delete (oder Cluster III)

Hilfe! Was mache ich hier eigentlich? BIN ICH (nur?), weil ich blogge, wie Irgendlink neulich kommentierte? Und was erzähle ich euch hier eigentlich alles? Große Lust befällt mich, eben jetzt, hier alles zu löschen. Das ganze Blog. Alle meine Texte. Alle meine Erkenntnisse. Alle Banalitäten. Alles löschen. Wäre ganz einfach. Danach würde ich mich mit meiner über Nacht hauchdünn gewordenen Haut noch tiefer unter meine Bettdecke zu verkriechen. Wo ich eh schon bin. – Blogsuizid quasi.

Was war ich geschafft gestern, als ich gegen sechs nach Hause kam! Mehr als nach einer ganzen Arbeitswoche. Joggen half ein bisschen, zumindest den Kopf konnte ich so lüften. War ich froh, dass die System-Aufstellung nach ClusterMedizin, über die ich im Auftrag „meiner“ Zeitschrift im Dezember berichten soll, vorüber ist.

Seelenstrippen ist anstrengend. Und andern dabei zuhören ebenfalls. Ha! Schon spöttelt Sofasophia wieder! Na ja. Bei solchen Dingen gebe ich – das Original oder Sofasophia? – gerne die Hofnärrin. Und die teuflische Advokatin in Personalunion. Kratze an Tabus. Ich gebe sie, habe ich eben geschrieben. Ja, das ist wohl eine meiner vielen Rollen. Eine Überlebensstrategie. wie Frau. K., die leitende Therapeutin dazu sagen würde. Um meine Grundbedürfnisse irgendwie gedeckt zu bekommen. Möglich, doch ich liebe es eben einfach, unbequeme Fragen zu stellen. Besser, als sie beantworten zu müssen. Eine Rolle, die mich davor schützt, mich einlassen zu müssen. Da ich eh, wider meinen Wunsch, als Autorin eingeführt worden war, obwohl ich lieber undercover teilgenommen hätte, hatte ich nicht eben leichte Karten. Alle wollen natürlich dann lesen, was ich geschrieben habe. Erfolgsdruck! I hate it! Werde ich authentisch zu schreiben wagen?

Bei der letzten der fünf Aufstellungen des Tages, meiner, konnte ich dann nicht mehr nur zuschauen, nicht mehr nur Stellvertreterin sein, nicht mehr nur für andere hinfühlen. Buchstäblich und innerlich mit dem Rücken zur Wand stehend, begriff ich, dass – trotz meiner Zweifel an der Cluster- und der HellingerMethode –, irgendetwas an dieser Arbeit doch zu funktionieren scheint.

Auf welchen Um- und Abwegen auch immer, früher oder später lande ich eh bei meinen Themen! So oder so. In jenem Schlusssatz, den ich formulieren musste, geht es jedenfalls darum, alle meine Emotionen echt sein zu lassen. Sie überhaupt zuzulassen. Ganz besonders die, die weh tun. Zulassen ist wie Türen öffnen. Und echt sein ebenfalls. Offene Türen riechen nach Schutzlosigkeit. Ungeschützt fühle ich mich verletzlich und dünnhäutig. Der Schmerz kann kommen, nach Belieben, und tun, was er am liebsten macht: Mir weh tun. Ist ja sein Job. Ich frage mich, wo er sich normalerweise versteckt hält. Doch wenn er da ist, gibt es nur ihn.

Schreiben hilft, ihn zu zähmen. Und der Gedanke daran, dass meine Leserinnen und Leser ebenso unperfekt und ebenso menschlich und ebenso verletzlich sind, hilft auch ein bisschen.

Und jetzt? „Veröffentlichen“ klicken? Oder doch besser „Löschen“? „Alles löschen“ sogar?