Gartenzentren liebe ich mindestens genauso sehr wie Baumärkte. Wie StammleserInnen wissen. Und genauso wie in Baumärkten vergesse ich, eingetaucht in den Anblick von Grünpflanzen und den herben Duft von Wasser und Erde alle Zeit, jeden Raum und jegliches Maß … Jahr für Jahr packe ich Setzling um Setzling auf den Karren. Waren es in Bern vor allem Blumen für den Balkon, waren heuer Kürbisse, Zucchini und Kohlrabi vorgesehen. Doch auch Auberginen und Fenchel mussten mit, entschied ich spontan. Wo ich schon mal da war. Und Paprika. Und Gurken natürlich.
Erst am Abend, als J. heimkommt, stelle ich mir die alles entscheidende Frage: Haben wir überhaupt genug Platz für all die tollen Kerlchen aus dem Gartenzentrum? Denn jeder Gartenquadratmeter ist ja bereits mit Kartoffeln, Kohl, roten Beeten, Tomaten, Karotten, Salaten und anderen Herrlichkeiten vollgepflanzt. Ein wahres Schlaraffenland! Mit H., J.s Mutter, die mit ihrem Mann E. den Großteil der Pflanzen gesetzt hat, überlegen J. und ich gemeinsam, wo es noch freie Plätze hat. Oder ist das Boot schon voll?
Da und da, und vielleicht hier, zwischen den roten Beeten?, sagt sie.
Ich könnte ja hier roden, sage ich auf ein kleines Stück Brachland zwischen den schwarzen und roten Johannisbeeren deutend. Sie nickt.
Noch am Abend werden ein paar erste Pflanzen gesetzt. J. jätet sein hübsches Terrassenbeet von Unkraut frei und gibt einer Aubergine und einer Paprika ein neues Zuhause, während ich eine zweite Paprika setze und mich der Fenchel und Kohlrabi annehme.
Heute Nachmittag rodete ich schließlich besagtes Stück Brachland und pflanzte dort die beiden Kürbisse, eine Gurke und die Zucchini ein. Auf gutes Gedeihen!
Nein, solche Momente glitzern nicht. Alltagsszenen sind es. Kaum eines Blogartikels wert. Langweilig. Wir Menschen lieben das Außerordentliche, Exorbitante, Schillernde, Tragische, Dramatische. Keine Gartengeschichten. Keinen Alltag. Nicht mal dann, wenn sich die Autorin mit dem Gartenwerkeln Träume erfüllt …
Egal.
Denn während ich mit den bloßen Händen, da ich Erde zwischen den Fingern liebe, die freigehackten Unkrautbüschel im brachen Land ausreiße und dabei ein bisschen Rücken- und Kopfweh habe, spüre ich diese ganz spezielle Glückseligkeit, die es eigentlich nur gibt, wenn wir uns ganz und gar auf etwas, auf den Moment einlassen. Und würde mich heute jemand fragen, ob ich ein glücklicher Mensch bin, könnte ich nichts anderes als JA! sagen.
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Das Gewitter, das soeben hernieder prasselt, während ich meinen Laptop vom Netz und vom WLAN getrennt habe, hat eine Regenflut gebracht, die ich kaum fassen kann. Die Regentonne, die das Wasser vom Dach auffängt, überläuft. Ebenso die Dachtraufen. Auf dem Hof steht zentimetertief Wasser. Am besten ich streue gleich noch ein paar Schneckenkörner, damit die Kürbisse auch morgen noch leben. Auf das Träume gedeihen …
Die Schnecken können ja keine Blogs lesen, vielleicht haben sie so etwas wie ein Großereignis, das sie vom Entdecken der kleinen Pflänzchen fernhält, vielleicht ist es mehr, als sie packen. Man könnte sich überlegen, wie man sie ablenken kann.
schneckenevent-management: hm, das wäre eigentlich ne marktlücke 🙂
schnecken kann man gut umlenken, wenn man in einer ecke des gartens eine stelle einrichtet, wo man sie füttert und wenn schneckenkorn, dann aber bitte bio, oderr?!
ich finde es schön an deiner gärtnerei teilhaben zu dürfen und finde es nicht langweilig, vielleicht alltäglich ja, aber liegt nicht auch im alltäglichen ein ganz besonderer reiz?
wir tun nur supersparsam schneckenkornen … ob die allerdings bio sind, weiss ich nicht. den schnecken ist es vermutlich auch eher egal, ob sie an biokörnern oder nichtbiokörnern sterben … *grmpf* die idee mit „in einer ecke schnecken füttern“ würde E. wohl nur mit lautem lachen quittieren. und ich weiss echt nicht, was ich darüber denken soll.
ch liebe ja wirklich tiere, fast alle jedenfalls. ausser eben nacktschnecken, motten, mücken und stechfliegen und bremsen … *shameonme*
ja, gell, der alltag ist eben unsere alltagsrealität und ich nehme auch gerne an andern alltagen teil!
auf wiederlesen und liebstgrüß, d.