Alles eine Frage der Definition …

Mein heutiger Zauberspruch:
Ich liebe meinen Job. (… denn wenn ich ihn liebe, geht alles lockerer …)

Sein grosser Vorteil: Er ist unglaublich abwechslungsreich.
Sein grosser Nachteil: Er ist … ja, genau, er ist unglaublich abwechslungsreich.

Meine heutige To do-Liste, wuchs mit jeder erledigten Pendenz:

  • Ich habe mit meinem Scheff über die Probleme mit einem Mitarbeiter diskutiert, über Loyalität und Solidarität in einer Arbeitsgemeinschaft. Über allfällige Lösungen. Mich dabei an der Klarheit meines Scheffs gefreut. Und an seiner Haltung mir gegenüber.
  • Anschliessend habe ich mitentschieden, dass wir mit dem auf Januar 2010 projektierten Büro-Umzug zuwarten.
  • Ich habe zwischen den vorvorletzten Vorbereitungen für den Flüchtlingstag am Samstag, für dessen Stand unseres Hilfswerks ich verantwortlich bin, die Buchhaltung eines neustrukturierten Programmteiles übernommen. Und da mal erst ziemlich aufräumen müssen. Gestaunt darüber, wie chaotisch Buchhaltung gemacht werden und dass sie trotzdem aufgehen kann.
  • Dann bereits das nächste Event in Angriff genommen. Mit P., einem Mitarbeiter, die mantschigen Hirne geschüttelt … Ob ich mich so langsam zur internen Eventmanagerin entwickle? Na ja.
  • Schliesslich kam noch ein IT-Auftrag herein, ein kleines Update an allen sieben PC unserer Gemeinschaft zu veranlassen – im Auftrag der Zentrale.
  • Dass ich daneben noch zig Mails geschrieben, kiloweise Post verarbeitet, tausend Telefonanrufe entgegen genommen und ein paar Feuerchen gelöscht habe, ist nicht weiter erwähnenswert. Das ist eben mein achsoabwechslungsreicher Job … *grmpf*

Was ich sagen will? Manchmal staune ich, wie unglaublich viel und auf wie unglaublich vielen Schienen wir funktionieren … können.

Wie lange? Diese Dauerlast ist ja so was von unnatürlich. Und doch … Es ist jene Form, in die wir hineingewachsen, oder wohl besser, auf die wir nach und nach zurechtgestutzt worden sind. Wie bin ich deshalb froh, dass wir in unserer Bürogemeinschaft noch immer Menschen geblieben sind. Dass Witzeln und persönlicher Austausch Platz hat. Dass wir Menschen noch Menschen sein können.

Ein Satz von P. klang lange nach: „… vielleicht bist du zu nett?“ Nicht das erste Mal gehört. Dabei gedacht: Was, wenn es keine netten Menschen mehr gäbe? Was wenn dem Wort ’nett‘ dieser süffisante Unterton wieder abhanden käme? Ich finde es in der Tag bedauerlich – oder sogar besorgniserregend! –, dass nett und gut zu sein heute diesen Touch von negativ und naiv an sich haben.

Alles eine Frage der Definition? Wo fängt Nettigkeit, Güte, Moral an? Wer definiert sie? Words hauseigene Auswahl der Synonyme von Moral lautet so: Disziplin, Sitte, Verantwortungsbewusstsein, Sittlichkeit, Verantwortlichkeitsgefühl, Ethik, Ethos, anständiges Verhalten.

Na toll, ist ja alles gar nicht so negativ, wie uns das Wort „Moral“ suggerieren will! Finde ich. Der Vorwurf des erwähnten Mitarbeiters war, dass ich moralische Untertöne drauf hätte, wenn ich ihn auf das eine oder andere (Versäumnis) aufmerksam machte. Wenn ich ihn, wie neulich zum Beispiel, daran erinnerte, dass er – aus Solidarität! – für einen Ausfall in einer bestimmten Angelegenheit, wo wir mit seinem Einsatz fest gerechnet hatten, einen Vertreter oder eine Vertreterin suchen solle. Was für mich selbstverständlich ist, ist es eben für andere nicht. Womit wir wieder bei der Frage der Definition wären.

Tja, diese Fallmaschen im perfekten Ablauf, die ich neulich beschrieb! Die Fallmaschen, die das Leben lebendig machen. Die uns von Maschinen unterscheidet. Obwohl auch die so ihre Fallmaschen haben.

sozusagen …

nichts zu sagen
heute

ausser all der täglichen
mühsamen und erfreulichen
wasauchimmerdinge

wüsste ich nicht
dass da ein paar mitlesende
mitlesen
würde ich dennoch weiterschreiben hier?

und falls nicht
wäre dies dann
nicht
genau
das gegenteil davon
worüber ich
neulich
sofasophiert habe?

schreiben  um des schreibens willen … und so …

doch heute ist was anderes angesagt
ich schweige um des schweigens willen …

*flüstermodusein* … denn wer will sich schon gerne mein gejammer anhören …? *flüstermodusaus*

Inspirationen

Brauchen wir für das, was wir ausdrücken wollen, Publikum, Rückmeldung, gar Applaus? Beim gestrigen Brunch mit B. tasteten wir uns Gedanken spinnend durch das Dickicht der Definition von Kunst. Ist Markensammeln Kunst? Ist (mein) Schreiben (in der freien Zeit) Kunst? Oder ist nur das Kunst, was ich öffentlich zeige.

Per Definition (Wikipedia) bezeichnet Kunst „im weitesten Sinne jede entwickelte Tätigkeit, die auf Wissen, Übung, Wahrnehmung, Vorstellung und Intuition gegründet ist (Heilkunst, Kunst der freien Rede). Im engeren Sinne werden damit Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit benannt, die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Das Kunstwerk steht meist am Ende dieses Prozesses, kann aber seit der Moderne auch der Prozess selber sein.“ (Zitat Ende).

Der Prozess. Ja, das ist mein Kunstverständnis.  Genauso schreibe ich. Während des Schreibens, schreibe ich, weil mir der Schreibprozess Spass macht. Um des Schreibens willen. Banal gesagt, zu meiner eigenen Freude und Unterhaltung. Und Regeneration. Wie andere deshalb lesen oder stricken oder so. Ich vertiefe mich in eine Geschichte. Trete dabei neben mich und stelle mich gemeinsam mit „meinen“ Protagonisten und Heldinnen einem Thema, einem Problem, einer Herausforderung. Weil ich mit ihnen zusammen Lösungen finden will. Weil ich es spannend finde, den Gedanken beim Denken, Schreiben, Spinnen und Vernetzen zuzuschauen. Und nachher zu lesen, was da so in mir drin abgeht, finde ich immer wieder spannend.

Wenn dann dieses Gewebe hinterher bei anderen etwas bewirkt, andere unterhält, anderen Mut macht, andere zu was auch immer inspiriert – umso besser.

Über die Künstlerseele habe ich vor einem Jahr oder so mal einen Artikel geschrieben.

Liebe B., deine Stimme ist einfach wunderschön und „couleur 20“ hat mich total bezaubert. Ich bin froh, dass du singst. Dass du eine von vielen möglichen Ausdrucksformen gefunden hast. Und bestimmt noch andere finden wirst.

Hey, Z., deine Inputs gestern Abend, was die Innenansicht eines Musikerlebens betrifft, haben mich für mein Weiterschreiben total inspiriert. Danke!
S’het mega gfägt mit öi!

Einstein, der Schamane

„Unsere Gesellschaft krankt am ständigen Werten und Vergleichen! So kann sich doch niemand gesund entwickeln.  Es gibt immer solche, die besser sind als wir. Und natürlich auch Schwächere. Die einen machen dich zur Schnecke, die andere machen dich überheblich. Schau einfach nicht hin und mach dein Ding.“

Nicht, dass ich das alles nicht gewusst hätte. Zum Glück bin ich nur passive Mithörerin.

Auch die passenden Antithesen kenne ich und ich weiss sogar, dass NICHT ein phöses Unwort ist, das einem Text schadet. Na ja, eigentlich weiss ich ziemlich viel. Zum Beispiel über die deutsche Sprache. Ich weiss ziemlich viel im Vergleich zu jemandem, der keine Ahnung von Sprache hat. Und ziemlich wenig im Vergleich zu einer Literaturprofessorin.

Alles ist relativ, sagte Albert schon vor vielen Jahren, alles verhält sich irgendwie zu irgendwas. Masse zu Unmasse, Menschen zueinander und zum Nichts, Wörter zueinander und Tiere und Pflanzen ebenfalls zu irgendwem.

„Alles ist mit mir verwandt“ oder „für alle meinen Verwandten“, sagen die Lakota, wenn sie in die Schwitzhütte kriechen. „For all my relations“. Zur Erinnerung an diese tiefe Verbundenheit.

Verbindung – Relation – Verwandtschaft –Versponnenheit – in Beziehung zueinander – im Vergleich zu … – im Zusammenhang … – abhängig von …

Ohne Vergleich keine Entwicklung. Antithesen zu den ersten Sätzen. Ohne Vergleich kein Input. Vergleich ist eine Orientierungshilfe. Auch wahr? Auch wahr.

Alles beeinflusst einander. Wenn ich eine Minute früher aus dem Haus gehe, verhindere ich dadurch einen Zusammenstoss mit einem Fussgänger auf dem Fussgängerstreifen. Vielleicht. Oder einen Unfall. WENN VIELLEICHT  – die grosse Brücke in die Welt der Vergleiche.

Wenn ich …
Wenn ich die Augen zusammenkneife und alles ein bisschen unscharf und verschwommen betrachte, sehe ich nur noch dieses grosse Netz, das über allem liegt und in allem ist. Jeglicher wertende Vergleich wird müssig.
Ich bin.
Teil von allem.

Mono(b)log

Neulich verstieg ich mich zur Aussage, dass Blogs Dialoge fördern. Diskutieren Menschen, die bloggen, tatsächlich mehr – virtuell und/oder im „richtigen Leben“?
Sind Bloggende dialogfähiger?
Was meinte ich wirklich?
Implizierte ich ins Wort „Dialog“ nicht vielmehr die Möglichkeit im fast grenzenlosen Raum von Blog und Internet, eigene Gedanken frei zu äussern, sich diesen Raum zu schaffen, ihn sich zu nehmen?
Wäre dies wirklich Dialog, da vielleicht niemand mitliest …

So what?

Monolog?
Dialog?
B-log?

Hauptsache Log(os), das Wort, findet Gestalt und Ausdruck!
Der Ausdruck genügt sich selber.

__________

Warum blogge ich? Die Frage könnte auch lauten: Warum schreibe ich? Sinnlose Zeitverschwendung, wenn ich Sinn darin messen wollte, inwieweit mein Handeln die Höhe meines Kontostandes steigert. In diesem Fall gar nicht.

Bin ich des Sinnes wegen hier (virtuell und/oder im wirklichen Leben)? Oder ist der Sinn um meinetwillen da? Weder noch? Sowohl als auch? Und was war zuerst … *gacker*

Als Mensch mit Such(t)struktur – als da wären Ex-Tabaksucht, Perfektionismus, Schoggisucht, Erdbeerensucht, Sinnsucht, Sehnsucht etc. – balancierte ich schon immer auf dem Grat zwischen subjektiver Wahrnehmung und Ratio. Stolpern tu ich oft, fallen ab und an und aufstehen jedes Mal von neuem. Sinnlos das Stolpern? Sinnlos Stürzen und Aufstehen?

Müssig mich zu rechtfertigen dafür, dass ich Sinn- und Absichtsloses tue. Wie zu bloggen zum Beispiel. Hauptsache es tut gut.

So what?

traurigfroh

Ich liebe Geburstage. Besonders, wenn sich die Wetterfee  an den Deal mit dem Schönwetter erinnert. Thanx!

Nach einem hektischen Büromorgen holte ich L. am Bahnhof ab und wir pilgerten an  Sense und Schwarzwasser.  Schwarz war es zwar nicht, doch kalt. Und erfrischend. Von Kopf bis Fuss.
Da, wo sich die  Flüsse vereinen, mitten auf dem Weg, haben wir ein Glücksnest gefunden. Wenn das kein Omen ist für ein glückliches Jahr?

Feierabend
dankbar
sentimental
traurigdankbarfroh für meine Freundinnen und Freunde

*DickerSeufzer*

Wenn es tagt …

Ich fahre lieber rückwärts, hatte ich am Morgen gesagt und meiner Arbeitskollegin und meinem Boss erklärt, dass es mir lieber ist, den verschwindenden Bildern nachzuhängen, als von den ständig neuen Eindrücken, die auftauchen, aufgewühlt zu werden. Mein Scheff fand, das passe zu mir. Wie auch immer er das gemeint hat …

Später wünsche ich mir meine Oropax herbei, jene pinkfarbenen Teilchen, die auf meinem Nachttisch schlafen. Was für ein Lärm! Mittagspause. Und kein Vegi-Menü. Als ich „Menü ohne Tier“ ordere, wird mir „nur Gemüse“ gebracht.
Oropax … auch mit ihnen würde ich eben nicht viel verpassen. Wir smalltalken. Eine Disziplin, die ich schlecht beherrsche. Ich lache da mit, lächle dort ein wenig, runzle die Stirn und äussere mich adäquat zum aktuellen Thema. Bemühe mich,  nicht zu zeigen, wie unsicher ich mich fühle.  Nett sind sie, die Leute, allesamt, keine Frage … nur … Ich fühle mich, hm, wie?, allein in der Masse. Na ja. Tagungen waren noch nie mein Ding. Viele Menschen auf einem Haufen – das ist doch einfach nicht natürlich.
Naturtrüb der Süssmost auf dem Tisch, naturtrüb ich. Und doch grüsse ich dort, lächle hier, da drüben winke ich zurück, hier verspreche ich, morgen den gewünschten Anhang zu schicken.

Der letzte Vortrag, jener des Direktors, steigt als fette Wolke unter die Decke. Hunderfünfzig müde Körper hängen in den Seilen, ähm, Stühlen. Dick die Luft. SMS werden geschrieben, Augen gerieben, hinter meiner Stirn klopft es verdächtig, da und dort huschen Blicke mit nach oben verdrehten Augen hin und her, andere tuscheln und mein Scheff, ich seh es genau!, schielt auf die Uhr. Mit halbem Ohr schnappe ich die elfte These auf. „Wir, als Hilfswerk …“, höre ich … wir, als Hilfswerkmitarbeitende, denke ich, wir sind auch bloss Menschen. Müde Menschen.

Später, im Zug, noch mehr davon. ‚Blick am Abend‘ auf jedem zweiten Kniepaar. Rascheln. Reissverschlüsse. Noch mehr Smalltalk. Smalltext. Mein Kopf dröhnt. Ich werfe, Chemieseidank, eine schnell wirkende Tablette ein. Der Schreiber flitzt über die Seiten. Die Gedanken tanzen und die ersten Gewitterregentropfen malen skurrile Muster auf die Scheiben.

Ich fahre rückwärts und lasse die Bilder ausfransen.

Vor- und Nachteile

Früher, als es dieses Blog noch nicht gab, schrieb ich Internettagebuch.
Seit fünf Jahren schon.
Der grosse Nachteil dabei: Kein Dialog möglich.
Der grosse Vorteil dabei: Kein Dialog möglich.

Heute, wo es dieses Blog gibt, stolpere ich über ähnliche Vor- und Nachteile.
Der grosse Vorteil eines Blogs: Dialog ist möglich.
Der grosse Nachteil eines Blogs: Dialog ist möglich.

Zauberspruch des Tages?