Wespen und so

Wie hat Inox Kapell uns auf seinen beiden äußerst inspirierenden Insektenführungen samstags und sonntags erzählt? Wespen ließen sich mit Kupfer vertreiben.
Montagmorgen auf der Südterrasse. Liveexperiment. Wir sitzen beim Frühstück. T. fotografiert und dokumentiert, wie die Wespe sich ohne zu zögern auf das Marmeladenbrot neben den Kupfermünzen setzt. Entgegen Inox‘ Aussage.
Du glaubst bloß zu wenig daran, sage ich augenzwinkernd aus der wespenfreien Zone, wo zwei kleine Kupferröhrchen vor unseren Frühstückstellern liegen.
——-
Addition
Wespe hasst Kupfer.
Wespe liebt Marmelade.
Wespe zögert, kurz, Kupfer plus Marmelade zu mögen.
Wespe setzt sich auf Kupfer plus Marmelade und lässt es sich dort gut gehen.
Nein, das ist keine Fabel, sie hat keine Moral. Ebensowenig wie die Wespe.

The (Mon)Day After

Mit Frühstücken, Aufräumen und Abschiednehmen ist der Montagmorgen viel zu schnell vergangen. Das achte Mainzer Kunstzwerg-Festival ist Vergangenheit. Die letzten Gäste sind abgereist, Brandstifter, T., seine Liebste sowie die beiden Künstler Mike und Robert aus New York und New Jersey. Sie alle waren seit Donnerstag mit uns hier zuhause.
Nur P., auch bekannt als Qqlka, ist noch da und der ist ja eigentlich nicht wirklich ein Gast. Er gehört sozusagen zum Haus und half heute meinem Liebsten das kleine Chaos – bestehend aus vollen und leeren Flaschen, vollen Säcken und leerem Mietkühlschrank – zu bewältigen, während ich wieder zur Arbeit gefahren bin. Ruhe kehrt ein auf dem einsamen Gehöft.
Doch unruhig war es die letzten vier Tage nicht wirklich. Turbulent eher … und lustig, inspirierend, lebendig, zuweilen chaotisch, immer bunt und belebend. Und vor allem sehr, sehr angenehm – all meine Ängsten zum Trotz. Die Leute, die hier ein und aus gegangen sind, haben sich sichtlich wohlgefühlt. Sie haben sich im Garten, auf der Terrasse im nahen Wald, im Atelier-Kulturraum oder in der Außenküche aufgehalten, haben geschlafen, nicht geschlafen, miteinander geredet, zusammen geschwiegen, sich gegenseitig zugehört, sie haben gestaunt und gedöst, geraucht die einen, das Feuer geschürt, getrunken, gegessen und sie haben den neuen Klängen gelauscht.
Verdichtetes Leben. Klangfarben vielerlei Kunst.
Ein besonderes Erlebnis für mich war die Begegnung mit der taiwanesischen Künstlerin Meng Wu (sprich: Mong), die hier nicht nur als sich selbst sondern auch als Blume auf dem Feld mit dabei war.

Mengs Blog: http://meng-hsuan-wu.blogspot.com/
Weil wir eine Wette abgeschlossen haben, die wir beide gewonnen und verloren haben (ja, das gibt’s), bekam jede von der anderen ein Bild geschenkt. Während des Samstagabend-Konzertes im knappen Licht der sphärischen Beleuchtung, eingehüllt in psychedelische, außerirdische Klänge malten wir nebeneinander vor uns hin. Ein tolles Erlebnis. Die Übergabe erfolgte gestern Vormittag auf einem Spaziergang über die Felder. Da, wo es ganz still ist, stehend unter einem Baum, vor uns der Horizont, hinter dem es immer weiter und weiter geht, überreichten wir uns unsere zur gegenseitigen Ermutigung gedachten Werke.
Später, nach der letzten Improvisation im Atelier – unterstützt von zwei spontan eingeladenen Alphornisten und gefilmt von einem begeisterten Saarländisch-Rundfunk-Team, das über das dreitägige Festival für Mittwoch eine Sendung plant – reisten die meisten Leute ab. Auch Meng.
Werden wir uns je wiedersehen?
, fragten wir uns. Ich weiß es nicht. Doch vergessen werde ich sie nicht.
Gestern Abend war ausbaumeln angesagt. Wie halbtote Fliegen hingen wir, zu acht noch, in den Bänken, und tauschten uns aus. Ausgelassen, müde, authentisch, aufgekratzt. Mike (sk orchestra) und Robert (P.A.S.) schenkten mir gleich drei handsignierte CDs.
Thanks for helping us feeling at home. Was für ein schönes Kompliment!
So habe ich mit Katis nigelnagelneuer CD On The 2nd Thought, die ich mir heute Abend anhören werde, ganz schön viel neuen Sound im Haus.