Irgendeinsch fingts Glück eim …, singt Kuno auf dem letzten Kilometer zur dritten und letzten Wohnungsbesichtigung des Tages. Das Glück – findet es mich, finde ich es, habe ich es schon, ist es gar von Räumlich- und Örtlichkeiten abhängig?
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=eH2n2Z2hRC0&feature=related]
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Ist es Zufall, dass dieses Lied gerade in dem Moment läuft, während ich zu jener Wohnung fahre, der ich nach der Besichtigung fünf Sternchen und tausend „like it!“ geben werde (okay, auch die beiden andern bekommen mindestens je drei bis vier Sterne).
Ist es Zufall, dass in diesem Lied von zuhause die Rede ist. Von Heimkommen und davon, dass irgendwann und irgendwo allen das Glück über den Weg läuft.
Ist es Zufall, dass ich jemanden kenne, der jemanden kennt, dem er mich als neue Mieterin sehr empfehlen kann?
Eigentlich hat mich das Glück schon gefunden, begreife ich – später bei Freundin L. und ihrem Liebsten H. Am Küchentisch. Und später am Telefon mit Irgendlink. Das Glück in Menschengestalt, herunter gebrochen auf Wörter, heißt Liebe, heißt Freundschaft, Mitgefühl, Solidarität. Und seine große Schwester ist Dankbarkeit.
Wie auch immer die Wohnungssuche weitergeht: es wird gut. Es gibt immer einen Weg, wie schon mein Vater mich lehrte. Und ja, irgendwann ist es da, das Glück, das ja schon immer da war. Und irgendwann lass ich es sogar ein. Endlich. Immer? Jetzt!
Kategorie: hingesehen
Nischenzöix
Die einzige Grenze ist Ihre Fantasie!, wirbt eine App für sich. Hat was.
Vielleicht gut, dass es Grenzen gibt. Manchmal. Wäre meine Fantasie grenzenlos, hätte ich keine Zeit für all die Ideen, die mich zusätzlich zu all den bereits vorhandenen überschwemmen würden.
Ich verbringe diese Tage in dichter Arbeit. Die PR-Sache für Irgendlinks geplante Reise ums Meer, um die Nordsee ((für die ich immer wieder und ausgesprochen gerne Werbung mache)) wird immer komplexer. Zwei lokale Zeitungen sind aufgesprungen. Vorerst punktuell. Wer weiß, was wird.
Daneben hinke ich um Wohnungsinserate herum und hoffe, dass – wie immer – alles schon zur richtigen Zeit kommt. Meine Erfahrungen sagen das eine – es kommt gut! –, meine Ängste das andere.
Dazwischen Nischen. Die braucht es. Nischen zum Spielen. Und Träumen von der großen Reise, die ich nur von Ferne miterleben werde.
Ich brauche Bilder. Dies hier heute montiert und auf alt – auf lonesome bikeboy, ihr wisst schon – getrimmt:
Zelt und Rad hat J. auf der Radreise von hier nach Andorra – im Frühling 2010 – fotografiert. Ihn selbst habe ich im Sommer 2011 in Rendsburg geknipst. Vor der längsten Rolltreppe der Welt, die ganz schön kirre machen kann. Plümerant sozusagen … siehe dazu auch pixartix. Da hat es nämlich mal wieder Nachschub. Ihr wisst schon … pixartix, DAS Bilderblog!

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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).
Wissen und hören
Gestern mit den Ritualfrauen Karten gezogen. Erhellende Erkenntnisse über mich selbst gewonnen. Meiner Intuition vertrauen will ich. Weitergehen.
Im Zeitalter der grenzenlosen Kommunikation versuche ich bei mir zu bleiben – und mit mir selbst im Gespräch. Selbstgespräch nach innen. Hinhören. Still sein.
Nicht immer reden. Nicht immer schreiben. Wissen, wenn es Zeit dafür ist. Und wann.

Bildvarianten auch auf 
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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).
to be or not to be
Nicht, dass ich den Anspruch hätte, hier shakespearesches Niveau erlangen zu wollen, keine Angst, doch dieser Titel muss heute einfach sein. Höchstens to blog or not to blog, wäre eine Alternative und vielleicht sogar, heute und hier, eine passende Analogie.
Selbstbeweihräucherung und Exhibitionismus im Internet – ja, davon gibt’s genug. Und ein wenig tun das alle, die sich auf dien eine oder andere Art sichtbar machen. Ob nun in der virtuellen Welt oder in der höchst realen.
Wenn du voran kommen willst, musst du dich trauen. Zeige, was du kannst!, hatte mein Vater vor vielen Jahren einmal gesagt. Ich war noch in der Ausbildung. Und ob er trauen gesagt hat, weiß ich nicht mehr mit Sicherheit. Andere sagen: Stell nicht dein Licht unter den Scheffel. Mach dich nicht klein!, sagen dritte. Leicht gesagt … Mut und Selbstvertrauen waren leider nicht mit in meiner Schoppenflasche. Und was meint vorankommen wirklich? Spitze Ellbogen hatte ich noch nie.
Darum sinne ich seit gestern Abend darüber nach, ob es gut oder doof ist, wenn ich darüber blogge, dass ich den Februar-AppIt meiner iPhoneArt-Community gewonnen habe. Okay, keine supergroße Sache, doch Fakt ist, dass meine Bildserie – aus über hundert Bildern – am meisten Stimmen bekommen hat. So ein AppIt-Wettbewerb findet alle paar Monate statt. Die Aufgabe besteht jeweils darin, das Bild des letzten Gewinners oder der letzten Gewinnerin möglichst originell zu verändern und zu bearbeiten. Diesmal war es ein langweiliger Baum, der es sogar fast geschafft hat, mich zum Nichtmitmachen zu bringen. Doch auf einmal hatte ich total Spaß und war voller neuer Ideen.
Der Preis? Wie gesagt: Die Siegerin oder der Sieger darf das nächste zu bearbeitende Bild beitragen. Nein, wirklich keine große Sache. No money! Dennoch freue ich mich sehr. Zu sehen, dass meine Bilder eine Aussage haben, die ankommt, tut gut.
Doch zurück zur Ausgangsfrage: Darf ich so etwas bloggen? Ist geteilte Freude doppelte Freude oder erwecke ich mit solchen Nachrichten Neid?
Bin ich noch ich – auch ohne Blog? Lasse ich mir gar von all diesen Grübeleien die Flügel stutzen?
Schnitt.
Diese Tage sind voller Bilder. Zum einen sucht Irgendlink für seine Drucksachen und das Werbematerial – nicht zu vergessen auch für seinen Stand an der Messe „Kunst direkt“ in Mainz in fünf Wochen – nach aussagekräftigen Bildern, zum anderen brauche ich ein Bild, das sich zum verrückten und inspirierten Bearbeiten durch andere iPhoneArtistInnen eignet. So saßen wir gestern Nacht vor dem großen Bildschirm und reisten durch Dänemark, Schweden und Norwegen. Auf einmal war es Sommer. Sommer 2010. Beide waren wir damals noch Frischlinge in der iPhoneographie. Die Bilder sind dennoch bezaubernd und das Fernweh räkelt sich erwachend. Da und dort finden wir Bilder, bei denen es uns sofort in den Fingern juckt: Das will ich bearbeiten. Appen.
Zum Beispiel das hier (das rechte Bild gibts groß bei pixartix)
(einfach aufs Bild klicken!)
Es war ein kalter Tag in Norwegen. Wir fuhren immer nordwärts, heißt eigentlich nordwestlich, Richtung Meer. Kalt meint hier fünfzehn Grad, während in Deutschland und der Schweiz Rekordtemperaturen um die dreißig Grad gemessen wurden. Auf der Suche nach einem Geocache waren wir in einem Dorf gelandet, Selbu, das ein hübsches Heimatmuseum, direkt neben der Kirche, sein Eigen nannte. In welcher notabene grad eine schlotternde Braut ihrem Liebsten das Jawort gab, während wir uns im Heimatmuseum aufwärmten. Einer dieser Tage, die so typisch für unsere Art zu reisen sind. Einfach schauen, wohin es uns verschlägt.
Im Museum eine sehr angenehme Dame, die uns alles erklärt. Auch die kleine Kunstausstellung – eine sehr beeindruckende Rauminstallation, die aus mindestens fünfhundert an der Decke an Fäden aufgehängten Stricknadeln bestand.
So klicken wir uns gestern Abend weiter an die norwegische Küste. Von da aus zum Polarkreis und schließlich zurück durch Schwedisch-Lappland. Mein Herz klopft heftig. Nicht nur vor Fernweh. Ich bin dankbar für all das zusammen mit J. Erlebte. Da keimt Hoffnung, dass das Leben nicht nur nicht gut ist, nicht nur bloß schwer, nicht nur ständig voll neuer Hürden und Widerstände. Nein, das Leben ist auch schön. Oft sogar. Und ich, ich bin.
und dies noch …
Der Kaiser hat ja keine Kleider an …
Das Bild ohne Bild oder des Kaisers neue Kleider …
Am Anfang war eine schwarze Fläche, die ich dank einer App namens PhotoWizard mit immer wieder anders farbigen Rahmen eingefasst hatte. Zwischen jeden bunten fügte ich jeweils einen schwarzer Rahmen ein.

Das fertig gerahmte Nicht-Bild nudelte ich anschließend durch ein weiteres Programm (iDroste), was den Rahmen aufgeknackt und das sture Ding in Schnecken-/Spiralenform gebracht hat.

Alsdann wurde das neue Ding mit reflektierenden Rahmen auf gelbem Untergrund von allen vier Seiten erneut gerahmt.
Klingt womöglich furchtbar langweilig, technisch und banal. Mag sein, doch ich plaudere hier nur us em Nähtruckli (aus dem Nähkörbchen), weil ich etwas von der Faszination mit euch teilen will, die zurzeit das Bilderbauen ohne reale Bildvorlage für mich hat.
Aus nichts etwas machen – vielleicht einfacher, als aus Stroh Gold zu spinnen.
Im Gegensatz zum nackt durch die Straßen wandelnden Kaiser in Andersens Märchen habe ich allerdings am Schluss nicht nacktes Nichts vor meinen Augen, sondern ein neugeborenes Bild. Ein Bild das vorher nicht da wahr. Wie es die Kunstmalerin auf der Leinwand erlebt. Nur, dass meine Farbtuben virtueller Natur sind. Ein neues Bild, das aus einer Mischung von Absicht, handwerklichem Können – nämlich dem Bedienen der verschiedenen Bildbearbeitungs-Applikationen auf dem iPhone (meine Pinsel, Stifte und Farbtuben sozusagen) – und Zufall entstanden ist.
Die Moral von der Geschicht? Gibt es nicht.
Ausprobieren. Weitermachen.
Ach, übrigens: Auf unserem noch fast nigelnagelneuen Bilderblog Pixartix zeigen Irgendlink und ich immer wieder neue Experimente …

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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).
Randständige Gedanken
Da ist diese App, Photowizard heißt sie, die – wie Photoshop, Gimp und Konsorten auf dem Rechner –, ausgewählte Flächen per Fingertipp auf dem Display deines iPhones markieren kann. Alle Flächen, die die gleiche Farbe haben, werden nun maskiert, das heißt, von allen weiteren Bearbeitungsschritten ausgespart. Als wäre eine Schablone auf dem Bild, kannst du nun den Rest des Bildes aufhellen, abdunkeln, die Kontraste verändern, Filter anwenden. Hast du die Veränderungen gespeichert, kannst du den Spieß umdrehen und nun den vorher maskierten Teil des Bildes ebenso nach Gusto verändern.
Zur Veranschaulichung dieses Bild aus der Stadt (anklicken macht es groß)
Leserichtung: von oben links nach unten rechts …

Ich hoffe, dass es mir mit dieser App sogar gelingen wird, aus dem langweiligen AppIt-Bild des Monats, das es in unserer iPhoneArt-Community aktuell für alle Interessierten zu bearbeiten gibt, etwas brauchbares zu machen. Normalerweise sind da richtig gute Bilder eingestellt, die sofort Lust auf Experimente machen. Diesmal ist es ein Baum. Aber nicht einfach ein schöner Baum, was mir durchaus recht wäre, nein, es ist ein schlecht belichteter, einer mit kaum Kontrasten. Offenbar gilt es diesmal, aus dem Aschenputtel eine schöne Prinzessin zu machen und aus dem hässlichen Entchen einen schönen Schwan.
Da war dieser Satz, gelesen in einem Buch von Doris Lessing.
Er erkannte, dass er auf mehr ungelebtes als gelebtes Leben zurückblickte …
(sinngemäß zitiert aus „Ein Kind der Liebe“).
Wie ich da am Ofen sitze und mir diese Zeilen auf der Zunge und im Herzen zergehen lasse, zu verstehen versuche, was James‘ Leben zu einem größtenteils nicht gelebten Leben werden ließ, sehe ich auf einmal sein Leben wie ein Bild vor mir. Ganz viele Teile darauf sind maskiert, lassen sich nicht bearbeiten, sind erstarrt. Vielleicht ist nicht mal veränderbar, was zukünftig, was noch nicht gelebt worden ist. Das meiste ist grau maskiert. Nur jene klitzekleine Lebensphase, die ihn den Krieg hatte aushalten lassen, jene große Liebe, die er vier verrückte Tage lang in Kapstadt erfahren hatte, glüht rot zwischen all dem grau hervor. Genug für ein ganzes ungelebtes Restleben?
Da gibt es, wie gesagt, diese App. Diese App mit dem Schalter, der den Spieß umdreht. Alles vorher maskierte, eingefrorene lässt sich nun bearbeiten. Beim Bild ist so etwas ganz einfach. Beim Leben? Nicht unmöglich, nein. Wenn du es willst.
Schnitt.
Über Menschenrechte denke ich nach. Da gibt es doch diese Rechte auf Gleichheit, auf Respekt, auf Würde – doch gibt es das wirklich? Ich google und finde bei Wiki Antworten.
„ … die Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten für alle ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder der Religion zu fördern und zu festigen,“ fordern Mitglieder der Vereinten Nationen für ihre Mitgliederstaaten, ob groß oder klein. Kann ich unterschreiben. Will ich befolgen, ich, als Einzelne, ich als Bürgerin …
Später, beim Blogsurfen finde ich – mal wieder bei Luisa, wen wundert´s – diesen Text:
„den grad der zivilisation von menschen lässt sich nach meiner vorstellung an fünf kriterien messen:
an der wertschätzung von
kindern
frauen
dem fremden, unbekannten
der natur, den tieren, den pflanzen
nahrung
also zivilisation verzweifelt gesucht.“
Quelle: salamandra.de (luisa in bayern – 25.01.2012 um 07:55:25)
Ach, und wie steht es denn eigentlich mit einem Recht auf gelebtes Leben? Doch wer anders als ich selbst kann es mir geben?
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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).
Bitche
Endlich mal wieder raus.
Dem Regen trotzen.
In Bitche, eine halbe Stunde von hier, sich wie im Urlaub fühlen.
Na ja, den Garten des Friedens haben wir zwar illegal betreten, doch das hat sich gelohnt. 🙂

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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).
noch eins …
nachts geappt …

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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).
Utopia?
Es gibt Dinge, die kann ich. Es gibt Dinge, die kann ich nicht. Solche auch, die will ich gar nicht können. Und solche gibt’s, die ich gerne könnte, nie können werde oder vielleicht eines Tages ebenfalls kann. Künstlerin ich.
Beim Bilderbearbeiten auf dem iPhone gibt es Techniken, die mir zu kompliziert sind. Wenn Irgendlink auf dem Display seines iPhones herum zaubert, bleibt mir zuweilen die Spucke weg. Er kann Dinge, die ich nicht kann. Und nein, ich muss überhaupt nicht alles können, dennoch will ich nicht aufhören, lernen zu wollen. Zu lernen gehört zu meinem Leben. Zum Leben. Die Bereitschaft neues zu lernen, ist für mich eine der Motivationen, überhaupt zu leben.
Die Welt des Alles und des Nichts. Die Welt der Dinge. Die Welt des Unsichtbaren. Alle nebeneinander. Aufeinander. Gleichzeitig. Alles ist immer gleichzeitig. Während ich hier bin, ist gleichzeitig das Nordkap – zwar woanders, aber da. Für andere sichtbar, für mich nur vermutbar. Weil es auf der Karte abgebildet ist. Weil ich schon Bilder gesehen habe. Weil ich schon fast dort war. Und gleichzeitig wie ich hier bin, ist mein Bruder in der Schweiz. Der Beweis: Seine Mails. Gleichzeitig ist Schweden. Ist Sierra Leone. Ist China. Nordkorea. Und gleichzeitig ist auch mein Traum nach Gutleben für alle. Nach fairem Handel rund um den Globus. Nach Gewaltfreiheit. Nach heiler Natur.
In dieser Gleichzeitigkeit ist ebenfalls jeglicher Schmerz und jegliches Lachen. Verzweiflung genauso wie Ekstase. Und in allem ist jeder Mensch, der im Mittelpunkt seines Lebens steht. Mit all den Dingen, die er kann und die er sich erträumt. Mit allem auch, was er nie können wird.
Der Wunsch von Utopia ist alt. Schon die guten alten Bibelschreiber – ja, männlich, denn das können keine Frauen gewesen sein – haben sich ein Paradies gebaut, um damit die Sündenspirale, die dem Menschen innewohnt, zu begreifen und zu erklären. Das Ding mit der Angst – andern die Hölle heißzumachen – ist ein uralter Trick. Vertröstet werden auf den Himmel war schon immer ein gutes Geschäft. Es hält die Menschen bei Laune, macht sie gefügig, hält sie klein. Macht sie neidisch. Schafft Minderwertigkeitsgefühle und nährt Wunden. Füttert Aggressionen. Entfacht Kriege und kurbelt die Wirtschaft an.
Was ich sagen will? Da ist dieses Programm, das ich vor fünf Tagen auf den Rechner geladen habe. Es ist ziemlich schlau, beschäftigt sich im Hintergrund mit den unsichtbaren und sichtbaren Dingen, die auf meiner Festplatte herumlungern und schafft, wenn ich es darum bitte, für Ordnung und mehr Platz. Es listet mir die schon lange nicht mehr verwendeten Programme auf und rät mir, das eine oder andere zu deaktivieren oder gar rauszuschmeißen. Ein paar solcher Schmarotzer, die nur Platz brauchen, habe ich bereits rausgeworfen. Nichts leichter als das.
Auch defragmentieren kann das Ding, was so viel bedeutet, dass das Ding, wenn ich es dazu auffordere, alle Dateien auf der Festplatte ordnet, gleiches zu gleichem stellt, legt, schubladisiert, so dass es wieder Platz auf dem Tisch gibt.
Wie schön es wäre, wenn ich innen drin auch so ein Ding hätte, das für Ordnung sorgt!, denke ich fast jedes Mal, wenn ich die Aufforderung anklicke, doch bitte genau jetzt aufzuräumen. Ein paar meiner ganz persönlichen Programme hätte ich ganz gerne deinstalliert. Deaktivieren ist aber auch schon okay. Meine biologischen Virenschutz- und Malewaresuch-Programme geben zwar hin und wieder rote Lichtsignale ab, doch ich ignoriere die Warnungen weitestgehend und bringe mich mehr schlecht als recht durch die Tage, die mit allerlei selbst auferlegten Pflichten gefüllt sind – sein sollten. Ich sage nur Bewerbungen. Manchmal bin ich ob der Fülle der Pflichten derart gelähmt, dass nichts mehr geht.
In früheren Artikeln habe ich bereits laut darüber nachgedacht, wie viel persönliches ich hier preisgeben soll und darf. Da gibt es – bei euch und bei mir – verschiedene Ansätze und zuweilen halte ich mich sehr bedeckt. Dann wieder zeige ich ziemlich viel von mir. Meistens befindet die Tagesform darüber, wie engmaschig mein Filter ist.
Die virtuelle Welt ist so anders nicht als die richtige, will heißen als die Welt der Dinge und der Dichte, dachte ich heute Abend auf dem Heimweg vom Einkaufen. Und auch Autofahren ist wie Leben. Und Schreiben ebenfalls. Ich fahre durch den Regen. Es ist dunkel … ich sehe die Straße kaum. Den Rand ahne ich bloß. Noch weniger als kaum sehe ich, wenn mir ein anderes Auto – am liebsten ohne abzublenden – entgegen fährt. Ich fahre auf gut Glück. Ich lebe auf gut Glück.
Voyeurin bin ich, wenn ich andere Geschichten lese. Exhibitionistin bin ich, wenn ich mich sichtbar mache. Sind wir denn nicht alle irgendwie ähnlich unterwegs? Tut es uns nicht irgendwie gut, wenn wir bei anderen lesen, dass sie ähnliche Probleme haben? Freuen wir uns nicht alle ein bisschen mit, wenn eine es geschafft hat, den gewünschten Job zu bekommen, ein Problem endlich zu lösen oder eine schwere Prüfung abzulegen? Diese unsichtbare Welt, die Welt der Virtualität, ist so lebendig wie all jene, die sie bewohnen.
Du und du und du und … ich …

(((Zurzeit bearbeite ich fast ausschließlich Porträts von J. und von mir. Die wenigsten sind zum Zeigen bestimmt. Eins heißt zum Beispiel „How to monsterize myself“. Möglicherweise kein unwichtiger Prozess, der da in mir abgeht. Mich neu zusammenzusetzen, wie neulich schon erwähnt – vermutlich ist es das, was mich dieser Tage beschäftigt …)))
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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).