sammeln …

Irgendwann hat mir eine Freundin eine kleine Geschichte dazu erzählt … Genaueres weiss ich nicht mehr … Um Glückserlebnisse ging es. Dass wir sie sammeln können. Wie Edelsteine. Als Vorrat für karge Zeiten … Seelenfutter …

Heute gesammelt:

  • Komplimente meines Scheffs für das Einrichten der Infrastruktur (siehe gestern). („Was würde ich bloss ohne dich machen!“)
  • Komplimente der Mitarbeitenden für die Organisation der Schulung (siehe  auch gestern) allgemein und williges Mithelfen beim Aufräumen! („Du hast ja schliesslich die ganze Arbeit mit Einrichten gehabt!“) > Wertschätzung!
  • Freude über die Gipfeli und Brötli, die ich geholt habe. 😉
  • Komplimente einer Arbeitskollegin für das von mir in den letzten Tagen erarbeitete Gender-Factsheet! („Wow!“)
  • Das Angebot einer Arbeitskollegin, dass sie morgen früh für mich die Post und Gipfeli holt, weil ich ja Sitzung habe. Einfach bloss deshalb, damit ich nicht noch früher im Büro sein muss! Einfach so!
  • Die Zusage eines Kollegen, sehr gerne meine Pflanzen vor dem Verdursten zu retten, während ich im August Schweden heimsuchen werde …

Ein paar schlichte, wohltuende Edelsteine für meine Hosentasche. Und doch so viel nährender als all die negativen Gedanken der letzten Tage.

so verdammt wichtig

Bäh! Einer dieser Tage, wo ich am liebsten im Bett geblieben wäre und mir die Bettdecke über den Kopf gezogen hätte! Alles so trüb. Geschlafen habe ich zwar gut. Trotz Vollmond. Trotz Mens. Und trotz des Fotoalbums von vor zehn Jahren, das ich mir gestern Abend angeschaut habe. Bilder von damals, als das Leben noch einfach schien und mein Weltbild einigermassen übersichtlich.

Bin dennoch aufgestanden, natürlich, und habe auf dem kurzen, regennassen Arbeitsweg einen Vater mit Sohnemann im Kinderwagen gekreuzt.  Wie singt doch Büne Huber („mittschiffs“) so passend? „Es rägnet i mim Gsicht!“

Bin mal wieder so dünnhäutig, dass ich die Gegenwart anderer Leute kaum ertrage. Hyperhochsensibel. Doch gerade heute konnte ich es mir nicht leisten. (Wann dann?) Es gab viel zu tun, aufzugleisen, ein paar nicht verschiebbare Anrufe zu erledigen, interne Dinge zu entscheiden. Diese verdammte Wichtigkeit! Und dieses vermaledeite Nett-Sein!

Ich biss auf die Zähne. Wieso erzähle ich eigentlich im Büro kaum je, wie es mir geht? Obwohl wir es doch so gut miteinander haben und ich alle mag. Und obwohl mir die anderen erzählen, wie es ihnen geht. Sogar oft mit einem „Pssst! Das wissen die anderen nicht!“. Und wieso erzähle ich immer nur die erfreulichen Dinge? Nein, es ist nicht so, dass ich den anderen misstraue. Es ist wohl eher so, dass ich mich bedeckt halten will. Selbstschutz. Allgemein bin ich sehr transparent und authentisch. Und ich halte mich mit Meinungsäusserungen selten zurück.

Als mein Scheff um 11 Uhr wegen einer externen Sitzung sein Büro verliess, stürzte ich mich – wie abgemacht – darauf, die Infrastruktur für die morgige Finanzschulung vorzubereiten. Tönt toll. Und das Problem hört sich in der Tat recht simpel an: Sieben Leute sollen – über Beamer – sehen, was auf einem PC abläuft, um zu verstehen, wie das Buchhaltungssystem unseres Hilfswerks aufgebaut ist. Umrahmt wird das Ganze von einer Powerpoint-Präsentation.

So weit, so gut. Doch muss der benutzte PC ausnahmsweise am Firmennetzwerk angeschlossen sein, will heissen, wir können nicht wie üblich mit Laptop und Beamer ins angemietete Sitzungszimmer vis-à-vis, denn dort funktioniert unser Netzwerk nicht. Im Vorfeld hatten mein Scheff und ich beschlossen, das Ganze in seinem Büro zu inszenieren. Bis gestern. Da beschloss der gute Mann plötzlich, dass sieben Nasen in diesem doch eher kleinen Raum zu eng sind. Und dass wir eine bessere, andere Lösung finden müssen, will heissen, ich.

Das ganze Theater also in den Vorraum verlegen, wo alle naselang jemand vorbei kommt? Und wo es natürlich keinen Anschluss fürs Netzwerkkabel hat? Und währenddessen ich, weil ich nicht an der Schulung teilnehmen „muss“, im angrenzenden Büro „eingesperrt“ sein werde?

Mit Mensbauchkrämpfen kroch ich also im Scheffbüro auf der Suche nach Kabeln unter die Tische. Nach einer halben Stunde und ein paar saftigen Flüchen war alles an seinem Platz. Im Test lief das Ganze, die Kabel aufs Äusserste gespannt. Ich auch. Mal gucken, ob es morgen klappt. Immerhin ist Vollmond vorüber.

Draussen tobt ein Sturm. In mir drin irgendwie auch und jetzt werde ich mir, da ich frei habe, endlich die Decke über den Kopf ziehen.

NeoSchamanismus?

Grenzerfahrungen dienen und dienten schon immer dazu, sich seinen Geistern und sich selbst zu stellen. Als Einweihungsritual. Fahrzeuge dorthin dabei waren seit jeher monotone Rhythmen, Trance, Singen, Schreien, dabei mit den anwesenden Geistern und Menschen in Kontakt zu treten, die Einheit zu zelebrieren. Dies half, sich von der diesseitigen Schwere zu löse und sich auf die Anderswelt einzulassen. Auf die Begegnung mit der eigenen Innenwelt, den eigenen Gefühlen. Indem wir uns erlauben, alles zu sein, innen und aussen, sind wir ganz und heil.

So weit so gut, doch was hat das mit meinem Alltag zu tun? Nun … ich behaupte, Patent Ochsner – und gewiss auch andere Bands – zelebrieren im weitesten Sinn schamanische Handlungen. Sie versetzen mich  in eine andere Schwingung. Während eines Gigs bin ich ganz bei mir. Innen und aussen.

Bereits beim Soundcheck klebten B. und ich, wie Groupies, an den Schranken vor der Bühne. Den Platz in der vordersten Reihen hatten wir uns in der Umbaupause unauffällig, zielstrebig und mit charmantem Lächeln gesichert. Darin ist B. einsame Spitze. Mit ihr gehe ich total gerne an Konzerte. Wir haben einen sehr ähnlichen Geschmack (Musik, Männer und so weiter) und können uns gemeinsam so richtig hemmungslos auf die Musik und das ganze Drumrum einlassen.

Als Ochsners loslegten, löste ich mich schon bald in jenen Zustand glückseliger Entspannung auf, gefördert durch ansonsten eher unangenehme Grenzerfahrungen wie überdurchschnittlicher Lautstärkepegel und Enge. Doch das muss hier einfach so sein.

Patenter Sound zum Mitsingen – JeKaMi … Jed/r kann mitmachen 🙂

Da die Ochsen schon bald 20 Jahre im Buisness sind, ist das Publikum immer sehr altersheterogen. Die zwei niedlichen Mädels um die zwanzig neben mir, ob sie die Musik wohl schon im Tragetuch auf Mamas Rücken mitgekriegt haben? Und hintendran die Dame im Deuxpièce, welche Verbindung sie wohl hat? Egal! Ist doch geil, das wir alle – wenn auch befristet – gleich schwingen … Dieses Gefühl von Familientreffen stellt sich bei mir jeweils kurz nach den ersten Songs ein. I love it!

Bereits am 28. März, nach meinem letzten Ochsner-Konzert im Bierhübeli, schrieb ich in mein Internettagebuch:

Ist es die Authentizität dieser Band? Sind es Sprachwitz, Übermut, Humor, gepaart mit Bünes kritischem Blick auf die Mitwelt … Sind es die Texte, die Kompositionen?
Ja, das alles, von allem etwas. Aber noch mehr ist es wohl die Begeisterung, mit der Ochsners, vorab Büne, ihre Musik performen. Begeisterung, die echt ist, nicht frei von Selbstzweifeln, so urmenschlich. Auch ist das alles, wie überall, mehr als die Summe der einzelnen Teile. Vielleicht schafft Büne durch seine Natürlichkeit für mich, für seine Fans, eine Identifikationsfläche? Brauche ich Helden?
Lacht ruhig, aber für mich ist so ein Gig mit Ochsners eine geradezu „heilige Handlung“. Ich werde dabei ganz mich, ganz Körper, ganz Stimme, ganz Schwingung, ganz Lachen und ganz Genuss. Ganz Gegenwart. Was will ich mehr und was gibt es Heiligeres?
(Quelle: http://www.lebenswertvoll.ch/Janaluna/Janalunas%20Internet-Tagebuch09_1.html)

Schön, B., dass wir mal wieder gemeinsam das Leben feiern konnten! S’fägt mega mit dir!
Die Nacht war zwar kurz, doch es hat sich gelohnt!

Wie sang doch Büne? „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da …“ (Coversong, von Theo Makeben, neuinterpretiert)

verlinkt …

Meine grösste Ressource, sagte ich neulich zu meinem Scheff, ist, dass ich das Leben als Netz betrachte. Und dass ich das schon immer konnte. Ich nehme das Leben, Sicht- und Unsichtbares, so wahr, dass alles miteinander verbunden ist. Alles ist verwandt, sagen die Lakota und auch die Quantenphysikerinnen haben es bewiesen.

Dieses Wissen als Ressource zu betrachten – was übrigens allen möglich ist – , hilft mir, was immer geschieht, zu relativieren. Das ist der rote Faden meines Lebens, das ist der rote Faden meiner Schreibe, und es ist auch der rote Faden in all meinen Beziehungen.

Der gestrige Abend – will heissen, die gestrige Nacht  – mit U. hat mir mal wieder gezeigt, wie vielschichtig und vernetzt die menschliche Kommunikation ist:
Da erzählt U. zum Beispiel eine Episode aus ihrem Alltag.  Ich greife einen Zipfel ihres Erlebens und spinne weiter, indem ich meinerseits eine Episode erzähle. Zur Illustration, dass ich – zumindest ansatzweise – verstehe, was sie erzählt hat und was sie meinen könnte. So mäandern wir erzählend durch die Höhen und Tiefen unserer Biografien. Malen WortBilder, teilen Erlebtes, Gefühltes … und unterbrechen uns selber immer wieder: He! Ich wollte doch eigentlich erzählen, wie ich damals … und jetzt erzähle ich dir was ganz anderes! Immer wieder gackern wir herzhaft, während sich die Weinflasche leert sich und die Minuten ohne unser Zutun versickern. Erstaunlich, wie universell die Geschichten sind, die das Leben schreibt – meine, deine, ihre, seine. Wie sie resonieren, wie sie im Gegenüber neue Links öffnen und wie wir erzählend auf den Wellen der Ewigkeit surfen.

Und dabei doch absolut gegenwärtig sind … Jetzt.

Und jetzt freue ich mich darauf, heute Abend mit B. die Ochsen zu erleben …

Bittebitte Büne, sing Angelina. Für mich. Das Lied für deinen Schutzengel berührt mich jedes Mal von neuem. Live habe ich es noch nie gehört … höchste Zeit!

Zitat aus einem Interview mit Büne Huber von Patrick Holenstein.
Ich möchte auf einige Songs eingehen. Angelina ist eine typische Ochsnerballade. Der Text klingt, als wäre sie die Mutter im Kontext der Platte oder eine Geliebte. Wie ist es wirklich und gibt es eine reale Angelina?

Es ist das Konzept des Schutzengels. Das ist das Bild, welches bei Angelina im Vordergrund steht. Ich kenne das aus Gesprächen mit vielen anderen Menschen, die in irgendeiner Form künstlerisch tätig sind, dass immer eine Angst im Raum steht. Die Angst, dass die tiefe Verbindung, der feine Faden mit einer seelischen Welt, mit etwas Spirituellem, und ich meine spirituell nicht im Sinne von Religion, das hat nichts mit der Kirche zu tun, sondern mit der spirituellen Welt, dass dieser Faden verloren geht. Man hat unter Umständen Angst, wenn du am Arbeiten bist, beschleicht dich das Gefühl, du würdest nur Mist bauen und es kommt nicht an den Punkt, an dem ich es mir wünsche. Oder ich misstraue meinen Kräften oder Visionen, ich misstraue meinen Eindrücken, die ich von etwas habe, geschweige denn, ich kann sie gar nicht umsetzen. Das ist ungefähr diese Ecke, die Angelina stark geprägt hat. (Quelle: http://www.students.ch/magazin/details/8618/Interview-mit-Buene-Huber-von-Patent-Ochsner)

Plastikschulden

Sind Bremsklötze Warnungen des Schicksals oder sind sie Tests, um zu gucken, wie mutig und zielstrebig wir sind? Oder weder noch? Mit der Absicht, einen ultraleichten und dennoch superwarmen Schlafsack zu kaufen, der notabene nicht mumienförmig, sondern eine Decke ist und auf der Innenseite einen Baumwollbezug hat und unter hundert Franken kostet, ging ich in die Stadt. Und den Flug nach Göteborg wollte ich auch endlich buchen. Möglichst billig. Online braucht es offensichtlich inzwischen überall Kreditkarte. Ein Mensch ohne Schuldenkarte ist nur ein halber Mensch, scheint es mir.

Für meinen letzten Flug lieh ich mir das Teil aus. Dass ich solche Transaktionen nicht wirklich gerne mache, versteht sich. Weshalb ich nun, schweren Herzens, beschlossen habe, mir endlich auch eins anzuschaffen. Und darum heute Nachmittag meine nette Hausbank aufsuchte und den Antrag einreichte. Für eine Prepaid-Karte, die ähnlich wie mein Handy, nur solange benützt werden kann, wie es Geld drauf hat. Doch dieses Plastik werde ich weder morgen noch übermorgen in Händen halten. Frühestens in zehn Tagen. Und bis dann wird mein favorisierter Flug (Genf-Brüssel-Göteborg) wohl noch mehr kosten.  Oder ausgebucht sein. Mit jedem Tag wird er teurer. Im Reisebüro erfuhr ich, dass er samt Reisebüro-Aufpreis schon mehr als sechshundert Franken kostet. Tja. Weder Schlafsack noch Flugbuchung konnte ich abhaken. Und meine gute Laune, die ich am Vormittag gehabt hatte, schmolz von Geschäft zu Geschäft. Endlich zuhause war sie total im Eimer.

Zum Glück ist Wochenende. Und ich hab ein paar kuhle Dinge vor. Morgen Abend Besuch von U. Moosfrau auf Durchreise aus dem Schwarzwald. Und am Samstag die Ochsen live. Aarberg Open Air, wir kommen.

Da von meinen Freundinnen und Freunden meines Wissens niemand eine Kreditkarte hat, suche ich nun im Internet einen Weg, den Flug via Rechnung buchen zu können. *suchmoduseinschalt* … Das muss doch irgendwie möglich sein!!! Sonst muss ich doch ins Reisebüro und die Mehrkosten zahlen. Oder jemanden mit Kreditkarte finden …

Als hätte ich nicht schon genug um die Ohren! Die Recherchen für die nächsten drei Spuren-Artikel sind am Laufen. Dazu morgen Nachmittag ein Brainstorming mit Pfarrer H., der mich eingeladen hat, an einem literarischen Gottesdienst, einige Texte zum Themenumfeld „Saat, Ernte“ beizusteuern. (Ooops, Sofasophia und die Kirche? Kann das gut gehen?)

***

>>> Später. Geschafft! Ich habe! Meinen Flug! Auf Rechnung gebucht! Yes, I can!

***

>>>>>>>>> Nochmals eine Stunde später. Mein Gleichgewicht ist wieder hergestellt. Wald. Rennen. Mein Paradies. Ganz nahe. Und ganz und gar ohne Bremsklötze. Glück pur.

grenzenlos …

… süchtig bin ich. Nach bloggen. Das Wissen um mein Blog lässt mich anders sehen, denken, erleben. Alles bekommt einen anderen Geruch, eine andere Farbe, ein anderes Gewicht. Ob das anderen NeoBloggerInnen wohl auch so geht? Diese Sucht, laut, will heissen schreibend, zu denken.

Mit dem Schreiben ist es bei mir ja eh so, dass ich es brauche, um den inneren Wahrnehmungsstau abzuleiten, den inneren Input-Überdruck umzulagern, den inneren Überschuss/Überfluss auszupressen. Ein ähnlicher Effekt, wie die fünf bis zehn Sonnengrüsse (Mondgrüsse) die ich – um besser schlafen zu können – abends auf die Matte lege. Ich muss regelmässig die Batterie leeren …

Habe ich zu viel Power? Zu viel Energie? Oder ist es bloss wegen des  Überschusses an Cortisol, jenem körpereigenem Hormon, das Menschen wie ich langsamer abbauen? Und die deshalb immer leicht auf Speed sind?

Heute Nachmittag habe ich mal wieder tausend Sachen erledigt, obwohl ich eigentlich baden gehen wollte. An den Gerzensee. Egal, dass ich dafür das Auto nehmen muss. Ich will dahin! Genau DA hin! Das brauche ich heute. Die Sehnsucht nach dem erfrischenden Bad im See braute sich im gleichen Rhythmus wie die Gewitterwolken zusammen. Als ich endlich alles erledigen hatte, was ich erledigen zu müssen geglaubt hatte, war es schon halb sechs. Der Himmel verkündete Regen. Neineinein!, trotzte ich. Ich will baden. Im Gerzensee. Ich muss!!! Ich gehe!!!

Ich packte mein Badezöix und setzte mich ins frisch vergoldete Sternchen, das mich durch die wunderbare Landschaft des Aaretals fuhr. Herrlich.
Ich liebe Gewitterstimmungen.
Ich liebe diese Gegend.
Ich liebe es, laut Musik zu hören und über Land zu fahren.
Hach. Surreale Farben. Das Grün der Bäume grünggraugelb. Der Himmel voller Wolkenvieh. Der See – nein, weder Wörter- noch Wörthersee! – hatte seine Gewitterdusche bereits hinter sich und der Himmel über mir war bereits wieder klar!

Jaaaaaaaaaa! (… mehr dazu sagen kann ich nicht …)

Auf dem Rückweg zum Parkplatz ging ich wie immer am Sportplatz vorbei. Die Kids trainierten Fussball und Unihockey. Direkt neben dem Friedhof. Die Coaches ermutigen die Kleinen: „Ned stahbliebe! Seckle, die Rote! … Ball abgeh, Sven! … Ned alles eleini mache! S‘ Goal isch offe, Jungs!“ Was da alles an Lebensweisheit drin steckt! 🙂 Neben dem Friedhof. Und so.

Warum ich bloss diesen doofen Spruch „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ derart verinnerlicht habe, dass ich mir nicht erlaube, hin und wieder alles liegen zu lassen? Ich hätte früher gehen, länger bleiben sollen. Hätte! Denn die Unruhe hat im und am Wasser schlagartig nachgelassen.

Auf dem Rücken schwimmen. Die Ohren unter Wasser. Den Himmel über mir.
Sehen. Riechen. Lauschen. Eins sein.
Mein ganz persönliches Paradies.

unmöglich

Unmöglich, ich werde es wohl nie schaffen, mit Rauchen aufzuhören!, sagte ich. Glaubte ich. Noch vor ein paar Monaten. Auch war ich nicht wirklich motiviert. Doch dann, ganz allmählich, schlich sich dieses „Bäh“-Gefühl an, wann immer ich rauchte. Ähnlich der Gehirnwäsche, die irgendwann dazu beigetragen hat, dass ich damals und immer wieder mit Rauchen angefangen hatte („es schmeckt mir eben!“), erlebte ich die Gehirnwäsche in die andere Richtung. Bäh. Nein, militante Nichtraucherin bin ich nicht. Will ich nicht werden. Zu gut weiss ich noch, wie entspannend so ein Glimmstängel sein kann. Und ob ich es auf die Länge ohne Zigis schaffe, weiss ich nicht. Vielleicht fange ich ja zum Beispiel mit 80 wieder an?

Doch unmöglich sind noch ganz andere Dinge. Unmöglich für die Nerven zum Beispiel. Eine Vorhangschiene nervte mich, seit ich hier eingezogen bin, jeden Morgen und jeden Abend. Da, wo die zwei Schienen meines breiten Wohnzimmerfensters zusammentreffen, hängt die eine Schiene ein klitzekleines Bisschen, nicht mal einen Millimeter, tiefer herunter als die andere und behindert durch dieses minime Vorstehen die Vorhanggleiter, wenn ich die Vorhänge zu- oder aufziehe. Was ich schon alles versucht habe! Die Schiene mit Maler-Abdeckband hoch zu kleben, hat bis jetzt am besten funktioniert. Nur dass das Band mit der Zeit erlahmt. Und ich von neuem basteln muss. Bis neulich.
Nach vier Jahren Ärger entdeckte ich endlich, dass die Gleiter nicht tagtäglich an der vorstehenden Schiene hängengeblieben sind, sondern … Nein, es ist zu peinlich, zumal ich ja ansonsten keine zwei linken Hände habe.
Also gut … ich erzähl es ja … Na ja, da war diese klitzekleine lockere Schraube. Und diese musste ich eben bloss ganz fest zudrehen. That’s it! Jetzt hängt die Schiene nicht mehr runter, die Schraube blockiert die Gleiter nicht mehr und ich … ich ärgere mich nicht mehr und denke an Joggeli, der zum Birnenschütteln geschickt wurde. Wie einfach doch gewisse, scheinbar unmögliche Probleme zu lösen sind.

Unmöglich!, sagte ich in einer Diskussion über Bewegung, ich nicht! Ich bin nicht der Typ Mensch, der zusätzlich Sport braucht. Ich bewege mich im Alltag genug. Ich fahre mit dem Rad zur Arbeit. Ich spaziere viel, schwimme, wandere. Das reicht mir! Als ich vor bald drei Monaten aufgehört habe zu rauchen, begann die Lust nach Bewegung zu wachsen. Und heute? Heute werde ich kribbelig, wenn ich zwei Tage nicht joggen gegangen bin. Waaas? Ich?

Unmöglich! Unmöglich???

Ich glaube wieder an Möglichkeiten. Ein kleines Credo.

Mein Sommernachtstraum

Nachts am See. Schwimmende Wörter. Ungebunden. Ohne Satzzeichen. All die unzähligen Wörter all meiner Geschichten. Der geschriebenen ebenso wie der ungeschriebenen. Die bereits geschriebenen haben sich aus dem Korsett der Sätze herausgepult. Für ein paar Stunden im See. So viele, so viele.

Ich stehe am Ufer und ziehe spielerisch das eine oder andere Wort heraus. Ich halte jedes kurz fest, betrachte es und werfe es anschliessend in den kühlen See zurück. Einige wenige, die mir ihr Einverständnis geben, behalte ich. Sammle. Verdichte. Dichte. Dichte ein. Schichte. Schichte um. Verdichte noch mehr. Werfe noch mehr Wörter in den See zurück.

Endlich ist da nur noch ein einziger Satz. Ein Satz für jede Geschichte, die ich je geschrieben habe, schreibe, schreiben werde. Je ein Satz. Der immer schon da war. Nein, ich habe sie nicht bemerkt, diese Sätze. Sie waren immer schon da. Sind mir immer schon gefolgt. Haben sich an meine Fersen geheftet. Sind mir immer treu geblieben. Immer und immer schon. Endlich haben ich euch gesehen. Schade, dass es so dunkel war. Nachts am See.

Pätschwörkzöix

Früh (!!!) morgens auf dem Weg zum Bahnhof hat mein mp3-Player lauter Liebeslieder ausgespuckt. Hoppla.

Alles ist möglich, dachte ich. Jeder Tag besteht aus unzähligen Möglichkeiten. Jeden Morgen bin ich eine leere, weisse Seite. Doch der Rahmen des heutigen war vorgegeben: Tagung zum Thema „Empowerment“ in Zürich. Den Rahmen jedoch, oder die Stimmung darin, kann ich selber füllen. Kann mich öffnen oder verschliessen. Leben heisst in Beziehung treten. Heisst ziehen – aneinander. An mir. Schleifen, reiben, formen, Ab- und Eindrücke hinterlassen. Und sammeln.

Bilder sammeln zum Beispiel. Schreiben ist wie fotografieren. Nur authentischer. Oder weniger? Denn „Schreiben hinkt der Empfindung immer hintennach, kommt immer zu spät“, wie Rébecca gestern kommentiert hat. Wie sich das Hintennachhinken auf die Authentizität auswirkt, ist wohl von Fall zu Fall verschieden.

Nach der Tagung im Volkshaus gabs Apéro im Kanzlei (Park).  Bier. Wein. Geplapper. Habe mich – nach einer halben Stunde Small- & Mediumtalk – aus dem Staub gemacht. Im Tram zum Bahnhof fotograschriebt. Menschen sehen, hören, riechen. Lärm. Farben. Sprachen. Hitze. Schweiss. Noch mehr Lärm. (Kann mir jemand verraten, warum wir so viel Lärm machen? Ist das so ähnlich wie das Pinkeln der Hunde??? Und, ähm, bin ich auch so laut??????)

Dann Ruhe. Endlich. Raum. Ein Viererabteil für mich. Für zehn Sekunden. Eine schwangere Frau setzt sich zu mir hin. Sympathisch. Gut. Bitte sonst niemand mehr. Jaaa. Sehr gut. Im Abteil nebenan eine französisch sprechende Frau, blind, mit Sohnemann (ca. 5). Ein Schwarzer setzt sich zu ihnen. Angeregte Gespräche. Diskrete Lautstärke. Ob die blinde Frau genauso unbefangen mit dem Mann sprechen würde, wüsste sie seine Hautfarbe? Und ich?

Idealerweise vergänglich …

beeri_small

Das Schöne am Leben ist: Alles ist vergänglich, auch Schwieriges.
Das Schwierige am Leben ist: Alles ist vergänglich auch Schönes.
(Zitat K. R.-W.)

Wie recht sie hat, meine Freundin K.

Und auch Ingo Schulze gebe ich Recht:

Das Ideal wäre, in Echtzeit zu schreiben, also über den Augenblick, den ich gerade erlebe.
(Mehr dazu unter: http://www.federwelt.de/)

Dennoch frage ich mich, ob ich gleichzeitig  erleben, wahrnehmen und unmittelbar darüber schreiben kann … jedenfalls etwas, das sich zu erzählen lohnt …? Interessiert es denn jemanden, was ich genau jetzt wahrnehme? (Beispielsweise, dass mein Po von der Fahrradtour schmerzt und dass ich das Licht anmachen sollte … )

Bleibt Schreiben – und jede andere Form von Ausdruck – letztlich nicht immer ein unvollkommener Versuch, Wahrgenommenes abzubilden um sich selber sichtbar zu machen, darzustellen?

Ist es Leerlauf, Mauldünnschiss oder was, dass jede und jeder über sich reden/schreiben will und muss? Da muss mehr dahinter stecken! Reagieren wir so auf eine gesellschaftliche Leere und Beziehungslosigkeit? Denn als eine der zentralsten Begründungen für dieses Bedürfnis sehe ich, zumindest für mich, den Wunsch danach, verstanden zu werden.

„Hallo, ihr da draussen: Hört ihr mich? Geht es euch auch so, wie ich es hier schreibe (oder singe oder male)? Versteht ihr mich?“

Möglicherweise meint Selbstdarstellung den Beginn eines Dialogs, denn jede Selbstdarstellung hat zwei Seiten. Neben der sich selber sichtbar machenden Person ist da ja auch jene Person, die die Darstellung betrachtet, liest, zur Kenntnis nimmt. Das DU!* Ein zweites wichtiges Bedürfnis hinter der Selbstdarstellung habe ich nun nebenbei erwähnt: Sich sichtbar machen. Möglicherweise anonym oder aber ganz offiziell, mit Namen und allem. Aus dem initiierten Monolg soll durch Resonanz ein Dialog entstehen, denn was nützt die schönste Selbstdarstellung ohne Publikum? (Ja, ich folgere hier, dass Publikum für Resonanz und Dialog steht!)

(Wir) ExhibitionistInnen brauchen Voyeure wie Hühner ihre Eier, auch wenn noch immer nicht klar ist, was zuerst war. Die Betrachtenden sollen der sich selber darstellenden Person rückmelden, dass sie sich in der Darstellung wiedererkennen, sie sollen ihr danken, sie sollen ihr applaudieren! WinWin-Symbiose der besten Art**, da wir alle möglicherweise auch das Bedürfnis haben, andere zu bewundern***? Sag, was mag wohl sonst noch hinter dem Bedürfnis stehen, jemanden, der sich darstellt, zu betrachten? Da ich aus eigenem Erleben beides kenne und praktiziere, kann ich nur von mir aus gehen: Ich will mich im Erleben eines anderen Menschen und im Lesen einer anderen Geschichte wiedererkennen, mich in meiner Art zu leben, zu denken, zu fühlen bestätigt fühlen: „Ich bin normal!“ denken nach dem Lesen, oder: „Ach so! Andere sind als auch so schräg!“

Natürlich lässt sich dieses Thema nicht abschliessend diskutieren, doch die Essenz hinter den Bedürfnissen beider Seiten, oder, um es globaler auszudrücken, das Grundbedürfnis hinter all unserem Tun und Lassen, scheint einmal mehr der Wunsch nach Gemeinschaft zu sein. Nach Beziehung. Nach Anerkennung und Liebe. Oderrr?

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* Person kommt von per sonare, was so viel heisst, das etwas in etwas anderem nachklingt, soniert eben
**   Art = Kunst?!
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Diesen Aspekt der menschlichen Bedürfnisse und Bedürftigkeiten ins Absurde zu führen, überlasse ich dir selber!

(Selbstzitat: 16.11.08, Internettagebuch)