Am Feuer

Man darf das Feuer nicht fürchten.
Gedacht, als ich heute Morgen Feuer im Ofen schürte, damit wir es schön warm haben. Gedacht, als genau in dem Moment ein glühendes Stück Holz herausrutschte, als ich neues Holz nachlegen wollte. Gedacht, nachdem ich dieses Stück ohne Nachzudenken und mit einer so schnellen, mit dem Feuer vertrauten Bewegung zurück ins Feuer geschoben hatte. So schnell, dass ich nicht mal auf die Idee gekommen war, dass mir das Feuer weh tun könnte.
Ich rede immer mit dem Feuer, wenn ich es entfache und danke ihm, wenn es brennt. Und wenn ich es füttere ebenfalls.
Da ist viel Respekt ja, aber Angst? Nein.
Schon viel habe ich vom Feuer gelernt. Ein bisschen Demut auf jeden Fall. Wärme und Dankbarkeit sind bei mir eng verbunden. Ohne Feuer wäre ich nicht da.
Nein, man darf das Feuer nicht fürchten.

Der Anfang vom Ende – Akt zwei

Akt eins, wen wundert’s, ging am Tag X über die Bühne. Jenem Tag, als ich den Kindern an der Schule, wo ich letzten Herbst für ungefähr drei Monate gearbeitet habe, meinen baldigen Abschied vorankündigte.
Akt zwei läuft jetzt. Meine letzten Tage in Deutschland. Morgen in zwei Wochen laden wir das Umzugsauto und fahren in die Schweiz. Danach werde ich hier noch ein paar Tage Abschied nehmen. Und putzen – als Akt des Abschließens. Die Zugabe. Mein Bonustrack sozusagen.
Akt zwei begann heute. Mit meinem Gang in den Keller, wo ich die leeren Umzugskartons gestapelt habe. Einige sind schon mindestens fünfmal mit mir umgezogen. Ich erkenne es an den Schriftzügen der Helferinnen. Küche steht da – in B.s akurater Schrift. Akt zwei also. Wie ich mit drei leeren Kisten ins Wohnzimmer betrete, mir einen Packplatz einrichte und Bücher mit leichten Sachen kombiniert verpacke, damit die Kisten nicht zu schwer werden.
Drei Kisten später kommt J. von der Arbeit nach Hause. Wir stehen vor dem halbleeren Büchergestell. Seltsam, wie leere Gestelle das Lebensgefühl verändern. Seltsam, wie Leere nach Fülle schreit. Seltsam schön, dass diese Dinge, diese Kleinigkeiten nun verpackt sind. Ein Grundgefühl von Schwerelosigkeit will sich in mir breitmachen. Auf einem Regalboden meines Büchergestells waren noch vor ein paar Stunden Bücher von Menschen, die ich persönlich kenne, versammelt. Allesamt signierte Bücher, selbst oder bei einem Verlag herausgegeben, einige wenige auch handgebunden. Eins von J., eine limitierte, wunderschön handverschraubte Ausgabe eines Weblog-Buches, das er vor bald zehn Jahren publiziert hat. Er erzählt darin aus einer Zeit vor unserer Zeit. Der gleiche Mensch, doch mir noch unbekannt. Seltsam vertraut. Ich tauche lesend – nicht zum ersten Mal – in das Leben eines Menschen ein, den ich heute kenne. Heute? Kenne? Beides relativ. Beides immer im Wandel.
Außen- und Innenwelt gehen zurzeit nahtlos ineinander über. Da ist Vorfreude auf sovieles. Auf den Frühling. Auf den Neuanfang. Auf die Schweiz. Auf die neue Wohnung und das Einrichten. Mit-Vorfreude auch – zusammen mit Irgendlink – auf dessen große Reise.
Eine Kehrseite hat alles. Kehrseite von neuer Wohnung ist alte Wohnung. Von Neuanfang Loslassen. Von Schweiz in meinem Fall hier Deutschland. Von Reise Sehnsucht. Von Abenteuer Ungewissheit.
Innendrin sitzt Geborgenheit und innendrin ist auch Angst zuhause. Nachbarinnen, die sich zuweilen aneinander aufreiben. Angst nimmt oft noch zu viel Platz ein und tapeziert das Treppenhaus mit großen, einschüchternden Plakaten. Geborgenheit schüttelt leise den Kopf darüber und sagt, dass ich mich nicht fürchten soll. Am Ende sei sie stärker. Am Ende vom Ende. Da wo alles anfängt. Immer. Und jetzt auch.

Von Visionen und dem Lebenssinn

Vor ein paar Tagen war es. Ich verpackte die letzten Briefe in Umschläge. Serienbriefe zwar, aber liebevoll gemachte. Serienbriefe, die entweder Menschen ansprechen, die an Schaltstellen von Zeitungen, Zeitschriften und Internetmagazinen – zum Thema Reisen und Mobilität, wo immer möglich – sitzen oder aber die eine Firma im Bereich Outdoor-Artikel leiten (guckt dazu in Irgendlinks Blog im Pressebereich). Menschen also, die sich für Irgendlinks „Ums Meer“-Projekt interessieren könnten und die auch gleich die Möglichkeit haben, dieses Projekt materiell oder dank ihrer Medien zu begleiten. Jede Adresse haben wir dazu feinsäuberlich recherchiert.
Bei jedem Brief, den ich zuklebte, dachte ich mir, dass sich diese Dame bestimmt melden wird. Oder dieser Herr. Oder dieses Radioteam. Nein, ich bin nicht so naiv, dass ich damit rechne, dass sich alle melden. Aber meine Absicht, mein Wunsch, meine Intension sind trotzdem da. Wer weiß schon, was wird?
Später im Auto. Auf dem Weg zur Post. Die Tasche mit den Briefen neben mir auf dem Beifahrerinnensitz. Auf einmal ein neulich gefallener Satz im Kopf. Von R., der unter anderem in der Werbebranche arbeitet. Dass wir es ganz anders aufziehen sollten, dieses Reiseprojekt. Viel größer und lauter. Und unbedingt ein Charity-Programm dran knüpfen. Die Leute könnten dann pro gefahrenen Kilometer etwas für ein tolles Projekt spenden. Etwas zu Herzen gehendes, etwas anrührendes.
Wie ich über den Kreuzberg in die Stadt runter fahre, zweifle ich. Das erste Mal, dass ich an Irgendlinks Reiseprojekt zweifle. Nein, falsch, nicht am Projekt. Ich zweifle nur daran, dass es außer uns und ein paar Nahestehenden sonst eine Sau da draußen interessieren könnte. Es ist ja, strenggenommen, einfach eine Reise. Alle reisen.
Alle reisen! Alle machen Fotos! Alle schreiben (okay, die meisten nur hin und wieder) Tagebuch! Alle fahren ab und zu Rad. So what? Wozu der ganze Aufwand?, zählt Frau Zweifel auf.
Du wieder, als ob du eine Ahnung davon hättest!, kontert Frau Kunst sofort. Ja, gut, alle reisen, aber wem ist eine Reise schon so wichtig, dass er dafür seinen Job riskiert und ein einfaches, komfortloses Leben auf sich nimmt, um seine Reise machen zu können? Dazu drei Monate lang Tag und Nacht Wind, Wetter, Sonne und Regen ausgesetzt sein! Wer ist schon verrückt genug, alle zehn Kilometer respektive alle sechs bis acht Meilen ein Bild zu knipsen, egal, ob es da nun schön oder hässlich ist? Und wer ist schon fit genug, so eine lange Reise auf dem Rad zu wagen? Das hier ist Kunst! Reisekunst. Blogkunst. KUNST!
Ich schaue hin und her – wie eine Tennisschiedsrichterin. Sehe die verbalen Bälle hin und her fliegen. Frau Zweifel und Frau Kunst legen sich ganz schön ins Zeug, muss ich sagen, beide Überzeugte von ihrer Sicht der Dinge. Und als Frau Zweifel das Thema Charity aufgreift, fällt ihr Frau Kunst nur lachend ins Wort.
Da verwechselst du etwas! Natürlich dürfen und sollen die Leute für tolle Projekte spenden. Sehr wichtig! Gutes tun geht immer, doch dazu müssen nicht Tränendrüsenaktivatoren mit Kunstprojekten verknüpft werden. Charity ist wichtig, ohne Zweifel, aber … ja, GROßES ABER … Kunst muss sich nicht mit Benefizzöix dekorieren, um sich selbst rechtfertigen. Kunst genügt sich selbst, ist um ihrer selbst willen daseinsberechtigt.
Zeig mir eine glückliche Gesellschaft auf dieser Welt, die ohne Kunst funktioniert. Siehst du? Gibt es nicht. Kunst ist notwendig, damit Menschen aus dem Alltagshamsterrad ausbrechen können. Kunst wendet grau in bunt. Irgendlinks Reisekunstprojekt ist in sich genug. Ob da nun fünf oder tausend Menschen mitreisen. Das Projekt wird, weil es mitten aus dem Leben kommt, viele berühren und vielen Freude bereiten.
Wie ich dann die Briefe am Tischchen neben dem Kopierer mit Marken versehe – ob das nun andere Kunstmanagerinnen auch selbst tun oder nicht, ist mir dabei egal, denn es ist ein geradezu sinnlicher, spiritueller Akt – wird mit klar, dass sich hier ein Kreis schließt. Die Idee zu diesem Projekt ist mehr als ein Jahr alt. Die Vision wird bald Wirklichkeit. Herzblut, ganz viel. Mit jeder Handlung, so alltäglich sie ist, die ich mit Liebe und Hingabe verrichte, fließt meine Liebe in die Welt. Und der Wunsch, die Welt ein wenig schöner zu gestalten.
Und genau das kann das Projekt „Ums Meer“ tun, Frau Zweifel, hast du das gelesen?

Kundenkopierer

Für einmal war ich richtig froh, gestern auf der Post, dass die Deutschen mit der Gleichberechtigung in der Sprache schludern. Ich hoffe sehr, dass das mit Kundenkopierer beschriftete Ding wirklich nur das tut, was ihm aufgetragen worden ist. Alle Kunden in der Reihe vor mir zu kopieren, ginge ja noch, doch würde der Kopierer auch gleich alle Kundinnen kopieren – puh, nicht auszudenken, da wäre ich ja heute noch dort!
Was habe ich gelernt? Es gibt definitiv mehr Frauen, die Briefe und Pakete verschicken.

Jemandes Sprache

Ich frag mich, ob wir jemanden kennen, der jemanden kennt, der jemanden kennt … Irgendlink zieht die Brauen hoch und sieht mich über seiner dritten Tasse Kaffee verschlafen aufwachend an. So viele Worte, so früh am Morgen. Immerhin erst kurz nach neun und wir haben schon Yoga (ich) und Feuer (er) gemacht.
Du meinst? Jemand der?, fragt er.
Ja, ob jemand … vielleicht jemand, der jemanden kennt, der oder die mein Blog liest, weißt du, und der oder die Bekannte könnte vielleicht Norwegisch?
Gestern habe ich das Werbemailing für Zeitungen, Reisezeitschriften, Radios verpackt. Briefe auch für Sponsorinnen, Sponsoren sowie Menschen, die das Projekt „Ums Meer“ sonst wie unterstützenswert finden dürften.
Der Newsletter für die Du-Leute ist ebenfalls versandbereit und sogar Irgendlinks Webauftritte sind fast fertig. Der Spendeknopf ist noch in der Warteschlaufe, doch auch das wird.
Bald wird er losradeln können, derweilen ich mein neues Zuhause einrichte.
Die Idee, durch jetzt vorzubereitende Infos, eine Spur in den jeweiligen Medien jener Landstriche, die Irgendlink durchradelt, zu hinterlassen, hat zwei Gesichter. Ein verführerisches: Je mehr Leute von der Reise a.) wissen und b.) mental und/oder finanziell beteiligt sind, desto eher kann sie gelingen (heißt, muss nicht mangels Geld abgebrochen werden). Die hässliche Fratze der ganzen Aufmerksamkeit ist, dass J. nicht wirklich der mediengeile Typ ist und am liebsten still vor sich hin radeln täte. Das zweischneidige Schwert! Doch ist es eine Möglichkeit, jene Kunstform, die ihm entspricht, sichtbar zu machen. Und käuflich. Denn auch Kunstschaffende brauchen was zu essen.
Apropos Kunstschaffende und Brötchen verdienen: Neulich, wie ich in der Stadt war, kommt mir ein netter Mann mit strahlendem Gesicht entgegen, zwei CDs in der Hand. Mein Verdacht, er sei fromm, Hare Krishna-Member oder bei den Sciento-Typen zerstreute sich schnell. Er mache Musik und verkaufe seine Platten unter anderem auf der Straße. Ich kaufte ihm gleich zwei ab. Und bereue nix.
Guckt hier und hier
Öhm, was ich fragen wollte, liebe Leserinnen und Leser: Ob wohl jemand von euch da draußen jemanden kennt, der oder die jemanden kennt, der Deutsch in Norwegisch übersetzen kann?
Tipps gerne an mich unter: homebase[ät]europenner[punkt]de
Das Kleingedruckte:
Als Gegendienstleistung erhält die/der Übersetzer/in ein auf Aludibond aufgezogenes Bild nach Wahl (18×18 cm), fotografiert, geappt und signiert von Irgendlink.
Beim zu übersetzenden Text handelt es sich um eine Medienmitteilung (ca. 2000 Zeichen mit LS) für die Zeitungen und Radios unterwegs.
Natürlich brauchen wir auch Übersetzungen in Französisch, Englisch, Holländisch, Dänisch und Schwedisch, doch da kennen wir selbst jemanden, die jemanden kennt.
Ooops, so früh schon so viel getippt? Es ist ja erst kurz nach zehn … und erst noch alles auf dem iPhone. Ich glaube, es wird Frühling!

Urban Artwalk Sarreguemines

Ich sitze dieser Tage fast mehr am Rechner als ich es an meiner Berner Arbeitsstelle noch vor einem Jahr und die Jahre davor getan habe. Wohnungssuche. Stellensuche. Kunstmanagement. Eine Vollzeitstelle in Sachen Zukunft. Dazwischen Mails und Blogartikel schreiben. Ab und zu Tagebuch. Ein paar Sachen für neue Auftragsartikel aufgleisen. Zur Entspannung Blogs lesen. Die Virtualität ist aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Das Rad dreht sich. Kaum mehr erinnere ich mich an den letzten Urlaub. Zwischen den Jahren. Ohne Internet ging es auch. Der Einstieg zurück war seltsam.
Doch dieses Wochenende lockte die Sonne. Raus, ihr zwei! Guckt euch um, Augen auf!
Gestern spazierten wir durch Zweibrücken, heute durch Sarreguemines, eine französische Grenzstadt hier gleich um die Ecke (siehe auch unser Bilderblog pixartix).
Dort hingucken, wo (fast) alle vorbeilaufen. Das mochte ich immer schon. Dahinter, darunter, darüber gucken … Abkürzungen, Umwege. Gegen den Strom. Stehenbleiben, wenn andere vorbei drängen. Mitten auf der Straße sogar, so dass mich heute beinahe ein Auto überfahren hätte, wäre ich nicht im letzten Moment beiseite gehüpft. Doch spätestens seit Mani Matter wissen wir es ja: Kunst ist immer ein Risiko (YouTube-Link).
Hier eine von Irgendlink inspirierte Form der Bilderpräsentation. Macht Spaß, die Bilder neu zusammenzufügen und aus vielen einzelnen ein neues ganzes zu kreieren. Ohne dass dabei die einzelnen verloren gehen. Alles ist eins, sozusagen, und alles miteinander verbunden. Auch in meinen Bildern 🙂

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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

… vom Glück gefunden?

Obwohl ich auf Montag vertröstet worden bin – was die Entscheidung angeht, an wen meine Traumwohnung vergeben werden soll –, habe ich bereits heute …(tief durchatmen) … die Zusage erhalten! Jaaaa!
Der Vormieter hat es mir soeben per Mail mitgeteilt. Er freue sich mit mir. Wie schön!!! Und ich erst! Ich bin ganz taumelig vor Glück. Eine erste Runde SMSen habe ich bereits verschickt. Endlich weiß ich, wohin ich gehen werde. Endlich habe ich nur noch eine nicht tausend Ideen, wie ich wohnen werde. Und wo. Und was zu tun ist. Wie wichtig eine Adresse ist. Ein Straßenname. Eine Hausnummer. Ein Briefkasten. Ein Schlüssel. Eine Wohnungstüre.
Fällt mir ein, dass ich vorgestern, auf meiner Fahrt durch die Schweiz, folgendes auf mein iPhone gesprochen habe, da ich ja beim Fahren nicht schreiben kann:
Wohnst du noch oder bist du schon zuhause?
Hier in Deutschland wohne ich, und so schlecht nicht. Auf dem Einsamen Gehöft ist wahrlich gut wohnen. Aber zuhause? Nein, das bin ich hier nicht. Nicht in Deutschland. Eine Autorin, die in der Schweiz lebt, hat mal gesagt: Die Schweiz hat mich zur Deutschen gemacht. Für mich gilt es genau umgekehrt: Deutschland hat mich zur Schweizerin gemacht. Daran ist nichts Falsches. Herauszufinden, wer du bist und wo du hingehörst, ist doch eigentlich eine gute Erfahrung. Und genau darüber singt ja Kuno im Song, den ich im vor-vorherigen Artikel zitiert habe.
Meine Freundin T. und ihr Mann P., in deren Wohnort ich bald ziehen werde, haben keinen geringen Anteil daran, dass ich die Wohnung bekommen habe. Sag ich mal. Doch T. winkte vorhin in der SMS ab und meinte, es sei einfach ein Geschenk des Himmels. Ja, das sehe ich auch so.
Apropos Geschenke: Heute war bereits wie Weihnachten, nur viel schöner. Die Bilderlieferung für die Mainz direkt, wo Irgendlink im März mitausstellt (dazu sein Artikel hier) ist gekommen. Ich habe mich schon in ein paar Bilder verliebt, die ich davor nur vom Bildschirm kannte. Abgezogen sind sie noch viel schöner. Wer also Mitte März in Mainz ist, soll unbedingt gucken kommen. Ich werde auch dort sein.
So, das war mal einfach ein kleiner Plauder- und Lautgedacht-Artikel. Darf ja auch mal sein.
Mit der Freude ist es bei mir eben einfach immer so: Sie muss raus, will geteilt werden.

irgenwann und immer

Irgendeinsch fingts Glück eim …, singt Kuno auf dem letzten Kilometer zur dritten und letzten Wohnungsbesichtigung des Tages. Das Glück – findet es mich, finde ich es, habe ich es schon, ist es gar von Räumlich- und Örtlichkeiten abhängig?
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=eH2n2Z2hRC0&feature=related]
***
Ist es Zufall, dass dieses Lied gerade in dem Moment läuft, während ich zu jener Wohnung fahre, der ich nach der Besichtigung fünf Sternchen und tausend „like it!“ geben werde (okay, auch die beiden andern bekommen mindestens je drei bis vier Sterne).
Ist es Zufall, dass in diesem Lied von zuhause die Rede ist. Von Heimkommen und davon, dass irgendwann und irgendwo allen das Glück über den Weg läuft.
Ist es Zufall, dass ich jemanden kenne, der jemanden kennt, dem er mich als neue Mieterin sehr empfehlen kann?
Eigentlich hat mich das Glück schon gefunden, begreife ich – später bei Freundin L. und ihrem Liebsten H. Am Küchentisch. Und später am Telefon mit Irgendlink. Das Glück in Menschengestalt, herunter gebrochen auf Wörter, heißt Liebe, heißt Freundschaft, Mitgefühl, Solidarität. Und seine große Schwester ist Dankbarkeit.
Wie auch immer die Wohnungssuche weitergeht: es wird gut. Es gibt immer einen Weg, wie schon mein Vater mich lehrte. Und ja, irgendwann ist es da, das Glück, das ja schon immer da war. Und irgendwann lass ich es sogar ein. Endlich. Immer? Jetzt!

buchstabieren

Ich buchstabiere „meine neue Wohnung“. Mal so, mal so, mal so. Und neu. Und anders. Mit jedem neuen Inserat entsteht eine neue Befindlichkeit. Will ich da, will ich dort wohnen? Wie fühlt es sich an, so nahe bei …, so fern von …, wie weit ist es bis … Immer wieder Berg-und-Tal-Fahren. Hoffnungen. Emotionen. Erinnerungen an einst. Herzklopfen. Türen, die aufgehen. Scheinbar. Dann wieder zu klappen. Morgen geh ich hin. Ich schaue mir zwei oder gar drei Wohnungen an. Mal schauen, was wird. Daumen drücken erlaubt!
Noch mehr und ganz anders buchstabiert wird im im Blog Zeitnetz. Die Buchstabentextilien, welche die Frau Weberin in den letzten Tagen und Wochen gewoben hat, sind so inspirierend und spannend, dass ich sie hier, zumal das Alphabet bald zu Ende ist, erwähnen will. Doch lest selbst.
Meine Antwort, sozusagen ein Plädoyer für das X:

Zugegeben, einfach handzuhaben ist das sperrige, unrunde Teilchen wirklich nicht, doch ich liebe es heiß. In schweizerdeutsch kann ich kurz „xe“ schreiben (sprich: gseh). Ich meine damit „gesehen“, oder xunge für gesungen. Mit nur zwei Buchstaben schaffe ich Vergangenheiten, die es in sich haben. Ich liebe das x auch, weil es anders ist als die anderen. Weil es aneckt. Weil es schief in der Landschaft steht. Weil es so schön aussieht. Offen nach außen, in sich drin zentriert. Ein dynamisches Kreuz. Und eigentlich, wenn ich es mir so überlege, wäre ich – würde ich eines Tages als Buchstabe wiedergeboren, und das ist gar nicht so unwahrscheinlich – wohl ganz gerne so ein x.
Und ihr, habt ihr auch (einen) Lieblingsbuchstaben? Wenn ja, welche(n)? Warum? Hat er, haben sie eine Farbe?

glasklar

In der Welt der Träume ist vieles glasklar. Bilder erschließen mir ihren Sinn, ohne dass ich darüber nachdenken muss. Ich weiß alles. Im Traum gibt es keine Fragen. Antworten auch nicht. Nur Geschichten. Was ich mit ihnen mache, bleibt mir überlassen. Möglich ist alles. Ob hier wie dort, wird sich zeigen. Erwachend murmle ich, dass der Alltag die Leinwand sei. Unsere Leinwand. Und die bemalen wir!
Und die Farben?, fragt Irgendlink, ebenfalls noch irgendwo zwischen drüben und hier.
Die Farben, hm, die Farben quetschen wir aus den Tuben der Lebenserfahrung.
Ich sehe uns, wie wir um die auf Kanthölzer gespannten Leinwand sitzen und mit unsern Pinseln, die für unsere Visionen und Ideen stehen, Schicht um Schicht unserer Geschichten aufschichten.
Je älter je mehr Farben haben wir!, murmle ich.
Gemeinsam malen wir unser Bild. Der Alltag – dieses grenzenlose Ding voller Einschränkungen und Sachzwängen – ist unsere Leinwand. Weiße Stellen hat es, solange wir leben jedenfalls. Die einen Ecken malst du, andere male ich, doch auch Schnittmengen gibt es. Da. Auf diesem Aufschnitt erkenne ich deinen Stil und Strich kaum. Gut so. Viele Gesichter hast du. Ich auch. Diese viele Schichten machen deine Geschichte zu deiner Geschichte.
Die gestrige Farbschicht stand eine Stunde lang im Zeichen der Pressefotografie. Erstaunt war ich, wie großen Spaß es macht, so ein Shooting mit Nikon. Das aufgebaute Zelt auf dem Feld unter dem Hof. Daneben das vollbepackte Rad mit Sack- und Lenkertaschen.

Eine Matte vor dem Zelt, darauf die Reisetastatur mit Bluetooth. Das iPhone. Der Live- und Life-Blogger bei der Arbeit. Lässt sich auch mit K schreiben, sagt er später, beim Frühstück, Like-Blogger.
Noch so eine Schicht: Das Heute. Jeder Tag. Tägliche Lebenskunst. Vergängliche Steinsäulen am Flussufer der Kunst.