Anti-Blues-Song …
Im Regen zu hören. Hilft fast immer …
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=sQ8uw7wCf5k&feature=related]
Fallmaschen & Herzgespinste
Anti-Blues-Song …
Im Regen zu hören. Hilft fast immer …
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=sQ8uw7wCf5k&feature=related]
Klappe – die erste …
Was wäre, wenn … ? Zum Beispiel, wenn wir alle gesund und glücklich wären … Alle. Ausnahmslos. Allen voran die Gilde der Schreiberlinge. Zeitungsfritzen ebenso wie Schriftstellerinnen von Büchern und Autoren von Blogs. Wir alle würden der Welt von unserem Glück erzählen, von unseren gesundheitstrotzenden Körpern, von all den schönen Erlebnissen und Erfahrungen, die wir neuerdings sammeln … Doch, weil unsere Leserinnen und Leser selber vor Glück strotzten, wäre das einzige, real existierende Problem dies: Solche Berichte würden nicht mehr gelesen, denn kein Schwein würde sich dafür interessieren, wie oft ich heute oder vorgestern die ganze Welt umarmt habe. Gähnen würdet ihr. Einfach nicht mehr lesen. Mein Blog würde verwaisen.
Ich würde zu schreiben aufhören. Alle Schreiberlinge würden zu schreiben aufhören. Womöglich hätten wir eh keine Lust mehr dazu. Alles wäre wunderbar. Was wollen wir darüber schon schreiben? Es wäre müßig, das eine nacherzählte Paradies mit dem anderen erlebten oder nacherzählten Paradies zu vergleichen. Auch Neid gäbe es in dieser Welt keinen mehr. Denn wozu vergleichen, wo wir doch alle gleichermaßen heil, glücklich, gesund und zufrieden sind? Sollen wir da noch schreiben? Wollen wir da noch schreiben?
Klappe – die zweite …
Glück hat kaum Unterhaltungswert. Quod erat demonstranum, wie mein Mathelehrer sagte. (Und der Lateinlehrer auch manchmal.) Beweisen muss ich nichts. Ich hoffe, ihr glaubt mir auch so. Da ich nicht aufs Schreiben verzichtenmag, behalte ich wohl besser meine zwei-drei Neuröschen bei. Hege sie. Pflege sie. Gieße sie. Ein bisschen Herbstblues wird ihnen sicher gut tun. Ein paar kalte Windstöße und ein paar Regentropfen lassen sie aufleben, erblühen. Ich klicke mich durch Wörldweidweb und finde dort andere, die zum Glück auch noch nicht ganz heil sind und darum – oder warum auch immer – ein paar neue Sätze geschrieben haben. Bloggende zum Beispiel. Schön, dass ihr da seid. Noch. Und dass ihr eure Kanten, Ecken und Narben mit mir teilt. Und mit der Welt. Danke!
Klappe – die dritte …
Bin heute wieder ins Hinterland gefahren. Ihr erinnert euch. Für einen Artikel recherchiere ich die Cluster-Methode. Das heute war allerdings eine persönliche Zugabe. Ich ließ mir nämlich zusätzlich zur psychologischen Auswertung, die für die Aufstellung nötig ist, auch eine meinen Körper und dessen Gebresten betreffende Analyse ausdrucken. Ooops. Hätte ich wohl besser bleiben lassen. Heute morgen war ich topfit, doch jetzt fühle ich mich schwerkrank.
Die gute Nachricht zuerst: Krebs hab ich nicht. Auch sonst keine tödlichen Krankheiten. Außer der alten Erkenntnis, dass das Leben lebensgefährlich ist. Anti-Hypochonderin, die ich bin, kann ich nun entweder so tun, als hätte ich nicht hingehört. Als hätte ich nicht gehört, dass meine Maschine da und dort ein paar Schwachstellen hat. Lunge, Magen und so weiter. Oder ich könnte … ein paar neue Therapien ausprobieren. Zum Beispiel.
Wie es wohl wäre, wenn ich glücklich und gesund … Auch nur so zum Beispiel.
Vorbei mit Bleistiftspitzen! Vorgestern beschloss ich, meine Unterforderung bei der Arbeit, im Team zu thematisieren. Heute machte ich bereits wieder Überstunden.
Im Anschluss an das schon lange auf gestern terminierte, einmal jährliche stattfindende Quali-Gespräch unterbreitete ich R., meinem Boss, ein paar konkrete Ideen, wo und wie ich meine Kolleginnen aus den anderen Arbeitsbereichen entlasten könnte. Unter Einhaltung des korrekten Weges, wohlgemerkt. Alles umsetzbare Vorschläge natürlich. Er schätze ja meine initiative, mitdenkende und selbständige Arbeitsweise, hatte er kurz zuvor – im besagten Gespräch – wiederholt gesagt und mir in den wesentlichen Teilbereichen gute und Bestnoten ausgeteilt. Meine Phasen der zeitweiligen Zerstreutheit, in der er mich jeweils liebevoll Unsere Literaturprofessorin nennt, trage da bloß zu meinem Charme bei. Ooops.
Doch als ich sagte, dass ich keinerlei Ehrgeiz und Ambitionen hätte, während wir über meine Zukunft und meine Ziele diskutierten, schnappte er kurz mal nach Luft. Ich dagegen erinnerte mich an jenen früher erwähnten, genialen Artikel von Thomas Widmer in der Zeitschrift „Natürlich leben“. Lob der Ataraxie.
Na ja. So ganz ohne Ambition bin ich denn doch nicht, wie wir beide dann im Gespräch feststellten. Leider. Zum Glück. Vor- und Nachteile. Ihr wisst schon. Teile und Gegenteile faszinieren mich eh. Und Motive. Zwei große Ambitionen: Ich bin qualitätsbewusst und ich bin neugierig. Ich will, was ich tue, ständig verbessern. Und ich will Zusammenhänge verstehen. Kann sowas sogar bei der Arbeit nicht lassen, obwohl sich mein Hauptleben außerhalb des Büros abspielt.
Einer meiner gutgeheißenen Vorschläge war, zukünftig die Verantwortung für das neue Kursprogramm zu übernehmen. Koordination. Kommunikation mit dem Grafiker. Druck. Versand. Schön. Solche Jobs mag ich. Später kam eine andere Kollegin, für deren Integrationsprojekt ich als stellvertretende Programmleiterin fungiere, auf mich zu. Ob ich Ende September an ihrer Stelle unser gemeinsames Programm im Rahmen eines Erntedankfestes vor versammelter Gemeinde vorstellen könne. Powerpoint und so. Auf dass der Rubel rolle …
Beides Herausforderungen und Aufgaben, die mir die versandete Freude an meinem Job zurück geben. So dass ich gestern Abend um halb sechs, als mein Scheff und ich Feierabend machten, wohlig seufzend, den guten und vor allem kreativen Arbeitstag lobte.
Heute fuhr das halbe IT-Team aus der Zentrale ein. Die beiden Männer installierten den neuen Depotserver und informierte mich, Superuser unserer Bürogemeinschaft, über die zukünftigen Änderungen …
Wichtigwichtigwichtig … Ich bin wer … Ich … Die Falle schnappt zu. Frisst mich auf. Lächelt nett. Spuckt mich aus. Nützlichnützlichnützlich … Und leicht verdaulich vermutlich *grmpf*
Ich gestehe: Es tut eben schon irgendwie gut, tagsüber nicht bloß Bleistifte gespitzt zu haben, die ich eh nie brauche, weil ich doch mit dem Druckbleistift schreibe.
Geschmeidig sei mein Schreibstil, hörte ich neulich. Na ja. Ist ja fast so schmeichelhaft wie zu hören, dass ich nett sei.
Glatt und nett und ohne Widerhaken.
Wie viele Kanten brauche ich, damit du hängenbleibst? Genügen meine Webkanten? Wie eckig muss ich sein, um gelesen und gesehen zu werden? So ich das will (natürlich will ich das …). Doch von wem? Von jenen großen Tieren, die den exklusiven literarischen Tee aufbrühen?
Womöglich blogge ich, weil ich meinen literarischen Tee am liebsten aus meiner eigene großen Tasse trinke. Weil ich die Absichtslosigkeit und Vergänglichkeit des Bloggens mag …
Ich schreibe für das große schwarze Loch.
Für den Augenblick.
Für das Vergessen.
Für mich.
Für dich.
Für jetzt.
Schwupps. Und schon vorbei.
Die Dichte der Dichtung
an der Webkante meiner Gewebe gebrochen
scheißt Buchstaben
die wir verschlingen
noch und noch
und noch
ohne Punkt
und
ohne Komma
ohneLeerschlagsogar
Schnell
schneller
noch schneller
verdauen wir
kaum noch
all die
Buchstabenbilder
Buchstabengebilde
Buchstabengewebe
schlucken sie runter
würgen manchmal
weil sie
uns
im Hals stecken
bleiben
und uns
danach
schwer im Magen liegen…
Sorry, dieses undichte Gedichte muss hier fertig sein,
denn ich muss mal …
Passt irgendwie … 😉
I know that I know … oder so.
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Bin über den Zaun geklettert und durch das Loch in der Zeit gefallen. Drüben gelandet. Am Ufer der Insel Gleichgültigkeit. Wo alles gleich ist. Und gültig. Wertfrei. Ohne Bedeutung und ohne Gewicht. Hier hört sogar das Klopfen hinter meinen Schläfen, gegen das ich eine Tablette genommen habe, auf, zu sein. Vergessen sind auch die beiden sehr vertraulichen Gespräche mit X. (gestern) und Y. (heute). Aus den mir ausgeschütteten Herzen sind scheinbar unlösbare Probleme gepurzelt. Mir tut es so weh, die beiden leiden zu sehen. Kann dennoch nicht wirklich helfen.
Ich schaue zurzeit sehr gut zu mir, gehe sorgfältig mit meinen Kräften um und wünschte den beiden etwas davon, doch kann ich nicht ihren Rucksack anziehen. Was jedoch tue ich mit dem Rest der Welt? Wie steht es mit meiner Mitverantwortung für die andern? Nicht jener anderen, die weit weg sind, sondern jener anderen, die mir nahe sind. Y. meinte zwar, ich müsse gar nichts tun. Es habe ihr einfach gut getan, ihr Herz auszuschütten. Ja, das kenne ich auch. Na, wenn sie meint …?
Bin mit diesen Bürden am Ufer der Insel Gleichgültigkeit entlang spaziert. Träumend ein bisschen. Vergessend. Loslassend.
Später zurückgekehrt. Erwacht. Habe mich neu zusammengesetzt und festgestellt, dass der Kopf noch immer dröhnt. Gewitterwolken ziehen auf. Die Wäsche flattert im Wind und von der Baustelle draußen dröhnt es in meine Wohnung.
Eine Welt voll ungelöster Probleme. Und außerdem fällt mir kein kluger Schlusssatz ein.
Auch das noch!
Jippie! Meine Fotos von Schweden sind da. Wie anders sich Papierbilder doch anfühlen … Hochglanz statt Bildschirm. Zwar klein. Doch fein.
Betrachtend fühle ich die Stimmungen nach. Erinnere mich. Genieße erneut. Schöne ein wenig.
Ich betrachte den gewählten Ausschnitt. Frage mich, warum so? Warum nicht anders?
Ich wähle immer einen Ausschnitt. Das Ganze geht nicht.
Ich wähle, was ich fotografieren will.
Ich wähle, was ich erzählen will.
Stückwerk. Patchwork. Ausschnitt. Immer schneide ich ab, immer verwerfe ich das, was nicht auf das Bild und in die Geschichte soll. Ohne die Abschnitte wirklich betrachtet zu haben.
Doch wenn der von mir gewählte Ausschnitt andere ebenfalls anspricht, freue ich mich.
Und wenn meine Auswahl andere berührt, rührt es mich.
Obwohl doch schon alles bereits
gesagt
abgebildet
erzählt
gemalt
gebaut
gemacht
worden ist.
Eidechse sein
auf dem Stein
dem Rauschen
lauschen
Wind auf der Haut
Aaredüfte
Gummiboote
Lachen
Ruhe in mir

Nach dem Baden auf dem Stein sitzend Peter Stamms „Sieben Jahre“ fertig lesen. Zwischendurch die heiße Haut abkühlen. Eintauchen ins grüne Nass.
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Das Wort Dreiecksgeschichte, das Moral impliziert, will mir für Alex‘ Dilemma nicht wirklich gefallen. Auch wäre es zu kurz gegriffen, wenn wir seinen Konflikt ausschließlich auf die Zerrissenheit, in der er sich in Bezug auf die zwei Frauen seines Lebens befindet, schieben würden. Das alles geht tiefer und reicht weiter zurück, doch geht es im erzählten Ausschnitt eben um seine Beziehung zu zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Der einen Frau, Iwona, einer illegal eingereisten Polin, ist er zu einer Zeit verfallen, als er sich bereits mit seiner zukünftigen Ehefrau Sonja getroffen hat. Iwona liefert sich ihm von Anfang an aus. Beinahe willenlos, dennoch sehr bewusst, in hingebungsvoller, romantischer Liebe. Bei ihr lebt Alex seine Schattenseiten aus. Er fühlt sich von ihr angezogen und zugleich abgestoßen. Und es stößt ihn ab, wie er sich ihr gegenüber verhält. Obsession auf beiden Seiten. Das erwünschte Kind, das seine Frau nicht zu empfangen fähig ist, trägt nach sieben Jahren Ehe schließlich die ungeliebte Geliebte Iwona aus. Ungeplant allerdings. Iwonas Liebe zu Alex geht so weit, dass sie in seinen und Sonjas Adoptionsvorschlag einwilligt.
Ein Mensch, der liebt, hat immer schon gewonnen!, behauptet Alex. Rechtfertigung oder ein plumper Versuch, Iwona ein glückliches Leben anzudichten? Oder ist sie womöglich tatsächlich glücklicher als Alex und Sonja? Du bist, was du liebst, nicht wer dich liebt, lässt Stamm seinen Protagonisten sagen. … es ist schlimmer, nicht zu lieben, als nicht geliebt zu werden.
Nachdem Sonja und Alex die kleine Sophie adoptiert haben, verschwindet Iwona von der Bildfläche. Obwohl Sonja wunderschön ist, fragt sich Alex zuweilen, ob er sie wirklich je geliebt hat. Vielleicht schon? Um ihrer Schönheit willen? Sonja ist kühl und sachlich. Die beiden Architektur-Fachleute sind ein perfektes Team. Später die perfekte Familie. Und natürlich haben sie das perfekte Geschäft.
Antje, eine alte Freundin der beiden und Künstlerin, ist anlässlich einer Ausstellung zu Besuch in München. Sie war es damals gewesen, die die beiden verkuppelt hat. Nach der Vernissage beginnt Alex Antje seine Geschichte zu erzählen. Nach großen Krisen in der Beziehung und im Geschäft, das kurz vor dem Scheitern stand, scheint nun – nach achtzehn Jahren – doch alles wieder im Lot zu sein.
Und sie lebten glücklich und zufrieden, sagt Antje, nachdem Alex am übernächsten Tag endlich seine Geschichte zu Ende erzählt hat. Wenn es doch so einfach wäre wie bei ihr, die ihr Liebesleben sehr freimütig gestaltet! Antje hat einen jungen Liebhaber. Ich liebe ihn, wenn ich mit ihm zusammen bin. Aber ich vermisse ihn nicht, wenn er nicht da ist, sagt sie über diese Beziehung. Ich genieße es, so lange es dauert.
Die Abwesenheit von Schuldgefühlen beschäftigt Alex ebenso, wie seine Unfähigkeit, sich wirklich auf die Liebe einlassen zu können. Große Themen. Ein mutiges Buch. Peters Stamms dichte, knappe Sprache, die sich fast von selber liest, deswegen aber keineswegs simpel ist, lässt in mir Bilder entstehen, berührt, geht unter die Haut.
In „Sieben Jahre“ ist Stamm das Porträt eines Mannes gelungen, der trotz seiner Ambivalenz und trotz all seiner Schattenseiten sympathisch bleibt. Menschlich eben. Genau das mag ich an Stamms Figuren. Lesen! Oder es sich vom Autor vorlesen lassen! Hier die Daten.
Es kommt gut!, sagten wir gleichzeitig. Sie nickte. Ich bin sehr zuversichtlich. Wir umarmten uns und ich fuhr nach Hause.
C. ist eine meiner ältesten Freundinnen. Zwar nicht die langjährigste, doch an Jahren beinahe die älteste. Eine weise, humorvolle Frau Anfang sechzig. Immer wieder genieße ich es, mit ihr über das Leben zu philosophieren. Zumal sie mich in ganz schwierigen Zeiten begleitet hat. Und ich sie. Das verbindet.
Auf einer kleinen Wanderung mit ihrer Hündin Shanta erfahre ich von ihren neuen Plänen. Ins Tessin will sie umziehen. Einfach so. Seit ich sie kenne, hat sie sich immer wieder an einem anderen Ort – allerdings meist hier in der Nähe – angesiedelt. Ihre Lust auf neue Erfahrungen ist ungebrochen, obwohl sie gesundheitlich nicht auf der Höhe ist. Ihr Optimismus ist ansteckend und ihre Lebensfreude springt wie ein Funke auf mich über.
Auf dem Heimweg hallt jener letzte Satz nach: Es kommt gut. Ein Glaubenssatz höchster Güte. Ein Satz, an dessen Inhalt ich glaube, weil ich ihn glauben will. Doch wer oder was erfüllt diesen Satz, wenn nicht ich selber? Die den Gedanken und Worten innewohnende Schöpfungskraft manifestiert, während ich den Satz denke, fühle, wirken lasse, den Inhalt desselben in der Materie. Glaube ich jedenfalls. Denn zwar sehe ich mich als das Geschöpf meiner Eltern und als das Geschöpf unsichtbaren, göttlichen Ursprungs, doch andererseits sehe ich mich eben auch als Schöpferin. Biologisch gesprochen bin ich eine Gebärende, aber ich bin auch die Schöpferin meiner Gedanken, meiner Umstände, meiner Wirkung auf mein Umfeld. Und ich bin die Schöpferin meiner Befindlichkeit … Ich kreiere – vereinfacht gesagt – alles selber. Bis eben auf jene Dinge, die ich nicht beeinflussen kann …
Doch auch an dieses Unerklärliche, dieses für uns nicht nachvollziehbare Schicksal, auch daran glaube ich. Will heißen, ich glaube, dass es existiert. Ob es blind oder sehend, mitfühlend oder taub, liebevoll oder neutral ist oder gar böse, hängt für mich von der Tagesform ab. Meistens denke ich, dass es alles gleichzeitig ist. Weil sich ja das Gegenteil im Gegenteil zeigt – doch dieses Allesgleichzeitige hat natürlich keine Polare. Glaube ich. Jetzt. Und so.
Ich gestehe: Es ist mir egal, ob das, was ich glaube, wahr ist. Wahr im absoluten Sinn. Falls es denn Absolutes gibt. Da ich lieber an das Vorläufige als an das Absolute glaube, genügt es mir, zu glauben, was ich glaube. Da doch eh alles gleichzeitig und wahr ist, meine ich. Was ist glaube, ist solange wahr, wie ich daran glaube. Und weil ich daran glaube, wirkt es. Doch das hatten wir schon. 🙂
Wichtiger als was wir glauben, ist, glaub ich jedenfalls, dass wir etwas glauben. Ans lautere Nichts oder an göttliche Arrangements ist da einerlei.
An etwas zu glauben, bewahrt uns davor, die Sinnlosigkeit des Lebens in seinem ganzen Umfang wahrzunehmen. Doch alles, was wir glauben, ist – vom Subjekt aus gesehen – Stückwerk. Ist Krücke. Ist Übersetzungshilfe. Ist Überlebensstrategie.
Ob es objektiv gesehen etwas gibt, woran es sich zu glauben lohnt, ist ein anderes Kapitel. Und ich behaupte hier auch nicht, dass ich nicht an solche Objekte glaube, sie für wahrhalte. Denn das tue ich. Irgendwie. Ganz besonders glaube ich an unsichtbare Netze und den lebendigen Geist in allem. An Verbindungen glaube ich. An Synapsen. An Schaltstellen und an das unsichtbare, göttliche Internet sozusagen. Meine Festplatte ist so konstruiert, dass sich darauf solcherlei Software installieren lässt. Mein Betriebssystem tickt deutlich westlich, was heißt, dass ich gewisse „fremde“ Dinge nicht nachvollziehen kann. Nicht, weil ich es grundsätzlich nicht will. Mir fehlt schlicht die Relevanz.
Item. Wir brauchen also, wie gesagt, etwas, woran wir glauben und uns festhalten können, um besagte Sinnlosigkeit zu ertragen. Ob diese Sinnlosigkeit wirklich ist, weiß ich nicht. Sie ist auf alle Fälle relativ. Glaub ich jedenfalls. Relativ sinnlos eben. Doch mitten in der gelebten Sinnlosigkeit erlebe ich das Leben manchmal ausgesprochen sinnlich. Was dem Ganzen wieder Sinn verleiht. Ooops. Und so weiter und so fort.
Wir alle glauben. Etwas. Vieles. Bewusste und unbewusste Glaubenssätze steuern jede unserer Handlungen. Zum Beispiel: „Wenn ich krank bin, werde ich wieder gesund!“ Das weiß ich, weil es immer so war. Bis jetzt. Und hoffentlich auch zukünftig.
Meine Vorstellungen vom Leben und diese Glaubenssätze, die schon ganz früh gesät wurden – pränatal womöglich? – sind von einander abhängig. Da haben wir es: Alles verbunden.
Doch jetzt putz ich erst einmal meine Wohnung.
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Eben in meiner Fadenkiste gefunden. Ein weiterer Voller EinSatz.
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Ein kleines Credo
Ich glaube an die Wirkung, denn da etwas wirkt, IST es, ob ich es nun sehe oder nicht und deshalb glaube ich an den Wind und an die Steine im Flussbett, an die Orange in der Schale und an den Orgasmus, an den Kater nach einer zu kurzen Nacht und an die Lebensfreude, an die Tränen ebenso wie an den Tod, auch glaube ich an die Macht des Kugelschreibers als Zauberstab und ich glaube an die Macht der Worte.