Weihnachten überleben – ohne Salz

Juhu, geschafft, wir haben Weihnachten überlebt! Und sogar ziemlich schmerz- und stressfrei.

Gut, die Reise, die wir am 24. Dezember südwestwärts unternommen haben, um in einem winzigen Ferienhäuschen in Südfrankreich ein paar schöne Tage verbringen zu können, war nicht ohne. Zwar hat es – trotz Ankündigung  – kaum geregnet, doch dafür windete es heftig. Einmal sogar so stark, dass es uns auf der Fahrbahn mindestens einen Meter nach rechts geschoben hat.

Kurz und gut: wir sind – wenn auch später als gedacht – wohlbehalten hier angekommen. Schade nur, dass der kleine Dorfladen schon geschlossen hatte. Und auch am 25.12. seien alle Läden zu, wie unser Vermieter sagte. Es wird auch ohne gehen, sagen wir. Gehen müssen. Ich hoffe bloß, sage ich zu Irgendlink, dass das Klopapier reicht, denn das haben wir mitzunehmen vergessen. (Eine der Gefahren, wenn zwei Menschen für die Ferien packen …)

Hungrig packen wir unsere Küchensachen aus. Wie war das gleich gewesen am Abend des dreiundzwanzigsten, als wir diskutiert hatten, was alles mit soll? Essig-Öl-Salz & Pfeffer hats bestimmt, den Rest nehmen wir mit. Das hat es doch in jeder Ferienwohnung. Wenn es sogar WLAN und TV hat.

Hungrig suchen wir nach dem Salzglas, um das Pastawasser zu würzen. Vergeblich. Vieles fehlt. Die Küche hier ist minimal ausgerüstet. Doch eigentlich macht das nichts.
Wenn du in den Ferien alles wie zuhause willst, musst du zuhause bleiben, sage ich. Und eigentlich mag ich Improvisation. Also pimpen wir eine Fertigsauce mit viel frischem Gemüse auf und fertig ist ein tolles Menü. Geht doch.

Frisches Brot holt Irgendlink am Morgen in der Boulangerie. Immerhin die hat ein paar Stunden geöffnet. Aber Klopapier gibt es dort natürlich nicht. So fangen wir an, die letzten Blätter unserer zur Neige gehenden Rolle zu rationieren.
Du bekommst von mir zwei Blätter Klopapier für …

Klopapier ist die neue Währung.

Heute Abend können wir zur Kräuterquarksauce Pellkartoffeln kochen, überlege ich beim gestrigen Frühstück. Und auch eine Salatsauce lässt sich improvisieren. Doch was wäre, wenn wir wirklich nichts mehr hätten? Wir philosophieren über menschliches Verhalten in Notzeiten. Über Egoismus und das Teilen. Über gut und böse. Über Grenzen und wie man anders leben könnte.

Später, auf unserer mehrstündigen Geocachewanderung durch das Dorf und zur Burgruine hoch, staunen wir über die Stille. Klein ist das Dorf zwar schon, doch ausgestorben eigentlich nicht. Dennoch sehen wir nicht mehr als zehn Leute auf den Straßen und Wanderwegen. Alle andern sitzen zuhause und beschenken sich gegenseitig mit Dingen. Ab und zu können wir in die Häuser hineinsehen, wir unfreiwilligen Voyeure wir.

Nach der Burgruine wandern wir abwärts Richung Bach, der ausgetrocknet ist. Werden von Hunden verbellt. Klettern um zwei Caches zu finden, die zu einer Rundwanderung gehören, doch den Rest müssen wir ein ander Mal suchen, denn bald wird die Sonne untergehen.

Abends Diaschau. Die Bilderernte des Tages betrachten. Wie reich wir sind! Auch ohne Salz. Und selbst wenn wir kein Klopapier mehr haben, gibt es doch immer noch Taschentücher. Was für ein Glück!

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Appspressionismus: von A-Z auf dem iPhone kreiert (fotografiert, montiert, geschrieben, hochgeladen)

Mit oder ohne Chiemseebad

Ohne Chiemseebad wäre die Rückfahrt ganz anders verlaufen, sinniere ich, während ich uns im Auto westwärts befördere. Im Gepäck Irgendlinks zerlegtes Fahrrad, das anders in meiner kleinen Karre keinen Platz gehabt hätte.

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Hunger, Hitze und Stau haben uns nachmittags um drei von der Autobahn runter direkt an die Ufer des Chiemsee getrieben. Nach Chieming, wo der Liebste als Kind paarmal in den Ferien gewesen ist.
Hier haben wir und dort haben wir und dadrüben, schau!, dieses Restaurant, ach, und hier sind wir früher …
So finden wir schließlich einen Laden und decken uns mit Picknick-Sachen ein. Am See, unter schattigen Bäumen, genießen wir die Abkühlung. Der Chiemsee erweist sich zwar als lauwarmer Tümpel und den seichten Kiesstrand finde ich ziemlich mühsam, doch immerhin war ich einmal im Leben im und am weltberühmten Chiemsee, der tatsächlich in einer tollen Umgebung liegt. Alles soweit wunderbar, wenn nur das Kopfweh nicht wäre. Die Folgen der Überstimulation und des Schlafmangels der letzten Tage, von Hitze auch. Ich nehme eine Tablette und döse eine Weile, während Irgendlink uns weiter durch den Freistaat Bayern chauffiert. Irgendwann komme ich auf die geniale Idee, mir das klitschnaße Badetuch – ein dünnes Balituch – um den Kopf zu wickeln. Unglaublich, wie gut das tut.

Unterwegs lassen wir den dichten Vormittag Revue passieren. Zuerst die Rad-Demontage und das anschließende Frühstück bei der Familie eines MOM-Gönners um zehn Uhr. Danach besichtigen wir Martins und Maschas Keramitwerkstatt mit dem hübschen Laden gleich neben dem Wohnbereich des Hauses. Ein tolles Team sind die beiden – er kreiert die Sachen, die sie hinterher glasiert. Eine der vielen tollen Tassen aus ihrem Teamwork habe ich mir sogar schenken lassen. (Kaufen durfte ich sie nicht.) Auch Maschas Keramikfiguren – dreidimensionale Portäts – sind total genial! Während wir mit Martin das weitere Vorgehen besprechen, schauen ich aus den Augenwinkeln zu, wie Mascha einen kleinen Hund in Ton verewigt. Sein Herrchen steht stolz daneben – ein Bild, das ich gerne fotografisch festgehalten hätte … Stattdessen diese kleine Collage hier (unten in der Mitte ein 3D-Porträt von Masha und Martin) …

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Unseren ersten Stopp legen wir in Piding, einem Dorf in Bayern, ein. Wir hocken uns auf den Rand des Dorfbrunnens, füllen die Wasserflaschen nach und kühlen Köpfe, Arme und Beine. Am liebsten würde ich ganz in den Brunnen steigen.

Kühles Wasser … schon bald werden wir es von oben bekommen, doch das wissen wir in Bayern noch nicht. Obwohl … der Himmel bedeckt sich langsam, während sich mein Kopfweh ebenso langsam verkrümelt. Irgendwann vor Lindau öffnen sich die himmlischen Schleusen und die Luft kühlt die erhitzte Welt schlagartig ab. Herrlich!

Scheibenwischer an, Scheibenwischer aus. Derweil der Gedanke, wie sich äußere und innere Bedingungen, Erkenntnisse, Ereignisse immer ganz unmittelbar auf unser Dasein, auf unser Befinden, auf unsere weiteren Schritte auswirken. Vielleicht hätten wir keine so staufreie Weiterfahrt ab Chiemsee gehabt, wenn wir dort nicht gerastet hätten. (Verdanken wir es also indirekt dem Stau VOR dem Chiemsee, dass wir daNACH keinen Stau mehr hatten?) Das Drehbuch eines jeden Tages: wir schreiben es laufend.

Jetzt, wo ich daheim auf dem Sofa diese Zeilen hacke, weiß ich nichts über den weiteren Verlauf des heutigen Tages. Wird es aufhellen, wird es den ganzen Tag weitergewittern und regnen? Werden wir hierbleiben, rausgehen, werden wir …

Mit jeder kleinen Entscheidung legen wir die Weichen für den nächsten Schritt. Wir sind einander Schicksal, du mir, ich dir … und wir uns allen.

(Weitere Bilder aus Halstatt folgen …)

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Bilder:
Appspressionismen (iPhoneArt)

Hallstatt, das Interlaken Österreichs

Freitagmittag. Nun sind wir also da. Gestern, bei der Hierherfahrt habe ich dieses Touri-Bijou einfach rechts liegen lassen, denn der Liebste und ich hatten uns ja in Bad Goisern in der Frühstückspension Sydler verabredet. Eine Unterkunft in Hallstatt selbst können sich Normalsterbliche wie wir uns nicht einfach so leisten. Bad Goisern hat mir, wenn ich ehrlich bin, fast besser gefallen als Hallstatt. Die Leute dieses Zweitausend-Seelendorfes waren alle ausgesprochen freundlich. Weil ich unsere Pension nicht auf Anhieb gefunden und eine Frau um Hilfe gebeten habe, hat diese mich kuzerhand per Fahhrad hingelotst. Toller Service!

Erwähnt werden muss auch jener freundliche, ältere Mann in Golling, den ich – kaum der Autobahn entkommen – um Hilfe bat. Nur schon die Himmelsrichtung nach Bad Goisern oder Hallstatt hätte mir gereicht, doch seine Antwort, dass nämlich Hallstatt gaaanz weit weg sei, war wenig hilfreich. Erst als ich die nächsten Dörfer, die ich auf dem Weg nach Hallstatt durchfahren wollte, aufzählte, wusste er weiter. Ich vermute, der Mann hat auf seiner Vespa zeitlebens nur die nächste Umgebung erkundet. Ob er je in Salzburg war? Jedenfalls … dank seiner Hilfe fand ich Bad Goisern – und den Liebsten, sozusagen.

Was für ein Wiedersehen! [Vorhang bitte]

Später, in einer Pizzeria, planen wir den heutigen Tag. Mit dem Schiff zeitig nach Hallstatt, das Städtchen besichtigen, später Pressetermin und Besichtigung des Memory of Mankind. Und jetzt sind wir da und gucken uns weiter das Städtchen an. Chinesen, Fotoapparate und Souvenirlädchen hat es hier mindestens so viele wie im von mir als Schweizer Pendant zu Hallstatt nominierten Interlaken.

Nun ist es Abend. Wir sitzen bei Martins Freunden zum Grillen in einem Gmundener Garten. Ich bin so müde, dass ich mich innerlich immer mehr ausklinke und stattdessen diesen Text hier ins Telefon tippe. Am liebsten würde ich mich ja ganz zurückziehen und mich hinlegen, aber man will ja keine Spielverderderberin sein. Dem geschenkten Gaul … Ist doch auch wirklich toll: Als Martins Gäste werden wir quasi in seine Familie integriert. Schade nur, dass ich so reizüberflutet bin. (Wie andere das bloß schaffen?)

War aber auch wirklich viel los heute. Nachdem uns das Schiff, dass wir per Rad, Auto und zu Fuß an der Schiffstation von Steeg erreicht haben, in Hallstatt wieder ausgespuckt hat – die Hitze verdampft uns beinahe -, guckten wir uns – wie gesagt – die Stadt an. Inklusive Beinhaus, das eine Art Friedhof der Knochen ist.

Danach gönnen wir uns am Bootssteg ein Bad – herrlich! -, um uns später am Marktplatz mit Martin Kunze von Memory of Mankind und seinem Sohn J. zu treffen. Eine halbe Stunde danach stößt ein örtlicher Journalist zu uns. Nach einem ungezwungenen Interview, das Irgendlink diesem gibt, zücken drei von vier Erwachsenen unsere Kameras: Fototermin für Irgendlink. Cheese.

Als buchstäblicher Höhepunkt des Tages bringt uns Martin nachher zu den Hallstätters SalzWelten. Zuerst fahren wir mit der Zahnradbahn auf den achthunderfünfzig Meter hohen Berg und später mit einer einfachen Holzbahn, die mich an Jahrmarkt-Bahnen erinnert, in den acht Grad kühlen Stollen hinein. Echt verrückt, diese Salzstollen, in denen noch heute Salz aus dem Berg abgebaut wird! Martin zeigt uns das vorläufige MOM-Archiv, in dem bereits um die dreihundert Keramikfliesen für unsere Nachkommen eingelagert werden. Nicht-digitale stattdessen auf Ton gebrannte, im Salz gelagerte Informationen über die Welt, wie wir die kennen und über die Zeit, in der wir leben – vorbereitet für jene, die nach uns kommen. Wir sind beeindruckt. Und beinahe unterkühlt. Erst eine Dreiviertelstunde später verlassen wir den Salzstollen wieder.

Zurück im Tal hat uns die Hitze bereits wieder voll am Wickel. Gut, dass es bei Martins Freunden einen Badesteg gibt – denn auch der Traunsee ist ein Bad wert!

Nun sitzen wir also da. Es ist inzwischen dunkel und ich fühle mich einfach nur müde. Wohl fühle ich mich auch, ja, aber vor allem müde. Voller Eindrücke. Bettschwer.

Samstagmorgen. Nach einer weiteren schwülen Sommernacht, diesmal in Martins Haus in der Gmunder Innenstadt, heißt es schon bald frühstücken, packen und westwärts fahren.

Der Ritt der Helden in den Sonnenuntergang sozusagen.

(Bilder folgen, versprochen!)

Im Paradieschen

Sogar WLAN hats im süßen kleinen Pensiönchen, wo Irgendlink und ich uns gestern zum Tourende getroffen haben.

Und solche Bilder an der Wand:
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Das Salzkammergut in Oberösterreich wirkt wie eine heile Welt:
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Uns gefällt’s hier. Es gäbe viel zu erzählen. Tu ich vielleicht auch. Später?

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Bilder:
Appspressionismen (iPhoneArt)

Gold waschen

Wie wir vorhin zusammen mit Akkordeonistin B. nach dem letzten Nachtmahl von Hotel A. (wo wir jeweils gegessen haben) am Strand entlang ins Hotel B. (wo wir schlafen und frühstücken) spazieren – es hat den ganzen Tag nicht geregnet, obwohl der Wetterbericht das Gegenteil erzählt hat – begreife ich, dass das Leben eine einzige Goldwäsche ist.
Nehmen wir nur mal die Goldstücke dieses einen Tages. Wir haben sie glücklich gefunden und die Schlacke, na ja, die fließt irgendwann und irgendwie zurück ins Meer.
Das erste Goldstück war unser vormittäglicher UrbanArtWalk. Ziel war die Altstadt. Das violette Haus. Das Haus, das dem Zerfall trotzt und sich, trotz der Häuser rechts und links, die unbewohnt aussehen und zum Teil kaputte Dächer haben (aus einem wächst sogar ein Baum), in seinem bunten Kleid ausgesprochen hübsch ausnimmt. Lila und fliederfarbene Fassde, dazu lindgrüne Fensterläden. Wir finden es auf Anhieb wieder, denn gestern, im Gegenlicht, war es schwer zu fotografieren gewesen. Ein wahres Goldstück fürs Auge, dieses mutige schmale Häuschen.Boulogne_UrbanArtWalks 16
Viele weitere pittoreske Bilder bannten wir auf unsere Kameras.
Alles zerfällt, was der Mensch je gebaut hat, philosophiere ich, wie wir rostige Türschilder, bröckelige Mauern und andere schöne Kaputtheiten ablichten. Alles zerfällt, es sei denn, der Mensch pflegt es.
Später, wir kommen wegen eines geografischen Missverständnisses eine Dreiviertelstunde zu spät zum offiziellen Festbankett in einer der vielen Turnhallen der Stadt, begreife ich:
Auch zu spät ist man manchmal noch zu früh.
Zum Glück wechselt kurz nach unserer Ankunft die Musik und ein Franzose mit Gitarre, der Oldies covert, betritt die Bühne. Der Lärm im großen Saal erschlägt mich beinahe. Vorher, draußen, dieser entspannte Weg quer durch die Straßen von Boulogne – zugegeben am Ende einigermaßen hektisch – nun hier drin dieses Sprachen- und Stimmenwirrwarr, das ich schier nicht ertrage. Ja, ich bin, wirklich und prinzipiell, gegen Massentierhaltung – auch bei Menschen! Wer mag denn sowas? Um die fünfhundert oder mehr Menschen, an langen Tischen aufgereiht, die alle den Musiker mit ihren Stimmen zu übertönen versuchen. Am liebsten wären wir sofort wieder gegangen, doch einmal drin war das nicht mehr möglich. Während sich Irgendlink auf die Empore schlich, um Bilder von oben zu machen, hackte ich einige Zeilen in mein vituelles Notizbuch – mit einem Stück Taschentuch im Ohr als Lärmfilter. Beinahe-Eremitin ich! Gute Medizin, um in dieser neuen Umgebung anzukommen.
Der Mensch gewöhnt sich an alles. Nachdem das Büffet endlich eröffnet ist, wird es stiller. Gefrässige Stille nannte meine Schwester dieses Phänomen. Zwischen Essen und Dessert die Ansprachen und Ehrungen. Eine sehr stimmige angenehme Athmospäre, die ich dann doch nicht verpasst haben möchte. Zumal Monsieur Q., der vor einem Jahr Irgendlink bei seiner Nordseeumradelung als Vertreter und Gastgeber seiner Stadt aufs Freundlichste betreut hatte, für seine Arbeit geehrt wird. Ein wahres Goldstück dieser Moment der überraschten Rührung in seinen Augen.
Mit einem weiteren Künstlerpaar konnten wir danach im Auto zurück zur Kunstschule fahren, wo die nächste Überraschung auf uns wartete: Die Schule möchte Irgendlinks Bilderreise noch eine Weile aufgehängt lassen – solange, bis der Pavillon wieder für andere Projekte gebraucht wird. So mussten wir nicht, wie geplant, die Ausstellung abbauen, sondern hatten Zeit und Muße, mit E., der Kunstschulsekretärin, die einzelnen Ateliers der Schule zu betrachten. Töpferei, Malatelier, Kinderunterrichtsraum, Photowerkstatt mit einigen Computern … Räume so, wie ich mir das Paradies vorstelle. Das Paradies für Kunstschaffende … Ein Gefühl von Heimat durchrieselte mich wohlig. E. hat mir mit dieser Führung ein großes Geschenk gemacht. Ein weiteres Goldstück des Tages.
Unser Besuch im Meeresmuseum Nausicaà war dafür weniger toll. Wir waren zeitlich knapp dran, doch wurden wir bereits nach acht Minuten wieder hinauskomplimentiert, weil sie das Muesum doch in zehn Minuten schließen. Dabei war es noch nicht mal Viertel nach sechs. Nein, so hatten wir uns den Besuch der Meeresaquarien nicht vorgestellt, dafür fiel das Nickerchen ein bisschen länger aus. Auch ein Glück. Noch ein Goldstück.
Und sogar im Esshotel war es heute so, dass wir drei Vegis, so etwas ähnliches wie ein richtiges Menü bekommen haben … Ein kleines Goldstücklein, das nicht geringzuschätzen ist.
Morgen früh gehts bereits wieder zurück in die Pfalz. Mir kommt es einmal mehr, wie immer, wenn ich auf Reisen bin, vor, als wäre die Zeit aus den Fugen geraten und als wären diese Tage viel zahlreicher gewesen.
Vorhin mit dem Liebsten ein letztes Mal am Strand. Das letzte Goldstück des Tages. Wir kommen wieder, ahne ich. Au revoir et à bientôt!
Das letzte Goldstück des Tages habe ich soeben auf Irgendlinks Blog entdeckt. Guck hier!

Strandgut

Müsste ich wählen zwischen einem Abendessen in gemütlicher Runde oder zu zweit mit dem Liebsten, egal wo, doch mit anschließendem Strandspaziergang inklusive Sonnenuntergang, ich würde nicht zögern. Besonders nicht nach einem Tag wie heute. Nach dem gestrigen Hinreisetag an den nördlichsten Zipfel Frankreichs, an den Pas-de-Calais, waren wir nach dem offiziellen Empfang um 17 Uhr im Fussballstadion glücklich, als wir endlich unsere Hotelzimmer betreten durften.
Und heute gleich wieder früh aufstehen, denn Irgendlink musste bis 11 Uhr die Hängung seiner Ausstellung vollendet haben. Dass ich ihn dabei unterstützte, war selbstverständlich. In der Kunstschule von Boulogne-sur-Mer, ganz in der Nähe der klassischen alten Stadtmauer auf dem Hügel sind noch bis morgen Abend sowohl seine Werke – ein Querschnitt seiner Reise ums Meer 2012, die er von Boulogne-sur-Mer aus startete –, als auch jene des Zweibrücker Kunstvereins zu sehen. Wegen der etwas speziellen Hängung, die Irgendlink geplant hatte, brauchte er beschraubbare Wände und bekam dafür – völlig überraschend – einen eigenen kleinen Pavillon zugeteilt. Wir staunten nicht schlecht über die Größe dieses Kunstkubus, wie wir das kleine schwarze Häuschen nennen. Schnell war uns klar, wie wir die Hängung optimal vornehmen könnten. Schon um zehn hing und lag alles an seinem Platz. Dank Frédéric, dem Hausmeister der Schule, konnten wir sogar die Beschriftungen fehlerfrei zweisprachig formulieren. Nach den Ansprachen, die wie immer zwar spannend aber dann doch immer viel zu lang sind, waren die beiden Ausstellungen eröffnet. Das Echo war toll.
Beim Mittagessen erhielt ich eine weitere Lektion – die erste hatte ich am Vorabend bekommen – über die Schwierigkeiten als Vegetarierin (moi-même) in Frankreich zu überleben. Zum Glück hat es in der Djembe-Gruppe, mit der wir zu Tische sassen, zwei weitere Keine-Tiere-Esserinnen. So konnten wir und gegenseitig beim Anmelden unserer Bedürfnisse unterstützen. In Frankreich, dazu am Meer, ist das wirklich sehr schwierig. Dass beispielsweise viele Vegis – wir drei – auch keine Fische essen, war dem Küchenpersonal des besagten Restaurants, das ich hier namentlich nicht nennen will, jedenfalls nicht bewusst. Nach langem Hin und Her saßen wir drei vor einem Teller weißer Hörnchenpasta. Immerhin war von unsern TischgenossInnen noch ein bisschen Reibkäse übrig geblieben. Um diesem Spießrutenlauf beim Abendessen nicht schon wieder ausgesetzt zu sein, beschlossen wir – zwar auf eigene Kosten – heute das Abendesssen zu zweit in einem Restaurant unserer Wahl, die auf eine kleine Pizzeria gefallen war, zu genießen. Zugegeben, ich habe schon bessere Pizze gegessen, aber ansonsten war alles wunderbar. Auch endlich mal nur zu zweit zu sein, war erholsam.
Nach etwa acht Kilometern UrbanArtwalk (seht dazu auch Irgendlinks heutigen Beitrag) – mit unsern Kameras quer durch die Stadt –, den vielen kleinen Begegnungen da und dort, dem genialen Afro-Trommelkonzert am Nachmittag am Strand, war ich einfach nur gesättigt … und müde. Sehnsüchtig nach Stille.
So wanderten wir zwei Strandguten vorhin eine Stunde durch den wunderbaren Sandstrand. Sonnenuntergang. Stille. Rauschen. Aus solchen Momenten wird Glück gewoben.
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Bilder:
undogmatische Appspressionismen (iPhoneArt).

Berlin # 5 – In Bild & Ton

Wie in einem früheren Artikel versprochen verlinke ich hier das „Tonerzeugnis mit Bildern“, das am letzten Sonntag in Neukölln/Berlin anlässlich des P.A.S.-Auftrittes kreiert worden ist. Die Aufnahme enstand mit einem simplen iPhone, ebenso die Bilder. Dass es zeitweilig schräg klingt, ist nicht nur der bescheidenen Aufnahmetechnik geschuldet, sondern auch der schrägen Instrumentation, die zum Teil auf den Bildern zu sehen ist.
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=Bm7HGD5ud7g&feature=youtu.be]
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Weitere Berlin-Impressionen als Galerie (Bilder anklicken und von da aus weiterklicken).
Viel Spaß!


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Bilder:
Nikon/Gimp
All pics: copyright by Sofasophia

Berlin # 4 – Kleine Menschen in der großen Stadt

Als erstes würde ich hier ein Bild unseres Autos posten. Stell es dir einfach vor.
Von hinten. Die Köpfe der beiden Figuren als Silhouetten sichtbar. Einander zugewandt im Gespräch. Er oder sie am Steuer natürlich just in dem Moment eingefangen, wo sie oder er kurz den Kopf gedreht hat, um etwas zu sagen. Ein Bruchteil einer Sekunde lang, denn die Aufmerksamkeit gilt ansonsten der Straße, natürlich.
Rechts und links des Autos sähe man zwei Sprechblasen. In seiner Blase stünde:
Ich darf nicht dran denken, dass ich – wäre ich letzten Freitag alleine unterwegs gewesen – umgedreht hätte. Weißt du, dort, im Stau vor Frankfurt. Ich wäre umgedreht und ich wäre nicht nach Berlin gefahren. Zu grässlich war der Stau. Und erst die überfüllte Raststätte! Und das verkotzte Klo … Aber das hätte ich dir und Frau Freihändig ja nicht antun können. Und nun bin ich froh, dass wir weitergefahren sind.
In ihrer Sprechblase stünde:
Boah, dann bin ich also dran schuld, dass wir dort waren. Super!
Natürlich würden noch weit geistreichere Sachen in den Blasen stehen, da wir sehr oft sehr geistreiche Gespräche führen. Oft aber auch nicht. Oft – wie am letzten Montag, unserm letzten Berlin-Tag – spinnen wir einfach drauf los und halten die Ideen manchmal als Sprach- oder Textnotizen auf den iPhones fest. Sprechblasen der etwas andern Art.
Von Anfang an
Mein kleiner Reisebericht über unsere Tage in der großen Stadt beginnt mit meiner Fahrt von der Schweiz, wo ich zuhause bin, zu meinem Liebsten, wo ich auch zuhause bin. Als ich das französische Elsass durchquerte, begriff ich:
Jedes Land, ja sogar jede Region, hat eine eigene Bildsprache in allem. Von der Sitzbank hin zur Verkehrstafel bis zum Werbedesign und der Architektur. Selbst die Natur richtet sich danach … Oder ist sie es gar, die die Menschen ihrer Gegend angestiftet und inspiriert hat?
Nach einem sommerlichen Donnerstagabend am Grillfeuer packten wir am Freitag unser Gepäck in Irgendlinks Wagen und fuhren kurz nach Mittag los.
Die Reise
Gibt es über sie etwas zu erzählen? Stau hatten wir, wie gesagt, und langten deswegen erst um halb zehn statt wie gehofft um acht Uhr in Kreuzberg an. Ach, und geregnet hat es fast immer – bis auf ein zweistündiges Teilstück mittendrin. Nein, die Reise ist nicht wirklich erwähnenswert.
Berlin
Frau Freihändigs großartiger Gastfreundinschaft ist es zu verdanken, dass wir kostenlos logieren durften. Und dazu ernst noch in einer wunderbaren Altwohnung, in die ich mich sofort verliebt habe.
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Am Samstag stromerten wir über den Kreuzberg am dortigen Denkmal vorbei (so viele Denkmäler wie in Berlin auf einem Haufen habe ich wohl noch nie gesehen!) zu Fuß Richtung Stadtmitte und nahmen unterwegs auf der Lindenstraße ein paar tolle Galerien mit. Gallery Weekend-Berlin-sei-Dank. UrbanArtWalks mag ich einfach. Was es da nicht alles zu sehen gibt.
Am Abend gutbürgerliche Küche im Tucholskys, weil überall sonst voll war. War aber okay und gemütlich, auch weil wir von unsern Freunden weitere Geschichten über Berlin und das Leben hier erfuhren. Als nicht wirklich geschichtsaffine, aus einem (pseudo-)neutralen Land stammende Person komme ich immer wieder an meine Wissensgrenzen und kann alles Gehörte nicht annähernd fassen noch verstehen.
Nach einem Verdauungsspaziergang samt letztem Bier – vorbei an der Sophienstraße und vielen mit Graffitis dekorierten Alt- und Neubauten – lassen wir uns müde ins Bett fallen.

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Sonntags standen – wie schon in einem früheren Artikel erwähnt – unter anderem das Holocaust-Denkmal (siehe folgende Bilder),

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sowie das Brandenburger Tor und die Siegessäule auf dem Programm.
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Am Abend schließlich das (bereits verbloggte) Konzert von P.A.S. in Neukölln.

Tempelhof
ist am Montag dran, denn dort zieht es Irgendlink und mich geradezu magisch hin. Dieser stillgelegte Flughafen, der Westberlin, als es belagert war, das Überleben ermöglicht hatte, hängt heute irgendwo in der Warteschlange für eine Neunutzung, über die wir uns, wie bestimmt viele Berlinerinnen und Besucher, viele Gedanken machen. Die Luftbrücke hat nicht nur Leben gerettet, sondern auch viele Menschen das Leben gekostet. Was hat diese Erde unter unsern Füßen schon alles erlebt?, denke ich wie wir über das weitläufige Gelände wandern.
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Solange dieser Platz nicht anders genutzt wird, freut er sich, trotz seiner gewichtigen Geschichte, über die Besuche der vielen Spaziergänger, Radfahrerinnen, Skaterinnen, Jugger (ja, ich habe nachgeschaut, was das ist, guck hier), Geocacherinnen* (die, wie ich einige Meter ins Vogelschutzgebiet schleichen müssen, um einen Cache* zu heben) und – ja, natürlich! – auch KünstlerInnen.
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Eine witzige Minigolf-Anlage hat es uns – auf dem Weg zum Columbiadamm – sehr angetan. So viel Charme haben diese theoretisch spielbaren Skulpturen, dass sich ein Besuch dieser Kunst-“Ausstellung“, Mini Art Golf namens nuture, auf jeden Fall lohnt.

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Von da aus urbanartwalken wir via Duden- und Monumentenstraße nach Schöneberg. Unterwegs der Jogger, der mitten auf dem Trottoir an einer Haustreppe Liegestützen übt.

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Am der Türe des Museums der Unerhörten Dinge an der Crellestraße lesen wir, dass dieses Bijou, das wir uns anschauen wollen, nur von Mittwoch bis Freitag geöffnet hat.

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Schade. Aber Schöneberg gefällt uns trotzdem. Besonders der Bioladen dort – der sich offensichtlich höchster Beliebtheit erfreut … 🙂

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Berlin ist ein Land für sich, sage ich, wie wir zurück über die Brücke spazieren und mit den Augen den Gleisen der Ringbahn folgen.

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Ein Land, indem so vieles geschehen ist, so vieles möglich scheint, so viele Menschen träumen und schon so viele Tränen geflossen sind. Eine Stadt, so reich und so arm wie die ganze Welt. Eine Welt für sich. Ein Abbild der Welt.

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Auf dem Rückweg in die Wohnung queren wir einen Spielplatz wie ich ihn noch nie gesehen habe. Die Fläche eines Fussballplatzes voll Sand. Mit Spielgeräten, Kindern, Müttern, Vätern, Opas, Omas, Bänken … eine Stimmung, die mir gefällt. Multikulti. Friedlich. Ein Ort der Begegnung – zwischen den Generationen und zwischen den Nationen. Alles geht – geht alles?

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Jeder letzte gemütliche Abend und jede gemeinsam gebaute Pizza gehen leider irgendwann zu Ende. Eine letzte Nacht im gemütlichen Gast-Heim … Danke-danke, liebe Frau Freihändig!
Halle
Am Dienstag verlassen wir die große Stadt und fahren weiter nach Halle an der Saale. Zu Emil, einem lieben Mit-Blogger. Eine weitere tolle und sehr inspirierende Begegnung, wie ich schon in einem Artikel zuvor geschrieben habe.
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Reich beschenkt mit Büchern (leihweise zu lesen) und Halloren-Kugeln (ganz und gar einzuverleiben) fahren wir über die Landstraße Richtung Autobahn. Gut so, denn wir müssen unterwegs ja noch Brot und Käse kaufen.
Die Heimkehr
Wir fressen Kilometer um Kilometer – dazu regnet es wieder. Ich bin sehr müde, als ich in Kirchheimbolanden, wo wir noch ein paar Liter Benzin nachschütten, das Steuer wieder Irgendlink überlasse. Sehr müde bin ich, sehr sehr müde. Doch als wir zuhause auf dem einsamen Gehöft ankommen, sind wir beide so aufgekratzt, dass an Schlafen noch lange nicht zu denken ist.
Wie sagte doch Fassbinder so schön? Schlafen kann ich, wenn ich tot bin.
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Bilder:
Durch Draufklick vergrößerbar. Nikonbilder und undogmatische Appspressionismen (iPhoneArt mit Gimpunterstützung).
All pics: copyright by Sofasophia.

* Geocaching ist eine Outdoor-Schatzsuche in der realen Welt. SpielerInnen dieses Spieles versuchen, versteckte Behälter, Geocaches genannt, mithilfe eines Smartphone oder GPS-Gerätes zu finden, um anschließend ihre Erfahrungen online zu teilen. Mehr auf www.geocaching.com.

Intermezzo in Halle

Auf dem Rückweg von Berlin zum einsamen Gehöft in der Südwestpfalz fuhren wir praktisch bei Emil, unserm lieben Blogosphäre-Mitgestalter, vorbei. Ein kurzer Besuch bot sich geradezu an und hat uns gegenseitig bereichert und inspiriert.
Der Emil hat einen wunderbaren Artikel über unser Zusammensein verfasst, den ich hier einfach gerne verlinke und mit einem bei ihm geklauten Bild garniere. Zum Artikel „Meilenstein im europäischen Kunstschaffen“: bitte hier klicken!
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Pic: Copyright by Emil
Holistische Verdichtung “Geschichtete Venus” – created by Sofasophia

Weitere Bilder, Berichte und Impressionen von mir aus Berlin und Halle folgen hier in den nächsten Tagen … versprochen! Auch bei Irgendlink vorbeigucken könnte sich lohnen … 🙂

Berlin # 3 – Zu spät ist man immer rechtzeitig oder der geheime Keller

Nach einem zweiten inspirierenden Stadtspaziergang – diesmal zum Holocaust-Denkmal und von da aus zum Brandenburger Tor (wo ein großer Rummelplatz meine Sinne überflutet und nervt) und von da durch den Tiergarten zur Siegessäule – kommen wir erschöpft und verschwitzt in unserer Residenz an. Da wir die Tageskarte für alle öffentlichen Verkehrsmittel Berlins bewusst auch im Hinblick auf das geplante Konzert in Neukölln gekauft haben, müssen wir uns erstmal ein wenig erholen, um dem Berliner Nachtleben gewachsen zu sein.
Kurz vor neun Uhr, ausgeschlafen und frischgestärkt, fahren wir mit U- und Ring-Bahn an die Herrmannstraße, um uns von dort auf die Suche zu machen. Dass wir uns zeitgleich wie unsere New Yorker Freunde in Berlin aufhalten, ist Zufall, da wir unsern Besuch bei Frau Freihändig ja hatten verschieben müssen. Robert L. Pepper, Teil der New Yorker Band P.A.S., haben wir vor anderthalb Jahren bei einem kulturellen Anlass auf dem einsamen Gehöft kennengelernt (Kunstzwerg 2011). Mit seiner Frau Amber und seinem (und unserm Freund) Brandstifter tourt er zurzeit durch Europa und beglückt hier ein interessiertes Publikum mit seinen doch sehr speziellen Klangwelten, die mit allen möglichen Nicht-Instrumenten erzeugt werden. Kein Ton ist geplant und doch ist alles in sich ein wunderbares Klangerlebnis.
So weit so gut – nur: wo bitte findet das Konzert überhaupt statt? Weder Facebook noch Mails geben genaue Details her und nur dank Internetrecherchen kann Irgendlink die Hausnummer des Clubs ausfindig machen. Nachfragen bei unsern Freunden hätte ja den Überraschungseffekt zerstört.
Wir irren die Emser Straße auf und ab und suchen nach dem richtigen Eingang. Da? Vielleicht dort? Oder hier? Ein junges Pärchen, das eben die unscheinbare Türe eines unscheinbaren Hauses öffnet, fragen wir, ob das hier sucked orange sei. Ja! Wir schlüpfen glücklich hinter ihnen in den Vorraum. Räder stehen herum. Hinten ein Kleiderständer. Ansonsten keine Hinweise auf ein Konzert. Die beiden Eingeweihten öffnen eine dick gepolsterte Türe und deuten mit Fingern auf den Lippen an, dass wir ganz leise sein sollen. Wir schließen die Türe hinter uns und finden uns im Untergrund wieder. Ein düsterer Kellerraum, der wundersame Klänge verströmt. Und ein bisschen weniger wundersame Düfte von Zigarretten und andere Kräutern. Wie früher, als wir jung waren!, blitzt es mir durch den Kopf.
Treppe und Kellerraum sind voll. Etwa vierzig Leute lauschen mucksmäuschen still den sphärischen Klängen, doch die Musiker, die sie erzeugen, kennen wir nicht. Wir finden eine Nische, doch schon bald entdeckt Irgendlink die Bar und schlängelt sich durch, um uns Bier zu besorgen. Als er nach fünf Minuten noch immer nicht zurück kommt, mache ich mich leise auf die Suche.
Der Raum ist größer als gedacht und grenzt an einen weiteren gewölbten Raum, der knapp einen Meter siebzig hoch ist. Ich muss den Kopf nicht einziehen, die andern schon. Denn hier treffen wir sie, die andern. Die Vorband ist inzwischen mit ihrer Vorführung zu Ende.
Was für ein Wiedersehen! Robert stellt uns seine Frau Amber vor und wir tauschen schon bald angeregt aus. Nach der Pause gehts los mit ihrem Auftritt. Klasse! Wir sind keine Minute zu spät gekommen, obwohl wir nirgends eine Start-Zeit gefunden haben. Grund dafür war, dass Konzerte in diesen Räumen nicht wirklich legal sind und nur bei sehr sensiblem Umgang mit der lieben Nachbarschaft auch weiterhin stattfinden können. Bedingte Duldung.
Irgendlink und ich dokumentieren das Konzert. Fünfunddreißig Minuten lang spielen die drei, von einem Kumpel aus Berlin unterstützt, ein Stück, dass es so nie wieder geben wird. (Ich werde es später auf Youtube laden und hier einen entsprechenden Hinweis posten).
Nach dem Konzert setzen wir uns wieder in den Gewölberaum, der mit Sofas bestückt ist, und unterhalten uns mit Roberts Freund Nico aus New York, der uns von seinen Musikprojekten erzählt. Auch Brandstifter und Robert gesellen sich zu uns und so sind wir – mitten in Berlin – ein bisschen zuhause angelangt. Bei vertrauten Menschen. Schon morgen werden sie nach Polen weiterreisen – nach einem weiteren Konzert heute Abend.
Zurück bei Frau Freihändig, die schon die zweite Nacht beim Liebsten logiert und uns ihre Gemächer aufs Großzügigste überlassen hat, ist es mir, als wäre ich schon viele Tage hier, als wäre mir die Stadt vertrauter als sie es eigentlich sein kann – bin ich doch zum ersten Mal hier. Doch hoffentlich nicht zum letzten Mal.
Nur am Bier kann das ja wohl nicht liegen?
EDIT: Ein guter Artikel über PAS musique: bitte hier klicken.