Ausgelesen II. #2

An alles gewöhnt sich der Mensch, Mutantin, die sie ist. Sogar ans Zugfahren. Zumal ich lesen kann. Dazu bin ich nämlich schon früh morgens um halb acht in der Lage.

furchtbarliebZufällig bin ich neulich beim Surfen auf das e-Book Furchtbar lieb von Helen FitzGerald gestoßen und lud es mir aus Neugier aufs iPhone. Fast in einem Zug habe ich es verschlungen. Sicher werde ich noch mehr von dieser schottischen Autorin lesen. Fitzgerald schreibt glasklar und ironisch, zugleich äußerst sensibel und verstörend. Ihre Geschichte verblüfft mich immer wieder neu und lässt mich kaum zu Atem kommen. Wer englische Bücher mag, muss das lesen. Das Buch gibt’s übrigens auch als – ähm – Buch.

die_welt_auf_dem_kopfWeil ich dank der App Onleihe kostenlos an die eBooks meiner Bibliothek komme, habe ich mir das Neue von Milena Agus ausgeliehen und – wie vor einiger Zeit ihre Frau im Mond – bis zur letzten Seite mit offenem Mund dieser wunderbaren sardischen Geschichtenerzählerin gelauscht. Ihrer poetischen Sprache, die authentisch und bezaubernd den Alltag in einem verrückten alten Mietshaus in Cagliari auf Sardinien schildert. Die Welt auf dem Kopf liest sich wunderbar schwerelos, obwohl die Menschen darin keineswegs alle auf der Sonnenseite des Lebens stehen.
Ein tolles Buchgeschenk für Menschen mit Phantasie.

scheintotAuf dem Heimweg von der Arbeit habe ich heute einen Thriller von Tess Gerritsen, ebenfalls als eBook ausgeliehen, angefangen: Scheintot. Eine Autorin, die ich bisher nur vom Namen her kannte. Sie liest sich ausgesprochen spannend. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.

+++

Wenn ich grad nicht Zug fahre oder im Büro sitze, bin ich am Laptop und lektoriere Irgendlinks Buch fertig: Schon wieder ein Jakobsweg soll Ende Woche als eBook bei neobooks erscheinen. Wenn alles klappt. Wenn wir fertig werden. Wenn nichts dazwischen kommt.

Und wenn ich nicht am Lektorieren bin, versuche ich meinen zurzeit überlasteten Geist irgendwie zur Ruhe zu bringen. Ich lasse alle Tippfehler sein, was sie sind. Sollen sie doch grad machen, was sie wollen. Miiir doch egal …

Wie gut, dass ich morgen frei habe … (Arbeit habe ich nämlich auch zu Hause genug.) Und, ja, auch viele Bücher, die darauf warten, von mir gelesen zu werden …

Der Traum vom Fliegen

Der eine verzaubert uns mit dem Diabolo, der andere am Hochseil, zwei Frauen klettern an der Stange aufwärts als wäre sie watteweich. Dazu viel Jonglage, Seil und Trapez, noch mehr Luftakrobatik und zwischen den Zeilen immer Klamauk und Schalk. Und alles ganz ohne Kitsch und Glitzer. Schließlich das Trio, das mich persönlich am meisten begeistert: eine Frau und zwei Männer, die auf einem roten Polsterteppich durch die Chinesischen Ringe fliegen und gegenseitig aufeinander aufpassen, dass keiner einschläft (ganz am Anfang des Trailers zu sehen: bei 0:03).

Und die Clowns, natürlich! Sie rahmen die ganze Geschichte ein. Denn Circus Monti heißt immer Gesamtkunstwerk und Circus Monti heißt, sich eine (Zirkus-)Geschichte erzählen zu lassen. Die überdimensionierten Bücher machen uns bereits neugierig, während wir – vorgestern Abend war es – unsere Plätze suchen. Einzelne Bücher, pop-ups, werden später vor den jeweiligen Nummern geöffnet und verrate, was wir gleich mit eigenen Augen genießen dürfen. Und das ist jede einzelne Darbietung: ein Genuss für die Augen – und fürs Herz!

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=BA-1SozOVxc&feature=share&list=UU4Kjz2u3D7IhKOnjDpTz4Jw]

Emilia und Gutzi, sie zierlich und klein, er ein langer Lulatsch, träumen – schon beim ersten Auftritt – den ewigen Traum des Ikarus. Mit Papierflugzeugen fangen sie an, später sind es Ballons, noch später kleine Heissluftballons und sogar Gutzi muss als potentielles Flugzeug herhalten, damit Emilia endlich aufsteigen darf. Alle Versuche, die die zwei sympathischen Clowns – zwischen den andern Nummern – unternehmen, scheitern jedoch kläglich. Erst am Schluss, als das ganze Ensemble sich ihrer erbarmt und bei der Umsetzung des Traumes mitanpackt, fliegen die beiden – er als Flugzeug, sie als Pilotin auf seinem Rücken – am Hochseil durch die Lüfte.

Wunderbar poetisch dazu die Musik, die sich wunderbar ins Gesamtkonzept ergießt.

Freundin L. und ich sind hell begeistert. Monti ist für uns beide DER Circus überhaupt. Im Gegensatz zu all den andern Zirkussen bekommen wir hier eine Geschichte erzählt, wir finden Witz, wir sehen köstliche kleine Details, und vor allem begegnen wir großer Leidenschaft am Kunsthandwerk der Zirkuswelt. Andere Zirkusse glitzern und glimmen und sie sind gewiss alle viel dramatischer und womöglich auch professioneller, doch hier finden wir Menschen. Menschen, die mit größter Hingabe und Kunstfertigkeit ihr Können darbieten.

Das Leben … ein einziger großer Zirkus?, frage ich uns auf dem Heimweg. Ist es nicht so, dass wir alle – genau wie diese wunderbaren Artistinnen und Artisten – unsere einmaligen Talente haben und diese auf unsere ganz eigene Weise der Welt darbieten sollten? Und wenn wir alle das tun, was wir am liebsten machen und am besten können und dieses Tun als Teil einer übergeordneten Choreographie begreifen, die wir verinnerlicht haben … Was meinst du? Vielleicht vielleicht wäre die Welt dann …

… ein besserer Ort?

Unter der Decke

Wieder hat sich die Welt um mich herum in einen weißen Pelz gehüllt, einen nassen, kalten Pelz, der sie isoliert und vor Eisschmerz schützt. Ich gestehe dennoch, dass ich genug von Kälte und weißem Einerlei habe. Täglich schiele ich auf die Prognosen und zähle die Tage, bis nachts wieder Plusgrade sein werden und wir hier, auf dem einsamen Gehöft, die Wasserleitungen erneut öffnen können. Fließend Wasser ist nicht zu unterschätzen!
Sonntags, im Oberwürzbacher Wald auf Geocachingtour*, haben wir uns diese angekündigten Schneefälle ja kaum vorstellen können, doch gestern, in Saarbrücken unterwegs, war der kurze Frühlingseinbruch von letzter Woche nur noch eine Mär.
Jetzt leben solle der Mensch … Stimmt ja, zumal es jetzt viel zu tun gibt. Irgendlink trifft Vorbereitungen für die Ausstellung LENZ, an der er mit seiner Kunstgruppe Prisma beteiligt ist (Flyer großklickbar).

20130313-093608.jpg   20130313-093639.jpg

Wer weiß, vielleicht hast du Zeit und Lust, bei der Vernissage mit uns anzustoßen? Herzliche Einladung!

Und wenn ich schon am Verbreiten guter Nachrichten bin: Auf Sofasophia appt die Welt zeige ich heute ein Bild, das ich zu meinen eigenen Favoriten zähle: Love Your Shadows (und gestern das Rohbild dazu).
20130313-092852.jpg
Habe ich eigentlich hier mal vom neuen Zyklus auf pixartix_dAS bilderblog erzählt? Strassen & Wege lautet das aktuelle Thema. Wieder beteiligen sich bereits ganz unterschiedliche FotokünstlerInnen, die sich täglich abwechseln. Andere werden später dazustoßen.
Viel Spaß beim Reinschauen!
__________________________________________
* Geocaching ist eine Outdoor-Schatzsuche in der realen Welt. SpielerInnen dieses Spieles versuchen, versteckte Behälter, Geocaches genannt, mithilfe eines Smartphone oder GPS-Gerätes zu finden, um anschließend ihre Erfahrungen online zu teilen. Mehr auf www.geocaching.com.