Tagebuch der Klimakrise 02

Sonntag, 28. Juni 2026

Am letzten Tag dieser unerträglichen und langen Hitzewelle schenke ich uns diesen Link hier zu einer Fediwall, die ich erstellt habe. Unter dieser Adresse hier findet ihr viele gemeinsam gesammelte Hitzelifehacks:
https://fediwall.de/

Ich habe aufgeschnappt, dass vielleicht die Entwarnung und Vorfreude auf die ca. 8 oder noch mehr Grad kühleren Tage, die ab morgen hier anbrechen, illusorisch sein könnten – wegen der erwarteten höheren Luftfeuchtigkeit könnte das Hitzegefühl auch bei tieferen Temperaturen ähnlich sein wie jetzt. Ich hoffe trotzdem auf Abkühlung.

Die folgende Tabelle illustriert das Verhältnis von  Temperatur (zwischen 22° C und 42° C) zu Luftfeuchtigkeit (zwischen 25 % und 100 %).

Kurz gesagt: Je höher Temperatur und Luftfeuchtigkeit, desto gefährlicher für unseren Körper.

Das Bild zeigt eine komplexfarbige Tabelle mit numerischen Werten, die wahrscheinlich eine psychrometrische Tabelle darstellt. Die Tabelle ist vertikal nach Temperaturen von 22° bis 42° Grad Celsius und horizontal nach relativer Luftfeuchtigkeit von 25% bis 100% in 5%-Schritten gegliedert. Jede Zelle der Tabelle enthält eine Zahl, die einen bestimmten Wert für die angegebene Temperatur und Luftfeuchtigkeit darstellt, wobei die Farbgebung von Blau über Gelb bis Rot variiert, was wahrscheinlich eine Skala von niedrigen zu hohen Werten signalisiert. Die höchsten Werte (in Rot) finden sich bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit, während die niedrigsten Werte (in Blau) bei niedrigen Temperaturen und niedriger Luftfeuchtigkeit erscheinen. Die Farben können auf den physiologischen Komfort oder die gefühlte Temperatur hinweisen. Die Komposition ist streng tabellarisch und klar strukturiert, ohne jegliche grafische oder dekorative Elemente. Die Atmosphäre ist rein informativ und wissenschaftlich.

Heute bin ich dreimal in die kalte Badewanne mit dem gesammelten Duschwasser der letzten drei Tage gestiegen. Draußen war es extrem heiß und ich habe es nicht raus geschafft. Der Wald ist zwar nahe, aber bis ich dort bin, bin ich womöglich schon verdorrt – so jedenfalls fühlt es sich für mich gerade an.

Ich habe mir Wasserperlen bestellt, damit ich mir kühlende Accesoires nähen kann. Ich denke an eine Art Kühlweste und an ein Kühlmützchen. Die Inspiration dazu habe ich von Mela Eckenfels, die auf ihrem Blog einen Kühlschal vorstellt, den sie sich genäht hat.

Ich werde berichten. 😉

Screenshot von Melas Webseitenheader

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Montag, 29. Juni 2026

Wie ich gestern Abend vorm Zubettgehen – das dritte und letzte Mal im Laufe des Tages – im kalten Wasser meiner Badewanne lag und vor oder besser über mir durch das offene Fenster im Dunkeln ein Stück Himmel voller Sterne  betrachtete: das war schön. Nur das kühle Wasser und ich.

Ich habe gestern Abend das erste Mal ein Kühlbox-Kühlakku in ein nasskaltes Geschirrtuch eingewickelt. Das hab ich schließlich auch mit ins Bett genommen und mir auf die Haut gelegt, auf den Bauch und die Beine. Auch das war sehr angenehm.

Um 5 Uhr wurde ich durch das knallende Zuschlagen meiner bis dahin sperrangelweiten Türen aufgeweckt. Nachdem ich einige Fenster auf Kipp gestellt und alle Türen zuknallsicher arretiert hatte, bin ich zum Glück nochmals eingeschlafen.
Ich bin sooo verdammt hitzemüde. Hoffentlich wird es jetzt ein bisschen kühler. Aber vermutlich ist das nur eine Zwischenphase, und die nächste Hitzewelle steht schon in den Startlöchern.
Kurz nach sieben fühlte sich die Wohnung tatsächlich etwas abgekühlt an. Mein Körper fühlte sich gleich nicht mehr so krank, nicht mehr so fiebrig an wie um fünf Uhr früh. Laut war es draußen, die üblichen Flugzeuge und Autos, für Vogelgezwitscher ist es schon zu spät und dazu bin ich eh zu schwerhörig.
Die Woche beginnt, Montagmorgen, alles wie immer. Nein. Es ist eine neue Zeit angebrochen. Die Klimakatastrophe liegt nicht vor uns, wir stecken bereits mitten drin.
Gleichzeitig ist aber jeder Tag auch einfach nur ein neuer Tag.
Dieser hier ist der erste Tag, ein sehr ersehnter Tag für mich, der hoffentlich nicht mehr zur Hitzewelle gehört. Den Wetterbericht habe ich noch nicht gesehen.
Ich sehne mich so nach Herbst, nach Kühle, nach Normalität, nach meinen gewohnten Abläufen.
Dieser Ausnahmezustand zerrt an meinen Nerven. Die Hitze reibt extrem an meinem Nervenkostüm. Die Hitze überlastet und überfordert meinen Körpers, meiner Sinne.
Diese Hitze ist nicht nur ungesund, sie ist auch einfach unglaublich stressig, sie versetzt mich in stetige Alarmbereitschaft, mein ganzes System kommt kaum mehr richtig zur Ruhe, physisch ebenso wie psychisch bin ich unglaublich erschöpft. Es ist alles furchtbar ermüdend. Dazu die kurzen Nächte, weil ich nicht früh und nicht lange schlafen kann. Es ist alles sehr schwer auszuhalten.
Und immer im Hinterkopf dieser Gedanke, dass es mir ja – wenigsten rein materiell – verhältnismäßig gut geht. Ich habe ein Dach über dem Kopf, doch ich wohne nicht direkt unterm Dachboden. Ja, meine Wohnung kann 30 Grad warm werden, vielleicht noch wärmer, was ich lieber nicht wissen möchte, doch ich kenne Menschen, deren Wohnungen noch heißer waren. Es gibt immer Leute, denen es schlechter geht, deren Lage noch schlimmer ist, besonders in anderen Ländern, wo es noch heißer ist.
Andere Länder haben längst Strategien, haben sich über die vielen Hitzejahre angepasst, doch wir hier sind überfordert, müssen alles irgendwie lernen, uns neues Wissen aneignen, ein Hitzemanagement erschaffen, uns körperlich und mental anpassen – doch wer zeigt uns, wie das geht? Die Klimaleugner*innen in den Regierungen? Eher nicht.
Auf einmal sind mir Klimaanlagen vorstellbar, doch damit kommen neue Energieprobleme auf uns zu. Es braucht rasche Lösungen, gerade für Menschen, die mit Hitze nicht gut umgehen können: kranke Menschen, ältere Menschen, wenig belastbare Menschen. Eigentlich genau die, die eh nur kosten und nichts leisten und am liebsten übersehen werden //ironieoff.
Unsere Regierungen sind so gefragt wie nie. Gesundheit, insbesondere Klima-Gesundheit und Klima-Schutz sind die ganz großen, ganz wichtigen Themen. Gerade jetzt sollte die Solar- und Windenergie gefördert werden wie nie zuvor.
Ich weiß, ich sage da nichts Neues. Das wissen wir alles. Ob sich die Katastrophe wohl noch wenden lässt? Ich bezweifle es ehrlich gesagt.
Eigentlich sind wir ja ein Kollektiv, doch sitzen wir trotzdem nicht alle im gleichen Boot. Die in den großen Booten, die, die den ganzen Scheiß zu verantworten haben, sitzen in ihren klimatisierten Büros und an ihren Pools und bekommen nichts mit. Ja, das alles macht mich fertig.
Dennoch ziehe ich mich gerade ziemlich zurück. Allein lässt sich die Hitze besser ertragen. Da muss ich nur meine Befürfnisse beachten. Es fühlt sich egoistisch an, zugleich ist das Leben gerade mal wieder sehr existentiell geworden.
Wir stehen an einem Wendepunkt: So wie es war, wird es nicht mehr werden, nicht so lange wir leben; nicht, so lange ich noch lebe. Wie die Pandemie ist auch dieser Sommer hier eine Zäsur in der irdischen Klimageschichte: vorher und nachher.
Ja, ich komme irgendwie zurecht, trotzdem will ich mir das hier nicht als Dauerzustand vorstellen. Es graut mir.

#Tagebuch der Klimakrise 01

Der zweitletzte Tag dieser aktuellen Hitzewelle, dazu der heißeste. Wie lange war sie 1o Tage mindestens, Wie heißt wurde es? Bei mir ist heute der heißeste Tag. Ich vergesse bereits … Im Rückblick verschmelzen (ha!) die Hitzetage zu einem einzigen großen Superhitze-GAU.

Im Fediverse zeige ich zu Dokumentationszwecken alle paar Tage meine Wetterapp-Screenshots.

Heute schon fast nicht mehr vorstellbar, aber am 17. Juni waren die Nächte noch unter zwanzig Grad. 15° C war es hier und die nächtliche Durchzuglüftung vermochte die aufgewärmte Wohnung noch bis auf etwa 23° C herunterzukühlen.

Inzwischen bekomme ich die Wohnung trotz Verdunkelung und nächtlichem Durchzug, der bei Windstille so viel nicht bringt, nicht mehr unter 24°C. Heute und gestern waren hier und in ziemlich vielen Teilen Europas die heißesten Tage. Hier 36° C, in der Pfalz teils bis 40°C.

Die meisten von euch, die das hier lesen, werden aktuell ähnliche Temperaturen erleben und erlebt haben. Und es wird euch ähnlich gehen wie mir, oder besser, oder schlechter.

Die letzte Hitzewelle, sie endete genau vor unseren Ferien Anfang Juni, war nicht ganz so lang und nicht ganz so heiß, es war ja immerhin auch noch Frühling (ironieoff).

Das hier ist neu. Nicht nur für mich, die ich doch schon ü60 Jahre auf dem Buckel habe. Ja, es war früher auch manchmal heiß, und ja, die Erde hat sich klimatisch schon immer verändert, aber das hier, das ist nicht mehr das, was die Erde schon immer gemacht hat. Das hier ist das, wovor ich mich schon lange gefürchtet habe. Vor 8 Jahren, als Greta Thunberg mit ihren zuerst sehr einsamen wöchentlichen Schulstreiks die Welt auf die Klimakatastrophe aufmerksam machte, haben viele noch abgewiegelt.

Ich aber hatte schon damals schlaflose Nächte, wenn ich mich der Vorstellung hingab, wie heiß es hier werden könnte. Die Perspektive versetzte mich teils in Panik und machte mich wortwörtlich depressiv.

Heute habe ich schlaflose Näche, weil ich solche heißen Nächte am eigenen Leib erlebe.

Was ich tue, um einigermaßen durch die Tage zu kommen?

Neben Verdunkelungsmaßnahmen – Fensterläden, Vorhänge, Spiegelfolien etc. – habe ich einen kleinen Turmventilator, der zurzeit praktisch rund um die Uhr ackert. Ich lüfte nachts. Am Abend öffne ich die Fenster dann, wenn die Außentemperatur ungefähr die stets gestiegene Innentemperatur (aktuell ca. 29° C) erreicht. Dann stelle ich den Ventilator mit seiner 60°-Rotationsfähigkeit so auf, dass die einströmende Luft und die ausströmende Luft sich austauschen können und mich die Kühle erreichen kann. Das mache ich auch nachts.

Ich sitze minimal bekleidet (das Bikinioberteil halte ich ständig feucht) am Schreibtisch, neben mir eine Kühlflasche Wasser und einen Pflanzenbefeuchter mit kaltem (aka lauwarmem) Wasser, mit welchem ich mich regelmäßig bestäube. Ich bewege mich sehr langsam. Und sehr wenig. Mein Kreislauf dankt es mir.

Die Badewanne sammelt mein tägliches Duschwasser, damit ich mich abends vorm Schlafen nochmals abkühlen kann. Zwischendurch plantsche ich meine Füße in einem Wasserbecken.

Raus gehe ich tatsächlich nur, wenn ich muss (einkaufen, Ärztin, etc.). Ich bin gerade sehr dünnhäutig und leicht reizbar. Die Hitze ist eine Dauerüberreizung, aus der ich gerade kaum mehr herauskomme. Darum treffe ich gerade nur ein Minimum an Menschen und erlebe die aktuelle Zeit wie eine Art Lockdown. Ich bleibe drin. Immerhin kann ich gut mit mir allein sein. Dem Liebsten gehts ähnlich in Sachen Rückzug.

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Da mein Blog so eine Art ausgelagertes Gedächtnis ist, schreibe ichab sofort immer mal wieder darüber, wie ich die Klimakatastrophe erlebe, mehr so die alltägliche Seite, die persönliche. Als Chronistin meiner Mitwelt. Kleine Momentaufnahmen. Andere tun das in ihren Blogs ebenfalls. Manche globaler, umfassender, andere wie ich eher persönlich.

Wir Bloggenden sind Chronist*innen unserer Zeit.

Bloß: Wer wird uns je lesen, wenn morgen die Welt untergeht? Oder übermorgen.

So Fragen.