doch neu?

Regentropfen
wieder einmal
und
alle sind
irgendwann
irgendwo
schon da gewesen
gewiss
doch diesen
Tropfen hier
habe ich noch nie
gekostet
er fühlt sich
irgendwie
neu
an

*********

Ob Rostschäden auf der Autokarosserie oder abgebrochenes Zahnmaterial …
Da muss geschliffen und geschliffen werden, bis kein bisschen faules Zeug mehr da ist. Erst dann können wir neu aufbauen.

immer wieder

Alles, was ich fühle, wurde bereits vor mir gefühlt. Und wird soeben irgendwo anders ebenfalls wahrgenommen. Ähnlich, gleich oder anders. Als Reaktion auf irgendeinen, wenn auch nur klitzekleinen Impuls. Ohne Auslöser geht nichts. Alles ist Re-Aktion. Sage ich …

Alles, was ich denke, hat vor mir bereits die Hirnwindungen anderer durchlaufen. Und wird soeben irgendwo ebenfalls gedacht. Ähnlich, gleich oder … siehe oben …

Und auch alles, was ich unternehme, wurde bereits vor mir bereits getan. Und wird soeben erneut in Tat umgesetzt. Auch hier wieder: Als Reaktion auf irgendwas …

Sogar alles, was ich erzähle, wurde bereits irgendwo erzählt. Und wird eben jetzt in Worte gefasst. Die gleichen Geschichten! Sie werden immer wieder neu erzählt. Anders oder ähnlich … ihr wisst schon.

Jene von der Fliege zum Beispiel, die in meinem Schlafzimmer gefangen ist. Sie mag nicht nach dem nahen Ausgang suchen, denn das Leuchten der Glühbirne meiner Lampe fasziniert sie mehr als die Freiheit. Gefährlich nahe kommt sie der Hitze. Auch das nichts neues. Unzählige Insekten erliegen alltäglich dieser Versuchung. Ob es mehr oder weniger sind, die jeden Tag widerstehen und die darum ein paar Stunden länger leben? Nichts neues, nein.

Bei Màrai lese ich Gedanken, die sich der Herr, Màrais Protagonist, über Hundeerziehung macht. Sie gleichen meinen eigenen, vor über dreißig Jahren gedachten und gefühlten Kindergedanken verblüffend. Existentielle Fragen, die nicht einfach mit lauwarmen Antworten aufgelöst werden können. Zum Beispiel diese: Warum kommt mein Hund, wenn ich ihn von der Leine gelassen habe, zu mir zurück? Und warum findet er, selbst wenn er sich verirrt hat, wieder nach Hause! Warum? Bloß des vollen Futternapfes wegen? Wohl kaum.

Nichts neues, nein. Alles Gedachte, Gesagte, Gelesene, Gesuchte, Geliebte, Gefundene, Gefühlte, Gekochte, Verbrannte, Entworfene, Verworfene, Verurteilte kommt irgendwann und irgendwo wieder. Wurde dazwischen kompostiert. Wurde neue Erde.
Auch diese Erkenntnis: Kompost! Tröstlich irgendwie. Auch dass es uns allen so geht.

Wenn ich meine Alltagsaugen schließe, die Innen-Augen öffne und mir die Kreuz- und Querverbindungen, Hyperlinks quasi, zwischen all den gedachten, gefühlten und erlebten Ereignissen zwischen mir und meinen Mitwesen vorstelle, dazu all die Unterverbindungen und die Unter-Unterverbindungen, wird mir beinahe schwindlig. Alles verbunden. Die schamanische Grundlage.

Dazu fällt mir eine weitere Frage ein, die ich mir als Kind oft gestellt habe: Wer hat eigentlich Gott gemacht?

Heute antworte ich dem Kind von damals: Tja, das müssen wohl irgendwelche Männer gewesen sein, denen das Geheimnis des Lebens nicht reichte. Und die den Ursprung allen Lebens vermenschlichen mussten. Gott ist ein Bild. Sollte es jedoch fragen, wer denn all die Göttinnen gemacht hat, würde ich sagen: Guck dir diesen Kreis hier an … er hat keinen Anfang und kein Ende. So ähnlich muss es mit der Erde und allem was darauf herumkrabbelt, sein.

Auch das: Nichts neues. Ich weiss.

Ein Tag im Paradies

„Denken ist nur das Werkzeug, nicht der Garten“, sagte meine Freundin K. . „Ebenso Fühlen. Der Garten ist das Sein, das schlichte Dasein.“ Wir saßen nach getaner Arbeit in ihrem Garten. Im Paradiesgarten.

Zuvor hatte ich  mit Ä., K.s Liebstem, mein Auto auf Vorderfrau gebracht. Psychohygiene für die Rostbeulen. Abschleifen. Spachteln. Grundieren. Lackieren. Nein, nicht vergolden, doch da ich Sternchen* bald mal wieder vorführen muss, soll das Ganze nicht am Rost scheitern. Sein Gnadenbrot hat mein Lebensabschnittgefährtchen allemal in meiner Nähe verdient.

Sofasophieren lässt sich, wie wir sahen, auch im Paradiesgarten. Wir haben uns über die Kolumne „Lob der Ataraxie“ von Thomas Widmer gefreut, die im neuen Natürlich leben erschienen ist. Er plädiert gegen die ständige Verfügbarkeit und Nützlichkeit, gegen das ewige Suchen nach noch mehr, nach exzessiver Weiterentwicklung zu Zielen hin, die in zehn, zwanzig Jahren erreicht werden sollen.

Wie gut mir dieser Text tut. Schon immer gehörte ich zu jenen Menschen, die sich danach sehnten, statt des Tuns das Sein zu zelebrieren. Nur erlaubte ich mir nicht, mir dies einzugestehen. Höchstens punktuell: Temporäre Inseln des Nichtstuns sind erlaubt, doch gewiss nicht jene Grundhaltung von „Ich bin zufrieden mit meinem Sein. Aktiv strebe ich keine Veränderungen an“. Zu suspekt! Ich könnte ja als Faultier, als arbeitsscheu, als nicht effizient verstanden werden, was ich auch bin. Ja, auch, aber nicht nur …

Zielstrebigkeit zu leben und Visionen zu haben – wie wichtig scheinen diese Aktivitäten in unserer Gesellschaft zu sein! Wie verd… wichtig uns doch ist, was andere von uns denken! Existentiell sogar?! Denn Weiterentwicklung kann eine höhere Einkommensklasse bedeuten, gleich mehr Kohle, gleich noch mehr Prestige … da capo al fine al fine al fine (wo immer das ist!) Rattenschwanz Zukunft. Konzepte. Auf den Kompost mit euch! So wird aus „al fine“ ein neuer Anfang. Organische Entwicklung …

Ständig vorwärts strebend und vom Fehlenden ausgehend, verpassen wir, dass wir jetzt reich sind. Hier in diesem Garten. Und wir vergessen sogar, jetzt zu leben. Jetzt die Birke da drüben zu bestaunen, ihre Silhouette, ihre Schönheit wahrzunehmen. Jetzt das Zusammensein mit unseren Freundinnen – Freunde sind mit gemeint – zu genießen. Und das Feuer. Die Kartoffeln aus dem eigenen Garten. Dazu frische Tomaten und (Furz-)Salat à la mexicaine.

Der wahre Reichtum ist immer gegenwärtig. Ich bin immer alles, was ich je war und je sein werde. Eine Gerade im grenzenlosen Raum. Ich kann immer nur jetzt SEIN. Hier. Im ureigenen Paradiesgarten mitten in meinem Herz. Mit der Harke des Denkens lockere ich den Boden, mit der Schaufel der Gefühle bringe ich von unten nach oben und von oben nach unten, damit alles schön lebendig bleibt. Ja, auch ohne Fernziele – wozu auch, wo doch alles immer nur jetzt ist? – entwickle ich mich weiter … Rhythmen, Phasen, Jahreszeiten – sie kommen und gehen. Und ich mit ihnen.

Hey, danke K. und Ä., immer wieder. Für eure FreundInschaft! Für euer Dasein!

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C., der Sohn des Hauses, seines Zeichens Hiphoper, hat mir den Link seines YouTube-Auftrittes verraten. Hier reingucken lohnt sich!

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* Nein, fragt bitte nicht nach ihrem Alter. Sie ist diesbezüglich ein bisschen heikel … Stars und Sternchen sind das zuweilen!

Mücken fischen

Worüber ich heute schreiben soll? Nein, falsch geraten! Es ist nicht so, dass mir NICHTS einfällt. Es ist eher so, dass ich mich täglich aus der ganzen Fülle, die sich vor mir auftut, auf ein Thema beschränken muss.

Tatsache ist, dass ich, seit ich täglich blogge, die Welt anders wahrnehme. Alles, was mir – oft buchstäblich – über den Weg läuft, wird in mir drin subito zur kleinen Alltagsgeschichte. Da tummeln sich Sätze herum, die ich wie Kaugummi von einer in die andere Ecke schiebe. Und die auch ebenso hartnäckig kleben bleiben. Mir geht es total anders, als Peter Stamm, einem meiner Schweizer Lieblingsautoren, der aktuell den kulturplatz-Blog des Schweizer Fernsehens bestreitet. Er schreibt im ersten seiner ungefähr vier bis fünf zu erwartenden Artikel:

Es fehlt mir am Mitteilungsbedürfnis und so furchtbar spannend ist mein Leben nicht (wenigstens nicht für andere), als dass ich darüber im Wochenrhythmus berichten müsste.

Ist mein Leben denn so viel spannender als seins oder jenes der anderen? Kaum! Oder ist es so, dass ich mich einfach gerne mitteile? Das gewiss, ja. Doch durch die Augen der Schreiberin betrachtet, kann der kleinste Fliegenfurz ein Ereignis sein. Bloße Blubber wie Kollege S., Texter, gewisse Leerläufe nennt? Ich hoffe es nicht. Seichte Unterhaltung? Auch das hoffe ich nicht. Ein bisschen was zu futtern für das Hirn? Das hoffentlich schon eher. Oder zumindest Unterhaltung auf jenem Niveau, das über den Bauchnabel hinausgeht.

Es ist keineswegs so, dass ich keine Gegenüber hätte, mit denen ich mich austauschen könnte, doch der schriftliche Output, wie jener eines Blogartikels, hat eben eine andere Qualität. Qualität im Sinne von Beschaffenheit, von Konzentration und Dichte. Es ist für mich eine Übung, mich schriftlich kurz zu fassen. Die Aufträge der Zeitschrift, für die ich schreibe, lauten jeweils so: 3600 Zeichen mit Leerschlägen. Zum Beispiel. Wie für Sirup werden also die zahlreichen Ideenfrüchtchen eingekocht. Schließlich erreiche ich den Moment, wo 1.) der Sirup genau die richtige Konsistenz hat und 2.) der Abgabetermin vor der Türe steht. Idealerweise  1.) vor 2.) wohlgemerkt. So nehme ich die Pfanne vom Feuer und lasse ein paar feinschmeckende Mitmenschen daran schnuppern und sie ein Glas versuchen, auf dass sie mir liebevoll-ehrlich und wohlwollend-kritisch sagen, wie das Ganze schmeckt.

Doch wo war ich gleich?  Bei der (Hirn-)Fütterung der Raubtiere Bloglesenden! Na ja, es ist ja nicht immer meine erklärte Absicht, Euch Geistreiches zu bieten, manchmal ist Bloggen einfach Warm-up. Einlaufen. Stretching. Bevor ich an einer Geschichte weiterspinne.

Apropos Spinnen. Thekla, wie ich meine Balkonmitbewohnerin nenne, ihres Zeichens Spinne, legt eine beneidenswerte Ausdauer im Spinnen neuer Geschichten Netze an den Tag. Sie hat es sich in den Kopf gesetzt, ausgerechnet zwischen meinem Balkonstuhl und der Mauer Mücken zu fischen. Und das, obwohl ich – nicht aus böser Absicht, sondern aus Vergesslichkeit – schon viermal ihr Netz beschädigt, sie genausooft um Verzeihung gebeten und ihr gut zugeredet habe, ihr Netz woanders, zum Beispiel bei den Tomaten drüben, zu knüpfen. Ich hoffe, sie verhungert nicht! Wo sie doch vor lauter Webereien kaum was zum Fangen und Futtern kommt. Wie gesagt: Ihre Ausdauer ist bewundernswert. Sisyphus lässt grüssen.

Jetzt sollte ich wohl endlich meinen klugen Artikel zu schreiben beginnen. Bloß weiß ich heute echt nicht, worüber ich schreiben könnte. Über die Schweinegrippe vielleicht? Nein, das lassen wir besser.

Bleibt mir nur ein Tipp: Spinnt Netze, liebe Leute. Ein paar literarische Mücken finden sich bestimmt. Guten Appetit.

Fallobst, handverlesen

Wenn ich – ja, das kommt hin und wieder tatsächlich vor –, eine neue Geschichte aus Fallobst und Handverlesenem in der Presse habe, dreht sich auf einmal alles in mir nur noch um diesen Text. Die Geschichte lebt in mir. Womöglich war sie schon immer da und wartete darauf, von mir wachgeküsst zu werden. Wohl ist sie irgendwie vertraut, ist Teil von mir, doch hat sie eine ganz eigene Persönlichkeit, einen unverwechselbaren Charakter und eine ureigene Energie. Und natürlich hat sie ihre Schwächen. Doch die sehe ich natürlich in diesem Zustand noch nicht.

Schließlich will ich sie erst einmal atmen sehen, sie kichern und furzen hören. Will ihr lauschen, will sie berühren. Ein bisschen sie knuffen. Mit ihr schäkern. Will mit ihr spazieren gehen. Will sie im Wald und in der Stadt erleben. Will ihre Reaktionen sehen, wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht, will schauen, wie sie sich über etwas freut. Und sich ärgert. Wie sie lacht und weint, will ich erleben, hautnah. Kurz und gut: Wenn sich eine Geschichte in mein Leben spinnt und drängt, will ich sie kennenlernen.

Für jede meiner Geschichten brauche ich die Energie der Verliebtheit. Zugegeben, das macht mir manchmal Angst. Ob ich dabei nicht all meine Verliebungsfähigkeiten aufbrauche? Oder sind die unbeschränkt in meinem unterirdischen Lager gespeichert? Na ja, ich habe eigentlich gar keine Wahl, denn ohne diese Energie geht Schreiben bei mir nicht. Ich muss mich bei jedem neuen Text auf diesen Zauber einlassen können. Ohne Kritik vorerst. Mich einlassen auf die Magie des Unbekannten. Auf die Kraft des Neuanfangs.

Und mit jeder Geschichte – ob kurz oder lang – gehe ich den Weg jeder zwischenmenschlichen Beziehung: Anziehung. Begeisterung. Verliebtheit. Allmählich genaueres Hinschauen. Ernüchterung. Kritik. Akzeptieren – zulassen – loslassen. Auseinandersetzung. Reibung … Ob es ein Happy End oder eine Trennung gibt, zeigt sich erst nach einer Weile. Ob sich aus der Verliebtheit in eine Idee die Liebe zu einer Geschichte, zu einem Artikel entspinnen kann, zeigt sich an der Qualität, an der Interaktion, am Miteinander, an der Chemie zwischen mir und ihr.

Was lässt sich denn über eine Geschichte sagen, die schon fast fertig auf meiner Festplatte döst? Happy End, da sie – wie gesagt – fast fertig ist? Oder Trennung, weil ich sie nicht auf die Reise in die Welt geschickt, sondern eingemottet habe? Gibt es da noch ein Dazwischen? Eine friedlich Koexistenz zwischen Ge-Schichte und Schichterin? Eine Freundschaft, die ganz und gar ohne Forderungen ist? Wir erinnern uns: Während des schöpferischen Prozesses war die dichtende Schichterin unglaublich glücklich. Wie es eben nur Verliebte sind. Kann denn die Daseinsberechtigung einer Geschichte – neben der Ehre, geboren worden zu sein– schlicht darin bestehen, Teil dieser komplexen, sinnlichen, simplen Welt der Gedanken und Gefühle ihrer Schichterin während ihres Schreibprozesses zu sein?

Reicht das? Falls und wem nicht, der finde mir einen Verlag, der sich all der Schichten auf meiner Festplatte annehmen möge. Hach. Wäre das schön, wenn an der Lesung in zwölf Tagen eine Verlegerin oder ein Verleger im Publikum säße und sich in mein Novellen-Manuskript „Loch im Eis“, aus dem ich vorlesen werde, verlieben würde.

Doch was dann? Die Welt der Möglichkeiten verlassen und jene der Realität betreten?

Kopfstand mit Krone

Titel zu finden macht mir in der Regel Spaß. Dennoch frage ich mich bisweilen, ob ich nicht, wie in fast allen Bereichen meines Lebens, nun auch beim Blogen wieder in der Leistungsfalle gelandet bin. *seufz*

Bewusstes und unbewusstes Handeln. Mein grosses Thema zurzeit. Selbstbeobachtung. Was motiviert mich? Woran glaube ich? Ich bin, was ich glaube. Ich lebe so, wie ich es mir erlaube.

Wer mich kennt, weiss um meine Ambivalenz zum grossen Themenkreis Wünschen, Visualisieren und zum ganzen Machbarkeitshype, der Materialistinnen und Esoteriker gleicherweise befallen hat. Dennoch komme ich nicht umhin, tagtäglich zu sehen, wie wahr wird, was wir denken. Obwohl mir nicht immer ganz klar ist, was zuerst da war. Ich sehe, wie eintrifft, was wir vermeiden wollen, weil wir dem Anti-Wunsch so viel Aufmerksamkeit geben. Und ich sehe auch, wie eintrifft, was wir uns wünschen.

Wünsche weise, es könnte sich erfüllen!, sagt Luisa Francia bisweilen. Das bewusste Wünschen ist allerdings nur ein kleiner Teil unserer Realität, viel grösser ist das, was wir unbewusst glauben. All diese verinnerlichten Sätze. Wie hat doch Mutter damals gesagt …? Vater auch! Wir glauben und es wirkt.

Heute morgen habe ich beschlossen, nicht mehr länger Sklavin meiner alten Selbst- und Weltbilder zu sein. Ich nehme mir meine Freiheit. Ich will die alten Muster ein letztes Mal betrachten, würdigen. Danach Überflüssiges entsorgen (Sondermüll? Kompost?). Werkzeug dazu habe ich inzwischen eigentlich genug. Kraft gewiss auch. Nur am Mut fehlt es mir. Wie so oft. Die Königin meines Reiches zu werden, heisst Mut zur Eigenmacht. Endlich.

Ich frage mich einmal mehr, ob solches anderen einfach in den Schoss fällt. Womöglich ist es bloss so ein dämlicher Glaubenssatz von mir, dass ich glaube, mir alles mühsam erarbeiten zu müssen.

Denn vielleicht ist ja alles ganz anders!

NeoSchamanismus?

Grenzerfahrungen dienen und dienten schon immer dazu, sich seinen Geistern und sich selbst zu stellen. Als Einweihungsritual. Fahrzeuge dorthin dabei waren seit jeher monotone Rhythmen, Trance, Singen, Schreien, dabei mit den anwesenden Geistern und Menschen in Kontakt zu treten, die Einheit zu zelebrieren. Dies half, sich von der diesseitigen Schwere zu löse und sich auf die Anderswelt einzulassen. Auf die Begegnung mit der eigenen Innenwelt, den eigenen Gefühlen. Indem wir uns erlauben, alles zu sein, innen und aussen, sind wir ganz und heil.

So weit so gut, doch was hat das mit meinem Alltag zu tun? Nun … ich behaupte, Patent Ochsner – und gewiss auch andere Bands – zelebrieren im weitesten Sinn schamanische Handlungen. Sie versetzen mich  in eine andere Schwingung. Während eines Gigs bin ich ganz bei mir. Innen und aussen.

Bereits beim Soundcheck klebten B. und ich, wie Groupies, an den Schranken vor der Bühne. Den Platz in der vordersten Reihen hatten wir uns in der Umbaupause unauffällig, zielstrebig und mit charmantem Lächeln gesichert. Darin ist B. einsame Spitze. Mit ihr gehe ich total gerne an Konzerte. Wir haben einen sehr ähnlichen Geschmack (Musik, Männer und so weiter) und können uns gemeinsam so richtig hemmungslos auf die Musik und das ganze Drumrum einlassen.

Als Ochsners loslegten, löste ich mich schon bald in jenen Zustand glückseliger Entspannung auf, gefördert durch ansonsten eher unangenehme Grenzerfahrungen wie überdurchschnittlicher Lautstärkepegel und Enge. Doch das muss hier einfach so sein.

Patenter Sound zum Mitsingen – JeKaMi … Jed/r kann mitmachen 🙂

Da die Ochsen schon bald 20 Jahre im Buisness sind, ist das Publikum immer sehr altersheterogen. Die zwei niedlichen Mädels um die zwanzig neben mir, ob sie die Musik wohl schon im Tragetuch auf Mamas Rücken mitgekriegt haben? Und hintendran die Dame im Deuxpièce, welche Verbindung sie wohl hat? Egal! Ist doch geil, das wir alle – wenn auch befristet – gleich schwingen … Dieses Gefühl von Familientreffen stellt sich bei mir jeweils kurz nach den ersten Songs ein. I love it!

Bereits am 28. März, nach meinem letzten Ochsner-Konzert im Bierhübeli, schrieb ich in mein Internettagebuch:

Ist es die Authentizität dieser Band? Sind es Sprachwitz, Übermut, Humor, gepaart mit Bünes kritischem Blick auf die Mitwelt … Sind es die Texte, die Kompositionen?
Ja, das alles, von allem etwas. Aber noch mehr ist es wohl die Begeisterung, mit der Ochsners, vorab Büne, ihre Musik performen. Begeisterung, die echt ist, nicht frei von Selbstzweifeln, so urmenschlich. Auch ist das alles, wie überall, mehr als die Summe der einzelnen Teile. Vielleicht schafft Büne durch seine Natürlichkeit für mich, für seine Fans, eine Identifikationsfläche? Brauche ich Helden?
Lacht ruhig, aber für mich ist so ein Gig mit Ochsners eine geradezu „heilige Handlung“. Ich werde dabei ganz mich, ganz Körper, ganz Stimme, ganz Schwingung, ganz Lachen und ganz Genuss. Ganz Gegenwart. Was will ich mehr und was gibt es Heiligeres?
(Quelle: http://www.lebenswertvoll.ch/Janaluna/Janalunas%20Internet-Tagebuch09_1.html)

Schön, B., dass wir mal wieder gemeinsam das Leben feiern konnten! S’fägt mega mit dir!
Die Nacht war zwar kurz, doch es hat sich gelohnt!

Wie sang doch Büne? „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da …“ (Coversong, von Theo Makeben, neuinterpretiert)

Mein Sommernachtstraum

Nachts am See. Schwimmende Wörter. Ungebunden. Ohne Satzzeichen. All die unzähligen Wörter all meiner Geschichten. Der geschriebenen ebenso wie der ungeschriebenen. Die bereits geschriebenen haben sich aus dem Korsett der Sätze herausgepult. Für ein paar Stunden im See. So viele, so viele.

Ich stehe am Ufer und ziehe spielerisch das eine oder andere Wort heraus. Ich halte jedes kurz fest, betrachte es und werfe es anschliessend in den kühlen See zurück. Einige wenige, die mir ihr Einverständnis geben, behalte ich. Sammle. Verdichte. Dichte. Dichte ein. Schichte. Schichte um. Verdichte noch mehr. Werfe noch mehr Wörter in den See zurück.

Endlich ist da nur noch ein einziger Satz. Ein Satz für jede Geschichte, die ich je geschrieben habe, schreibe, schreiben werde. Je ein Satz. Der immer schon da war. Nein, ich habe sie nicht bemerkt, diese Sätze. Sie waren immer schon da. Sind mir immer schon gefolgt. Haben sich an meine Fersen geheftet. Sind mir immer treu geblieben. Immer und immer schon. Endlich haben ich euch gesehen. Schade, dass es so dunkel war. Nachts am See.