Unterwegs nach Ignaberga

Eine ziemlich unruhige Nacht. Als wir gestern von unserm Abend- und Blogspaziergang zurück zu unserm Zelt kamen, bauten eben unsere neuen Nachbarn ihr Zelt auf. Im Halbdunkel. Wir erkannten bloß drei Schatten. Das Aufblasen der Luftmatratzen war von ständigem dümmlichem Gekicher begleitet und ich begann mich ob des Lärmpegels zu nerven.
Wir hatten es uns im Zelt gemütlich gemacht und verschlangen unsere Thriller. Elf Uhr vorbei. Ganz ausblenden konnte ich das laute Geplapper von nebenan leider nicht. Halb zwölf. Meine Müdigkeit machte einem genervten Grundgefühl Platz und ich begriff, dass ich mich grad eben wie in einem Massenlager fühlte. Mit dem Unterschied, dass uns ein paar Schichten Zeltmaterial von unseren lauten Nächsten trennte.
Och, lass sie doch, sagte mein Liebster, der sich zwar auch ein bisschen nervte und es, wie ich, ziemlich rücksichtslos fand, wie laut die Leute nebenan redeten und lachten. Die sind heute bestimmt weit gereist und aufgekratzt. In einer halben Stunde sind die still.
Was tatsächlich stimmte. Bis auf das Schnarchen wenigstens. Beide mussten wir deshalb nochmals aufstehen, um im Auto nach unseren Ohrstöpseln zu suchen. Nein, es war nicht das Schnarchen und Reden und Kichern und Lachen an sich, dass mich am meisten genervt hatte, es war eher meine Unfähigkeit zur Gelassenheit. Oder der Unfähigkeit, meine eigenen Bedürfnisse nach Ruhe ernst zu nehmen und nach nebenan zu kommunizieren. Kurz ein unausgewogenes, zerrissenes Grundgefühl, dass sich nicht eben entspannungsfördernd auswirkte.
Das Wort zum Tag, das am heutigen Yogitee-Beutelchen hing, passte einmal mehr perfekt:
Kritisiere nicht und du wirst sofort intuitiv! Ich streckte es J. hin, der – da ohne Brille – vorlas:
Knistere nicht und du wirst sofort hungrig!
Wir tranken grinsend unsere Aufwachgetränke, während sich die Nachbarn nebenan bereits an den Abbau ihres Zeltes machten und sich als Menschen wie du und ich entpuppten. Eine ganz normale Familie im Urlaub. Dennoch weinte ich ihnen keine Tränen nach. Ich hatte gar kurz überlegt, ob ich ihnen den Tipp geben sollte, bei zukünftigen Übernachtungen das Zelt mit mehr Abstand zu den NachbarInnen aufzubauen. Und generell mehr Rücksicht zu nehmen.
Ich ließ es bleiben. Was will ich Menschen nacherziehen, wo ich doch selbst oft genug in anderen Bereichen total unsensibel bin?
Nach einer gemütlichen Herumhänge- und Lesezeit nach dem Frühstück radelten wir bei strahlendem Sonnenschein los, um die Grotten in Ignaberga zu besuchen, von denen uns die deutsche Familie auf der anderen Seite unseres Zeltes vorgeschwärmt hatte.
Leider sind die Grotten jedoch aus Sicherheitsgründen letztes Jahr von der Feuerwehr geschlossen worden. Schade! Doch immerhin hatten wir nette Gesellschaft (Bild).
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Das kleine Kaff hatte außer zwei Kirchen leider nichts für uns zwei Hungrige zu bieten, sodass wir uns auf den zehn Kilometer langen Rückweg machten und das ICA am Ort plünderten.
Im gleichen Park wie gestern Abend sitzen wir nun und surfen frisch gestärkt im offenen Internet. Der Wetterbericht für hier ist nicht so toll, jener an der Südwestküste Schwedens schon besser. Mal schauen, wohin es uns morgen verschlägt.
Zweites Bild: Heute unterwegs …
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0 Gedanken zu „Unterwegs nach Ignaberga“

  1. ein schönes Bild – so richtig schwedisch (ich meine natürlich NICHT die Pferde ;o)
    so ihr zwei Lieben, ich winke euch mal zu- wir fahren jetzt auch gleich los – das Auto ist soweit gepackt, das Haus aufgeräumt, die Blumen geggossen und los gehts…
    ich wünsche euch von Herzen rücksichtsvolle ZeltnachbarInnen, schöne Aussichten und ein gutes Miteinander, aber das habt ihr ja eh…
    alles Liebe
    U.

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