Kurz nach sieben fühlte sich die Wohnung tatsächlich etwas abgekühlt an. Mein Körper fühlte sich gleich nicht mehr so krank, nicht mehr so fiebrig an wie um fünf Uhr früh. Laut war es draußen, die üblichen Flugzeuge und Autos, für Vogelgezwitscher ist es schon zu spät und dazu bin ich eh zu schwerhörig.
Die Woche beginnt, Montagmorgen, alles wie immer. Nein. Es ist eine neue Zeit angebrochen. Die Klimakatastrophe liegt nicht vor uns, wir stecken bereits mitten drin.
Gleichzeitig ist aber jeder Tag auch einfach nur ein neuer Tag.
Dieser hier ist der erste Tag, ein sehr ersehnter Tag für mich, der hoffentlich nicht mehr zur Hitzewelle gehört. Den Wetterbericht habe ich noch nicht gesehen.
Ich sehne mich so nach Herbst, nach Kühle, nach Normalität, nach meinen gewohnten Abläufen.
Dieser Ausnahmezustand zerrt an meinen Nerven. Die Hitze reibt extrem an meinem Nervenkostüm. Die Hitze überlastet und überfordert meinen Körpers, meiner Sinne.
Diese Hitze ist nicht nur ungesund, sie ist auch einfach unglaublich stressig, sie versetzt mich in stetige Alarmbereitschaft, mein ganzes System kommt kaum mehr richtig zur Ruhe, physisch ebenso wie psychisch bin ich unglaublich erschöpft. Es ist alles furchtbar ermüdend. Dazu die kurzen Nächte, weil ich nicht früh und nicht lange schlafen kann. Es ist alles sehr schwer auszuhalten.
Und immer im Hinterkopf dieser Gedanke, dass es mir ja – wenigsten rein materiell – verhältnismäßig gut geht. Ich habe ein Dach über dem Kopf, doch ich wohne nicht direkt unterm Dachboden. Ja, meine Wohnung kann 30 Grad warm werden, vielleicht noch wärmer, was ich lieber nicht wissen möchte, doch ich kenne Menschen, deren Wohnungen noch heißer waren. Es gibt immer Leute, denen es schlechter geht, deren Lage noch schlimmer ist, besonders in anderen Ländern, wo es noch heißer ist.
Andere Länder haben längst Strategien, haben sich über die vielen Hitzejahre angepasst, doch wir hier sind überfordert, müssen alles irgendwie lernen, uns neues Wissen aneignen, ein Hitzemanagement erschaffen, uns körperlich und mental anpassen – doch wer zeigt uns, wie das geht? Die Klimaleugner*innen in den Regierungen? Eher nicht.
Auf einmal sind mir Klimaanlagen vorstellbar, doch damit kommen neue Energieprobleme auf uns zu. Es braucht rasche Lösungen, gerade für Menschen, die mit Hitze nicht gut umgehen können: kranke Menschen, ältere Menschen, wenig belastbare Menschen. Eigentlich genau die, die eh nur kosten und nichts leisten und am liebsten übersehen werden //ironieoff.
Unsere Regierungen sind so gefragt wie nie. Gesundheit, insbesondere Klima-Gesundheit und Klima-Schutz sind die ganz großen, ganz wichtigen Themen. Gerade jetzt sollte die Solar- und Windenergie gefördert werden wie nie zuvor.
Ich weiß, ich sage da nichts Neues. Das wissen wir alles. Ob sich die Katastrophe wohl noch wenden lässt? Ich bezweifle es ehrlich gesagt.
Eigentlich sind wir ja ein Kollektiv, doch sitzen wir trotzdem nicht alle im gleichen Boot. Die in den großen Booten, die, die den ganzen Scheiß zu verantworten haben, sitzen in ihren klimatisierten Büros und an ihren Pools und bekommen nichts mit. Ja, das alles macht mich fertig.
Dennoch ziehe ich mich gerade ziemlich zurück. Allein lässt sich die Hitze besser ertragen. Da muss ich nur meine Befürfnisse beachten. Es fühlt sich egoistisch an, zugleich ist das Leben gerade mal wieder sehr existentiell geworden.
Wir stehen an einem Wendepunkt: So wie es war, wird es nicht mehr werden, nicht so lange wir leben; nicht, so lange ich noch lebe. Wie die Pandemie ist auch dieser Sommer hier eine Zäsur in der irdischen Klimageschichte: vorher und nachher.