Hilfe, ich werde bürgerlich!

Diese Erkenntnis traf mich neulich wie ein Blitz.  Anderen geht’s offenbar nicht besser. Büne singt: „ … (mr) si vo dr mördermittagshitz fadegrad i die gmässigti zone* …“ (Quelle: Compañero. CD Trybguet, Patent Ochsner).

In meinem Leben gibt es Hinweise zuhauf. Als da wären: Ich putze die Fenster, obwohl es erst ein knappes Jahr her ist seit dem letzten Mal! Und damit nicht genug: Ich wasche sogar die Gardinen! ( … dass ich sie in Babyweiss einlegen musste, damit sie wieder weiß werden, sei hier nicht verraten). Noch weitere Beispiele gefällig? Ich denke bereits, obwohl die Frist erst eine Woche abgelaufen ist, daran, die Steuererklärung auszufüllen! Na ja, erst denken …

Überhaupt … der Gedanke, freiwillig etwas zu tun, was meine Eltern taten, ist nicht mehr gar so grässlich wie noch vor ein paar Jahren. Obwohl die ja nicht per se bürgerlich waren. Vielleicht bin ich ja gar nicht bürgerlich geworden, nur einfach ein bisschen älter?

Und bürgerlich wählen tu ich ja trotzdem nicht. Diesmal habe ich die Grünen unterstützt. Und ein bisschen jungrot hinein panaschiert. Das Gefühl, Einfluss auf unsere Regierung nehmen zu können, erfüllt mich jedes Mal, wenn ich den Wahlzettel ausfülle. Und verlässt mich wieder, sobald ich den Umschlag in den Kasten geworfen habe. Life is just a Big Wheel! Wäre ich bürgerlich, wirklich bürgerlich bis unter die Haut, könnte ich mir den Wahlgang eh sparen.

Fazit: Obiger Titel stimmt nicht. Trotzdem mag ich neuerdings saubere Fenster.

_________________________________________________________________

*Übersetzung:  … (wir) sind von der Mödermittagshitze auf direktem Weg in die gemässigten Zonen …

Wie viel und wozu?

Beim Aufräumen meiner Textarchive soeben dies hier gefunden. Vor einem Jahr gewoben.

„Ich stelle fest, dass mir allzu sarkastische Texte und allzu zynische Menschen schlecht bekommen. Denn das Öl, in dem sie frittiert wurden, riecht verbrannt und meine Eingeweide verkrampfen sich.

Ich selber bin wohl zu wenig raffiniert, zu einfach gestrickt, den zweiten, dritten und vierten Boden unter einer sehr ironischen Aussage zu verstehen. Ooops, das sollte ich wohl besser nicht sagen. Nun ist diese meine Achillesferse noch nackter.

Was gut ist, wertvoll, berührend, wird immer wieder durch zynische Bemerkungen da und dort – und ganz besonders in der so genannten freien Presse – demontiert Und wer will heute schon ein Gutmensch sein? Doch mal ehrlich: Was wären wir ohne Menschen mit Zivilcourage? Was wären wir ohne Schönes und Berührendes? Dennoch ist heute, besonders im Kulturbereich, bloße Schönheit suspekt. Sie ist zu einfach.

Doch wozu braucht unsere Gesellschaft so viel Zynismus, so viel Ironie, so viel Sarkasmus? Weil die Welt so ist, wie sie ist? Weil das Leben verschissen ist. Weil Zynismus Scheiße erträglicher macht. Weil er eine Form von Humor ist. Psychohygiene womöglich?

Wären wir nicht besser dran, wenn wir, statt uns über die Kälte zu mokieren, ein bisschen mehr Wärme zulassen würden? Oder diese gar selber produzieren?

Ja, ich weiß, spätestens hier würde mir jeder Zyniker – und auch jede Zynikerin natürlich – ins Wort fallen. Ich moralisiere, würden sie sagen. Und so. Und ich würde schweigen. Vielleicht. Denn ich stelle fest, dass ich mir zuweilen die Flügel stutzen lasse. Dass ich ab und zu Hemmungen habe, herzlich und berührend zu schreiben. Dass ich mich frage, was wohl die anderen (im Klartext ihr da draußen!) über mich und meine Schreibe denken …

Und genau das ist es denn auch, was mich mit den sarkastischen Zynikerinnen vereint: Wir alle wollen bloß das eine: Anerkennung …“

Tja …

Nummer 43

Verlängertes Wochenende. Vier freie Tage auf dem Berg. Glückspilzin, die ich bin!

Doch vorerst bin ich einfach nur müde. Unglaublich müde. Bleischwere Müdigkeit. So viel war los in der letzten Zeit. Zu viel. Im Büro immer wieder noch mehr neues, das auf meinem Tisch Pirouetten gedreht und mich zu Überstunden genötigt hatte. Bleischwere Müdigkeit, wie gesagt. Ich könnte dauerschlafen. Während J. mitten in einer kreativen Phase steckt, musste ich mich nach dem Brunch nochmals hinlegen. Auch J.s Sofa freut sich zum Glück, wenn sich Sophia auf ihm ausbreitet. Und die Katze sowieso. Irgendwann muss ich eingeschlafen sein, im Hinterkopf der Gedanke, dass ich ein bisschen friere. Viele gefühlte Stunden später davon aufgewacht, dass mich J. in eine Wolldecke hüllt und mir so ein wohliges Seufzen entlockt. Die Müdigkeit – wie schwer sie auf mir liegt und sich um mich breitet! Wie J.s Decke. Sie greift immer stärker nach mir und kippt, wenn ich es zulasse, irgendwann, am Point of No Return, in Lethargie. Sumpfige Lethargie. Wie Teer. Wie Honig. Wie Karamell. Süß und klebrig. Schwer ihr zu entkommen.

Dieses Nichtstun, dieses Zulassen von Ruhe, von Stille, von Mich-fallen-lassen fühlt sich vor dem Punkt ohne Zurück wichtig und gut an. Bis es – wie gesagt – kippt und schwierig wird. Schwierig, weil es mich – um zurück in den Normalmodus zu kommen – sehr viel mehr Energie kostet, als ich mir erholender weise geschaffen habe.

Ideal wäre es also, mich genau so lange zu erholen und mich dem Nichtstun hinzugeben, wie ich noch im Normalmodus bin. Sofasophie’sches Gesetz Nummer 43.

EDIT: … öhm, kann mir vielleicht jemand sagen, was der Normalmodus ist? Und ob Bloggen normal ist …

säen …

… statt schreiben. statt leisten mich dehnen. nach unten. und die erde berühren. in der erde wühlen. nicht schreiben. nicht mehr schreiben. wieso eigentlich schreiben. es schreiben schon so viele. viele. unendlich viele. alles ist schon gesagt. vielleicht. was soll ich da auch noch schreiben. was will ich. und worüber. für wen (falls nicht bloß für mich) und wozu überhaupt. besser ich mache ein nickerchen. auch säen wäre gut. wie schlafen. samen in die erde legen. wachsen lassen.

und ernten. eines tages. und schlafen. jetzt.

Kartenspiel?

Ist das Leben ein Kartenspiel und dauert es womöglich einfach so lange bis wir alle Karten gespielt haben? Ob jene im Ärmel und in der linken Socke auch zählen?

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Hilfe! Das Pflegen von Beziehungen sowie all die kulturellen Aktivitäten, denen ich meine Aufmerksamkeit schenke – Lesen, Schreiben, Malen, Filme schauen, Musik hören, Fotografieren, Bilder bearbeiten –, fressen fast meine ganze freie Zeit auf. Ich glaube, ich lasse das alles mal bleiben! Genau! So werde ich auf einmal ganz viel freie Zeit haben! Wie soll ich diese bloß (r)umbringen?

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Der kleine J. (6) in Irgendlinks Blog sagt: „Es gibt keinen Gott.“ Als Beweis führt er an: „… weil er sich dir nicht offenbart, weil er sich mir nicht offenbart und weil er sich auch allen anderen Menschen nicht offenbart. Es sind immer nur Menschen, die anderen Menschen erzählen, dass es Gott gibt und was er so tut. Nie ist es Gott persönlich. (…) Sie haben ihre Informationen (…) ALLE nur aus zweiter Hand. (…) Wer also kann ausschließen, dass ich nicht am Ende einer tausendjährigen Lügenkette stehe?” (Zum Originaltext: hier klicken).

Da ich selber nicht an jenen Gott mit Rauschebart glaube, halte ich diesen weisen Beweisen nichts weiter entgegen außer den Gedanken, dass sich mit fehlenden unmittelbaren, respektive immer nur subjektiven und immer nur von Menschen interpretierten Offenbarungen Gott zwar tatsächlich nicht beweisen lässt. Aber eben, er lässt sich damit auch nicht ausschließen und widerlegen. Was heißt da ER? ER-SIE-ES. Offenbarungen, die wir Menschen haben, Erleuchtungen, Erkenntnisse – sie alle sind immer subjektiv. Wir glauben etwas, weil wir es jetzt glauben wollen. Weil es uns jetzt gut tut. Weil wir es jetzt für wahr halten (wollen). So wahr, wie eben etwas wahr sein kann. Oder auch nichts.

Na, wenn das mal keine Offenbarung ist!

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Ist das Leben ein Kartenspiel?

aufgeschnappt …

Wer bisher immer “Mitfahrer(in)” gewesen ist, kann sich überlegen, ob er fortan nicht lieber “Busfahrer(in)” sein will, (die) der den Kurs des eigenen Lebens bestimmt, wohl wissend, dass man auch als Busfahrer(in) von anderen abhängig ist, aber dennoch nicht zum Objekt wird. Auf diese Weise wird man wieder Herr(in) des eigenen Hauses sein, wie immer das aussehen mag.

Zitat Monalisa

und

Mein Kunststudium, die ganzen besuchten Museen, die Seminare, in denen ich das Gefühl hatte, angekommen zu sein und das Urrichtige zu tun … Nein, Seniorengaststudentin will ich nicht sein. Keine Wegnehmoma mit flotter schwarzer Baskenmütze. Aber was dann?

Zitat Wildgans

Nein, nicht dass ich mich schon alt fühle, das nicht. Auch bin ich weder Oma noch habe ich ein eigenes Haus. Außerdem fahre ich mich am liebsten selbst von A nach B; lieber, als mich von Bus, Tram oder Zug chauffieren zu lassen. Doch macht mich das alles nun zur souveränen Busfahrerin?

Es ist Tatsache, dass ich die Lebensmitte überschritten habe. Außer wenn ich einundneunzig Jahre alt würde. Oder noch älter. Die Mitte? Will heißen, vielleicht nochmals so lange zu leben? Puh oder Jippie?

Nochmals so viele/so wenige Jahre zu leben. Doch diesmal mit mehr Erkenntnissen als vor vierundvierzigdreiviertel Jahren. Und mit weniger naiver Leichtigkeit als vor vierundvierzigdreiviertel Jahren. Mit mehr Gelassenheit dafür. Mit weniger Erwartungen vermutlich. Fatalistischer und mit weniger Lebensenergie. Mit mehr oder mit weniger Lebensfreude? Manchmal macht es mir ein klein bisschen Angst, wenn ich an die Strecke durch den Urwald denke, die noch vor mir liegt. Wird sie anstrengend sein?  Bisweilen habe ich auch Angst, dass Zeit und Kraft nicht reichen, um all die Ideen umzusetzen, die in mir schlummern. Schaffe ich es, immer zufriedener zu leben? Nehme ich das Steuerrad in die Hand?

Dazu eine kleine Geschichte, meine Lebensmetapher:

„Der Lebensweg gleicht einem Gang durch ein Labyrinth oder Mandala. Du wirst geboren. Damit fängst du mitten in deinem Kreis drin an. Du gehst und du vergisst zuweilen die Mitte, aus der du kommst. Du gehst immer weiter und weiter. Mal nahe der Mitte, mal fern von ihr. Irgendwann kommst du dort an, wo deine Außenwände sind. Deine ganz persönlichen, die du selbst bestimmt hast, irgendwann, irgendwo. Schliesslich gehst du weiter. Dein Weg führt dich, deiner inneren Weisheit folgend, wieder nach innen. Schritt für Schritt. Irgendwann langst du wieder in der Mitte an. Und das war’s dann*.“

© by Sofasophia

* Notiz an mich: da capo? al fine?

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Ich verlinke die von Monalisa erwähnte Sendung hier auch gleich nochmals:

Es muss nicht alles sein im Leben: Pläne sind schön … doch sie können auch zur Last werden

“ … wann darf man sagen: Es muss nicht alles sein im Leben? Wann ist es kluge Einsicht in die eigene Begrenztheit – wann ist es Resignation, weil die Ziele zu weit gesteckt waren und nun der Atem nicht mehr reicht?“

Zum Podcast-Download hier klicken und runterscrollen!

Engel friert

Das Bild im Bild  – immer schon hat es mich fasziniert …
Die Geschichte in der Geschichte in der Geschichte ebenso …
Doch den Traum im Traum kannte ich bis anhin noch nicht …

Bin heute Morgen im Traum mit meiner Mutter und meiner Schwester zusammen gehockt und habe ihnen von einem Traum erzählt. Nun mal ganz davon abgesehen, dass ich wohl weder jener Schwester noch meiner Mutter solcherlei Träume, wie ich einen gehabt hatte, erzählen würde, fand ich den Gedanken doch höchst faszinierend. Zumal ich mich in der oberen der beiden Traumebenen wach wähnte. So wach als wäre ich wach.

Und als ich dann wirklich erwachte, wurde ich lange Zeit nicht wirklich wach.

du auch!

Schwester Gewohnheit, wieso nur mache ich dich immer so mies? Obwohl du mir dabei hilfst – falls ich dich ernst nehme und akzeptiere -, bei mir zu bleiben und nicht von all den neuen Reizen, die mich ständig überfluten, weggespült zu werden. Hilfst mir zum Glück den Bodenkontakt zu behalten. Willkommen! Haben wir dich nicht, suchen wir dich nämlich. Oder vermissen dich zumindest.

Ohne Abwechslung, ohne neue Impulse wäre Gewohnheit unerträglich. Ohne Gewohnheit wäre das Neue unerträglich. Ohne Zuhause wäre die Fremde nichts als fremd. Ohne Fernweh wäre das Zuhause ein tristes Gefängnis. Unterwegs zu sein ist darum immer auch anzukommen. In unsren Gewohnheiten. In der Ferne ebenso wie zuhause.

Ich bin nie und nirgends nur das eine ohne das andere. Kein Gaspedal ohne Bremse. Keine Bremse ohne Gaspedal. Und keine Metapher ohne reale Entsprechung. Das Ganze ist beides, nein, nicht nur beides, alles! Denn es gibt immer mehr als bloß hinten und vorne oder oben und unten. Und auch ich bin immer alle und alles. Und du auch. Und du und du und du ebenfalls!

Dieses Zitat aus meinem diesjährigen Novemberschreiben-Manuskript  namens Keine Ahnung passt irgendwie zu meiner aktuellen Stimmung. Zu den zwei Herzen, die heute Nachmittag in meiner Brust schlugen. Nun schlägt nur noch eins, denn irgendwann musste ich mich schließlich entscheiden: Zürich oder nicht?

Mein lieber Freund M. und ein gemeinsamer Freund, P., hatten zu einer Lesung mit Impro-Konzert geladen. Soll ich fahren? Soll ich nicht? M., ein weiterer gemeinsamer Freund, hätte mich sogar begleitet. Doch schließlich siegte meine innere Faulpelzin. Nach einem langen Tag unterwegs im Oberland hatte ich ihr das Ruder überlassen. Ist okay … Nein sagen ist okay.

Na ja … nun gilt es allerdings weitere Entscheidungen zu treffen. Lesen? Oder Schreiben? Oder mal wieder einen Film gucken? Gopf, wieso müssen wir uns eigentlich ständig für oder gegen etwas entscheiden?

Vielleicht werde ich mich einfach aufs Sofa legen und einfach wieder mal NICHTS tun!

Keine Apartheid in der Werkzeugkiste

Ja, genau so muss der Titel dieses Artikels lauten. Ob der Text, den ich jetzt gleich dazu schreiben werde, wohl zu ihm passen wird? Mal gucken. Doch wo anfangen? Was ist relevant und darf ich nur titelrelevantes erzählen. Oder darf ich dort anfangen, wo ich mich heute Nachmittag in den „Mahlstrom“ von Berns Einkaufsüchtigen eingespeist habe, um J.s Worte zu plagiieren? Obwohl das alles keine Relevanz zum Titel hat.

Mal sehen, ob sich übrhaupt etwas über meine zwei Stunden in der Stadt sagen lässt … (selber schuld, wenn du weiterliest …) Meine Liste der in Berns Innenstadt zu besorgender Dinge war täglich gewachsen, so dass ich mir heute ein Herz gefasst und mich in die Höhle der Löwinnen und Löwen gewagt hatte. Mitten ins Getümmel! Besser jetzt noch, dachte ich mir, als in einer Woche. Besser nicht schon wieder verdrängen und verbummeln. Von prokrastinativen Rachefeldzügen habe ich im Moment genug.

Item. Erster Punkt auf der Liste: Buchladen. Buch für Patensohn. Ja, ein Weihnachtsgeschenk, ich gestehe es. Das einzige. Auch das gestehe ich freimütig. Alles andere waren Dinge des täglichen Bedarfs und fürs Büro. Papeterie, Bioladen und Naturapotheke wurden angepeilt. Nur genau zwei Stunden habe ich gebraucht und kein bisschen Stress, kein bisschen Hektik kamen auf. Auch waren noch waren alle Verkäuferinnen und Verkäufer freundlich. Und noch war ein Durchkommen in den Läden.

Mantrisch und meditativ arbeiten, möge ich heute. Was für ein Wort zum Tag! Gefischt aus einer Mail von J. und mutig umgesetzt. Sogar in der Freizeit.

Zurück zuhause hängte ich endlich meinen goldgelben Vorhang auf, den ich am Sonntag im Schrank gefunden hatte. Damit mein Gästezimmer, auch wenn es Nacht geworden ist, freundlich aussehen darf und ich beim Crossen nicht immer schwarze Fensterlöcher anstarren muss.

Also los. Das Ding montieren … Werkzeugkiste auf, Bohrmaschine, Schraubenzieher … Schon bald hängt das Teil und ich will das ganze Zöix wieder wegräumen. Dazu klappe ich den Deckel meiner Werkzeugkiste auf. Super-Gau: Lärmend poltern auf einmal Hunderte von Schrauben und Nägeln, die im Deckel der Kiste eingelegt und normalerweise mit einem speziellen verschließbaren Klappdeckel geschützt sind, zu Boden. Darunter solche, die über mindestens zwanzig meiner Lebensjahre berichten könnten. Hach, was nützt schon ein verschließbarer Deckel, wenn er offen steht! Wie war das doch gleich? Meditativ und mantrisch leben!

Ich atme aus und kann mir ein Kichern nicht verkneifen. Ich verlasse das Chaos und gehe erst mal in die Küche. Wo das nächste Chaos lauert. Schmutziges Geschirr im Spültrog. Ich schaue einfach nicht hin, ignoriere alles, denn jetzt brauche ich erst einmal eine Pause. Muss was essen und trinken. Aufräumen geht nach einer Pause eh immer viel besser.

So viele Schrauben und Nägel! Wieso werden die eigentlich immer im Dutzend oder so verkauft? Wo wir doch meistens nur zwei bis zehn Stück brauchen? Was für eine Verschwendung! Kunstwerke nehme in mir drin Gestalt an. Kunstwerke, die aus all dem Überschuss aus all den täglich gekauften Großpackungen entstehen könnten. Müssten!

Ich beginne, die mit der Kehrschaufel vom Boden gefischten Schrauben und Nägel meditativ und mantrisch nach Größe in die sechs kleinen Fächer umzuverteilen. Am Schluss würden so nur noch Nägel in der Schaufel liegen. Denke ich mir so. Hm.

Wäre ich lieber Schraube oder lieber Nagel? Nur ein einziges Mal zu gebrauchen, dafür lebenslänglich am gleichen Platz? Oder doch lieber immer wieder? Und wäre ich lieber stabil oder biegbar? Drehbar? Einfach so ein Teil zum Reinhauen? Beim Rausgeholtwerden jedoch würde ich achtlos verbogen und vermutlich weggeworfen. Dann doch lieber Schraube!, entscheide ich. In einen Dübel geschmiegt, Lasten tragend? Na ja … vielleicht doch lieber Mensch. Am liebsten mich selber.

Irgendwann wird mir das Sortieren zu bunt. Fertig meditiert. Bin ja nicht in der Psychi. Und überhaupt: Wozu? Wenn ich eine Schraube oder einen Nagel brauche, wühle ich ja ganz gerne in der Fülle. Außerdem ist mir eh jegliche Form von Ausgrenzung zuwider. Es lebe die Vielfalt! Integration statt Segregation! Her mit den Minaretten!

Ha. Und nun habe ich es sogar geschafft, ungefähr das zu schreiben, was der Titel verheißt … und erst noch ganz meditativ.