Nein, keine Rechtfertigung, wir Schlampen können nicht anders, wir sind so. Die meisten meiner Freundinnen und Freunde sind auf die eine oder andere Art Schlampen. Mich eingeschlossen. Jawohl. Das musste einfach mal gesagt werden. Rechtfertigung nein, wie gesagt, Definition ja gerne – einfach um Missverständnissen vorzubeugen (könnte mir eigentlich konsequenterweise egal sein).
Den Begriff Schlampe, wie wir ihn anwenden, haben Freundin C.(2) und ich bei der Schweizer Bestsellerautorin Milena Moser und ihren Büchern Schlampenbuch, Schlampenyoga und anderen geklaut. Denn, wie gesagt, da gibt es viele andere Verwendungsmöglichkeiten. Wenn ich im Internet surfe, drehen sich alle herkömmlichen Definitionen um das Leben in der Horizontale.
Doch Schlampen gemäß Moser et altri sind kurz gesagt Frauen, denen es am A… vorbei geht, was die netten NachbarInnen denken. Zugegeben, das sind dann schon die höhere Weihen – sprich: schwarzer Schlampengurt – und so weit bin ich leider noch nicht. So fasse ich es allgemeiner: Wir Schlampen tun und lassen, was wir nötig finden. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger. Dafür tun wir gerne, was Spaß macht, wir Schlampen, frei nach dem Motto Übermut ist immer gut. Um dahin zu kommen ist allerdings der dornige Weg der inneren Zensur durch äußere Instanzen zu überwinden. Nicht einfach, das kann ich laut sagen.
Schlampen sind übrigens nicht etwa, um da ein paar gängige Klischees und Vorurteile aus dem Weg zu räumen, per se schlampig, denn jene Dinge, die ihnen wirklich am Herzen liegen, machen sie mit vollem Einsatz, leidenschaftlich und mit Herzblut. Dafür sehen sie das Unkraut Beikraut in den Ritzen zwischen den Platten nicht, es sei denn, um es fotografisch zu ehren. Schlampig sind sie nur in den Augen der anderen, weil sie beispielsweise ausgedienten Dingen neues Leben einhauchen statt es dem Sperrmüll zu übergeben. Das Ignorieren von Sprüchen wie Das macht man nicht!, Du enttäuschst mich aber!, Ich habe von dir mehr erwartet! und anderer Bockmist vom selben Kaliber sind gute Übungen auf dem Weg zur Initiation in die Schlampenzunft. Und zugleich dienen sie der Selbstkontrolle. Bringen solche Aussagen eine Schlampe in Ausbildung aus dem Stand, gibt es noch viel zu tun. Gib aber bloß nicht auf. Das Ziel lohnt sich!
Schlampen im Alltag? Während Nicht-Schlampen die Waschmaschine genau eine Minute nach dem sie fertig geschleudert hat, leeren und die Wäschen aufhängen, trinken Schlampen in aller Ruhe den Kaffee, Tee, Wein oder Likör aus, lesen dazu mitten am Tag ein paar Seiten im Krimi, bloggen und schreiben, statt vor der eigenen Türe zu kehren, und holen die Wäsche später. Trocken wird sie nämlich früher oder später sowieso. Schlampen stehen auch nicht sofort vom Tisch auf, kaum dass der oder die Letzte in der Runde den letzten Bissen in den Mund geschoben hat. Oder gar vorher. Sie bleiben sitzen, denn sie lieben gemütliches Zusammensein. Das Geschirr kann warten. Dies noch: Schlampen mögen Worte wie später, irgendwann und mañana nicht nur des schönen Klanges wegen, dennoch leben sie jetzt.
Eine Schlampe ist niemals Sklavin, sondern Gebieterin ihrer Dinge, ihrer Uhr und der Außenwelt. Ob Haushalt, Büro, Atelier, Garten oder was auch immer, ist dabei einerlei. Eine Schlampe ist eigenmächtig und selbstbestimmt. Ob dies wohl der Grund ist, warum wir Schlampen noch immer diskriminiert, verleumdet, verfolgt und nicht verstanden werden?
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Anmerkungen:
Selbstverständlich gibt es auch männliche Schlampen und Nicht-Schlampen. Alle weiblichen Formen gelten auch für sie.
Halbschlampen gibt es allerdings nicht.
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Freundin C.(2) gewidmet, die bald zum zweiten Mal Mama wird. Es lebe das Schlampentum!
Ich bin gerade etwas verwirrt. In meinem Beitrag geht es auch um Schlampen. Wenn auch um andere. Es lebe die Schlampe! Wir müssen einfach die Bedeutung des Wortes umändern. Oh Mann …
oooh, muss ich grad gucken. war noch nicht auf blogspaziergang …
bis später und ja, wir leben hooooch! 😉
Es entstand einwenig früher als deins, aber nur 10 Minuten. Ich hab‘ selten Entwürfe, aber diesmal schon. Irgendwie hatte ich keine Lust, das Thema zu veröffentlichen, aber hab’s dann getan. 🙂
witzige synchronizität – da war die idee also in einer wolke irgendwo da oben 😉
Hahaha! Ich bin voll die Schlampe! Und ich mag die Definition.
Und noch mehr mag ich deinen Kommentar. Er hat mir gut getan. Vielen, vielen Dank!
Hab eine schöne Zeit und bis immer wieder in der Bloggerwelt – und wenn’s euch nach Hamburg verschlägt, vielleicht auch mal in der realen …
Alles Liebe von Kati 🙂
Also irgendwie hätte ich jetzt gerne einen „Facebook – like – Button“ 🙂
Liebe Grüße von der „Male-Schlampe“ einen berg weiter.
@ kati:
voll-die-schlampe, willkommen an bord! auch dir alles liebe und was immer du brauchst!
@ soulsnatcher:
f***book is nicht bei mir (siehe artikel vor ca. zwei wochen, wo mir gar alpträumte) aber like-button gibts immerhin bei wordpress 🙂
schlampengrüße zurück, wo immer ihr seid (oder ist das letzte jetzt geklaut? egal, schlampen dürfen das!)
und pipi singt: ich mach mir die welt, widewidewitt, wie sie mir gefällt…
schlampige nachtgrüße li ssi
Die Wäsche trocknet ja wohl auch in der Trommel.
@ li ssi:
jaaaa, dir auch 🙂 hejhej!
@ irgendlink:
wie wäre es mit DSDS (deutschland sucht den schlampenstar)?
trommeltrocknen sticht definitiv!
Es kommt immer darauf an, welche Bedeutung den Worten verliehen wird. Was Du in Deinem Artikel beschrieben hast, nenne ich Gelassenheit und die Prioritäten setzen und je häufiger man Mutter wird (da beziehe ich mich jetzt auf die Widmung Deines Textes), um so wichtiger wird das. Allgemein mag ich das Labeling nicht so sehr, auch nicht dieses. Obwohl ich nach der o.g. Definition sicher eine Schlampe bin, unordentlich und vermeintlich uninteressiert an dem, was „die anderen“ sagen. Als Mutter wird es dann allerdings wieder schwieriger, weil es (mir zumindest) auf einmal nicht mehr so egal ist, was die anderen Mütter von mir sagen, wobei es nicht mich selbst interessiert, aber die Auswirkungen, die das auf meine Kinder haben könnte. Eine richtige Schlampe, könnte ich mir vorstellen, steht darüber.
du hast natürlich recht, liebe mützenfalterin, labeln ist immer heikel, aber da das hier ja eine satire ist, darf das eben auch mal sein.
was du sagst, dass andere – hier deine kinder – unter den auswirkungen eines schlampenlebens leiden müssten (weil über die schlampe getratscht werden könnte), hm, das ist natürlich so eine sache. wie ich dich wahrnehme, wirst du ihnen bestimmt genug geborgenheit und rückgrat vermittelt haben und weiterhin vermitteln, so dass sie da drüber stehen was andere über ihre mutter sagen oder denken. toleranz-learning geschieht ja eh am besten by doing wie das meiste andere auch – ob nun bei den kindern oder der mitwelt. nimm also bitte bloß nicht zu viel rücksichten auf die „anderen“. deine kinder werden es dir später danken, wenn du jetzt authentisch bist und die, die du bist. ganz!