Integrationskurs „Alltag in Deutschland“ – Lektion 5: auswärts essen

Ich begrüße euch herzlich zur Lektion fünf des Integrationskurses „Alltag in Deutschland“ und mache euch darauf aufmerksam, dass alle bisherigen, aktuellen und zukünftigen Kursinhalte dieser Reihe ohne jegliche Gewähr vermittelt wurden und werden. Sie beruhen auf persönlichen Erfahrungswerten. Augenzwinkern und Ironiemodus inklusive. Jegliche Risiken gehen zu Lasten der Teilnehmenden.
Eine grundsätzliche Feststellung sei mir erlaubt: Integration, so weiß ich jetzt, ist Schwerarbeit. Selbst ich, die ich von bilateralen Freizügigkeitsabkommen mit meinem „neuen“ Land profitiere und aus einem Deutschland doch recht ähnlichen Land komme, selbst ich, die ich nicht wirklich eine neue Sprache lernen muss – abgesehen vielleicht vom ß, dass es in der Schweiz nicht gibt –, stelle fest, dass das Kennenlernen einer neuen Kultur, einer neuen Geografie, geringfügig oder deutlich anderer Umgangsformen, unausgesprochenen Regeln und Verhaltenskodexen eine große Herausforderung ist. Das gesunde Maß an Anpassung muss individuell gefunden werden. Mich verlieren und mir eine fremde Haut überziehen geht nicht. Will ich auch nicht. Wie viel schwerer muss es einem Menschen fallen, in der Fremde Wurzeln zu schlagen, der unter anderen als erfreulichen Umständen hier – oder in der Schweiz – gestrandet ist?!
Kommen wir – nichtsdestotrotz – zum heutigen Thema: „Essen in deutschen Restaurants“. Okay, ich gestehe, dass ich in Wirtschaftskunde noch nicht sattelfest bin und es wohl auch nie sein werde. Das war auch in der Schweiz nicht anders, denn ich bin nicht wirklich die Auswärtsesserin. Lieber koche oder grille ich mit meinem Liebsten oder mit lieben Leuten zusammen etwas, wo ich dann auch sicher weiß, dass keine Tiere – und keine tierischen Nebenprodukte wie Gelatine – drin sind.
Während es in der Schweiz kaum mehr ein Restaurant gibt, dass nicht mindestens ein Vegimenü auf der Karte hat – auch wenn es irgendwas phantasieloses mit Käse ist, da die meisten keine Ahnung von abwechslungsreicher, genußvoller Vegikost haben –, wird hierzulande schon mal mit gerunzelter Stirn zur Kenntnis genommen, dass ich Vegi bin. Dass es Vegis gibt. So was exotisches aber auch! Immerhin nicht in unserem nahen Umfeld. Zum Glück! Dennoch musste ich mich hier schon fragen lassen, was ich denn sonst esse. Sonst? Hallo?
Willst du als Vegi in Deutschland auswärts essen, findet sich beim Italiener immer eine Vegi-Option. Das gilt weltweit. Auch indisch essen kann ich überall vegetarisch. Aber was, wenn weit und breit kein Italiener und keine Inderin kochen? Wie steht es denn mit der gutbürgerlichen Küche wie jener in der Dorfkneipe, in die Irgendlink und ich neulich nach einer Wanderung eingekehrt sind?
Schon vor dem Eintreten hatte ich beschlossen, einfach zu nehmen, was es gibt. Salat und irgendeine Beilage. Spaghetti vielleicht. Die Karte vor dem Restaurant hatte nämlich nur Fleischmenüs gelistet.
Kaum saßen wir an unserem Platz, wurden wir auch schon von der Wirtin aufs Freundlichste begrüßt und nach unseren Wünschen gefragt. Mein Liebster erkundigte sich sogleich, was sie Vegis zu bieten habe.
Was halten Sie von Schupfnudeln mit Gemüsepfanne? Steht zwar nicht auf der Karte, aber ich hätte alles im Vorrat, sagte die Dame.
Ich nicke, sage Ja, gerne! und freue mich auf ein feines Essen. J. bestellt die auf der Wanderung visualisierten Pommes und Fleisch. Und Salat.
Wir müssen nicht lange mit knurrendem Magen warten, als die Dame uns auch schon letzteren serviert. Ohne Brot, was mich befremdet.
Das ist in Deutschland so üblich, sagte J. Egal. Hauptsache es schmeckt.
Auch der Hauptgang ist sehr fein, mit Pilzen und meinen Lieblingsgemüsen. Liebevoll angerichtet sogar. Als die Rechnung kommt, schlucke ich leer. Positiv überrascht.
Für den Preis hätte in der Schweiz nur eine Person gegessen, nicht gleich zwei!, sagte ich zu J..
Merke: Ungewohntes muss nicht schlechter sein.
(verfasst am 11. Juli 11)
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0 Kommentare zu „Integrationskurs „Alltag in Deutschland“ – Lektion 5: auswärts essen“

  1. Oh ja, das kenne ich auch!
    Manchmal gibt es dann nur einen Salat, weil es nichts ohne Fleisch auf der Karte gibt. Und wenn du dann noch ohne Knoblauch oder Zwiebeln essen magst, wird es meist zu kompliziert und es wird die Nase gerümpft.
    Schön, wenn die Wirtsfrau da so flexibel reagierte!!
    Umgekehrt bin ich in der Schweiz einmal bald umgefallen, weil ich etwa 23 € für das Kaffetrinken zu zweit löhnen durfte.
    ..grüßt dich Monika

  2. da sind sie, die feinen Unterschiede… zwar kein VegiEssen auf dem platten Land, dafür aber preiswert! Mit der Wirtin hattest du OberHammerVielGlück… lach – Vegis leben nur in deutschen Städten gut… dann aber auch gerne etwas teurer…
    und ich… ich gehe am liebsten NICHT in der Schweiz essen! Schon gar nicht seitdem der Franken immer stabiler wird,
    der Euro wankt und schwankt,
    dafür aber noch immer billiger getankt –
    Holperreim am Ende und eine gute Nacht! winkewinke

  3. Jetzt gibt es ja Reisegebetskoffer, vielleicht eine Vegikoffer mit dem Nötigstens für unterwegs, dann würde ich auch raten, sich einen Esel bei Kleins auszuleihen für das Gepäck. Gute Reise und lieb Grüß U.

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