Das machen wir bald wieder mal!, sage ich beim Abschied und umarme Freundin T., meine Beinahe-Nachbarin, herzlich. Sie wohnt ja nur fünf Radminuten entfernt. Ein Katzensprung. Das könnte zur Tradition werden, wenn es nach mir geht. Wir lachen.
Ein wunderbarer Spaziergang auf den nahen Hügel, durch die Wälder, an Wiesen vorbei, auf denen alles gelb leuchtet. Sonnentrunkene Löwenzahnblüten dicht an dicht. Wir zwei auf den Spuren des Frühlings. Sonne und kalter Wind, der uns um die Ohren fegt. Überall grün.
Schafe. Bienen. Blüten. Ach, wie habe ich es die letzten Tage vermisst, lustvoll nach draußen gehen zu können. Ich habe den Regen so satt, noch vielmehr die Kälte. Es müsste wärmer sein. Es müsste sonniger sein.
Die Bienen müssten fliegen können, um die Obstbäume, die in Blüte stehen, zu befruchten, denken wir laut. Sonst haben wir im Juni keine Kirschen und im September keine Äpfel.
Stell dir vor, sie tun es nicht? Nur so als Möglichkeit, sage ich. Mich schaudert.
Wie abhängig wir von diesen kleinen Tierchen sind, sagt T., und von der Erde. Und wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen. Ein altes, ein deswegen nicht weniger wahres Bild.
Über Hingabe an die eigenen Projekte reden wir, als wir den nächsten Hügel hochsteigen. Und darüber, wie alle möglichen Pendel in der Gesellschaft immer von einer Seite auf die andere schlagen. Nie zur Ruhe kommend, nie in der Mitte bleibend. Extreme gab es immer. Früher war es das „Wir“, das über allem stand und dem alles geopfert wurde. Insbesondere die Sehnsucht nach Selbstverwirklichung. Heute ist es das „Ich zuerst!“ mit fettem Ausrufezeichen.
Selbstverwirklichung – ja, gut, will ich ja auch, bin ich dran. Ich finde, es ist eine wichtige Aufgabe, wirklich die zu werden und zu sein, die ich bin. Mich selbst. Doch welchen Preis bin ich und sind wir bereit dafür zu zahlen? Wie viele Opfer dürfen wir bringen, als einzelne, als Gesellschaft?
Ich sehe so viele Kinder ohne Vorbilder, ohne Orientierung, die auf dem Egotrip ihrer Eltern mitsurfen und alles haben, doch nichts mehr, wofür es sich zu kämpfen lohnt.
Da, guck, die Schafe! Ganz zahm sind sie. Wir füttern sie mit dem fetten, blumenreichen Gras von der andern Seite des Zauns. Denn da, ach wir wissen es alle, ist das Gras immer besser, grüner, saftiger.
(Bilder folgen)
Na, wenn das sich nicht nach Leben einatmen anhört, dann weiß ich auch nicht. =)
gell – das muss einfach sein! und darf und tut gut 😉