bracke Pfützen da und dort

Artikel lesen auf eigene Gefahr. Einfach ein paar Gedanken zum Leben …
Warum wir tun, was wir so und nicht anders tun? Drüber kann ich mir zweilen aus nichtigen Anlässen den Kopf zerbrechen. Zum Glück konnte ich ihn  bisher danach wieder einigermaßen zusammensetzen.
Die Motive und Abfolgen unserer Handlungen gehen, so meine These, darauf zurück, dass wir erstens in eine bestimmte Richtung geprägt worden sind und zweitens, viel gewichtiger, weil uns diese bestimmte Art als die sicherste erscheint. Die ungefährlichste. Selbstschutz. Wir alle sind Verwundete.
Eine Fläche taucht vor meinem inneren Auge auf, eine Membran. Die Hautoberfläche zum Beispiel. Ideal und gesund wäre, so sehe ich beim Näherzoomen, wenn sie intakt und eben, will heißen waagrecht, wäre. Wenn sie keine Dellen, keine Löcher, keine Verletzungen hätte. Nichts würde in sie einsickern. Alles wäre im Lot, würde sich gleichmäßig verteilen und wir könnten ungehindert und ausgeglichen unser Leben leben. Doch niemand hat keine Löcher. Alle haben wir Dellen, wo sich das Regenwasser ablagert, liegen bleibt, zu stinken anfängt. Alle haben wir Gruben, wo sich Stacheln eingewachsen haben. Irgendwann, wenn wir lange genug nicht daran rühren, bildet sich eine Haut darum herum. Eine Dornwarze wächst. Oder ein Krebsgeschwür. Ich bin eher die Type, die das Verheilen der Wunde dadurch verhindert, dass sie immer wieder die neu entstandene Kruste abkratzt. Und damit neuerliches Bluten provoziert. Doch selbst wenn meine Haut endlich intakt wäre, wären da auch noch die anderen: meine Mitwelt. Ich kann nicht einfach nur für mich leben, nicht langfristig jedenfalls. Die Welt ist ein fragiles Biotop und nur gemeinsam können wir dazu beitragen, dass das Gleichgewicht wieder stimmt.
Könnten. Doch der Mensch selbst, sage ich oft, ist sein größter Feind. Heil und intakt wird nur jener Mensch, wer die Dellen zuwachsen lässt, nachdem er mutig alte und neue Stacheln herausgezogen, stinkende Brackseen trockengelegt und Krusten von selbst abfallen lassen hat. Selbstheilung. Vertrauen in die Natur der Dinge. Intakt werden ist möglich. Vielleicht eine Illusion, aber eine an der ich festhalten will.
Dellen, Löcher, Lecks. Was hereinkommt – Liebe, Fülle, Zuwendung –, rinnt darum auch gleich wieder weg. Kettenreaktion. Dominoeffekt. Teufelskreis. Nenn es, wie du willst. Da ist dieses ständige Defizitgefühl: zu wenig Liebe, zu wenig Zuwendung, Ermutigung, Unterstützung, Lebensfreude … Mangel da und dort.
Kaum jemanden, bei dem alles im Lot ist. Den einen mangelt es „nur“ an Lebensglück, anderen an Brot, Bett und Dach. Alle Unzufriedenheit, der Mangel an Zufriedenheit und Lebensfreude, hat letztlich irgendwie mit Selbstablehnung zu tun. Irgendetwas, das mein Leben mitbestimmt, lehne ich ab. Umstände primär, die dann als Feindbilder hinhalten müssen. Selbstverarschung. Der Feind hockt in mir drin.
Versöhnung statt all die Grabenkriege mit mir selbst.
Ist Frieden und Lebensglück ein anzustrebendes Ziel? Sicher, doch Lebensglück können wir schwerlich machen. Es ist eine unmittelbare Folge von gelingender Selbstliebe und Frieden mit und in sich selbst. Es gibt keinen Weg zum Glück. Außer wenn wir das kleine unscheinbare Tor der Selbstakzeptanz öffnen und die Räume der Selbstliebe betreten.

blühen zum Beispiel

tulpenzwiebel
ganz erfüllt
mit allem
was du brauchst
alles da
in der erde
ruhend
ganz
bei dir
im frühling
brichst du aus
wer bist du
was über
oder
was unter
der erde
ist
beides
so verschieden
innen
außen
scheinbar
gegensätze
das alles
bist
du
ganz
Das hab ich vor zwölf Jahren geschrieben. Ein Wörter-Bild, das mir heute Morgen eingefallen ist. Es ist irgendwo aus einem Ordner in meinem inneren Ablagesystem gefallen und bei seiner Wanderung durch meine Hirnwindungen in einem meiner vielen Filter hängen geblieben. Zum Glück wird alles gefiltert. Filter ist eh alles. Und nichts. Auf der materiellen Festplatte war es schnell gefunden, das alte Ding. Ich würde dieses Poem heute wohl anders schreiben. Stetige Wandlung unseres Weltverständnisses. Unseres Geschmacks. Unserer Wahrnehmung und Auswertung. Dazu all die Inspirationen und Inputs von außen. Entwicklung. Wandlung.
Zum Glück gelingt mir abgucken und nachahmen immer nur kurz.
Beim Tanzen, zum Beispiel, spüre ich, wenn ich mich kurz umschaue, hin und wieder den Impuls, eine Bewegung aufzunehmen, die ich bei anderen sehe. Manchmal ist das störend, weil ich aus meiner eigenen Körperwahrnehmung falle. Manchmal jedoch passt es genau da hin, wo ich jetzt bin. Und wie. Ich nehme die Bewegung kurz auf, integriere sie und schon ist sie wieder vorbei und ich tanze wieder mein eigenes Muster.
Beim Malen bestaune ich womöglich bei anderen deren Pinselstrich, die Formgebung, den Umgang mit verschiedenen Themen, Materialien oder Stilmitteln. Ich habe anschließend Lust, auszuprobieren, ob das bei mir auch geht. Geht vielleicht sogar wirklich. Es ist und bleibt aber immer nur ein Impuls. Mehr nicht. Eine Inspiration, eine kurze.
Beim Fotografieren staune ich oft über die Bilder anderer. Wie er das wohl gemacht hat? Wie hat er es belichtet? Wie bearbeitet? Oder: Ihr Bild berührt mich so, dass ich Gänsehaut kriege, ich will das auch können. Und natürlich probiere ich aus.
Doch so wie ich mein Ding mache, kann das niemand. Ob gut oder schlecht: alle machen wir unser Ding so, wie nur wir es können. Handschriften kann niemand dauerhaft fälschen. Zum Glück auch nicht. Ob ich Kunst nenne, was ich kreiere, ist zweitrangig. Definitionen sind letztlich Schall und Rauch. Hauptsache, ich tue, was ich kann. Hauptsache, ich setze um, was in mir drin steckt.
Der Tulpenzwiebel ist es ziemlich egal, ob sie hier oder in der Schweiz in die Erde gesteckt wird. Hauptsache Erde, Licht und Wasser. Und Luft auch. So einfach. Das Verhältnis der einzelnen Elemente zueinander – mehr oder weniger Wasser zum Beispiel – macht, dass sie tiefer wächst oder weniger lang blüht.
Frühere Texte, frühere Bilder von mir sind mir zuweilen beinahe peinlich. Nein, die Tulpenzwiebel nicht, die ist soweit okay. Doch bei anderen dachte ich auch schon: Was? So schlecht habe ich früher geschrieben? So banal? So viele Füllwörter?
In zehn Jahren denke ich vielleicht, falls ich diesen Text hier in die Finger bekomme: Wie ich damals bloß geschrieben habe? So fad. So … (Wörter einfüllen erlaubt).
🙂

Sie schlummern immer. Irgendwo.

Beim Frühstück stehen sie Schlange. Ich komme nicht nach, sie alle zu begrüßen. Wir sind übernächtigt, doch J. muss heute früh los. Mit Kollege T. am Feuer war es einfach zu gemütlich und die Nacht sommerlich lau. Der Müdigkeit zum Trotz sprudeln sie, die Ideen. Sie hüpfen wie Gummibälle durch die Wohnküche. Draußen regnet es. Endlich mal wieder.
Während die Spiegeleier brutzeln, tüfteln und spinnen wir und erzählen uns Geschichten, die sich als Romanvorlagen eignen. So wir denn die Muße hätten, sie zu bannen, in Worte zu fassen und zu Papier zu bringen. Später, während ich am Laptop sitze und an einer Bewerbung bastle, um mir eine weitere Tür aufzutun, sind sie weg. Alle Ideen. Alle weg. Auch Bilder auf dem iPhone kann ich heute keine bauen. Ich bin seltsam leer und unkreativ.
Irgendwann fange ich dennoch einfach zu schreiben an. Und siehe da, sie tauchen wieder auf. Ganz leise. Um sie nicht zu erschrecken und womöglich erneut in die Flucht zu schlagen – sie kommen mir vor wie Asseln, die unter dem Stein hockten, den ich soeben hochgehoben habe – lege ich den Stein vorsichtig zurück und schreibe einfach weiter. Tue, als ob ich sie nicht gesehen hätte. Meine Gedanken fließen direkt in die Finger und die kennen den Weg zu den Tasten blind. Sie tippen einfach vor sich hin, was ihnen das Herz zuflüstert. Diese Sätze hier.
Eine Bildhauerin, deren Skulpturen mich in der neulich besuchten Ausstellung sehr angesprochen haben, hätte ich gegooglet, hatte ich J. erzählt, heute Morgen beim Frühstück. Den Satz, dass sie beim Steinbearbeiten nur bloßlege, was eh schon da ist, kennt jede, die sich schon mal mit der Bildhauerei auseinandergesetzt hat. Ob ihn alle wirklich verstehen, weiß ich nicht, doch auch besagte Bildhauerin hat ebendieses Bild bemüht. So oft ich den Satz höre, spüre ich genau, was gemeint ist, und finde kein neues, besseres Bild für dieses Phänomen. Mir geht es ja beim Specksteinbearbeiten auch so. Und beim Fotobearbeiten sogar zuweilen. Die Idee, sie schlummert zuweilen, schläft vielleicht gar. Doch sie ist immer da. Irgendwo. Immer. Ihr gutes Recht.
Wem gehört sie eigentlich, die Idee?, fragte Irgendlink beim Brote schmieren. Vielleicht ist es ja der Idee völlig egal, wer sie zur Welt bringt. Hauptsache jemand nimmt sich ihrer an.
Hm, ja … Ideen sind frei,
sage ich mit vollem Mund.
Open Source-Software entspricht genau diesem Ideal, sagt J.. Die Macher stellen einfach ihr Wissen zur freien Verfügung. Sie haben keinen finanziellen Nutzen. Dieses ganze Brimborium mit Urheberrechten müsste gar nicht sein.
Wie wäre es mit einem virtuellen Raum, wo alle, die wollen, ihre Ideen einfach einstellen könnten?,
überlege ich. Ich denke an Romanideen, Plots, unfertige Bilder zum Weiterbearbeiten, alles, was sich irgendwie in Pixels umbauen lässt … Fast so wie ein Heim für verlorengegangene Tiere.
Später, während ich die Wäsche aufhänge, denke ich über ein Museum der Ideen nach. Statt das Ganze im Internet zu inszenieren, sollte es ein richtiges, ein lebendiges Museum geben. Menschen kommen und gehen und alle bringen etwas hin oder nehmen etwas mit. Ein Ideenumschlagplatz.
Ooops, das sollte ich jetzt vielleicht nicht alles öffentlich hier schreiben. Womöglich klaut mir sonst noch jemand die Idee! 🙂

Musik in Farbe oder die Verpixelung der Welt

Heut Nacht, wie ich geborgen unter dem Sternenhimmel von der Schweiz nach Hause in die Pfalz fahre und dabei, um nicht einzuschlafen, Musik höre, entsteht ein Bild in mir. Der Klangteppich des Songs, der eben läuft, löst sich in einzelne Farbpunkte auf. Wie einzelne Fäden, wenn wir an die orientalischen Teppichknüpfkunst denken. Wie einzelne Pixel, wenn wir an deren virtuelle Analogie denken. Auflösung von Musik in Farben. In Punkte. Auch meine Gedanken lösen sich auf, in Farben, in Muster, in Flächen und Formen. Ungeformte Formen irgendwie. Falls es das gibt. Null und eins sind jene Elemente, aus denen sich alles zusammensetzt Und in das sich alles wieder auflöst. Auflösung in die virtuellen Codes. Auflösung. Ein Wort, das ich mir auf der Zunge zergehen lasse, ohne es laut auszusprechen. Etwas löst sich auf. Lösung. Klarheit.
Das Jetzt von gestern, im aktuellen Moment übergroß und alles dominierend, wird klein. Ich distanziere mich. Ich bewege mich weiter. Schon ist der große Punkt ein kleiner Punkt und Prioritäten verschieben sich.
Meinen Besuch in der Schweiz, der primär der erneuten Prüfung meines inzwischen reparierten Gefährts galt, hatte ich vorgängig mit einigen Besuchen bei Freundinnen vernetzt. Nachdem ich meinen Liebsten in H. zum Zug gebracht hatte, damit er den Pfälzer Jakobsweg pilgern und darüber livebloggen kann, fuhr ich in meinem neuen, entschleunigten Tempo schweizwärts. Irgendwann würde ich ankommen, zum Prüfzentrum bei Biel fahren, die Nachprüfung bestehen und anschließend zu Freundin C. nach Bern fahren. So mein Plan. Irgendwann, um halb eins, als ich kurz vor Haguenau und seiner Autobahneinfahrt mein Sandwich knabberte, guckte ich mir das Formular erstmals genauer an. Oh Schreck, die haben ja das Nachprüfungszeitfenster nur von zehn nach eins bis fünfzehn Uhr auf! Zweieinhalb Stunden reine Fahrzeit würde ich bis Biel mindestens brauchen. Punkt fünfzehn Uhr müsste also zu schaffen sein. Dass es mit meiner Gemütsruhe vorbei war, ist logisch.
Punkt drei Uhr war ich in Biel, mitten in dieser Stadt, die ich eigentlich kaum wirklich kenne. Das Prüfzentrum in Biel-Orpund wurde nun zur berühmten Nadel im Heuhaufen der Straßennetzes. Die ich erst um Viertel nach drei endlich fand. Ich hätte das mit dem knapp zweistündigen Zeitfenster nicht gewusst, sagte ich und stieß damit am Anmeldeschalter auf Verständnis. Immerhin wurde ich zum Chef vorgelassen, doch der winkte ab.
Kommen Sie morgen Nachmittag wieder!,
sagte er.
Morgen? Aber morgen ist doch die Dreißig-Tage-Frist abgelaufen!, sagte ich. Dachte, warum ich aber auch immer alles im letzten Moment machen musste. Dachte, warum ich den Zettel nicht vorher angeschaut hatte. Dachte auch, dass ich doch morgen, Mittwochnachmittag, im Aargau mit Freundin M. abgemacht hatte.
Aber nein, morgen ist doch erst der letztmögliche Tag!, erklärte mir der Chef. Was meiner Logik zwar zuwiderlief, aber immerhin ein Türchen öffnete. Grummelnd verließ ich das Zentrum und fuhr bernwärts. Wie sollte ich das Problem bloß lösen?
Bei Freundin C. und Little-F. rief ich Freundin M. an und wir beschlossen, dass sie morgen mit mir nach Biel an die Prüfung kommen würde und wir anschließend dort gemeinsam ein Seebad oder einen Ausflug genießen würden. So könnte ich am Donnerstagvormittag nochmals C. besuchen und zu ihrer Entlastung, da sie gesundheitlich angeschlagen war, mit Little-Finn einen Spaziergang machen. Nach einem Abend und einer Übernachtung bei Freundin A.
Alles fügte sich zusammen. Bei A., mit der ich  einen gemütlichen weinseligen Abend verbracht hatte, erhielt ich beim Frühstück eine SMS von Freund K., der fragte, ob ich auf dem Rückweg bei ihm vorbeischauen möge. Wieder ein neues Puzzleteilchen. Ein neuer farbiger Punkt. Eine bunte Fläche, die zum Gesamtbild passt.
So vergeht der Tag inmitten eines wunderbar-bunten sozialen Gewebes und mir gelingt es, die einzelnen Begegnungen ganz intensiv zu genießen. Mit M.s moralischer Unterstützung schaffen wir mein Sternchen durch die Nachprüfung und treffen den Bielersee in Vorgewitterstimmung an. Stürmischer Wind, Wolken, Pappelbaumwollbällchen, die herumwirbeln. Wir parken, stürzen uns ins Strandbad und in den See (saukalt) und picknicken anschließend bis zur Sturmwarnung. Jippie, es regnet. Immerhin ganze drei Minuten bis wir im Auto sind. Auch der Sturm legt sich wieder. Nur die Parkbusse hätte nicht sein müssen. Wir hatten im Eifer des Gefechts nämlich schlicht übersehen, dass der Parkplatz kostenpflichtig ist. Hätten wir eigentlich wissen müssen. Na ja.
Später, im Café, hellt es wieder auf und schon bald ist es auch wieder so heiß wie davor. Was für ein Tag! Und schon wieder ein Abschied und bereits bin ich unterwegs zur nächsten Verabredung. K. und ich finden uns gleichzeitig am Treffpunkt ein. Gut getimt, trotz meiner kleinen Verspätung. Er lädt mich zum Essen ein und wir tauschen angeregt aus.
Wäre ich am Mittwoch rechtzeitig in Orpund gewesen, weil ich das Formular seriös gelesen und nicht so gebummelt hätte, hätte ich weder das Bad im See noch die Parkbusse noch den Sturm erlebt. Auf die Busse hätte ich allerdings gerne verzichtet, zugegeben. Und wäre ich wohl, wenn ich – wie ursprünglich geplant – M. im Aargau getroffen hätte, nochmals zu C. gefahren? Wäre ich mit Little-F. im geliebten Bremerwald spazieren gegangen? Und hätte ich mit K. so oder so oder so spontan abgemacht?
Der Fluss von Schicksal, Zufall, Augenblick, wir haben ihn nicht in der Hand. Dominosteinen gleich, löst jede Bewegung eine neue aus. Begegnungen aller Art (= Kunst?) beeinflussen uns Schritt für Schritt. Alltagsalgebra: Wenn so, dann so. Aber auch: Wenn so, wäre dann so? Logische Folgen. Möglichkeiten. Punkte.
Um halb zehn dann überquere ich müde die schweiz-französische Grenze. Heimwärts durchs Elsass rolle ich mit einem übervollem Herzen. Auch materiell bin ich überall beschenkt worden, obwohl ich zu all meinen FreundInnen mit leeren Händen gekommen bin, denn außer mich selbst hatte ich keinerlei Mitbringsel dabei.
Farben. Formen. Klänge. Müdigkeit. Dankbarkeit ist gelb. Aufgelöst in sonnengelb.

Unterschiede

Es ist verflixt. Seit ich den Artikel „verschwindend“ geschrieben habe, ist es da und drängt sich in den Vordergrund. Nein, es ist wohl schon länger da. Was solls?, fragt es. Oder: wozu auch? Mein gutes altes Monster ist sogar mit nach Deutschland ausgewandert. Sinnfragen stellt es hüben wie drüben. Was willst du überhaupt?, fragt es. Vom Leben zum Beispiel. Quo vadis, Sofasophia?
Schnitt.
Neulich im Garten. Die Sonne dörrt den Boden aus. Da hilft nur gießen. Irgendlink und ich wässern Salate, Kohlsetzlinge, Zucchinipflänzchen, Karottenspitzen und was da alles im Garten vor sich hin wächst. Gießkannenprinzip. Alle gleichviel. Alle zu wenig, wenn das Fass fast leer ist. Alle genug, wenn das Fass wieder voll ist. Wie im richtigen Leben. Beinahe jedenfalls, denn bei uns bekommen alle gleich viel, ungefähr jedenfalls. Dennoch wachsen die einen schneller als die anderen. Warum auch immer.
Darwin!, sagt Irgendlink, Evolution! Natürliche Auslese! Und gießt ab Tag vier nur noch ohne Brause. Nur noch die Wurzeln. Clever. Die Salatsetzlinge danken es uns. Innerhalb weniger Tage wachsen sie zusehends. Ein paar kleine gehen dennoch – trotz Wasser – ein, schließlich gießen wir sie nicht mehr, lassen sie wieder Erde werden. Ein paar müssen über die Klippe springen, das ist immer so, sagt J.. So tickt die Welt. Ironisches Zwinkern.
Schnitt.
Was ist der Unterschied zwischen dem Lebensweg und einer Reise von hier nach irgendwo?, fragt mein Liebster heute Morgen.
Gute Frage – puh … Der Unterschied?, überlege ich. Keine Ahnung, mir fallen da eher Parallelen ein. Bei beiden Reisen wissen wir nicht wirklich, wohin wir unterwegs sind. Alles ist abenteuerlich, unvorhersehbar, gefährlich zuweilen …
Stimmt. Doch auf dem Lebensweg hast du – im Gegensatz zu einer gebuchten Reise  – keinerlei Versicherungen. Du trägst das ganze Risiko alleine.
Schnitt.
Da sind so viele Bilder auf meinem iPhone. Bilderfluten geradezu. Und täglich werden es mehr. Nur einen Bruchteil davon bearbeite ich. Und davon ist wiederum nur ein Bruchteil vorzeigbar. Auf meinem iPhone sind noch so viele nichtausgeschöpfte Möglichkeiten – für all die unbearbeiteten Bilder ebenso wie für jene, die ich schon bearbeitet habe. So viel an Möglichkeit steckt in jedem einzelnen Bild! Würde ich sie alle ausschöpfen, wäre mein Leben zu kurz. Und ich dürfte ab sofort keine neuen Bilder mehr machen.
Für jeden einzelnen Tag und für jedes einzelne Leben gibt es ebenso viele Möglichkeiten der Gestaltung. Und immer können wir nur eine wählen.
Gerade jetzt möchte ich alt sein – glücklich, lebenssatt und weise –, und auf dem Sterbebett liegend, wie Antonia in Antonias Line, auf mein Leben zurückschauen. Ich würde sagen: Well done! Und friedlich einschlafen.

Verschwindend

Während ich meine verschiedenen Lieblingswebsites besuche, geht mir das gestrige Gespräch mit J. durch den Kopf.
Wie schnelllebig das weltweite Netz doch ist!
, hatte ich zu ihm gesagt. Würde ich ein paar Tage, ein paar Wochen keinen Blogartikel mehr schreiben, wäre Sofasophia, die Bloggerin, bald vergessen. Ebenso würde es mit iSophien geschehen, wenn sie keine Bilder mehr in ihre Galerie stellen würde. Und so weiter. Ewig eitler Exhibitionismus also, ewiger Schrei nach Anerkennung? Puh …
Vergessen, nicht gesehen, nicht geliebt werden – das ist es, was wir am meisten fürchten.
Verändern können wir diese Angst nur durch unsere Haltung …
Wie ich da in Luisas Webtagebuch stöbere, finde ich diese Zeilen hier:

„gestern abend schaute ich mir auf arte den dokumentarischen spielfilm über mitterand und seinen biographen an. eigentlich nur, weil ich danach die dokumentation über susan sontag sehen wollte. etwas seltsames passierte. der film über mitterand, der mich nicht sonderlich interessiert hatte, faszinierte mich, während der über susan sontag mich langweilte, weil er platt und oberflächlich eigentlich fast nur auf ihrer spektatkulären erscheinung herumtrat. beide filme kreisten aber um dasselbe: das verschwinden, das sterben. wenn man tot ist und aus dem gedächtnis der menschen verschwindet, ist das ja normal. aber noch zu leben und zu verschwinden – lebt der/die eigentlich noch? das ist glaub ich das härteste für menschen, die viel aufmerksamkeit gewohnt sind. das ist auch ein bisschen das problem meiner mutter, obwohl sie ja relativ viel zuwendung von allen seiten hat. jede/r von uns wird irgendwann verschwinden/ins vergessen fallen. manche werden vielleicht zu ikonen, die aber gar nichts mit der person zu tun haben. wer interessiert sich für die einsamkeit von marilyn? alle interessieren sich nur für ihren sex appeal.
ich glaube wenn du dich für dich selbst interessierst, dich als teil der natur wahrnimmst, kanns dir wurscht sein, ob du gefeiert oder ignoriert wirst.“

Quelle: Luisa Francia am 10.05.2011, www.salamandra.de

Im Kreis

Es war einmal ein Spiegel, wie es ihn überall auf der Welt gibt. Einer, der dabei hilft, Zusammenstöße zu vermeiden. Weil er dabei so gut aussah und bescheiden und still vor sich hin glänzte, habe ich ihn letztes Jahr irgendwo in Skandinavien abgelichtet. Konserviert auf meinem iPhone hat er viele Wochen und Monate auf seine wahre Bestimmung gewartet.
Hier ist sie …
Mittels Übereinanderlegungen, Spiegelungen, Vergrößerungen und Verkleinerungen von Details schuf ich eine Verfremdung, die kaum mehr an das realle Bild erinnert. Dabei ist ein neues, anderes Bild entstanden, gewachsen.
Manchmal verliere ich mich geradezu im Verfremden und meditativen Weiterundweiterbearbeiten von Bildern. Es ist die Faszination des Neulandes. Was werde ich entdecken? So lege ich Schicht um Schicht frei und gehe tiefer ins Bild hinein. Ich erkenne und entdecke Neues im bekannten Bild, indem ich es drehe und wende und in sich selbst spiegle. Auch ein Weg sich selbst zu entdecken. Was bietet sich zum Sichselbstspiegeln schon besser an als ein Spiegel?

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iDogma-Art
Unter Verwendung von ProCamera, Juxtaposer und Diptic

Neue Schuhe

Na, hast du dich schon eingelebt?, lautet eine der Fragen, die mir in letzter Zeit häufig gestellt werden.

Wie ich vorhin im frisch geputzten Bad, meine Zähne schrubbend, meine Gedanken belausche, begreife ich, dass das hier wirklich Wirklichkeit ist. Meine neue Gegenwart. Ich. Hier. In diesem kleinen, großen Haus wohnend. Irgendwo zwischen hier und dort und nirgendwo in der pfälzischen Landschaft. Zeit. Stille. Tun und lassen nach Bedarf.
Neue Schuhe wollen eingelaufen werden, wir wollen uns schließlich keine Blasen holen. Wir spazieren zuerst nur kurze Stücke, geben den Neuen Zeit, unsern Fuß kennenzulernen, ihn zu umschmiegen, sich an ihn zu gewöhnen. Und umgekehrt. Als Kind sind wir regelmäßig den alten Schuhen entwachsen. Die neuen Schuhe wurden ein klein bisschen zu groß gekauft, und erst nach ein paar Wochen waren wir ihnen endlich gewachsen.
Sich einleben – ein bisschen ist es wie neue Schuhe einlaufen. Noch zu große Schuhe vielleicht. Ich wachse hinein. Wachstumsschmerzen zuweilen. Sehnsucht gar nach den alten Schuhen, ich gebe es zu. Und ab und zu kann ich es kaum glauben, wie gut ich es doch habe. Die äußeren Umstände ebenso wie innerlich, was meine Bedürfnisse nach Liebe, Zufriedenheit, Stille, Autonomie und vielem mehr betrifft.
Ja, danke, ich habe mich gut eingelebt. Von ein paar Blasen abgesehen, die wohl einfach Teil des Prozesses namens Einleben sind.

Von Paralleluniversen, Flugrost und den vielen Baustellen der Sofasophia

Etwas bremst dich immer aus! Mit diesem Satz bin ich gestern Nachmittag zuhause gelandet. Hier zuhause, hier in der Pfalz, hier auf dem einsamen Gehöft. Bin wieder zurück aus der Schweiz, wo ich noch immer und immer auch zuhause bin. Doch ist daheim mehr und mehr einfach mitten in mir drin.
In der Meinung, dass alles in Ordnung ist, da meine blecherne Gefährtin doch neulich erst im Service war, fuhr ich los. Es galt die periodische Autokontrolle zu bestehen. Natürlich, die Nervosität fährt zu solchen Anlässen immer mit, doch im Grunde war ich sicher, dass wir es schaffen würden, mein Sternchen – deutsch für Starlet – und ich. Mit Irgendlink hatte ich am Tag zuvor noch den letzten Flugrost abgeschmirgelt und dies und das vergoldet, so dass ich mich beinahe neu in die alte Dame mit den vielen Dellen verliebte.
Doch was musste ich erfahren, wie ich da auf der Prüfspur stand? Mein Auto sei krank! Ein bisschen nur, zum Glück. Seine Ölwanne ist rostig und muss ersetzt werden. Ebenso die Hinterreifen. Für Normalsterbliche unsichtbare, für den Fachmann im Prüfzentrum wohl sichtbare Abnutzung des Gummis um die Felgen rum. Sehen Sie: hier und hier! Nein, ich will hier nicht mit Details langweilen, doch gebe ich zu, dass mich die Diagnose doch überrascht hat. Und geschmerzt. So als wäre eine Freundin krank. Na ja, das ist mir mein Auto irgendwie. Wie viele Abenteuer wir doch schon zusammen erlebt haben!
In der Schweiz habe ich ganz nebenbei ein paar tolle Menschen getroffen. Ein schöner Nebeneffekt meines Besuches in der Schweiz. Ohne mein Dazutun hatte nämlich meine Schreibgruppe genau jenen Abend zu ihrem Treffabend auserkoren und traf sich schließlich statt in Bern extra wegen mir in Biel, wo ich bei meiner Freundin K. gastierte. Was für ein toller Abend!
Auch den Mittwoch verbrachte ich in der Schweiz, fuhr weiter zu meiner Freundin L. und begriff einmal mehr, wie wunderbar es ist Freundinnen zu haben. Wunderbar nährende Gespräche da wie dort. Ein Austauschfluss – erfrischend und wohltuend. Auch zeigten sich sowohl K. als auch L. begeistert von meinen iPhone-Bildern. Fast identisch waren ein paar von ihnen beiden geäußerte, kritische Gedanken zur iPhone-Kunst:
Eigentlich ist es ja nicht wirklich fair, dass du mit nur ein paar wenigen Berührungen des Bildschirmes so tolle Bilder machen kannst!
Okay, ja,
habe ich gesagt, das mag easy aussehen. Die paar wenigen Berührungen sind allerdings nicht einfach Automatismen, sie sind der eigentliche künstlerische Prozess.
Kunst ist immer eine Synthese von initialer Idee, Handwerk, Wissen und Können betreffend das Material, dazu kommen Inspiration, und Phantasie. Nicht zu verachten: ein bisschen Zufall. Kunst ist ein Weg. Kunst ist es, den Augenblick wahrzunehmen und festzuhalten, und Kunst ist auch dessen Echo. Kunst ist das Erlebnis, der Ausdruck, die Lust am Hinsehen und Hinfühlen. Und Kunst ist noch viel mehr.

Li Ssi hat dazu in ihrem Blog einen genialen Text zitiert:

Ich brauche nicht in die Geschichte der Philosophie einzutauchen, um darauf zu bestehen, dass es in der Kunst K E I N E R E G E L N gibt und keine Chance für Schwachköpfe und Blödmänner, die an Regeln und Gesetzen und verbotenen Bereichen festhalten, und keinen Grund für Hierarchie, der zufolge „breit“ besser als „schmal“ ist und „männlich“ wünschenswerter als „weiblich“. Es gibt in der Kunst kein Gefühl, das nicht ausgedrückt, und keine Geschichte, die nicht erzählt werden darf, es sei denn, man hat ein Brett vorm Kopf. Die Verzauberung entsteht durch das Fühlen und das Erzählen, das ist alles. (Zitat Ende)
Quelle: Siri Hustvedt: Der Sommer ohne Männer

Während ich nordwärts heimwärts fahre – besonders auf dem letzten Wegstück, wo die Autobahn aufhört – und während sich die Ebenen verschieben – kaum bin ich hier, schon bin ich dort, fahre rauf und runter –, stelle ich fest, dass ich doch nicht in einer flachen Welt leben möchte, wie ich sie mir beim Radfahren zuweilen wünsche. Die verschiedenen Ebenen, der Wechsel der Dimensionen machen mein Leben reich. Kaum hier, schon dort …, ja, das muss so sein, so und anders. Immer wieder andere Ebenen. Langer Atem, den ich brauche, immer wieder. Viel Kraft, die wir brauchen, um all die Wechsel, all die vielen Baustellen, auf denen wir leben, auszuhalten. Schiefe Ebenen oft genug, Schräglagen, Geraden, Paralleluniversen …
********
Baustelle 1: Meinen Wohnraum fertig gestalten, so dass ich mich wieder vermehrt um meine anderen Projekte kümmern kann.
Als da wären:
Baustelle 2a: An meiner iPhoneArt-Gallery weiter spinnen. Mich verbessern. An meinem Handwerk arbeiten. Mein Auge schulen.
Baustelle 2b: Meine WhiteWall-Seite, meinen Internet-Bilderladen, wo jede und jeder meine Bilder in genialer Qualität für sich selbst bestellen kann, weiter kreieren. Mehr dazu, wenn ich so weit bin. Und ja, inspiriert dazu hat mich natürlich Irgendlink, dessen eigener WhiteWall-Shop ich allen nur wärmstens empfehlen kann.
(((Ach ja … heute haben wir unsere Bilder, die wir ebendort bestellt haben, voller Freude von allen Seiten betrachtet, gedreht, gewendet. Fazit: Super Qualität! Bestellen! Aufhängen! Weitersagen! )))
Baustelle 3: Jener Foto-Wettbewerb zum Thema „short-lived“, zu dem alle iPhoneographInnen eingeladen sind. In Frankreich irgendwo wird es eine Ausstellung zu besagtem Thema geben. Da will ich mitmachen.
Baustelle 4: Mein Blog, das ich nicht vernachlässigen will.
Baustelle 4a: Für mein Blog kleine, feine, weise Artikelchen über die einzelnen Apps, diese süchtigmachenden Bildbearbeitungsprogramme des iPhones, schreiben.
Baustelle 5: Meine Manuskripte vollenden und voranbringen. Verlagssuche zum Beispiel. Ich sage da nur „Loch im Eis“!
Baustelle 6: Lebensschülerin sein. Immer. Überall. Ob mit Irgendlink unterwegs oder allein. Oder mit meinen Freundinnen und Freunden. Nähe. Distanz. Balancieren auf dem Lebensseil.
Baustelle 7: Für „meine“ Zeitschrift endlich die beiden ausstehenden Buchbesprechungen schreiben und abliefern.
Baustelle 8: Endlich mal wieder an meiner Galerie mit den Nikon-Bildern weiterbauen.
Ach und nicht zu vergessen:
Baustelle xyz: Mein Auto instand stellen lassen und es zur neuerlichen Prüfung innert dreißig Tagen erneut in die Schweiz begleiten. Mich der Lehrmeisterin Straße hingeben. Lehrmeisterin? Ja, sie hat mir neulich gesagt, dass gutes Autofahren nicht in erster Linie bedeutet, dass ich technisch einwandfrei unterwegs bin, sondern dass ich risikobewusst und sozialkompetent fahre und dass ich mir meiner Mitwelt bewusst bin, will heißen, weder mich über andere zu ärgern noch anderen Anlass zu geben, sich über mich zu nerven. Und so weiter.
********
Banaler Text, denke ich, wo ich ihn durchlese. Hm. Die Angst vor der Banalität? Ja, die gibt’s. Die kennt wohl jeder kunstschaffende Mensch. Doch nein, ich will sie nicht mehr füttern. Ich schreibe hier, was ich will. Banal oder nicht.
Etwas oder jemand bremst uns immer aus!, schrieb ich oben. Und meistens bin ich es sogar selbst, die mir auf dem Schlauch steht, geht es mir soeben durch den Kopf. Hm, aber stimmt das wirklich?
Das Leben ist eine Aneinanderreihung von Kompromissen!, habe ich zu Freundin K. gesagt. Und das, stimmt das? Ja und nein. Ja, denn ich bewege mich ständig in Relation zu allen anderen, bin nicht allein, der Platz ist beschränkt. Choreografie des Lebens. Schwerkraft und Zusammenspiel von Zufall und Fügung. Lebenstanz. Ich bin immer umgeben von anderen, die da sind, weil sie da sind, wie ich ebenfalls in ihren Leben irgendwie da bin. Warum auch immer. Doch müssen sich Selbstbestimmtheit und Kompromissfähigkeit ausschließen? Sie könnten sich doch eigentlich wie Essig und Öl begegnen, im Salatsaucen-Tanz sozusagen.

fertig?

FERTIG gibt es nicht. Fertig ist ein Unding. Unfassbar. Ganz besonders in der Kunst. Einerseits musst du ja irgendwann einen Punkt machen, den letzten, andererseits wird dich immer das Gefühl begleiten, dass du mehr hättest tun können, mehr über- oder bearbeiten. Zum dritten aber, und dies ist nun die Kante der Münze, zum dritten weißt du, dass es wann immer du den Schlusspunkt auch gesetzt haben magst jedes Mal solche Menschen gibt, die sagen, dass du zu viel oder zu wenig bearbeitet hast. Was die Subjektivität und Unfassbarkeit des Begriffs beweist.
Da lob ich mir doch die hohe rohe Kunst, die Art Brut. Ja, die gibt es. Und sogar ein Museum drum rum. Rohe Kunst, Kunst von Menschen geschaffen, die nicht wissen, dass sie Kunst kreieren. Oftmals von Menschen, die psychische Probleme haben, die in Kliniken gesteckt worden sind, denen als einzig mögliche Sprache Stift und Papier bleibt. Kunst, die nicht auf die Regeln der ExpertInnen hört und die eigenen Gesetzen gehorcht.
Das Gegenteil von Mainstream, dieser Autobahn der Kunst. Überall – in der Musik ebenso wie beim Schreiben oder Fotografieren – diktiert ein Mehrheitsgeschmack, was angesagt ist. Oder ein Minderheitsgeschmack hinter den Kulissen. Fäden, lange Fäden. Big Business. Aber darüber wollte ich nicht bloggen.
Dafür über die Möglichkeiten, ja, über sie wollte ich sofasophieren … Am Anfang waren die Möglichkeiten, unzählige, unendliche, grenzenlose. Durch die Verdichtung von Energie, von Idee, von Phantasie, wird Möglichkeit Wirklichkeit. Durch meine Entscheidung für einen der vielen möglichen Wege, verlasse ich das Land der Optionen, dieses Land, in dem alles möglich ist, und ich betrete die Realität. Bei der iPhoneArt, von der ich hier schreiben will, zwar nur die virtuelle Realität, aber immerhin. Ich gestalte aus einem rohen Bild ein anderes, ein neues Bild, ein gefiltertes. So wie wir alle die Welt um uns herum immer auf die eine oder andere Art filtern. Wobei hier das Wort Art durchaus mit Kunst übersetzt werden darf.
Beispiele gefällig? Vorher:

… nachher:

Bilder: iDogma-Art
Das erste ist ein ganz simpler, nicht mal sehr gut belichteter Schnappschuss aus unseren Tessin-Ferien im November 2010.
Das zweite Bild habe ich nach den Regeln des iDogma ausschließlich auf dem iPhone bearbeitet. Von A bis Y. Nur das Z, in diesem Fall hier das Hochladen, geschieht der Einfachheit halber über den Rechner …
Ob das Bild nun fertig ist? Oder vorher schon? Immer gar? So wie wir?
Unterwegs und doch ganz.
Angekommen und doch unterwegs.
Auf der Reise und doch bei mir.