Die Hoffnung stirbt zuletzt …
Dass die Schweiz ins Achtelfinale kommt, ist immer noch möglich! Und dass der Sommer kommt, ebenfalls …
Daumendrücken!
Fallmaschen & Herzgespinste
Da ist dieses Bild. Aufgenommen irgendwo nach Béziers und vor Perpignan. Es ist der 14. Mai 2010 und ich bin unterwegs nach Borredà. Kurz nachdem ich es aufgenommen und mich wieder ins Auto gesetzt habe, erhalte ich eine SMS von J.. Mit den Koordinaten seines Standortes. Er habe einen wunderbaren Platz gefunden, schreibt er. Nach dreieihalb Wochen werden wir uns endlich wiedersehen. Vorfreude. Nur noch ungefähr hundert Kilometer Luftlinie trennen uns.
Da ist dieses Bild. Zuerst bin ich daran vorbei gefahren. Immer weiter, immer vorwärts. Wie viele schöne Häuser ich sehe! Würde ich bei jedem stehenbleiben, wäre ich an diesem Tag wohl noch länger als elf Stunden unterwegs.
Hundert Meter nach dem Haus eine Ausweichstelle. Noch ignoriere ich die drängende Stimme: Halt an und mach ein Bild! Ich fahre weiter. Schließlich ein Kreisvortritt. Wieder die Stimme: Es ist noch nicht zu spät! Ich fahre im Kreis und nehme die Ausfahrt zurück in die Richtung, aus der ich gekommen bin, halte in einer Ausweichbucht an, packe die Kamera und steige aus. Wind und Mittagshitze schlagen mir entgegen und ich begreife allmählich, dass ich Regen und Nebel hinter mir gelassen habe. Endlich Südfrankreich. Dass ich bald das Meer sehen werde, ahne ich mehr als dass ich es weiß.
Da ist dieses Bild. Da stehe ich also. Vor dem Haus. Fern anderer Häuser steht es einsam an einer Straße, die A mit B verbindet. Ein Haus, das bessere Zeiten gekannt hat. Ein Haus, das einst mit viel Liebe bemalt worden ist. Ein Haus, in dessen Hof alte Geräte vor sich hin gammeln. Ein Haus wie ein älter werdender Mensch, dem vieles, das früher zählte, unwichtig geworden ist. Dennoch hat es, was andere nicht haben: Erinnerungen. Und diese wunderbare Fassade. Das Gesicht eines weisen, alten Mannes.
Ein Bild, das dafür steht, dass ich meinem Impuls gefolgt bin. Wäre ich einfach weitergefahren, gäbe es dieses Bild nicht. Kein Weltuntergang. Ihr wüsstest alle nichts von diesem Bild und würdet es nicht vermissen. Ihr wüsstet nichts von der Geschichte, die das Haus mir erzählt hat und ich euch. Nicht weiter schlimm. Wir könnten alle auch ohne dieses Bild weiterleben. Und ohne das Lesen dieses Artikels ebenso.
Doch in meinem Hinterkopf gibt es noch ein anderes Bild. Ein Bild, das nie fotografiert worden ist. Ein Bild, das einen einsamen Baum gezeigt hätte. Im Hintergrund Gewitterstimmung, die sich nicht mit Worten beschreiben lässt. Auf unserem Weg nach Ille-sur-Tête war es gewesen, ein paar Tage vor Silvester. In den Ferien. Ein Bild, dass es nun nur in der Erinnerung zweier Menschen gibt. Jener Baum – er wird nie wieder so aussehen wie an jenem Tag. Augenblicke kommen und gehen. Bilder werden aufgenommen oder nicht.
Noch kaum vierundzwanzig Stunden alt und schon hat mir mein neues Telefon das Leben gerettet. Spätestens um halb vier hätte ich an der XYstraße sein sollen, um dort drei Straßenspiele abzuholen, die wir morgen an unserem Spiele-Stand am Berner Flüchtlingstag auf dem Bundesplatz einsetzen wollten – neben anderen Aktivitäten. Konjunktiv.
Wie so oft hatte ich mal wieder die Zeit verbummelt. Ich war nicht wirklich motiviert gewesen, überhaupt nach draußen zu gehen. Noch immer Fieber. Mattigkeit. Dazu bisschen Regen. Auch begreife ich erst um zehn nach drei, als ich im Auto sitze, dass freitags bereits ab drei Uhr Feierabendverkehr herrscht. Viel zu langsam und an tausend roten Ampeln vorbei kriechen Sternchen und ich durch Berns Straßen. Verursacht durch meine Schlappheit verfahre ich mich dann auch noch im Botschafterquartier, wo ich mich schlecht auskenne. Die Zeit wird knapp und knapper. Ach wie froh ich doch bin, dass mir mein eiFöun Guugls Straßenkarten zur Verfügung stellt und ich – dank Kompass – herausfinde, wo genau ich bin. Ein kleiner Anruf bei XY und bald darauf bin ich am Ziel. Mit Verspätung zwar, aber was soll’s.
Dort dann der große Schock: Die Straßenspiele sind für mich und mein Sternchen zu groß und zu schwer. Ich muss abwinken und unverrichteter Dinge ins Büro fahren, wo ich die letzten Vorbereitungen für den großen Tag treffe.
Zuhause erwartet mich ein voller Briefkasten. Gut getarnt ein amtlicher, mausgrauer Umschlag. Verkehrspolizei steht oben links. Mein Herz setzt einen Takt aus, um danach doppelt so schnell weiter zu klopfen. Ich widerstehe der Versuchung, den Umschlag bereits im Treppenhaus aufzureißen. Will mich hinsetzen. Gut durchatmen. 93km statt 80 sei ich gefahren, steht da. Kurz nach Basel. Vor zehn Tagen. M***!
Kann so ein Tag noch besser werden?
(((Edit: Ja, er kann … danke, J., für deinen Anruf 🙂 )))
So unschuldig war der heutige Morgen …
Alltagskunst im Wohnzimmer.
Mein Hackbrett.
(Was mir an den Bildern gefällt, die das eiFöun macht: Die Bilder rauschen so sehr, wenn sie mit knappem Licht aufgenommen worden sind, dass sie bereits wieder genial aussehen. Wie Polaroidaufnahmen irgendwie. Witzig zum Bearbeiten.
Doch mit genügend Licht gemachte Bilder sind zum Teil richtig genial.)
Unwiderstehlich, diese Technik. Konsumieren ist was schönes, sagte mein Scheff gestern. Recht hat er und neue Turnschuhe. Und ich, nach einem beunruhigenden Besuch bei meiner Ärztin seit ein paar Stunden ein iPhone.
Unwiderstehlich, wie gesagt. Bloggen per Mail mit dem eiFöun? Mal gucken.
Da war neulich dieses spannende Gespräch. Um das Bedürfnis, sich mit seiner Kunst selbst darzustellen und Spuren zu hinterlassen versus das Bedürfnis, andere mit unseren Kreationen gut zu tun und zu berühren, ging es dabei. Nein, nicht versus natürlich. Immer alles. Immer beides.
Ist es purer Maul- und Seelendünnpfiff, dass jede und jeder über sich selbst redet und schreibt oder sich sonst wie darstellen will? Oder meinen wir vielleicht etwas in der Art: Hallo, ihr da draußen: Hört ihr mich? Geht es euch auch so, wie ich es hier schreibe (oder darstelle, wahrnehme, fotografiere, singe oder male)? Versteht ihr mich?
Selbstdarstellung ist meist der Beginn eines Dialogs. Neben der sich selbst sichtbar machenden Person ist da ja auch jene Person, die die Darstellung betrachtet, liest, zur Kenntnis oder wie auch immer wahrnimmt. Das DU!*
Wer sich selbst darstellt, macht sich sicht- und angreifbar – ob nun anonym oder nicht. Aus dem initiierten Monolog soll durch Resonanz ein Dialog entstehen, denn was nützt die schönste Selbstdarstellung ohne Publikum? (… ich folgere hier, dass Publikum für Resonanz und Dialog steht!) … Dialog von friedlich bis kontrovers … Wer sich darstellt, signalisiert Bereitschaft zur Auseinandersetzung.
(Wir) ExhibitionistInnen brauchen VoyeurInnen wie Hühner ihre Eier. Was auch immer zuerst war. Betrachtende sollen rückmelden, dass sie sich in der Darstellung wiedererkennen. Sie sollen dankbar sein, sie sollen applaudieren! WinWin-Symbiose der besten Art**, denn wir alle haben schließlich das Bedürfnis, andere zu bewundern***.
Als Leserin will ich mich im Erlebten und Erzählten eines anderen Menschen, in einer Geschichte, wiedererkennen. Ich will mich bestätigt fühlen. Ich will „Ich bin ja doch irgendwie normal!“ denken oder „Ach so! Andere sind als auch so schräg!“
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* Einschub: Person kommt von per sonare, was so viel heißt, das etwas in etwas anderem nachklingt, „soniert“ eben.
** Art = Kunst?!
*** Diesen Aspekt der menschlichen Bedürfnisse und Bedürftigkeiten ins Absurde zu führen, überlasse ich dir selber!
Die Leute brauchen jemanden, auf den sie herabschauen können. Sie freuen sich, wenn jemand einfacher gekleidet ist als sie. Und auch, dass jemand einen weniger guten Haarschnitt trägt. Sie lieben es, sich zu vergleichen und dabei zu denken, wie viel toller sie doch ausschauen und wie viel besser sie doch gekleidet sind als jener andere. Einer übernimmt diese Rolle unweigerlich für alle anderen. Ich zum Beispiel, sagte er.
Teil 3
Freitag, 21.5. – Sonntag, 23.5.10
Jedes Bild – obwohl Vergangenheit – wird beim Betrachten wieder ein bisschen JETZT. 🙂
Argelès-sur-Mer. Mein Sternchen freut sich auf die Weiterfahrt.
Fünf Minuten später ist das Zelt verstaut.
Irgendlink auf Fotopirsch im Urwald? Nein, nur auf der anderen Seite
des Étang de St. Nazaire. Unterwegs von Argelès-sur-Mer
nach Sommières sehen wir mal mehr Meer, mal weniger Meer.
Mittagspause in Peyriac de Mer, wo wir eine
wunderbare Halbinsel entdecken und erwandern.
Auf einem wunderbaren Zeltplatz gestrandet. Sollen
wir noch eine Nacht hierbleiben und Räder mieten
und dafür am Sonntag eine Riesenstrecke fahren?
Wir entscheiden uns zur Weiterfahrt, doch zuvor
besuchen wir den hübschen Ort.
Pfingstsamstag-Flohmarkt in Sommières.
Weiterfahrt nach Uzès. (Pfingst-)Samstagsmarkt.
Duftet gut hier. Was für ein herziges Städtchen!
… in einer Gasse von Uzès.
Kurvige Sonntagsfahrt durch die Cevennen nach einer letzten
Zeltnacht in Vals-les-Bains. Mein Traumhaus gefunden?
Gegenüber der wunderbaren Bäckerei von Le Cheylard.
Nun definitiv auf dem Heimweg nach Bern
Teil 2
Montag, 17.5. – Donnerstag, 20.5.10
Guten Morgen …
Frühstücken vor dem Zelt. Unser tägliches Ritual.
Empúries: im römisch-griechischen Museum …
… und danach …
Auf dem Camping in San Pere Pescador, kurz vor der Abfahrt nach Cadaquès.
… nach einem wunderbaren Strandspaziergang in Roses. Unterwegs nach Cadaquès.
Abendspaziergang durch Cadaquès. Pause auf dem Schiffsteg.
In El Port de la Selva: Nach einem feinen Essen suchen wir nach einem Briefkasten für unsere Postkarten.
Weiterfahrt durch Portbou nach Argelès-sur-Mer. Portbou ver- und bezaubert uns.
Am Donnerstag Ausflug nach St. Nazaire …
Siesta im Park, wo wir uns auf der Bank „verewigen“.
Und am riesigen Kritzelbaum … 🙂
Beim Étang de St. Nazaire.
ungefähre Reiseroute auf Google Maps
(Fortsetzung folgt)
Teil 1
Donnerstag, 13.5. – Sonntag, 16.5.10
Während ich meine Bilder, die ein paar wunderbare Tage im Süden dokumentieren, auf dem Bildschirm durchblättere und bearbeite, verebbt mein Blues allmählich.
Die letzten Tage waren ein wahres Wechselbad der Gefühle. Aus dem sonnigen Süden direkt ins Büro gespült zu werden, wo mich Berge von Arbeit schon am zweiten Tag glauben lassen, seit meinen Ferien seien bereits Jahren vergangen, ist nicht schön. Gar nicht schön. Reizüberflutung, Kopfweh und, wie gesagt, Blues …
Trotz erfrischendem Bad im Gerzensee mit meinem Liebsten am Dienstagabend.
Jetzt, an J.s Küchentisch sitzend und Bilder betrachtend, kehrt allmählich die Sonne zurück ins Herz. Vielleicht auch in das meiner BlogbesucherInnen?
(Anklicken vergrößert die Bilder).
Am zweiten Tag nach einer kurzen Nacht im Auto. Frühmorgens auf meiner Weiterreise in den Süden.
Bei Millau: Blick auf die höchste Brücke der Welt.
Mindestens so schön wie die Brücke …
Endlich da. Borredà: Unser romantisches Hotel für die ersten beiden Nächte …
Tagesausflug in den Pyrenäen: La Pobla de Lillet.
Unterwegs im Dorf.
In den Jardines Artigas von Gaudì in La Pobla de Lillet: Mein Lieblinkskünstler in Aktion.
Zurück im Dorf …
Fortsetzung des Tagesausfluges …
Unterwegs an die Costa Brava. Irgendwo …
Gleich hinter unserem Camping in San Pere Pescador. Windig, aber wunderschön.
ungefähre Reiseroute auf Google Maps
(Fortsetzung folgt)
Gestern I
Auf dem Velo den Frühling gespürt. Die Sehnsucht nach Sommer. Nach Ruhe. Nach Bewegung. Nach auf der Wiese liegen und den Wolken zuschauen. Sehnsucht nach einfachem Sein. Sehnsucht? Vielleicht brauchen wir immer ein leichtes Sehnen, sonst würden wir einrosten, stehen bleiben.
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Gestern II
Gelbe Rosen. Echte. Nicht wie meine
winterfesten aus Stoff, die
gleich daneben in
der Erde stecken. Gelbe Rosen.
Wer wohl hier war?
Kleine Osterglocken, aus der
Erde strebend. Blühend. Und Lavendel. Noch
ohne lila Lebenszeichen. Dafür
vergissmeinnichtblaue Farbtupfer. Das
Gras ringsum frühlingsgrün. Saftig. Die Augen
weiden.
Ich dimme den Verkehrslärm.
Bin ganz hier. Gehe zwischen
den kleinen Gräbern entlang. Denke
an die anderen, die
ebenfalls hierher kommen.
Kehre zurück
zum gelbblauen Gärtchen.
Gelbe Rosen.
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für Lars
© by Sofasophia, 8. 4. 2010