Unerzählte Geschichten sind in der Mehrzahl. Nicht alle können sich vor dem Vergessen retten. Diese hier hat sich in den letzten Tagen ans Licht gedrängt. Sie will erzählt werden, auch wenn bereits Schnee über ihr liegt.
Schon mehr als zwei Wochen ist es her. Bei Irgendlink auf dem einsamen Gehöft war es, wo wir einmal mehr per Zufallsgenerator Himmelsrichtung und Distanz bestimmten, um unser Ausflugsziel zu definieren und mit diesen Vorgaben auf geocaching.com einen schönen Geocache ganz in der Nähe des von uns ermittelten Punktes zu suchen.
Die Wanderschuhe sind schnell geschnürt und schon geht’s los. Auf einem kleinen Hügel parken wir das Vierrad und machen uns von dort aus zu Fuß auf die Suche. Unten im Tal liege der Schatz, sagen unsere Kompassnadeln und sagt auch die Karte, unten, ganz tief unten, in einer waldigen Schlucht. Die Wanderwege machen Schlenker über Felder und Wiesen, die das Waldgebiet umgeben, weshalb ich vorschlage, querfeldein zu gehen. Zumal die Felder und Wiesen ziemlich trocken und ausgetreten sind. Und noch ganz und gar schneefrei. Wir gelangen problemlos an den Waldrand, wo jegliche Wege enden. Die Schlucht unter uns ist wirklich kein Sonntagsspaziergang. Feuchtes Laub. Steil abfallendes Terrain. Sehr steil abfallendes Terrain.
(das Smiley zeigt die Koordinaten des Geocaches)
Zwar haben wir beide ausgezeichnetes Schuhwerk, dennoch schlägt Irgendlink vor, zurückzugehen und den Wanderwegen zu folgen.
Wir müssen ja nicht immer den mühsamsten Weg nehmen, wenn es einen anderen gibt, sagt er. Recht hat er, dennoch überlegen wir hin und her, und entscheiden uns schließlich doch dafür, versuchsweise ein paar Schritte ins Waldinnere zu tun. Um zu testen, wie gefährlich die Steigung wirklich ist. Einmal im Wald drin, gibt es aber kein Zurück mehr. Mehr rutschen wir als wir gehen und es macht richtig Spaß, sich von Baum zu Baum zu schlängeln. Ganz unten angelangt, erwartet uns ein herbstbuntes Märchenland. Stille. Ein wilder Bach am Talboden, den wir überqueren. Nun folgen wir einem Trampelpfad, der uns wieder ein wenig aufwärts führt.
Unsere digitalen Kompassnadeln lotsen uns Richtung Quelle. Zehn oder zwanzig Meter vor uns liegt der gesuchte Schatz versteckt, doch hier ist vor uns unter uns. Etwa fünfzehn steile, felsige Luftlinie-Meter unter uns, um genau zu sein.
Hier eine Kletterpartie zu wagen, grenzt schon ein wenig an Verrücktheit!, sagt Irgendlink. Doch schon bald ziehen wir die zuvielen Jacken und Rucksäcke aus und klettern vorsichtig über die glitschigen Steine. Denn natürlich sind wir verrückt genug für so was. Kurz darauf stehe ich auf einem letzten hohen Stein. Irgendlink hat sich mit seinen langen Beinen bereits zwei Ebenen tiefer geschoben, doch ich hänge fest. Wie kann ich diesen Graben von der oberen zur tiefer liegenden Zwischenebene bloß überwinden ohne zu stürzen? Was gäbe ich jetzt für längere Beine! Ich habe Schiss davor, mich ins Leere fallen zu lassen. Irgendlink überlegt, dass er mich einfach auffangen könnte, doch das geht nun gar nicht. Zwei müssen nun wirklich nicht stürzen.
So überlegen wir hin und her, bis ich den Einfall habe, dass er sich doch einfach in den Spalt stellen könnte. Ich kann nun problemlos den Graben zwischen oberer und mittlerer Ebene mit meinem rechten Bein überwinden, denn dieses ist auf einmal lang genug und die Distanz von unüberwindbar zu überwindbar geworden. Irgendlink tut nichts weiter als dastehen.
Von der mittleren Ebene auf die unterste ist es nun nur noch ein kleiner Sprung und von unten sehen wir sofort, dass der Cache genau unter meinem großen Felsen versteckt ist, sorgfältig mit Ästen und Steinen zugedeckt. Unsern geübten Geocacheraugen entgehen solche Verstecke nicht. Wir tragen schon bald unsere Namen ins Logbuch ein, das in der Tupperdose liegt, und machen uns wieder an den Aufstieg. Viel undramatischer ist dieser, denn nun entdecken wir einen einfacheren Weg. Zwar ist er ein bisschen länger ist, doch gefährliche Kletterpartien bleiben uns erspart. Zurück bei den Rucksäcken, wird mir auf einmal klar, dass uns am Waldrand oben eine Rückkehr auf den Wanderweg nichts gebracht hätte. Die Schlucht kann nicht anders als kletternd erreicht werden, ob nun von Norden, von Westen oder von Osten – der Weg ist einfach steil und auch von Süden, dem Flussbett entlang, nicht einfacher zu begehen.
Wie war das gleich? Das Leben ist nicht ideal.

Ein kleines Leseabenteuer für mich an kaltem Vormittag. Habt Ihr auch Wintertiere gesehen? Oder Quellensänger gehört? Elwedritsche?
Gruß von Sonja
liebe sonia
leider nein, es war nur herbststill. wind. wasserrauschen. nicht mal an vögel erinnere ich mich.
wild wars …
liebe grüsse in die warme stube
soso