Die Sache mit dem Kipphebel und andere wichtige Erkenntnisse

Dieses Fenster in meinem kleinen Klo! Eines der alten Systeme. Du kannst das Fenster auf Kipp stellen, wenn du vorher den einen von den beiden Hebeln von oben nach unten bringst und so die Mechanik, die das Fenster arretiert, veränderst. Seine innere Logik wird gleichsam manipuliert … 😉 Tolle Sache, dieses Auf-Kipp-Kippen.
Ja, lach du nur, liebe Leserin, lieber Leser! Meine Berner Altbauwohnung, die ich bis Ende März bewohnt hatte, war eben ziemlich simpel befenstert. Und was davor war, habe ich wohl einfach vergessen. Dass es kippbare Fenster gibt, zum Beispiel. Alle meine Berner Fenster waren nur analog zu öffnen gewesen.
In meiner Künstlerinnenbude auf dem einsamen Gehöft habe ich zum Glück – außer jenem auf dem kleinen Klo – noch ein paar andere Fenster. Ziemlich viele sogar. In der Küche schon mal drei. Im Wohnzimmer sogar noch mehr. Vier Dachfenster im Schlaf- und Künstlerinnenstübchen inklusive. Irgendwann nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Hof auf dem Berg aufgebaut und ist seither etliche Male renoviert worden. So war mein Hausteil früher das Gesindehaus, habe ich mir erzählen lassen. In meinem schönen großen, weiß gekachelten Bad – mit ebenfalls drei Fenstern (Himmel, wie soll ich die bloß alle sauber halten?) – seien früher drei (!) Gesinderäume untergebracht gewesen. Ach, all die Geschichten, die das Haus erzählen könnte!
Wieso stellst du es denn nicht einfach auf Kipp, sagte J. neulich zu mir, als ich das Schlafzimmerfenster öffnete und es anschließend mit dem Vorhang mühsam arretierte, damit es sich nicht weiter öffnen konnte als ich es wollte.
Kipp? Ich muss ziemlich dumm aus der Wäsche geguckt haben.
Ja, Kipp.
Wie das denn? Hat ja keinen zweiten Hebel dran …
Na, sooo …
Er dreht den einzig vorhandenen Hebel nach oben und zieht das Fenster auf. Kipp. Et voilà!
Aha …

Dass ich hier nun, auf dem einsamen alten Gehöft – außer dem Klofenster mit seiner nicht ganz einfachen Handhabung – auch alle anderen Fenster ganz einfach auf Kipp stellen kann, war somit die große Überraschung des Tages.

Wie oft im Leben, fragte ich mich hinterher natürlich, gehe ich mit den Dingen, den Menschen und der Natur so um, als hätte ich schon ihre ganze Wahrheit erkannt?
(((Hm, da bist du ja eh selbst drauf gekommen.)))
Schnitt.
Neulich habe ich hier Herrn Blender vorgestellt. Er kann, wie sich Stammlesende vielleicht noch erinnern, zwei Bilder zu einem neuen vermischen. Unter Einbezug verschiedener Vorgaben und Filter ist er ein wahrer Künstler.
Wie mein Liebster und ich gestern so im Bett den Sandmann herbei plaudern, murmle ich, dass das Leben eigentlich ein einziges Überblenden ist. Laufend schieben sich neue Bilder über alte. Dynamisch verändert sich alles. Immer. Auch wenn es vermeintlich gleich aussieht, was wir täglich tun, die immer gleichen Griffe, die ständig gleichen Abläufe, die täglich gleichen Tassen, die ich in die Spülmaschine stelle, ist es doch immer wieder anders. Versuche mal, die Maschine zweimal genau gleich aufzufüllen! Oder versuche mal, zweimal das genau gleiche Bild aufzunehmen! Geht nicht. Bestenfalls wird das Ergebnis sehr ähnlich.
Das Gesicht des Alltags ist die eine Wahrheit. Eine andere, dass sie sich täglich ändert. Es lebe das Paradoxon.

0 Gedanken zu „Die Sache mit dem Kipphebel und andere wichtige Erkenntnisse“

  1. Durch Deine Erwähnung des Sandmannes brachtest Du mich zu meinem neuesten Blogeintrag. Dankschön aber auch!
    Beachtlich, Deine Kippfensterschrägstellungsmöglichkeiten-Findung:-)
    Gruß von Sonja

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