu ich definitiv zu müde bin.

So gähne ich besser erst mal eine Runde. Nein, auch das hat keinen wirklichen Unterhaltungswert. Immerhin bin ich ja bloß wegen dieses Vorfalls zu spät ins Bett gegangen und habe schlecht und zu wenig geschlafen. Könnte das ein Grund sein, sich eine Erwähnung in einem Blogartikel zu erschleichen?

Müsste ich da nicht viel mehr von den heutigen Pausengesprächen, die sich um die horriblen Abstimmungsresultate dieses Wochenendes drehten, erzählen? Oder über den Satz meines Scheffs, dem unser Menetekeln über Atommüll auf einmal zu perspektivlos wurde: Lasst uns doch mal über erfreuliches reden!

(((Schalter kippen. Und nun alle miteinander: Cheese. Geht doch ganz einfach und tut ja auch kaum weh.))) 

Just in dem Moment, wo ich nebenbei im auf dem Pausentisch liegenden Tagi-Magazin Michèle Rothens ausnahmsweise lesenswerte Kolumne über das Phänomen Facebook überfliege, sagt er das. Über die Sucht, glücklich zu erscheinen, schreibt sie, die Rothen. Über die Glückexhibitionalität: Mir geht’s gut, seht her. Ich habe so und so viele Freunde, schaut nur und beneidet mich. Und dass sie, die Kolumnistin, eben deshalb Facebook meide und gar an der Kreation eines Gegenbuchs herum denke, wo jede und jeder seine traurigsten Erlebnisse und seine misslungensten Bilder reinstellen dürfe. Je unattraktiver und unglücklicher desto besser. Inklusive Button Gefällt mir natürlich. Ihr wisst schon.

Lasst uns doch mal über erfreuliches reden!

Nö, ich glaube, heute gibt’s echt nichts zu bloggen, sorry, Leute.

Das Haus im Haus und die Katze auf der Maus

Rätsel über Rätsel …Warum die Mietz ausgerechnet jetzt, wo ich meinen alten Laptop, den Kollege D. neulich repariert hat und den ich nun mit Updates ab externer Festplatte füttere, warum also die Mietz ausgerechnet jetzt dicht neben mir auf dem großen Sofa sitzen will, ist mir wirklich ein Rätsel. Ich mutmaße, dass sie Elektrosmog mag. Irgendlink vermutet eher, dass sie mich mag. Auch möglich, gut und schön, doch meine Hand- sprich Mausfreiheit ist massiv eingeschränkt. Mehr als einmal versuche ich es mit netten Worten, mehr als einmal setze ich sie auf den Boden, am häufigsten jedoch schubse ich sie einfach ein bisschen weg. Nein, keine falschen Rückschlüsse bitte! Ich mag sie – ziemlich jedenfalls. Und alle Katzen und anderen Tiere dieser Welt ebenfalls. Aber wenn ich vor lauter Katze einen Maus-Arm (analog dem weltberühmten Tennis-Arm) bekomme, finde ich das weniger lustig. Lustiger ist es dafür, wenn mir – wie eben – die Maus vom Laptop herunterfällt, auf den ich sie aus Platzmangel gelegt habe, und die Katze vor Schreck für eine halbe Minute das Weite sucht.

Doch eigentlich wollte ich etwas ganz anderes schreiben.

Da stehe ich also heute Nachmittag in Irgendlinks Scheune, die in absehbarer Zeit eine glänzende Zukunft vor sich hat. Ich sehe es vor mir, irgendwann wird sie ein großer Galerieraum sein. Sie soll die Bilder und Kunststraßeninstallationen der von Irgendlink bereisten Länder sichtbar machen. Doch jetzt, heute, ist sie nichts anderes als der doppelte Boden, die zweite Ebene, der leere Raum unter dem Dach – einen Stock höher gelegen als die bereits aktive Galerie.

Latten, Dämmmaterial aus Glasfaser und Steinwolle, ein Arbeitstisch mit viel Werkzeug, Sägeböcke und ein alter Schrank stehen herum. Nichts überflüssiges mehr. Im letzten Herbst haben wir ausgemistet. Viel ist nicht geblieben. Baumaterial. Ich trage zwei weitere Rigips-Platten ins neue Haus gleich nebenan. Ins neue Haus im Haus, wie ich nenne, was hier wächst, denn von der Scheune aus, sieht das, was wir bauen, genauso aus . Unter dem zehn Meter hohen, unisolierten Dach hat J. neulich eine erste neue Wand gezogen um seinen Wohnraum zu erweitern. Wände und ein Dach, so wenig braucht es im Grunde, um ein neues Haus zu bauen. Bodenfläche mal vorausgesetzt. Vor zwei Wochen haben wir zusammen die Decke gedämmt die J. seither getäfert hat. Nun wollen wir jene Außenwand des neuen Hauses dämmen, die an die kalte Scheune grenzt.

Während der neue, unbeheizte Raum fünf Grad warm ist, hat die Scheune immer Außentemperatur, die Ritzen lassen jeden Windzug durch. In der Künstlerbude nebenan sind es mollige holzbeheizte zwanzig Grad. So wechseln wir bei der Arbeit ständig die Klimazonen. Mit schmalen Balken strukturieren wir die Wand in rigipsplatten-große Felder, um nach dem Anbringen des Dämmmaterials diese Dinger befestigen zu können. Schon bald wir es hier ein gemütliches Stilles Örtchen und eine neue Küche geben. Schritt für Schritt gehen wir diesem Ziel entgegen. Während ich die Balken ausmesse und mit der Stichsäge zusäge, wird mit wieder mal klar, dass es keinen anderen Weg gibt, als kleine Schritte zu tun, wenn ich vorankommen will. Abkürzungen gibt es keine. Gefahren viele und Geling-Garantien vergisst du eh am besten gleich. Hauptsache, du machst dich auf deinen Weg.