Geschiebe #2

Wie ich nachts grüble, wachliege und versuche mich zu entspannen, geht mir die Sache mit dem Passwort durch den Kopf. Jedes meiner drei Mailaccounts hat genau zwei PW, eins für die Anmeldung im Mailprogramm – der Schlüssel zum Briefkasten hinter der Haustüre sozusagen – und eins, falls ich meine Mails unterwegs auf einem andern PC abfragen will. Jenes zweite Passwort ist quasi der Schlüssel zur Haustüre selbst.
Warum ich gestern mit dem dritten Mailaccount solange rumgewurstelt habe, ist, weil ich mit dem Haustürschlüssel den Briefkasten öffnen wollte und viel zu lange den Irrtum nicht bemerkt habe.
Nein, eine Moral von der Geschicht erzähl ich hier nicht.
Grad trink ich meinen Frühstücksyogitee und lese auf dem Beutelanhängedingsbums: Nur deine Erfahrung gehört dir. Jep. Und die teil ich gerne.

jetzt und immer

Wenn ich wie jetzt so dasitze – am Wohnzimmertisch in der warmen Stube –, denke ich: So könnte es eigentlich immer sein.
Wenn ich wie gestern Abend mit sympathischen, inspirierenden Menschen zusammen bin – mit den Frauen der neu ins Leben gerufenen Frauen-treffen-Frauen-Runde in meinem Wohnzimmer –, denke ich: So könnte es eigentlich immer sein.
Wenn ich alleine bin, alleine Auto fahre, alleine spazieren gehe, alleine in meinen Gedankenräumen herumtanze, denke ich: So könnte es eigentlich immer sein.
Heute beim Spätstück mit meinem Liebsten, wie wir so vor uns hin murmeln und über dies und das philosophieren, denke ich: Eigentlich ist mein persönliches Lebensziel ganz einfach: Glücklich zu sein.
Einfach? Sobald es mir gelingt, mir selbst bedingungslos das Beste zu gönnen. Ohne jegliche Selbsteinschränkungen wie „ich darf doch nicht glücklich sein, solange andere leiden!“ Niemand hat etwas gewonnen, wenn ich nicht gut zu mir selbst schaue!
Laut gedachtes, das hier, Gedanken in Worte gepacktes Gespinst. Ich erhebe keine literarischen Ansprüche. Heute nicht. Zu viel ist in mir drin in Bewegung, zu viel beschäftigt mich. Meine berufliche Zukunft ebenso wie was ich heute noch alles tun werde. Tun? Lassen! Sein!
Einmal nichts zu tun ist gar nicht so einfach. Vielleicht sogar ähnlich herausfordernd wie glücklich zu sein. Beide übrigens irgendwie anarchistische Ansinnen. Ganz und gar unökonomische Ansätze. Wer glücklich ist, muss nämlich keine Lecks füllen, muss nicht konsumieren, ist immun gegen Werbeversprechen. Wer nichts tut ebenfalls, da er ja nichts tut, eben auch nichts konsumiert.
Nichts tun konkret: Putzen? Nö, heute nicht, heute nur tun, was das Überleben sichert. Kochen und Holz holen, damit wir nicht verhungern und erfrieren, ist erlaubt. Und Buch lesen auch, die Seele füttern. Bloggen. Und glücklich sein. Jetzt.

Urinstinkte

Als ich diesem Wort, ich war vielleicht neun oder zehn Jahre alt, das erste Mal begegnet war – vermutlich in einem der Erwachsenenbücher, die unser Büchergestell dank eines Buchclubabonnements dekorierten, zu dem sich meine Eltern, die beide kaum Bücher lasen, von einem Vertreter hatten überreden lassen –, hatte ich Urin stinkte gelesen.
Das ist ja falsch!, dachte ich damals, richtig muss da stehen: Urin stank. Die eigentliche Bedeutung erschloss sich mir erst beim nochmaligen Lesen der Passage. Zumindest theoretisch.
Instinkte – jede hat sie, kaum eine denkt mit zehn darüber nach. Instinkten verdanken wir, die wir leben, dass wir noch leben. Der erste Schrei nach Milch – nichts anderes als Instinkt, ein Urinstinkt. Natürlicher Trieb. Eine Verhaltensweise, die ohne reflektierte Kontrolle abläuft, steht bei Wiki. Zum einen sind dies Verhaltensweisen, die vollkommen ohne Erfahrung schon beim erstmaligen Ausführen beherrscht werden, zum anderen aber auch solche, die durch Erfahrung erworben wurden, sagte Darwin. Doch als zehnjährige hatte ich einfach ein neues Wort gelernt und meiner noch fast leeren Biofestplatte hinzugefügt.
Was ich mit zehn noch nicht wusste, ist, dass sich Instinkte auch ignorieren lassen. Jenen Instinkt, so gut wie möglich für sich selbst zu sorgen und sich das Bestmögliche zu gönnen, zum Beispiel. Kann so rum auch Selbstsabotage genannt werden. Opferhaltung ist ihre Schwester. Na ja, darüber habe ich damals nicht nachgedacht. Ganz viel wusste ich damals nicht. Und ganz viel weiß ich auch jetzt noch nicht. Doch immerhin erkenne ich heute Zusammenhänge. Und ich stelle fest, dass ich meinen Instinkten wieder mehr traue, selbst wenn sie meinem Kopf zuweilen widersprechen.
Konkret: Meine neue Arbeitsstelle, bei der ich mich die letzten zwei Monate täglich gefragt habe, wie ich da am besten wieder raus komme. Fluchtinstinkt. Bisher habe ich ihn ignoriert, habe ihn schweigen geheißen, habe weggeschaut. Keine Zeit zum nachdenken. Muss ja arbeiten. Und schlafen (was kaum ging). Um wieder arbeiten zu können.
Bis vor zehn Tagen. Ferien sind wirklich eine gute Sache! Endlich habe ich wieder Zeit und Raum für mich. Und ich kann wieder gut schlafen. Keine Alpträume mehr.
Instinkt trifft auf Vernunft. Bauch trifft auf Kopf.
Instinkt sagt: Schau, jetzt geht es dir wieder gut. Diese Arbeit ist Gift für dich!
Kopf sagt: Kannst da nicht weg, brauchst doch das Geld.
Stimmt!, sage ich. Beide habt ihr Recht!
Mein Überlebensinstinkt siegt. Ich werde mir kündigen lassen, habe ich gestern entschieden. Der Felsbrocken, der mir in diesem Moment von Schultern und Herz gepoltert ist, ließe sich in Deutschland glatt als Berg verkaufen.
Und jetzt? Ich war draußen und habe Holz geholt. Mein Ofen singt, das Holz knackt. Ich hacke Kleinholz zu Spänen. Trage Kürbisse in den Keller. Koche Suppe, später. Schreibe an meinem Manuskript weiter. Trinke Tee. Fülle die Anmeldung für eine Gruppenausstellung in Mainz aus. Schreibe Bewerbungen für eine neue Arbeitsstelle, die besser zu mir passt. Ich sorge gut für mich. Und ich vertraue auf meine Instinkte.
Es ist warm und behaglich in meiner Künstlerinnenbude. Für Wärme zu sorgen ist bestimmt auch irgend so ein Urinstinkt, da bin ich fast sicher.

Nadelöhr

Ich halte diese Enge, die immer entsteht, bevor etwas voran geht – aktuell bevor wir morgen losfahren – grad nur schwer aus. Listen liegen herum, für C. dies und für M. jenes einpacken. Klar freue ich mich riesig auf unserer Reise in die Schweiz. Wir werden schließlich ein paar meiner Lieblingsmenschen treffen. Die meisten habe ich seit dem Frühling nicht mehr gesehen. Und am Donnerstagabend werde ich an einer Veranstaltung teilnehmen, über die ich schreiben werde. Für meine Zeitschrift. Ein Auftrag. Futur I.
So weit so gut, Grund zur Freude. Futur I? Präsens?
Fakt ist, dass meine Erschöpfung heute die Talsohle erreicht hat. Präsens. Will heißen, ich hoffe, dass es nicht mehr tiefer geht. Ich fühle mich einfach nur erschöpft und müde. Menschenmüde vor allem, diedeckeüberdenkopfziehenwollend sozusagen. Darum schwingt neben der großen Vorfreude auf meine Freundinnen und Freunde in der alten Heimat auch ein wenig Angst mit. Präsens. Dass es zu viel sein wird. Dass wir zu viele Termine abgemacht haben. Dass es stressig wird. Dass … Futur I.
Nein, Sorge auf Vorrat bringt nichts. Die Abwechslung wird gut tun. Wenn wir endlich losfahren, wird die Schwere von mir abfallen. Futur I.
Der Augenblick allein zählt – oder wie war das gestern gleich noch? Geht es vielleicht schlicht darum, nichts mehr zu hoffen und zu erwarten und deshalb, und genau jetzt, glücklich zu sein? (Zitat J.) Präsens.
Ob ich die nächsten sechs Tage von unterwegs bloggen werde? Keine Ahnung. Ich werde dem Lustprinzip frönen. Präsens und Futur I.
Winkewinke schon mal 🙂

besser

Nach einem abwechslungsreichen und arbeitsintensiven Samstag musste J. gegen Abend noch zum Baumarkt. Staubmasken für die laufenden Renovationsarbeiten da und dort standen ganz zuoberst auf der kleinen Liste, die sich – wüsste ich nicht Bescheid – ein wenig wie die Einkaufsliste eines Bankräubers anhörte. Ich hatte mich eben müde mit einem Norwegenkrimi aus der Bibliothek an die Sonne gesetzt und genoss das letzte Himmelsglühen der untergehenden Sonne. Vor mir der Garten, üppig und reich. In mir endlich mal wieder eine Ahnung von Ruhe. Dankbarkeit. Freude über den Augenblick.
Tschüss, bis gleich!
Kaum war der Liebste losgefahren, befiel mich die Lust, uns köstlich zu bekochen. Ich erntete Lauch, Fenchel, Tomaten, gelbe Kugelzuchini, Paprika und Auberginen und verwandelte das meiste davon in ein üppiges Ratatouille. Den Fenchel, zusammen mit Kartoffeln und Karotten aus dem Vorrat, verzauberte ich in ein göttliches Gratin.
Da hast du dich mal wieder selbst übertroffen!, meinte Irgendlink, als er sich zum dritten Mal nachschöpfte. Schöner Mist eigentlich, wenn ich es mir so recht überlege, denn jetzt kann eigentlich nichts besseres mehr kommen.

Warum müssen wir uns eigentlich immer selbst übertreffen?, fragte ich. Könnten wir wohl mit einem gleichbleibenden Status leben? Sogleich fiel mir der Abschiedsbrief einer Frau ein, die sich das Leben genommen hatte. Sie hatte geschrieben, dass sie die Hoffnung auf etwas Gutes, das noch kommen könnte, verloren und sich darum für diesen Weg entschieden habe.
Müssen wir, um am Morgen motiviert aufstehen zu können, ja, um überhaupt unser Leben leben zu können, etwas zukünftiges haben, auf das wir hoffen und worauf wir hinleben können: eine bessere Zukunft, eine Vision, der Wunsch, der Nachwelt etwas zu hinterlassen?
Oder geht es vielleicht schlicht darum, nichts mehr zu hoffen und zu erwarten und deshalb, und genau jetzt, glücklich zu sein?, sagte J.
Mit vollem Bauch lässt es sich wahrlich gut sofasophieren …

innen

Gestern hatte ich mir nur einen einzigen Satz ins Blog geschrieben und unter privat gepostet: Heute bin ich eine Scherbe … Gestern. Gestern ist Vergangenheit. Scherbe sein ist anstrengend. Doch Scherbe sein ist Realität. Alltägliche. Alles ist Bruchteil. Teil vom Ganzen.
Gestern diese starke Wahrnehmung meiner Dünnhäutigkeit und geringer Belastbarkeit.
Wie als Echo darauf habe ich heute im Spiegel-online über die Hochsensibilität, derer ich mir ja schon seit viereinhalb Jahren bewusst bin, diesen Artikel hier gelesen: www.spiegel.de/panorama/gesellschaft Gut so! Nun hat es also auch der Rest der Welt begriffen: Es gibt die einen und es gibt andere.
Heute? Heute bin ich … Eine Blume vielleicht? Eine Sonnenblume, die sich freut, dass sie nun vierzehn und ein paar Tage mehr Zeit hat, nur der Sonne zuzulächeln und ihren Hals nach deren Licht zu wenden. Ihr Innen nach innen und ihr Außen nach außen drehen. Zurechtrücken, zurecht schütteln. Alles so, wie sie es will, die Blume. Sie hat Ferien.
Innen-innen will ich mir begegnen, nicht mehr nur in diesen lärmigen Außen-Innenräumen hängenbleiben, die mich irgendwie ausdörren und aushöhlen zugleich.
Was ich finden werde? Keine Ahnung. Bis jetzt weiß ich nur eins: Mein Innen-innen hat ganz gewiss keine Regale.

besser leben

Ich könnte besser leben, habe ich heute beim Lesen des eben erschienenen Spuren-Heftes Nr. 101 gedacht. Besser. Gesünder. Sinnvoller.
Wozu ich überhaupt lebe, frage ich mich nicht zum ersten Mal, wie ich da so im Wartezimmer des Orthopäden B. eine Antwort auf meine ständigen Fußschmerzen erhoffe. Lebe ich womöglich, um den anderen, die neben und mit mir unterwegs sind, ein paar Tipps zu geben? Tipps zum Beispiel, wie leben nicht funktionieren kann, denn da kenne ich ziemlich viele. Oder hilfreiche Tipps, wie A. sie zuweilen aus dem Rucksack zaubert. Immerhin hat sie mir geraten hat, hierher, zu genau diesem Orthopäden hier, zu gehen. Gut geraten. Was für eine schöne Praxis! Richtig angenehm, hell, luftig.
Besser und sinnvoller leben – wie das wohl geht?, sinniere ich, mir mit Schreiben die Wartezeit verkürzend. Oder will ich lieber erfolgreich leben? Was ist Erfolg überhaupt? Noch steckt mir das mulmige Gefühl in den Knochen, das ich heute Nachmittag, beim Lesen des Spiegel-Interviews mit Frau Chua hatte, der umstrittenen US-Chinesin, die ihre zwei Töchter zum Erfolg gedrillt hat. Über ihre fragwürdigen Ansichten zu Erziehung und Weltbild wurde schon viel geschrieben und geredet. Ich fokussiere darum nur einen kleinen Bereich des ganzen Themenkreises: Macht Erfolg glücklich? Und schon taucht sie wieder auf, die große Frage: was ist Erfolg überhaupt? Kann Erfolg auch das Gelingen von Herzensdingen meinen? JA, unbedingt. Gibt es eine allgemein gültige Definition? NEIN. Ist Glück gar eines der vielen Synonyme von Erfolg? …???
Besser leben … eigentlich ist aus meiner Perspektive ein besseres Leben primär an bewusstes, klares, absichtsvolles Sein, Lassen und Tun gekoppelt. An nährende Begegnungen. An Austausch. An Kreisläufe. Geben und nehmen, lernen, lehren, beobachten, wahrnehmen, be- und verarbeiten, ausdrücken.
Der Nussbaum macht es mir vor. Der Fluss auch, der See, das Meer. Kommen und gehen. Winziger Augenblick, bevor die Welle bricht. Winzige Stagnation, bevor alles von neuem anfängt. Der Punkt sei mehrdimensional, sagte gestern St., J.s Freund und Besucher aus Paris. Neueste Erkenntnis. Und bald werden wir die bis dahin unglaubliche vierte, fünfte, zehnte Dimension entschlüsselt haben. Verstehen kommt wohl erst später. Oder nie. Intuition wird ein Name einer dieser noch ungezähmten Dimensionen sein.
Wäre es gar besser, nicht zu verstehen oder machen uns Erklärungen glücklich? Macht Wissen glücklich? Zu wissen, was meinen Füßen fehlt und dass mir Einlagen beim besseren Leben und Gehen helfen werden, ist doch schon ein erster Schritt. Der ja, so die Volksweisheit, der Anfang jeder Reise ist. Auch jener durchs Leben.

Haltebucht

Anhalten und aussteigen. Dem Weg folgen, ein wenig, ihn
verlassen. Eigene Wege gehen. Über Felder. Brach
liegen sie da. Erholen sich von der Ernte. Über
Wiesen gehe ich nun. Sonnenwarmes
Gras. Im Windschatten des
Maisfeldes lege ich mich
hin. Lasse mich fallen und meine Augen über
den Himmel spazieren. Tanke blau. Und grün. Die
Augendeckel werden schwer. Ich versinke tief in
die Arme von Mutter Erde. Geborgen. Getragen. Gestärkt
wache ich irgendwann wieder auf. Zurück aus der
Zeitlosigkeit, wo Vögel sich
austauschen, Selbstgespräche führen
vielleicht. Ganz weit weg das
Rauschen von Autos. Ich stehe auf. Füße
auf unebenem Boden
seufzen wohlig. Glück jetzt. Und jetzt. Jetzt auch.



Einsteigen. Nach Hause fahren. Zuhause ist überall
da, wo ich sein kann, die ich bin.

rückwärts schreiben

Gegen den Strom anfühlen. Über schönes schreiben – sollen-wollen jedenfalls – in dieser trüben Welt. Denn schönes ist immer irgendwo. Auch. Nicht immer nur schwarz. Die Dinge in den Dingen und dahinter von vielen Seiten betrachten. Wahrnehmen. Sinne öffnen. Neue Wörter finden für das Alltägliche. Wörter für Unbeschreibliches. Wörter für die Liebe. Und Wörter für die Schichten unter der Fassade.
Wenn ich diese Wörter hier lese, bereits jetzt, kaum geschrieben, Wörter, die sagen sollen, was ich spüre, stoße ich sogleich mit dem Kopf an. Grenzen ringsum. Fast als hätte ich ein Bild zu malen oder zu fotografieren, und stellte fest, dass mir entweder die entscheidende Farbe zu mischen nicht gelingt, oder dass mir das richtige Licht fehlt, um abzubilden, was und wie ich es mir vorstelle. Unzulänglichkeit in Bezug auf meinen Ausdruck, auf meine Ausdrucksmittel – eine Erfahrung, die mich immer wieder so hilflos macht. Tiefenschärfe – mal gelingt sie, mal nicht.
Ungeduld spüre ich, Ungeduld im Wunsch, Worte zu finden, um Erlebnisse auch für andere nachvollziehbar zu machen. Worte, die über eine einfache Beschreibung hinaus gehen. Worte, die fühlbar machen sollten, die konservieren könnten, was ich spüre, was ich wahrnehme.
Es ist dieser Wunsch, der mich das Schreiben als Ausdrucksmittel hat finden lassen. Dieser Wunsch ist es, der mich vorantreibt. Ein Wunsch, der mich so oft mit meiner Unzulänglichkeit konfrontiert.
Beobachten lernen, noch besser, noch sensibler, das ist der Weg, den ich gehen will.

ver-rückt irgendwie

Ich schaue mir selbst zu, wie ich schneller und schneller mein Alltagshamsterrad trete, wie ich temporeich von A nach C hüpfe – in Gedanken ebenso wie im reallen Leben – und wie ich kaum Pausen einlege …
Stopp, SoSo, das kann es nicht sein!
Selbst wenn es mir, wie jetzt, dabei gut geht und ich gerne lebe – sogar die Arbeit macht zuweilen Spaß! -, darf diese Tempo einfach nicht der Normalfall sein. Mit meinem Liebsten und mit Freundinnen habe ich dieser Tage verschiedentlich über das Übel der Teilzeitarbeit sofasophiert: Arbeitest du „nur“ in Teilpensen, sagte ich, klebt der Makel der Unvollständigkeit an dir und du suchst, wie ein Pilger die Absolution, nach einem Weg zur Vollständigkeit. Im meinem Fall sieht das so aus, dass ich, kaum zuhause, in einer beliebigen Ecke meines Lebens weiterarbeite. Haushalt oder Kunst ist dabei – zur Illustration meines Dilemmas – sogar einerlei. Der Motor kommt nie, außer Nachts, zum Stillstand. Schlafen tu ich gut. Immerhin. Intensiv träumend durchschreite ich meine Nächte.
Selbst jetzt, wo ich es mir am Ofen bequem gemacht habe, mit einem Buch auf dem Schoß, lese ich nicht, sondern blogge.
Blogito, ergo sum!, um J. zu zitieren, ich blogge, also bin ich.
Darum mach ich jetzt Feierabend. Wie wär’s denn mit einem guten Film, Liebster?