Außerhalb der Zeit. Drei Wörter, die es in sich haben.
Gestern und heute hatte ich so gar keine Lust auf Internet. Das virtuelle Korsett war plötzlich so unwesentlich. Einfach so bin ich aus dem Cyberspace gepurzelt und habe, statt Bilder und Texte zu weben, heute Gelee und Sirup gekocht, dass es eine rote Freude ist. Roter Johannis – eine meiner Lieblingsbeeren … Neben den Erdbeeren und Kirschen und Stachelbeeren und Brombeeren natürlich. Und den Zwetschgen. Aber halt, das sind ja keine Beeren. Und ich will nicht vorgreifen. Und auch die Trauben kommen später.
Säen und ernten. Die kleinen Tomatensämchen, die J. vor Wochen im Trog gesät hat, sind längst ausgepflanzt und ranken um die Stöcke. Das Wunder des Lebens vollzieht sich. Jahr für Jahr. Alles wächst dem Licht entgegen.
Auch über Rehe und Kitze habe ich heute von S. viel gelernt. Er ist Jäger und hat, seit wir uns kennen, schon viele meiner Vorurteile aufgeweicht. Da ich Vegi bin, sind wir oft gänzlich verschiedener Meinung. Doch seine Ausführungen zur Rehkitzfrage waren sehr spannend. Jetzt weiß ich, dass Rehkitze (Kati, liest du das hier?) von ihren Müttern tagsüber alleingelassen werden und nur zweimal täglich gestillt werden. Die Rehkitze rufen nach ihren Müttern, wenn sie sie Durst haben. Auch zwischendurch mal. Wenn die Mutter es hört und wenn nicht grad ein paar unbedarfte, gutmeinende Menschen das Kitz umschwirren, kann sie es allenfalls auch mal zwischendurch füttern. Doch in der Regel reichen eigentlich zwei Fütterungen.
Jäger, so meinte S., sehen, ob eine Rehkuh Mutter ist oder nicht und schießen auf gar keinen Fall auf Mütter. In den Tierheimen wissen die Leute oft nicht, wie sie ein Kitz aufziehen sollen und dann sterben die Tiere meistens.
Und noch viel mehr habe ich heute gelernt: Dass Rehe nach der Zeugung ihre Eier quasi einlagern, bevor sie sie ausbrüten, damit die Kitze nicht im Winter geboren werden. Nein, das hatte ich nicht gewusst und auch über Füchse und Hühner habe ich heute viel neues gelernt.
Wunder der Natur, diese Tiere. Wie Tomatensamen und Johannisbeeren.
Wunder über Wunder, Rätsel über Rätsel. Und auch dies noch:
Wo fängt die Zeit eigentlich an?
Bin ich jetzt wieder in ihr drin, weil ich im Internet bin?
Wo gehe ich hin, wenn ich träume?
Das ist so eine Sache mit den Jägern, ich weiß auch, was sie so positiv auf die Natur wirken. Mein Vater ging auch auf die Jagd. Aber mein Hass gegenüber Waffen drückt sich dann doch wieder durch.
ja, mir geht es auch so. dazu meine vegi-grundhaltung. hm.
dennoch: die natur ist knallhart.
1. zeit muss nicht beginnen, schliesslich endet sie nicht. 2. wieder im gewohnten rhythmus, ja, aber ist das weniger wirklich, weniger zeitlos? 3. das ist einfach. ins traeumeland, natuerlich!
willkommen hier, köngin der ungewissheit
meine eher rhetorisch gemeinten fragen lassen sich nicht endgültig und bestenfalls individuell beantworten 🙂
deine perspektiven dazu sind spannend … danke!
mein traumland heißt übrigens sommerland und ist saftiggrün.
und ist, maybe!, die zeit nicht einfach ein menschlicher versuch, eine von vielen illusionen, das leben erträglicher zu machen?
hoffentlich auf wiederlesen.
liebgrüß, sofasophia
dear sophia,
dessen war ich mir bewusst. 😉 und ja, der versuch, die zeit zu fassen, ist ganz bestimmt nur eine illusion. ob sie das leben ertraeglicher macht, ist fraglich – zumindest vereinfacht sie einiges.
gruesse zurueck,
j.
jaja, unsere tendenz, das einfache zu komplizieren und das komplizierte zu vereinfachen … dieses verrückte leben aber auch …
herzlich
d.