Freier Nachmittag

Bin über den Zaun geklettert und durch das Loch in der Zeit gefallen. Drüben gelandet. Am Ufer der Insel Gleichgültigkeit. Wo alles gleich ist. Und gültig. Wertfrei. Ohne Bedeutung und ohne Gewicht. Hier hört sogar das Klopfen hinter meinen Schläfen, gegen das ich eine Tablette genommen habe, auf, zu sein. Vergessen sind auch die beiden sehr vertraulichen Gespräche mit X. (gestern) und Y. (heute). Aus den mir ausgeschütteten Herzen sind scheinbar unlösbare Probleme gepurzelt. Mir tut es so weh, die beiden leiden zu sehen. Kann dennoch nicht wirklich helfen.

Ich schaue zurzeit sehr gut zu mir, gehe sorgfältig mit meinen Kräften um und wünschte den beiden etwas davon, doch kann ich nicht ihren Rucksack anziehen. Was jedoch tue ich mit dem Rest der Welt? Wie steht es mit meiner Mitverantwortung für die andern? Nicht jener anderen, die weit weg sind, sondern jener anderen, die mir nahe sind. Y. meinte zwar, ich müsse gar nichts tun. Es habe ihr einfach gut getan, ihr Herz auszuschütten. Ja, das kenne ich auch. Na, wenn sie meint …?

Bin mit diesen Bürden am Ufer der Insel Gleichgültigkeit entlang spaziert. Träumend ein bisschen. Vergessend. Loslassend.

Später zurückgekehrt. Erwacht. Habe mich neu zusammengesetzt und festgestellt, dass der Kopf noch immer dröhnt. Gewitterwolken ziehen auf. Die Wäsche flattert im Wind und von der Baustelle draußen dröhnt es in meine Wohnung.

Eine Welt voll ungelöster Probleme. Und außerdem  fällt mir kein kluger Schlusssatz ein.
Auch das noch!