Klappe – die erste …
Was wäre, wenn … ? Zum Beispiel, wenn wir alle gesund und glücklich wären … Alle. Ausnahmslos. Allen voran die Gilde der Schreiberlinge. Zeitungsfritzen ebenso wie Schriftstellerinnen von Büchern und Autoren von Blogs. Wir alle würden der Welt von unserem Glück erzählen, von unseren gesundheitstrotzenden Körpern, von all den schönen Erlebnissen und Erfahrungen, die wir neuerdings sammeln … Doch, weil unsere Leserinnen und Leser selber vor Glück strotzten, wäre das einzige, real existierende Problem dies: Solche Berichte würden nicht mehr gelesen, denn kein Schwein würde sich dafür interessieren, wie oft ich heute oder vorgestern die ganze Welt umarmt habe. Gähnen würdet ihr. Einfach nicht mehr lesen. Mein Blog würde verwaisen.
Ich würde zu schreiben aufhören. Alle Schreiberlinge würden zu schreiben aufhören. Womöglich hätten wir eh keine Lust mehr dazu. Alles wäre wunderbar. Was wollen wir darüber schon schreiben? Es wäre müßig, das eine nacherzählte Paradies mit dem anderen erlebten oder nacherzählten Paradies zu vergleichen. Auch Neid gäbe es in dieser Welt keinen mehr. Denn wozu vergleichen, wo wir doch alle gleichermaßen heil, glücklich, gesund und zufrieden sind? Sollen wir da noch schreiben? Wollen wir da noch schreiben?
Klappe – die zweite …
Glück hat kaum Unterhaltungswert. Quod erat demonstranum, wie mein Mathelehrer sagte. (Und der Lateinlehrer auch manchmal.) Beweisen muss ich nichts. Ich hoffe, ihr glaubt mir auch so. Da ich nicht aufs Schreiben verzichtenmag, behalte ich wohl besser meine zwei-drei Neuröschen bei. Hege sie. Pflege sie. Gieße sie. Ein bisschen Herbstblues wird ihnen sicher gut tun. Ein paar kalte Windstöße und ein paar Regentropfen lassen sie aufleben, erblühen. Ich klicke mich durch Wörldweidweb und finde dort andere, die zum Glück auch noch nicht ganz heil sind und darum – oder warum auch immer – ein paar neue Sätze geschrieben haben. Bloggende zum Beispiel. Schön, dass ihr da seid. Noch. Und dass ihr eure Kanten, Ecken und Narben mit mir teilt. Und mit der Welt. Danke!
Klappe – die dritte …
Bin heute wieder ins Hinterland gefahren. Ihr erinnert euch. Für einen Artikel recherchiere ich die Cluster-Methode. Das heute war allerdings eine persönliche Zugabe. Ich ließ mir nämlich zusätzlich zur psychologischen Auswertung, die für die Aufstellung nötig ist, auch eine meinen Körper und dessen Gebresten betreffende Analyse ausdrucken. Ooops. Hätte ich wohl besser bleiben lassen. Heute morgen war ich topfit, doch jetzt fühle ich mich schwerkrank.
Die gute Nachricht zuerst: Krebs hab ich nicht. Auch sonst keine tödlichen Krankheiten. Außer der alten Erkenntnis, dass das Leben lebensgefährlich ist. Anti-Hypochonderin, die ich bin, kann ich nun entweder so tun, als hätte ich nicht hingehört. Als hätte ich nicht gehört, dass meine Maschine da und dort ein paar Schwachstellen hat. Lunge, Magen und so weiter. Oder ich könnte … ein paar neue Therapien ausprobieren. Zum Beispiel.
Wie es wohl wäre, wenn ich glücklich und gesund … Auch nur so zum Beispiel.