Ich will mal wieder Hesse lesen

Er: Hesse war Hesse.
Sie: Nein, Hesse war Schweizer.*
Er: Und Schweitzer war Schweizer? **
Sie: Goethe war Hesse?
Er: Nein, Goethe war Goethe.
Sie: Und Hesse war Hesse.
Er: Sag ich doch …
(Text by Irgendlink and Sofasophia/Soso)
______________________________________________________________
* nicht ganz. Er ist im Schwarzwald aufgewachsen … (mehr …)
** auch nicht wirklich, leider. (mehr …)

heimgehen

Verdichtung. Zufriedenheit. Über-
holspur. Wiederholung. Müdigkeit. Lebens-
lust. Anderes. Jetzt. Neu. Bereit.
******
Da war die Idee, neulich, alle meine Notizzettel, die sich links neben meinem Laptop angesammelt haben – Traumfetzen, To Do-Listen, Geschichtenanfänge, Blogideen – allesamt aneinander gereiht ab- und aufzuschreiben. Sie zu verdichten. Einzukochen. Wörterkompott. Da muss doch ein roter Faden drin sein. Gemeinsamer Nenner. Essenz. Endlich weg mit den alten Zetteln. Platz schaffen. Platz für neue Zettel.
******
Ebenfalls neulich gedacht, dass ich – theoretisch zumindest – noch gut und gerne vierzig Jahre täglich kochen werde, Zwiebeln schneiden. Und jede Woche putzen. Jeden Monat das Bett frisch beziehen. Jedes Jahr dem Sommer nachtrauern. Jedes vierte Jahr den neunundzwanzigsten Februar als Bonustrack genießen. Stetige Wiederholung – sie kneift und sie erleichtert. Ich muss nicht denken, einfach nur leben, muss einzig der Spur folgen, die ich einst gelegt habe. Irgendwann. Aus irgendeinem Grund. Grundlos vielleicht. Nur gehen muss ich. In ständig enger werdenden Kreisen. Der Mitte entgegen. Und dabei immer wieder Neues entdecken.
******
Gestern auf dem Heimweg – nachmittags von der Arbeit und abends kurz vor zehn nach dem Yoga – auf einmal die Erkenntnis, dass ich dabei bin, heimzufahren. Nach Hause. Dass ich hier, in der Fremde, zuhause bin. Endlich wieder zu Hause. Nicht mehr in Bern, nein, jetzt hier zuhause. Auf dem einsamen Gehöft. Verinnerlichte Erkenntnis – auf einmal war sie da. Zufriedenheit im Bauch. Glück unter der Haut, genau da, wo dick und warm mein Blut durch die Adern fließt. Vielleicht weil ich lebe. Oder ganz und gar ohne Grund.

idealerweise

Diese Pflanze im Bad, keine Ahnung wie sie heißt. Ich mag sie, ich mag ihre vielen grünen Streifen, die aus der Mitte nach außen wachsen. Seit sie und ich hier in der Pfalz leben, wächst sie wie verrückt. Sie blüht und produziert neue Ableger. Zwanzig Jahre alt ist sie mindestens, doch geblüht wie jetzt hat sie noch nie. Und der Papyrus im Wohnzimmer – ich kann ihm beinahe beim Wachsen und bei der Vermehrung zuschauen. Der Drachenbaum? Ebenfalls prächtig, noch prächtiger als in Bern. Und die Orchidee, das aus Kernen selbstgezogene Cherimoya-Bäumchen, die Linde im Garten draußen?

Ach, ich könnte alle aufzählen! Allen meinen Pflanzen gefällt es super auf dem einsamen Gehöft. Mir auch.
Nein, das Leben ist nicht ideal, doch gibt es idealere Standorte und weniger ideale. Plätze, die uns gut tun. Plätze, an denen wir uns entwickeln und entfalten können. Orte und Menschen, die uns gut tun.
Ein Geschenk.

endlich

Heute habe ich eins meiner Manuskripte, das Loch im Eis, wachgeküsst. Noch immer fiebrig, fiebriger als gestern, war ich bei meiner Ärztin und ließ mich bis morgen krankschreiben. Vielleicht geh ich aber morgen auch arbeiten. Je nach Zustand. Fiebrig und kreativ geht oft sehr gut bei mir. Schreibrausch und Fieberrausch sind sich ähnlich. Etwas zum Abschluss bringen, endlich, das will ich. Endlich das Ende neu schreiben. Endlich einen Verlag finden. Endlich an mich glauben.
Draußen sitzen Irgendlink und zwei Gäste am Feuer. Ich werde mich jetzt zu ihnen setzen. Pause muss sein.

Von Ekelpegeln, Maßstäben und einem wilden Haufen Kunstschaffender

Ein bisschen graut es mir schon. Gastgeber und Gastgeberin zu sein ist gar nicht so einfach. Vor allem, wenn die Gästeschar aus einem wilden und internationalen Haufen PerformancekünstlerInnen besteht, die uns und ein noch unbekanntes Publikum drei Tage unterhalten werden. Wobei … unterhalten ist da vielleicht nicht ganz das richtige Wort.
Es geht um Begegnung!, hat Brandstifter gesagt, vor zwei Wochen, als wir die infrastrukturellen Details des Kunstzwerg-2011-Events besprachen. Okay, ich bin nur ZaunGastgeberin, Trittbrettfahrerin irgendwie, wie bei allem, was Irgendlink vor meinem Umzug auf das einsame Gehöft eingefädelt hat und ich nun mit ihm gemeinsam ausbade. Am meisten wünsche ich mir fürs Wochenende angenehme, stressfreie Tage. Und es soll allen wohl sein. M., meine hamburgische Freundin aus Bern kommt bereits morgen Abend, ebenso ein paar Leute vom Kunstverein Mainz.
Fertig mit der Ruhe. Meine zwei Krankheitstage habe ich in einer Blase verbracht. Sie haben mir sehr gut getan und ich hatte endlich mal wieder Zeit zum Alleinsein, zum Nachdenken, zum Schreiben, zum Nichtstun. Das ist die schöne Seite am Kranksein: Du musst nichts. Niemand erwartet etwas von dir.
Der Körper weiß, was mir gut tut. Und wenn ich es nicht schaffe, Gutes für mich zu tun, dann weiß er es erst recht. Das Fieber ist im Laufe des Nachmittags gesunken und der Hals tut nur noch ein bisschen weh. Die Nase tröpfelt ein wenig vor sich hin, doch die Ohren sind wieder frei. Ob ich morgen fit für die Arbeit bin, wird sich beim Erwachen zeigen.
Während ich am frühen Abend – auf dem Weg der Besserung bereits – Irgendlinks Außenküche samt Tresen putzte und von monatealtem Spinnwebenmief befreite, da dieser Bereich von den Gästen mitbenutzt wird, kam ich nicht umhin darüber nachzugrübeln, warum die einen Menschen Sauberkeit brauchen, damit sie sich wohlfühlen können, während andere ihr gegenüber beinahe resistent oder zumindest gleichgültig sind.
Wege zum individuellen Sauberkeitspegel gibt es viele. Ich gehöre zu jenen Menschen, die bereits wieder nach relativ kurzer Zeit putzen, damit der Dreck mich nicht eines Tages gänzlich auffressen kann. Ich halte es auch darum so, weil ich beim Putzen oft auch Ruhe in meine Gedanken bringen kann. In meinen vier Wänden jedenfalls. Andere putzen –  ob am liebsten oder weil sie es nicht länger aufschieben können, sei dahingestellt – erst dann, wenn sich so richtig viel Dreck angesammelt hat. Dann lohnt es sich so richtig!, sagen diese Menschen. Besser oder schlechter gibt es hier nicht. Jeder Mensch hat da einen eigenen Maßstab.
Jedem und jeder den ganz persönlichen Ekelpegel! Ich lass dir deinen, lass du mir meinen … mein elftes Gebot!
Ähm, und falls du noch nicht weißt, wo du dein Wochenende verbringen willst: Kunstzwergfestival ist bestimmt eine gute Wahl. Bis bald?

Schule schwänzen

*flüstermodusein*
Bitte nicht weitersagen: Ich habe heute geschwänzt. Nein. Falsch. Nicht geschwänzt. Ich war krank. Bin es noch. Ein wenig. So wenig, dass es sich eben schon ein bisschen nach Schwänzen anfühlt. Aber doch genug, um kein schlechtes Gewissen haben zu müssen.
*flüstermodusaus*

Schon gestern in der Schule fühlte ich mich fiebrig, am Abend – mit Irgendlink am Feuer – schlotterte ich unverhältnismäßig, trotz der doppelten Faserpelzschicht. Dann Halsweh. Ohrenweh. Nachts zwei Bettflaschen, doch noch immer schlotterte ich.
Hals- und Ohrenweh? Zu viel geredet, zu viel zugehört, klarer Fall. Die Schule saugt mir das Rückenmark aus den Knochen. Ich bin erschöpft und müde, obwohl ich erst vor drei Wochen Urlaub hatte. Die Umstellung auf eine so intensive Arbeit fällt mir nicht leicht.
Der Lärm, den ich hier schon früher erwähnte, ist es zum einen, der mir Energie abzieht, zum anderen aber sind es auch zwei meiner fünf Arbeitskolleginnen. Die eine mit ihrem Dauergeschwätz und die andere mit ihrer grenzenlosen Neugier.
Ebenso wie es einen Ekelpegel gibt, gibt es auch einen Stresspegel. Beide sind von Mensch zu Mensch grundsätzlich verschieden. Da ich kein normaler Mensch mit einer normalen Belastbarkeit bin – leider oder zum Glück kann ich selbst nicht so genau sagen – reagiere ich eben auf diese Situation auch nicht ganz normal.
Wenn ich meine eigenen Grenzen erreiche, wünsche ich mir manchmal, anders zu sein. Normal. Belastbar. Zäh. Okay, zäh bin ich schon irgendwie. Und stark auch. Aber eben anders zäh, anders stark.
Bei mir ist es wohl ein bisschen wie bei Y., einem meiner Fünftklässler. Er ist, würde ich sagen, eines dieser „Neuen Kinder“, über die so viel geredet und geschrieben wird, ein Träumer. Einer, der mit dem wachsenden Druck im Gymnasium nicht so ganz klar kommt. Die anderen hänseln ihn zuweilen, da er seine Unsicherheit nicht versteckt und mich immer gleich um Hilfe bittet, bevor er sich die zu lösende Aufgabe überhaupt angeguckt hat.
Ich kann das nicht!, sagt er, kaum hat er das Buch geöffnet. Da gibt es noch keine Coolness, noch keine Selbstschutzmechanismen. Ich habe mit seiner Mama geredet und ihr meine Beobachtungen mitgeteilt. Auch dass ich versuche, ihm dahingehend zu helfen, dass er mutiger wird und sich mehr zutraut. Er soll sich bleiben dürfen, aber sich schützen lernen.
Ist das nicht genau mein Thema? Tja, die Kinder sind meine LehrerInnen. Alle sind meine LehrerInnen. *seufz* Warum nur ist lernen oft so verd… anstrengend?
Ach, und noch dies: Auch das Yoga schwänze ich. Und das sogar ohne schlechtes Gewissen. Ein Tag allein mit mir ist einfach die beste Medizin der Welt für mich. Und wenn zwischendurch mein Lieblingsnachbar und -mensch ab und zu vorbei kommt, umso besser.

dankbar

Weil ich nach diesem arbeits- und begegnungsintensiven Tag keine Lust habe, den Laptop aufzustarten, blogge ich per iFon und beschwöre damit ein bisschen Ferienfeeling herauf.
Über Freundschaft und Chemie habe ich die letzten Tage viel nachgedacht und wie es kommt, dass zwei Menschen Freunde oder Freundinnen werden. Mit Freundin U. im schwarzen Wald habe ich darüber gemailt und heute Morgen, am Telefon mit meiner deutschen Freundin A., die seit vielen Jahren in den spanischen Bergen lebt und die ich „zufällig“ über internette Verbindungen kennengelernt habe, sofasophierte ich ebenfalls darüber. Wir redeten über unsere erste und bisher einzige, zehn Tage dauernde persönliche Begegnung in den Alpujarras vor vier Jahren und wie dort ein roter Faden zu wachsen begonnen hat, der virtuell immer dicker und stabiler wurde.
Das brachte mich auf die Idee, einmal die Essenz all meiner Freundschaften zu extrahieren. Oder, mathematisch gesprochen, den gemeinsamen Nenner zu finden. Falls das geht, denn jede Freundschaft hat ja letztlich ihre ganz eigene Farbe.
Meine Essenzen:
Gleiche Augenhöhe: Mit allen meinen Freundinnen und Freunden nehme ich mich auf gleicher Augenhöhe wahr. Niemand ist der Scheff, beide Seiten bringen sich zu gleichen Teilen und gleichwertig in die Beziehung ein.
Negativform: Die eine Person dominiert und gibt die Richtung vor. Sie drängt sich mit zwar gutgemeinten, aber ungefragt erteilten Ratschlägen auf.
No smalltalk und keine Floskeln: Die Gespräche drehen sich um Themen, die über das Wetter hinausgehen. Natürlich wird auch mal über gemeinsame Bekannte ausgetauscht, doch in erster Linie geht es um uns selbst, um Befinden, Gedanken, Prozesse und Gefühle. Und immer wieder wird zusammen gelacht, denn liebevoll miteinander zu lachen, ist der Kitt zwischenmenschlicher Beziehungen.
Negativform: Das ein- oder gegenseitige Interesse erlischt, nachdem die üblichen Floskeln und Allgemeinplätze abgehakt sind.
Vertrauen: Dieses ist die Voraussetzung einer jeden Freundschaft. Kann ich sein, wie ich bin? Fühle ich mich mit der anderen Person geborgen und wohl? Traue ich der anderen Person zu, mir vorurteils- und wertfrei zu begegnen?
Negativform: Eine Herzöffnung ist erschwert, da die eine oder andere Person einen unruhigen, belehrenden oder sonstwie nicht vertrauenserweckenden Eindruck macht.
Solidarität: Auch wenn sich befreundete Menschen einmal nicht einig sind, unterstützen sie sich ungefragt gegenseitig.
Negativform: Kaum besteht Uneinigkeit, fällt der eine oder die andere über den oder die andere/n her.
Bereitschaft, auch unbequemes zu teilen: Ist eine Person in einer schwierigen Lebensphase, kann sie ihre Probleme erstens mit der anderen Person teilen und zweitens auf deren Unterstützung in der gewünschten Form und im hilfreichen Umfang zählen.
Negativform: Kaum hat eine Person eine Krise, ist die andere anderweitig unabkömmlich und hat keine Zeit. Oder aber sie textet die andere Person mit RatSCHLÄGEN zu.
Gegenseitige Kritikfähigkeit und -bereitschaft: Wer einen Menschen gern hat, will sein bestes. Doch ungefragt Rat erteilen, zeugt von schlechtem Stil. Auch ungefragte Kritik ist uneffizient. Will ich einer Freundin sagen, was ich über ihre in meinen Augen vielleicht fragwürdigen Prozesse oder ihre für mich nicht nachvollziehbaren Entscheidungen denke, frage ich nach, ob sie an meiner Meinung interessiert ist. Sagt sie ja, teile ich meine Gedanken mit ihr. Sonst nicht.
Negativform: Bei jeder Situation, in der sich die eine Person befindet, gibt die andere ungefragt und ungebeten ihre Meinung ab.
Sensibilität: Alle meine FreundInnen verfügen über große soziale Kompezenzen und eine überdurschnittliche Sensibilität. Das ist vielleicht gar der verbindendste Faktor. Sich in einander einzufühlen ist nur so annähernd möglich.
Negativform: Die eine Person versteht und/oder spürt gar nicht wirklich hin, was die andere meint.
Kurz und gut: Menschen, die mir so begegnen, wie ich es kursiv geschrieben habe, können nicht meine Freunde oder meine Freundinnen werden.
Dennoch ist es mehr als die Summe der erwähnten Elemente aus meiner unvollständigen Liste, das das Wesen einer Freundschaft ausmacht.
Im Grunde ist es der nicht in Worten fassbare Funke, der am Anfang einer Freundschaft steht, jenes Leuchten in den Augen, eine Art geheimer Code gar oder auch einfach die Art, wie ein Gespräch verläuft oder wie jemand auf etwas reagiert … Ein Anfang wie ein Doppelpunkt.
Freundschaft ist Alchemie: Was geschieht, wenn zwei Menschen im Reagenzglas des Lebens geschüttelt werden. Wie Essig und Öl das eine Mal, ein anderes Mal wie Kaffee und Milch.
Freundschaftliche Liebe kann niemand machen, Freundschaft ist ein Geschenk.
Den erwähnten Freundinnen A. und U. gewidmet, dankbar für unsere Freundschaften. Und natürlich auch allen anderen FreundInnen.

Tag Null

Was es heute noch alles zu tun gibt! Neben Packen stehen leider noch ein paar andere Stichworte auf dem Zettel. Ölwechel zum Beispiel. Kann nun zum Glück bereits abgehakt werden. „Focus“ ist bereit für die Reise. Eine letzte Wäsche dreht ihre Runde in der Maschine. Faserpelze. Falls es kalt ist unterwegs. Nicht auszuschließen, wenn ich mir den Wetterbericht so angucke.
Doch überall – sogar in Stockholm – ist es wärmer hier. Also bloß weg! Und wer weiß, vielleicht laufen wir ja irgendwo dem Sommer über den Weg? Weil es hier regnet, hängt eine lange Wäscheleine quer durch meine Wohnung. Riecht irgendwie gut und aussehen tut’s auch witzig. So what?
Meine Vorfreude wächst, seit wir gestern beim Frühstück beschlossen haben, doch nordwärts zu fahren. Was Entscheidungen doch an Kräften freizusetzen vermögen! Seit wir in der Pension in Rendsburg bei Kiel ab morgen Abend zwei Übernachtungen gebucht haben, wird die abstrakte Reiseidee plötzlich konkrekt. Danke, Andrea, für den Tipp!
Im Urlaub kann ich einfach einmal nur das tun und lassen, was ich will, sagte J.s Mutter, bevor sie neulich weggefahren sind. Ich muss mich einmal um nichts sorgen. Außer um mich.
Ja, und das ist es genau, was ich jetzt auch brauche. Und Abstand zum Alltag. „Uf u drvo“ nennt sich dieses Lebensgefühl gut Berndeutsch, „auf und davon“.
Noch sind aber ein paar letzte Dinge zu erledigen. Im Garten ebenso wie im Haus gilt es Ordnung zu schaffen. Ach, und die Qual der Wahl steht mir auch noch bevor: Welches Buch soll ich bloß mitnehmen? Ob ich wohl überhaupt zum Lesen kommen werde?

Klopfen oder doch lieber streicheln?

Manchmal werden alte Träume plötzlich wahr. Und hoffentlich ist die Wahrheit des Steinehauens noch schöner, als ich es mir erträume. Schon seit vielen Jahren ist sie da, diese Faszination, Steine zu formen. Oder wohl vielmehr, im Stein zu finden, was immer schon ist. Teil meiner Geschichte: Steine aller Art berühren mich. Diese uralte Affinität lebt in mir, seit ich denken kann. Mit Speckstein, dem weichen Bruder des großen Steins, habe ich einige schöne Erfahrungen in Sachen Bearbeitung gesammelt, doch wie wird es wohl mit dem harten Stein sein?
Stein bietet eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten und Herausforderungen: Klopfen – Spitzen – Kröndeln – Zahnen – Schleifen – Streicheln, heißt es auf der Website meiner Kursleiterin. Wie sich das alles anfühlen wird, erfahre ich ab morgen Nachmittag bis Sonntagnachmittag. Bei Walburga in der Oberpfalz (Bayern). Axel, darf ich dazu Bayern sagen? Franken ist es jedenfalls nicht, soviel ich weiß. Reicht Oberpfalz? Und, nein, liebe Ortsunkundige, das ist nicht hier um die Ecke, nur weil es ebenfalls Pfalz heißt. Sternchen und ich müssen nämlich ein paar Stunden ostwärts fahren, bis wir da sind … Na, nach Bayern eben. 😉
>>> zur Steinbildhauerei von Walburga Herrmann: hier klicken
>>> zu Walburgas Kunst früher in meinem Blog: hier klicken

Statt dessen

Statt meine viermonatige Auszeit, wie ich es mir vorgenommen habe, für die Vollendung meiner Manuskripte – nur schon eins wäre toll! – zu nutzen, bin ich zur In-den-Tag-hinein-Lebenden geworden. Unter dem Strich bin ich halb so leistungsfähig, halb so kreativ, halb so unternehmungslustig wie gedacht.
Vielleicht sollte ich einfach meine Pläne und Ziele loslassen und stattdessen einfach die Gegenwart, und mit ihr jeden einzelnen Moment zulassen, sagte ich gestern am Feuer zu meinem Liebsten. Zumal sich meine Kreativität im Moment eher innerlich abspielt …
Lassen statt leisten. Wenn das bloß nicht so verd… schwer wäre! Denken, was die andern denken, wenn ich so-und-so bin, ist das eigentliche Gift, der größte Bremsklotz, das mühsamste Sandkörnchen im Getriebe meines Lebens und meiner Lebensfreude. Selbstsabotage. Will ich nicht mehr. Brauche ich nicht mehr. Lieber weniger, dafür bewusst. Ohne Druck.
Ach, und genau dahinein habe ich – fast zufällig – erfahren, dass innerhalb unserer Webcommunity von zig eingereichten Bildern für eine Apple Präsentation in Chicago nur knapp dreißig Bilder ausgewählt worden sind. Darunter eins von mir.
Der ewiger Birnbaum. Guckt hier …!
Meine Mutter, die vor vielen Jahren in Chicago geboren wurde, würde sich darüber sicherlich freuen, wäre sie noch im Diesseits. So freut sie sich vielleicht im Jenseits mit. Ich tu’s auf jeden Fall … 🙂