*leere Zeile*

Zu viele Farben, zu viele Bilder, Kontraste, Geräusche, Texte. Zu viele Geschichten. Einfach viel zu viele Eindrücke aus allen Richtungen. Zu viel von allem. Reizüberflutung. Alles gleichzeitig und deshalb nicht wirklich aufnehmbar. Dazu viel zu wenig Ruhe innen drin. Stille, warum weiche ich dir aus? Warum lass ich dich nicht ein? Ich sitze da und hätte alle Zeit der Welt für dich und was tue ich stattdessen? Ich surfe, ich lese. Klicke Bilder an, klicke Texte an, schreibe Kommentare da und dort. Gebe meinen Senf dazu. Bin da betroffen, leide dort ein wenig mit und klicke mich weiter. Und bilde mich weiter – ganz beiläufig. Bilde es mir jedenfalls ein.
Es denkt in mir. Laut denkt es in mir. Lauter laute Wörter. Buchstaben, die ich ausspucke, jetzt und hier und ich begreife, dass alles, was mich da draußen stört, schon und immer auch in mir drin ist. Leistung bringen müssen? Kannst du sogar zuhause am Schreibtisch haben! Voilà: Sogar beim Bloggen. Beim Bilder einstellen auch und beim Rückmeldungen geben. Sogar welche zu bekommen ist nicht leistungs(druck)frei. Dank wird erwartet. Glaube ich jedenfalls. Dieser Jahrmarkt der Eitelkeiten hier und jetzt, frei nach William Makepeace Thackeray. Transponiert in die Gegenwart. Eitelkeit ist zeitlos. Doch Eitelkeit nährt ein bisschen. Das Ego immerhin.
Und was nährt den Bauch? Wozu den Antrag auf Wohngeld ausfüllen? Ein bisschen mehr Geld zu haben, ist nicht schlecht, scheint es mir. Entlastung ist willkommen. Entspannung tut gut und Geld regiert die Welt, sagen sie. Sie? Wir. Ich. Ich auch. Auch ich brauche es, das Geld. Die Kohle. Den Schtutz. Auch ich kann ohne es und sie und ihn nicht einkaufen. Auch ich glaube zuweilen, mehr als mir lieb ist, dass Haben die Seele nährt. Stimmt es sogar? Eingewoben in der Materie, wie ich es bin, ist Haben mitverantwortlich für Wohlgefühl. Ich sage nur iPhone. Ich sage nur Auto.
Nein, ich plädiere hier nicht für Kaufen. Nicht für Habenmüssen. Nicht für mehr. Nicht für größer. Nicht für Big Business. Und schon gar nicht für Weihnachten und so Zöix. Nein, ich plädiere nicht für diesen Hype. Ich boykottiere ihn sogar. Wie schon seit vielen Jahren gibt es von mir keinerlei Geschenke, keinen Christbaumklimbim und auch kein Adventsgekränzel. Null Kitsch. Null Sentimentalität. Null Weihnachtsprogramm. Und null Karten. Bestenfalls zur Sonnwende und zum neuen Jahr einen Gruß. Lieber schreibe ich jedoch Briefe, Karten und Mails, wenn ich Lust dazu habe.
Dennoch fühle ich mich virtuell übersättigt. Dauermüde vom Hören, Sehen, Verarbeiten. Immerhin und zum Glück ist das meiste davon, was ich aktuell als stressig empfinde, handgestrickt.
Schnitt.
Und jetzt? Darf frau sowas veröffentlichen? Ein Text mehr, der im virtuellen Netz herum schweben wird. Ein paar Zeilen nur. Worte. Wörter. Leerlauf möglicherweise. Gedanken, wie sie alle denken. So what?
Wenn ich hier einmal einen tollen Text geschrieben habe, muss ich deswegen nicht immer geniale Texte schreiben. Ist mit Bildern nicht anders. Mut zum Unperfekten. Mut zum Prozess. Und ja, es darf auch mal durchschnittlich sein, was wir produzieren, was wir leisten. Unsere Messlatten dürfen ruhig rauf und runter gehen. Ein Stressfaktor weniger, wenn wir uns dies erlauben.
Ein leeres Bild. Ein weißes Blatt Papier. Nackter Baum. Pause. Punkt. Lücke.
Ja!