Vorsätze und Sehnsüchte

Die Vorsätze waren ziemlich gut gewesen. Endlich wieder fiktiv schreiben wollte ich. Mehr jedenfalls. Geschichten. Weil ich mich nach diesem Erlebnis sehnte, hatte ich mir sogar extra ein Spiel ausgedacht. Ich hatte richtig was vor. Ich hätte Spaß haben können. Aber nein. Der Alltag kam dazwischen. Es will nicht so recht fließen, das fiktive Schreiben. Überhaupt ist alles verlangsamt. Und ich mir hinterher. Da ist gerade so ein großes Viel-zu-Viel in mir, so ein Lärm, so ein Überfließen, dazu das wieder schriller gewordene Geläute vom Tinnitus obendrauf. Doch weil es mir ja immer noch schlechter gehen könnte – und weil es mir schon wirklich deutlich schlechter gegangen ist –, sage ich auf Nachfrage: Es geht mir oke. Dabei halte ich es im Grunde schlecht aus, dieses Aushalten, Ausharren, Warten. Auf andere Zeiten. Nein, nicht das Normal von vorher. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis Corona uns nicht mehr so sehr gefährdet wie jetzt. Noch ist erst ein kleiner Teil der Bevölkerung immun, die Kurve ist zwar flacher geworden, zum Glück, aber die Gefahr ist noch lange nicht gebannt. Ein Narr, wer das behauptet. Es ist schwierig. Für alle. Für manche mehr, für andere weniger. Aber auch für die, denen es leichter fällt als anderen, ist dies nicht die Zeit für Leichtsinn. Es tut mir weh, wenn ich Menschen zuhöre oder sehe, wie sie die Pandemie klein reden. Menschen, die so zu tun, als sei alles nur halb so schlimm, als wären die Maßnahmen übertrieben, nur weil sie selbst nicht direkt betroffen sind und weil sie niemanden kennen, der schon Corona hatte und es überlebte oder – wahlweise – daran (fast) gestorben ist. Wie kann man so egoistisch sein? Das macht mich wütend. Aber vielleicht verbirgt sich hinter ihr ja auch nur meine Angst, dass diese aus meiner Sicht leichtsinnigen Menschen an Corona sterben könnten? So oder so. Das hier ist die hohe Zeit der Absurditäten, der Über- und Unterreaktionen. Vernüftig geht anders. Wie gesagt, ich finde die Maßnahmen unserer Regierungen grundsätzlich in Ordnung. Die Pandemie ist mit größtem Respekt zu behandeln, keine Frage. Es hapert allerdings jen- und diesseits von Landesgrenzen immer wieder beim Herunterbrechen der Beschlüsse in den Alltag. Wo ich hinschaue, sehe ich fragende Gesichter. Ja, auch ich habe Fragen: Warum  zum Beispiel dürfen sich binationale Paare ohne Trauschein nicht treffen, während es solche mit Trauschein inzwischen (via BaWü) dürfen? Die beiderseitige Ansteckungsgefahr zwischen Paaren ist doch mit Grenze nicht größer als ohne, und so ein Trauschein macht ja auch nicht covidimmun so viel ich weiß? Kann mir das bitte jemand erklären, lieber Bundesregierungen? Eine internationale Petition läuft übrigens seit einer Weile, und wie gesagt, können sich binational Verheiratete zumindest in der Schweiz wieder treffen. Na also. Geht doch. Aber warum, zum Geier, gilt diese Regel nur für Angetraute? Wie wäre es, wenn Paare an der Grenze zum Beispiel mittels einer Liste mit Referenzpersonen drauf –  die Hausärztin von mir aus oder sonstwie Bekannte – nachweisen, dass sie tatsächlich jenseits der Grenzen einen Liebsten, eine Liebste haben? Und diese:n unter den üblichen Sicherheitsmaßnahmen, die im jeweiligen und im eigenen Land gelten, besuchen dürfen? Heute ist Tag 39 ohne den Liebsten. Ich finde, das reicht. Wir leben seit Wochen in sorgfältiger Selbstquarantäne und werden das auch weiterhin tun. Weil es sinnvoll ist. Aber ohne einander? Dafür fehlt mir das Verständnis.

Im Rückspiegel | Bern-Andorra-Bern im Mai 2010

Es war einmal … vor langer, langer Zeit. Na ja, zehn Jahre? Ist das nun lang oder war das eben erst?

Es war jedenfalls unser allererstes gemeinsames Blogprojekt, das Irgendlink und ich zusammen auf die Welt gebracht hatten. Er radelnderweise, ich bloggenderweise.

Irgendlink auf Fotopirsch im Schilf vor einem Boot im See
Irgendlink auf Fotopirsch

Dazu muss man wissen, dass vor zehn Jahren die Smartphonologie noch in den vielzitierten Kinderschuhen steckte. Ob es androide Smartphones schon gab, weiß ich nicht mehr so genau, nur dass sich Irgendlink ein nigelnagelneues iPhone 3S zusammengespart hatte. Und zwar nicht einfach für einfach so. In seinem visionsbegabten Gehirn hatte sich, nachdem er wenige Wochen zuvor das ebenso nigelnagelneue iPhone 3S seines guten Freundes Journalist F. angefasst hatte, eine Idee zu manifestieren begonnen:

Sollte es, angetan mit einem solch gps-fähigen, vielseitig begabten Gerät nicht eigentlich möglich sein, hinaus in die Welt zu radeln, Bilder mit bildstandortgetreuen Koordinaten zu machen, diese und vielleicht so gar den einen oder anderen Text via Blog in die Welt hinauszuschicken und dabei sein Radelreiseabenteuer zeitnah abzubilden?

Ich sag nur: iPhones und ihr Kontaktgift! Hast du je eins berührt, sehnst du dich danach, das immer wieder tun zu dürfen. So jedenfalls ging seine Mär, die er sich und uns anderen erzählte, um seinen Kauf zu rechtfertigen. Als das Gerät schließlich seins war, fing die Suche nach einer fähigen App an, einer, die die Bloggerei von unterwegs ermöglichte. Leider war im Frühling 2010 noch keine auf dem Markt, die Irgendlinks Ansprüchen halbwegs genügte, die WordPress-App gab es zwar schon, doch sie lief recht unzuverlässig und jedes Update war riskant und oft eher eine Verschlimmbesserung. Es ließ sich damals schon per Mail bloggen, was als Zwischenlösung sogar nicht mal so schlecht funktionierte. Weil beides nicht immer sehr zuverlässig war, baldowerten wir schließlich die Sache mit der Homebase – vormals (Blog-)Basis Alpha 1 – aus: Der radelnde Irgendlink würde mir im Laufe des Tages, wann immer er einen Hotspot, ein freies Netz oder auch nur ein gutgenuges Netz fände, einige Bilder des Tages schicken, und ich würde daheim, an meinem Rechner, täglich aus SMS und kleinen Mails  kleine Artikel spinnen. So würde die Welt das draußen schließlich seinem Abenteuer Zweibrücken-Andorra zeitnah folgen können.

  • Hier gehts los (Tag 0).
  • Ab hier (Tag 1) einfach immer zum nächsten Artikel der Andorrareise von 2010 weiterklicken. (Achtung: Parallel dazu läuft am Anfang noch der Rückblick auf den Reisebericht vom Jahr 2000*)

Dass es vor zehn Jahren noch kein freies europaweites Handynetz gab, muss natürlich hier unbedingt erwähnt werden. Jede SMS und jede Mail verursachte Kosten. Roaming war damals übrigens noch richtig teuer. Online-Anrufen übers Handy zwar möglich, aber übers Handynetz unerschwinglich, und oft genug wegen Lahmnetz unrealistisch. Kurz gesagt, waren meine damaligen Festnetztelefonrechnungen exorbitant hoch, zumal es in unseren Gesprächen nicht nur um die persönlichen Befindlichkeiten ging; ich musste ja den Reisenden schließlich auch zum Tag interviewen, um den Leserinnen und Lesern etwas zu erzählen zu haben.

Wie schon bei der initialen Reise Zweibrücken-Andorra im Jahre 20 vor Corona wollte Herr Irgendlink auch vor zehn Jahren eigentlich am liebsten gleich weiter nach Gibraltar radeln, kurz vor Andorra befand er jedoch, dass es mit Andorra gut sei und er sich gerne dort irgendwo abholen lassen würde. Unser schon von Anfang an mitgedachter ’Plan B’ kam nun also zum Tragen.

Kurzfristig reichte ich zehn Tage Ferien ein, – Auffahrt und Pfingsten lagen perfekt –, und fuhr innerhalb zwei Tagen über Nicht-Mautstrassen nach Borredà, wo Irgendlink mich an einer zuvor definierten Kreuzung erwartete. (Ich glaube, da kam mir mein GPS-Gerät, das ich mir einige Monate zuvor zwecks Geocaching angeschafft hatte, zugute, denn ich selbst hatte damals ja noch kein iPhone. Das Kontaktgift hatte allerdings seine Wirkung bereits entfaltet.)

Was für ein wunderbares Wiedersehen! Sein mit all den vielen wilden Zeltübernachtungen eingesparte Reisegeld hat Irgendlink in zwei Hotelnächte mit mir investiert.

Sein Reiserad passt geradeso in mein rotes Sternchen und von da an fahren wir gemeinsam auf vier Rädern weiter.

Das hinten offene Auto, Sternchen genannt, neben dem Zelt auf einer Zeltplatzwiese unter Bäumen
Auto und Zelt auf einer Zeltplatzwiese

Meine Reise und unsere gemeinsamen Tage habe ich damals – nachträglich von zuhause aus – in meinem Ur-Blog festgehalten:

Ich verlinke das hier mit Irgendlinks heutigem Blogartikel seines aktuellem Reiseprojekts, seiner dritten Reise von Zweibrücken nach Andorra, diesmal coronabedingt fiktiv, vom Schreibtischsessel aus. Neu radelt er diesmal sogar weiter von Andorra aus Richtung Atlantik.


*Für Reiseinteressierte: Ebenfalls im Irgendlink-Blog findet sich die von Irgendlink selbst fürs Blog aus analogen Vorlagen aufbereitete Zweibrücken-Andorra-Reise aus dem Jahre 20 vor Corona (= 2000): Teil 1 ist hier, von da aus weitergucken.)

Am Stöpsel ziehen

Logo aus Sprechblase und vier bunten Streifen
Erzähl-mir-eine-Geschichte-Logo von Lakritze (Klick aufs Bild öffnet den Link)

Sie taucht unter. Auch den Kopf. Die Geräusche verstummen. Nur den Herzschlag hört sie noch. Ihre Haare schwimmen an die Oberfläche, die Füße liegen auf dem Wasserhahn, denn nicht alles von ihr passt gleichzeitig in die Wanne. Ist Sehnsucht eigentlich eine Art Badezusatz, einer dieser unzähligen Kannst-du-haben-brauchst-du-aber-nicht-wirklich?, fragt sie sich, während sie die Luft anhält. Na ja, das hängt wohl davon ab, ob das Ziel einer Sehnsucht ein Geht-auch-Ohne ist oder ein Brauche-ich-Unbedingt. Und das lässt sich nun wirklich nicht verallgemeinern. Wirklich nicht. Sehnen und Fühlen und Wünschen lässt sich nicht über irgendwelche allgemein gültige Maßstäben definieren.

Sie taucht wieder auf. Holt tief Luft. Genießt die Sinnlosigkeit des Augenblicks. Ha. Als müsste alles immer einen Sinn haben. Also wirklich! Sie seufzt. Denn natürlich kennt sie selbst diesen Wunsch sehr gut, diese Sehnsucht, allem Schwierigen einen übergeordnete Sinn geben zu können, um die erlebte Mühsal durch Sinnhaftigkeit zu veredeln. Nachträglich Sinnloses als Sinnvolles betrachten zu können, alles Erlebte zu allem Gewesenen und noch Kommenden in Zusammenhang sehen zu können, um … Ja, wozu eigentlich? Vielleicht ist es ja unsere Fähigkeit zur Sehnsucht, die uns von Katzen unterscheidet, von Ratten, Hunden und Rehen. Sie lächelt vor sich hin und zieht am Stöpsel.

Gurgelnd fließt das Wasser ab. Sie duscht sich kurz ab, kalt, warm, wieder kalt. Wechseldusche halt. Tastet nach der Stange. Oh, nein, da fehlt ein Handtuch!, erkannte sie, als sie nach ihrem Wechselbad der Gefühle aus der Wanne stieg. Oh verflixt, ich habe kein Handtuch, lacht sie, denkt an die Vogonen und ist froh darüber, nicht in einem Raumschiff durchs All zu rasen, während sie im Schrank nach einem sauberen Tuch sucht. Wobei. Ist das hier nicht auch ein bisschen Raumschiff und All, diese Erde, diese Welt, diese Natur?

In ein kuscheliges Tuch gewickelt stellt sich ans Fenster und schaut hinaus. Rechts der Weg in den Wald. Vor ihr der See, glitzernd. Das kleine Ruderboot ist fest vertäut und schaukelt. Wie schön es da draußen gerade ist! Die Sonne wird bald untergehen, das Licht ist typisch für Herbst, die Schatten und das Licht lassen sie glauben, das alles sei für immer. Ewige Vergänglichkeit.

Alles ist Natur, denkt sie. Das alles. Leben. Die Katze auf dem Holzstapel, die sich im Sonnenlicht räkelt. Alles Natur. Werden und Vergehen. Alles Natur. Gesundsein und Kranksein. Sterben und Gesundwerden. Herbst und Frühling. Alles Natur. Ganz und gar unzynisch denkt sie es. Sie denkt es einfach. So, wie sie über Sehnsucht und Sinn nachgedacht hat.

Sie betrachtet die junge Linde, die sie vor einem Jahr auf der Wiese gepflanzt hat. Am Anfang hatte sie gleich daneben einen Stock als Stütze in den Boden gesteckt, doch bald gemerkt, dass ihre junge Linde keine Stütze brauchte. Bäume brauchen uns Menschen nicht, ich glaube, denkt sie, ich glaube, die sind sich einfach von Natur zugewandt, ohne sich gegenseitig zu brauchen. Jeder wächst für sich, selbst wenn sich ihre Wurzeln und vielleicht sogar ihre Stämme berühren.


Erwürfelter Halbsatz (mit zwei Würfeln): Fünf Augen = fünfte Kommentar-Antwort
Erwürfeltes Genre: Sechs Augen = Kurzgeschichte, Märchen oder Drama selbst gewählt: Kurzgeschichte

Das ist mein erster Beitrag zum Schreibspiel Gemeinsam Schreiben #1 (Infos)
Zugleich ist es mein erster Beitrag für Frau Lakritzes Projekt ’ Erzähl mir eine Geschichte’ (Klick aufs Bild öffnet den Link)

Gemeinsam schreiben | Die Schreibaktion #1

Bitte phantasiert im Kommentar eine zweite Satzhälfte zum Halbsatz unten.

Wenn schon bald ein paar tolle zweite Halbsätze in den Kommentaren stehen, greifen wir zu unsern Würfeln und legen los!

Die (Nicht-)Regeln dazu gibt es hier.

Mehr Infos zur Idee gibt es hier.

Bitte verlinke deine Geschichte oder dein Gedicht mit dem Artikel hier, so dass es unter den Kommentaren ein Pingback in den Kommentaren gibt und wir deine Geschichte oder dein Gedicht mitbekomme.

Der heutige Halbsatz* lautet:

Da fehlt ein Handtuch, erkannte er …

*entstanden, in dem ich ein Buch aufklappte, ein paar Wörter auswählte und daraus einen Halbsatz mixte.

Gemeinsam schreiben | Das Experiment

Meine Idee ist, wie gesagt, ein kleiner Mix aus anderen Schreibkollaborationen. Meine persönliche Motivation ist es, meine verlorene Schreiblust wiederzufinden und wieder kleine oder größere Geschichten zu schreiben.

Und du? Wie sieht es bei dir aus? Machst du mit?

Mehr Infos zur Idee gibt es hier.

Die Idee:

1.) Im folgenden Blogartikel steht ein initialer Halbsatz. Ich öffne die Kommentarfunktion darunter, damit ihr den Halbsatz nach Lust und Laune ergänzen könnt.

2.) Sobald einige spannende Halbsätze eingetroffen sein werde, entscheide ich mich per Lust oder Los für einen und schreibe dazu im ausgelosten oder erwürfelten Genre* (siehe unten) – oder in jenem, auf das ich gerade Lust habe – die Geschichte oder das Gedicht weiter. Was immer mir dazu einfällt. Der zweiteilige Satz kann – muss aber nicht – am Anfang stehen, er darf überall stehen, mittendrin oder am Schluss, auseinanderdividiert oder wie immer es passt. (Diese Nicht-Regeln hier sind nur als Inspiration gedacht.)

3.) Damit ich nicht die Einzige bin, die Schreibspaß haben wird, bist du herzlich eingeladen, mitmachen. (Wer kein eigenes Blog hat, mailt mir ihre_seine Geschichte und ich publiziere sie dann bei mir.)

Ich lade euch hier auch herzlich dazu ein, eure Geschichten mit Lakritzes Geschichten-Artikel zu verlinken und  sie mit dem eigens von ihr kreierten, wunderschönen Logo illustrieren.

 

 

 

*Einige Genres und Subgenres zur Auswahl, zum Auslosen, zum Erwürfeln wie du magst:

  1. Aufsatz/Essay
  2. (Corona-)Tagebuch
  3. Roman
  4. Kriminalroman
  5. Novelle
  6. Kurzgeschichte
  7. Mythos/Legende
  8. Fabel
  9. Science Fiction
  10. Erzählung
  11. Schelmenroman
  12. Märchen
  13. Witz
  14. Haiku, Elfchen oder ähnliches
  15. Lied/Ballade
  16. Lyrik
  17. Epos
  18. Drama
  19. Komödie

Würfle ich eine 1, wähle ich aus zwischen 1, 7, 13 oder 19.
Würfle ich eine 2, wähle ich aus zwischen 2, 8 oder 14.
Würfle ich eine 3, wähle ich aus zwischen 3, 9 oder 15.
Würfle ich eine 4, wähle ich aus zwischen 4, 10 oder 16.
Würfle ich eine 5, wähle ich aus zwischen 5, 11 oder 17.
Würfle ich eine 6, wähle ich aus zwischen 6, 12 oder 18.

Zum Beispiel. Oder anders.
Du hast die Wahl.

Zum ersten Halbsatz geht es hier lang.

Gemeinsam schreiben | Die Idee

Es ist höchste Zeit für neue Geschichten, denke ich zurzeit ziemlich oft. Gestern, als ich in Teil 9 von Juttas Schreibkurs über das Pingpong-Texten las, bekam ich Lust auf Neuland – wenigstens vom Schreibtisch aus. Ich dachte mir etwa aus, etwas für uns alle. Etwas Gemeinsames. Denn kollaboratives Schreiben mochte ich immer schon, es ist inspirierend und tut der Seele gut.

Gemeinsame Schreibprojekte gibt es viele. Ich kenne einige. So etwas Ähnliches wie das Halbsätze-Pingpong, das Jutta im erwähnten Text beschreibt, praktizieren zum Beispiel meine Blognachbar:innen Susanne Haun und Jürgen Küster sowie  Ulli Gau und Gerda Kazakou. Ach, und dann gibt es da ja auch noch die abc.Étüden, wie diese feinen Text-Miniaturen aus vorher definierten Wortspenden genannt werden.

Frau Lakritze hat neulich ebenfalls zum Geschichtenschreiben aufgerufen. Unter ’Erzähl mir eine Geschichte!’ hat sie einen ersten feinen Schritt getan. Und dazu auch gleich ein schönes Logo kreiert. Ebenfalls bei Lakritze gibts übrigens auch immer wieder tolle Freitagstexter-Bilder. Dabei handelt es sich um Bilder, die ohne Titel eingestellt werden, um – darum geht es in diesem Spiel – möglichst sinnig betitelt zu werden. Die für am originellsten befundene Titelspende wird wöchentlich mit einem Wanderpokal honoriert, der wie ein Stafettenlauf-Stab weitergereicht wird. Auf dass das Spiel von Neuem beginne.

So viele wunderbare Projekte und Ideen! Alle dazu da, uns zu inspirieren, uns zu animieren, über den Tellerrand zu schauen und neue Schreibabenteuer zu wagen.

Mein eigenes neues Schreibexperiment, das von all den genannten Ideen eine Prise oder zwei Löffel voll enthält, möge uns allen viel Spaß machen.

Ich hoffe, dass es uns hilft, die momentan schwierige Situation um uns herum besser auszuhalten. Und vielleicht sogar dazu dienen, die Situation für uns – zumindest ’inn-wändig’ –zu wandeln. 

Sei dabei!

Fortsetzung folgt.


Die (Nicht-)Regeln dazu gibt es hier.

Zum ersten Halbsatz geht es hier lang.

Was gut tut

Die Buddenbohms fragten jüngst in ihrem Blog nach unseren Rettungsschirmchen, die uns durch diese Tage helfen. Tage, die für viele schwierig, für manche sehr schwierig und für fast niemanden, den ich kenne, leicht sind.

Mein Rettungsschirmchen ist neben Chats mit lieben Menschen alles, was den Sinnen gut tut. Die Stille der Natur. Spaziergänge, am liebsten durch den nahen Wald. Bärlauch ernten. Daheim helfen mir Malen. Nähen. Lesen. Und Kochen, ja, definitiv auch Kochen. Leider zurzeit ohne den Liebsten, die Grenzen sind noch immer geschlossen.

Gestern habe ich den Rest meiner Bärlauchernte vom Wochenende verarbeitet. Eine grüne Lasagne kam dabei heraus.

Meine Lasagnen werden immer wieder anders, denn ich koche sie nie nach Rezept, probiere immer wieder aus, was als Füllung auch noch funktionieren könnte, variiere bei den Zutaten und nehme das, was gerade im Haus ist. Gestern hatte ich Lust auf Zucchini, eins meiner Immer-da-Gemüse schlechthin.

Im folgenden Rezept stehen keine Mengenangaben. Aber vielleicht ist das ja umso inspirerender für jene, die auch mal etwas Neues ausprobieren wollen?

Mein Rezept ist vegetarisch, nicht vegan. Meine Béchamel habe ich zwar mit Reismilch, aber mit Käse gemacht. Eine vegane Version herauszufinden, stelle ich mir spannend vor.

Bildbeschreibung für Sehbeeinträchtigte: Auf den folgenden Bildern ist immer das zu sehen, was im Rezept steht, inklusive des jeweiligen Textes im Bild.

Hier nun mein Rezept ohne Mengenangaben

1.) Gratinform einfetten
2.) Mit wenig Salzwasser blanchierten Bärlauch in die Form geben

3.) Lasagneblätter auf den Bärlauch geben
(ja, das könnte Irgendlink schöner, nein, das schmeckt man nicht)

4.) Längs gehobelte und vorher kurz in Salzwasser gedämpfte Zucchini einschichten
(ja, das darfst du gerne schöner machen, natürlich!)

5.) Die Hälfte der vorbereiteten Béchamelsauce auf die Zucchini verteilen
(ja, es hat Klümpchen, nein, die schmeckt man nachher nicht)

6.) Lasagneblätter auf die Zucchini-Béchamel-Schicht geben

7.) Mit wenig Salzwasser blanchierten Bärlauch auf die Lasagneblätter geben und mit Lasagneblättern zudecken (ohne Bild)

+ Hier sich ein Bild denken +

8.) Längs gehobelte und vorher kurz in Salzwasser gedämpfte Zucchini einschichten
(ja, schöner ist natürlich schöner, schmeckt aber auch so sehr lecker)

9.) Letzte Schicht Lasagneblätter auf die Zucchini legen
(ja, da hab ich mir ein bisschen mehr Mühe gegeben, aber es waren ja auch nur noch zwei Lasagneblätter)

10.) Zweite Hälfte der Béchamelsauce darauf verteilen und mit Sbrinz oder Parmesan bestreuen
(na, Lust bekommen?)

11.) Im vorgeheizten Ofen gemäß Verpackungsangaben backen (bei mir 20 Minuten bei 220°)

Guten Appetit!


Gewidmet dem Liebsten, auf das wir schon bald wieder durch Wälder streifen können … und zusammen kochen!


EDIT:
Vegan wäre das hier dann zum Beispiel so realisierbar:

(Twitter ist manchmal schon wunderbar!)

Moment mal

Ist es egoistisch, besonders in Krisenzeiten gut zu sich zu schauen? Sich Gutes zu tun, sich kreativ zu betätigen, lesen, lachen, spielen und sich nicht ständig mit den neuesten Infos zur Krise auf dem Laufenden zu halten?

Zum einen ist da die zurzeit alle Kanäle erfüllende globale Krise, doch zum anderen sind da die ganz vielen, ganz persönlichen (und dennoch kollektiven) Krisenherde. Manche köcheln zum Glück nur auf kleiner Flamme, doch manche brodeln über. Die Isolation, die Quarantäne, die erzwungene Ruhe überfordert viele. Ruhe? Ja gern, aber dann lieber nicht mit solchen Vorzeichen und nicht unter diesen Umständen der Unfreiwilligkeit. Ich kenne niemanden, den oder die das alles kalt lässt, doch ich sehe je länger je mehr unterschiedliche Möglichkeiten, mit dem Virus und dem, was es anrichtet, umzugehen.

Über die Trauerphasen, die wir kollektiv durchschreiten, schrieb ich neulich schon. Selbst switche ich zwischen Wut und Akzeptanz. Und manchmal stampfe ich innerlich mit dem Fuß auf und will, dass alles wieder ist, wie …

Nein, Halt, vor der Krise war ja auch schon große Krise. Klimakrise. Die ist auch. Die ist nicht einfach weg, auch wenn Corona dem Klima gut tut. Auch sind da noch ein paar andere Krisen am Brodeln. Also bitte, nein, so wie vorher will ich es auch nicht, ich will es ’wie nachher’, ich will es anders, ich will es besser – für alle, nicht nur für ein paar wenige.

Ich will, dass wir als Gesellschaft aus dem, was jetzt unbefriedigend oder schlecht funktioniert – allem voran das Gesundheitswesen –, Lehren ziehen und die dann auch wirklich umsetzen. Im Großen ebenso wie im Kleinen. Ich will, dass man nicht nur jetzt auf Fachleute hört, sondern auch bei anderen Themen. Besonders in Sachen Klima.

Dass man jetzt, mitten in der Corona-Krise auf wissenschaftliche Fachleute hört, ihnen glaubt und ihren Rat befolgt, obwohl zu diesem Wissensbereich viel mehr Unsicherheit besteht als bei der viel besser erforschten Klimathematik, ist eigentlich verrückt. Denn das hier ist – jedenfalls in dieser Dimension – für die meisten Menschen Neuland.

Ich habe vor etwa einer Woche praktisch aufgehört, mich mit Zahlen und Statistiken verrückt zu machen. Alle paar Tage mal, das muss reichen. Ich will nicht abstumpfen, vor allem aber will ich nicht in Zahlen, sondern an Menschen denken und fühlen. Und daran ändern kann ich nichts.

Ich versuche besonnen zu bleiben. Manchmal kann ich der Angst in meiner Brust mit bewusstem Atmen punktuell Raum geben, sie anschauen, ihr zuhören, wenn sie mir mal wieder die Kehle zudrücken will. Ja, ich will ihr ins Gesicht schauen, aber Wohnrecht bekommt sie nicht. Auch versuche ich, die Verantwortung für die ganze Welt nicht allein zu tragen. (Wer ähnlich tickt wie ich, weiß, was ich meine.) Und ich versuche, aufrecht stehen zu bleiben. Mit beiden Füßen. Wie auf einem Seil. Auf einem Grat.

Uns fehle es an Visionen und Utopien, lese ich, wir lebten inmitten von Dystopien. Ja, ist wohl so.

Andere Frage: Wann hatten wir je eine bessere Gelegenheit dazu die Gesellschaft neu erfinden, wenn nicht jetzt? Ob wir sie nützen?

Schon vor wenigen Wochen, als sich die Corona-Krise gerade erst wie eine kleine Regenwolke vor die Sonne zu schieben begonnen hatte, dachte ich: Wann, wenn nicht jetzt wäre der richtige Zeitpunkt gekommen, das Grundeinkommen einzuführen und – schwupp! –  sind fast über Nacht Initiativen dafür gestartet worden. Wie wunderbar das doch wäre, denn viele Menschen fallen zwischen die Stühle. Leider decken die Hilfspakete nicht alle Nischen ab. Grundeinkommen wäre also DIE Lösung.

Mir fällt auf, dass existentielle Themen auf einmal nicht mehr nur solche Menschen wie mich beschäftigen, die eh immer viel über das Leben und die Welt nachdenken.

Auf einmal wird deutlich, wie existentiell wichtig bildende Kunst, Kunsthandwerk, Handwerk, Literatur, Musik, Tanz, Sport und alles was wir für unsere Gemüter tun und um den Druck in uns zu regulieren. (Was bin ich froh über meine seit zwanzig Jahren (fast) tägliche Yogaroutine, die ich aktuell um einige physiotherapeutische Übungen ergänzt habe, damit mein Fersensporn sich erholt.) Existentiell ist all das, was mir beim Existieren hilft, beim Überleben, beim Leben. Und dazu gehört definitiv  auch die Radreise des liebsten Irgendlink, der aktuell vom Schreibtisch aus höchst velosophisch* von Zweibrücken nach Andorra radelt. Er hat übrigens noch Platz auf dem Gepäckträger, falls du mitradeln willst. Vor zwanzig Jahren das erste Mal, vor zehn Jahren das zweite Mal und heuer das dritte Mal betrachtet er den Weg, die Landschaft, die Orte, die Menschen vom Sattel – respektive vom Bürostuhl –  aus und schreibt sehr anschaulich über die Welt, wie er sie sieht.

Gerade hilft mir diese seine Reise, ihn nicht allzu sehr zu vermissen. Nicht zu wissen, wann wir uns wiedersehen können, ist diesmal allerdings deutlich schwerer auszuhalten als wenn er tatsächlich auf dem Radel unterwegs wäre. Natürlich ist da immer Ungewissheit, weil das Leben überall und immer lebensgefährlich ist, doch diesmal die Ungewissheit anders. Die Dauer des Nicht-Sehen-Könnens ist ungewiss und unfreiwillig, der Verlauf der ganzen Quarantäne ist ungewiss. Außerdem ist Irgendlink für mich systemrelevant und diese Geschlossene-Landesgrenzen-Ungewissheit bindet viel Energie (auch wenn ich das natürlich akzeptieren muss).

Ich weiß inzwischen, dass es aus mentalgesundheitlicher Sicht hilfreicher ist, mir solche Ängste, Unsicherheiten und Ungewissheiten einzugestehen und sie zuzulassen als sie zu unterdrücken. Und ich weiß auch, dass es normal und menschlich ist, an die eigenen Grenzen zu kommen, besonders unter solchen Umständen.

Zusammenreissen erzeugt Überdruck, der in Unterdruck münden kann – Depression und anderes –, und nein, das ist nicht nur ein lustiges Wortspiel. Ich weiß, wovon ich rede.

Was ich sagen wollte? Nein, im Gegenteil! Es ist überlebenswichtig, dass ihr alle gut zu euch schaut. Bitte-bitte tut es. Und ja, ich weiß, manche haben dafür keine Zeit. Vielleicht ist es darum gut, wenn die, die ein bisschen mehr Zeit haben, auch ein bisschen mehr für andere mitschauen. Oder so.

—-

*velosophisch = Ich bin Emil ewig dankbar für dieses wunderbar treffende Wort.

»Es ist halt jetzt nun mal so!«

Es ist wie fotografieren. Im Moment ist zoomen angesagt, heranziehen, vergrößern, genau hinschauen. Details, kleine Dinge des Alltags, die wir gar nicht beachteten, werden auf einmal wichtig und groß. Wie Kieselsteine im Schuh oder wie das Lied der Amsel auf dem noch immer kahlen Apfelbaum.

Und nein, ich spreche nicht vom ausverkauften Klopapier, eher denke ich an Dinge wie ein Lächeln da und dort oder die Erkenntnis, dass die liebe Freundin noch alleiner ist als ich. Die Kräfte haben sich verschoben. Niemand weiß wirklich, wie es weiter gehen wird. Und es zeigt sich jetzt auch, ob die von uns gewählten Volksvertreter*innen uns wirklich vertreten – oder eben nicht.

Improvisation ist gefragt. Gemeinschaftssinn. Zusammenstehen, miteinander … Worte, die zurzeit inflationär aus unseren Mündern purzeln. Dürfen sie, sollen sie – solange sie echt gemeint sind.

Krisen lassen sich jedenfalls gemeinsam besser ertragen und durchschreiten.

Nun ja, die wirklich schlimmen Krisen waren bisher immer weit genug weg von uns hier im satten Mitteleuropa. Im Mittelmeer zum Beispiel, oder im Osten irgendwo oder im Süden oder noch weiter weg.  Und wenn doch bei uns, dann irgendwo am Rand. Fast unsichtbar für alle Nicht-Betroffenen. Wir haben ja schließlich unsere Grenzen.

Dieser Tage denke ich wieder einmal viel über Grenzen nach und stelle fest, dass ich je länger je weniger an Landesgrenzen glaube.  Nicht nur, weil ich gern und oft der Liebe wegen im ’großen Nachbarkanton’ weile, wie wir hierzulande Deutschland gerne nennen, und weil mir diese Grenzen zu überschreiten aktuell verwehrt ist. Aber das soll heute nicht das Thema sein.

Es gibt aber auch Grenzen, die Fakten abbilden. So gibt es Grenzen die ein Vorher und ein Nachher definieren. Das Vorher, welches wir bis vor zwei, drei Monaten gelebt haben und zu kennen glauben, wird (wahrscheinlich) nie mehr sein. Nicht mehr so. Manches ist für immer vorbei und vergangen, manches wird sich neu formen. Wir stecken mitten in einem umwälzenden Prozess, der existentiell ist und schmerzhaft und der Chancen in sich trägt. Wir stecken mitten gemeinsam in einem ’Stirb und Werde’-Prozess.

Hannah C. Rosenblatt fragt in ihrem gestrigen Blogartikel zu Recht, was “der Kampf gegen COVID-19” mit kollektiver Trauer zu tun hat. Auch denkt sie über den Begriff Kampf nach. Ähnlich wie ich stört sie sich an manchen Wortkonstrukten, die zurzeit die Medien fluten. Mich zum Beispiel stören Begriffe wie ’Kontaktsperre’ oder ’soziale Distanz’. Nein, bitte nicht!

Wir brauchen soziale Nähe, immer, jetzt vielleicht noch mehr denn je. Zurzeit aber halt nicht physischen Kontakt, weil das im Moment nicht geht. (Es lebe das Internet!)

Trauer also. Ja, wir trauern. Kollektiv.

Wenn ich meine ganz persönlichen Erfahrungen der letzten zwei bis drei Wochen betrachte, erkenne ich, dass ich wirklich genau den Weg zurück gelegt habe, den ich zurücklege, wenn jemand stirbt, der mir nahe steht. (wenn auch in einem etwas anderen Tempo).

Ich zitiere Rosenblatt, die unsere kollektiven Trauerreaktionen wie folgt auf die Coronakrise übersetzt hat:

»Ich weiß, dass es jetzt darum geht zu trauern. Dass jetzt ein Prozess einsetzt, der alle bekannten 5 Stadien der Trauer beinhaltet.
+++ Leugnung – „Es wird mich nicht betreffen.“
+++ Wut – „Ich will mich nicht wegen so eines Virus einschränken!“
+++ Verhandeln – „Okay okay, also wir bleiben schön zu Hause und kaufen andern Leuten keine Nudeln weg und dann wird alles gut, ja?“
+++ Traurigkeit – „So viele Menschen sind krank und sterben – und niemand weiß, wann es enden wird.“
+++ Akzeptanz – „Es ist wie es ist, wir werden sehen, wie wir da durchkommen.“« (Zitat Ende)

+++

Ich war heute kurz einkaufen. Die gewünschten Paprikachips für jene mir unbekannte Frau, die mir eine Viertelstunde später ihre alte Zweitnähmaschine schenken würde. Ein symbolischer Tausch. (Hätte es Klopapier gehabt, hätte ich bestimmt noch eine Packung gekauft und ihr vor die Haustür gestellt.)

An der Ladenkasse saß eine freundliche ältere Dame. Diesmal waren deutlich mehr Leute im Laden als letztes Mal und diesmal war nach mir ein älteres Paar dran, das viel zu schnell aufschloß und weder zu ihr noch zu mir den geforderten Mindestabstand einhielt. Nicht aus bösem Willen, sondern aus – so vermute ich – fehlendem Gefahrenbewusstsein. Sie steckten – so vermute ich weiter – noch in der Leugnungsphase (siehe oben). Denn nicht alle haben wir das gleiche Tempo. (Was in dieser konkreten Situation nicht ganz ungefährlich ist.) Die Kassiererin bat sehr kompetent um mehr Abstand, zu ihrem und zu meinem Schutz und sagte dann lächelnd in die Runde:
»Es ist halt jetzt nun mal so!«

Vielleicht mit das Klügste, was ich heute gehört und gelesen habe.

Weil es jetzt halt nun mal so ist, werde ich morgen anfangen, Atemschutzmasken aus Stoff zu nähen. Ein paar bekommt die Frau, die mir ihre alte Nähmaschine geschenkt hat. Wer eine braucht, soll eine bekommen. Das ist, was ich tun kann. Nach einer Anleitung von Youtube. (In meinem PDF hier ist die Quelle genannt). Ich glaube nämlich, dass diese Dinger bald zu unserem Alltag gehören werden. Eine Frage der Gewohnheit. Und eine Frage des Respekts. Um andere zu schützen. Im Bewusstsein, dass es nicht alles ist, eine Maske zu tragen, dass es aber mehr ist als nichts.

Ja, es sind oft die kleinen Dinge, die in einer Krise helfen, sie zu ertragen.

Gemeinsam kunsten trotz Corona

Eine Grafik mit drei Icons. Eine Pinsel auf Leinwand, ein Fotoapparat und ein Briefsymbol.
Col-Art Info

  1. Male ein Bild auf ein Stück Leinwand (offenes Thema: Gemeinsam trotz Corona). Die Leinwand sollte 22×22 cm groß sein. Lasse bitte einen Rand von 1 cm ringsum unbemalt. Alle Bilder des gemeinsamen Kunstprojekts werden später zu einem großen Col-Art Gemälde zusammengenäht oder geklebt. Deshalb der Rand. Signiere dein Bild und schreibe auf die Rückseite: Name, Adresse, Telefonnummer und/oder Mailadresse, deine Webseitenadresse.
  2. Fotografiere Dein Kunstwerk und sende es an Jürgen und Marc per Mail. Die Bilder werden hier im Blog in einer Galerie gezeigt. Wenn Du Deine Webseite angibst, wird dahin verlinkt. Über das Fortschreiten des Projekts informieren wir in der Kategorie Col-Art.
  3. Sende die Leinwand ohne Rahmen per Brief an Marc (M. Kuhn | J. Sesslerstr. 7 | CH-2502 Biel-Bienne). Er wird die Einzelbilder zu einem Gesamtkunstwerk fügen.

In diesem GIF zeige ich, wie du dir eine Leinwand vorbereiten kannst. 

Das animierte Bild zeigt, wie man ein Stück Stoff über Pappe spannt, hinten verklebt und mit weißer Farbe grundiert.
Eine Leinwand auf Pappe kleben, um sie besser bemalen zu können.

Weitere Informationen über die Kunstrichtung Col-Art, die 1968 vom Schweizer Maler Marc Kuhn ins Leben gerufen wurde, findest Du auf dieser Seite. Wir freuen uns auf viele Teilnehmende, Laien wie Profis, Alt und Jung. Wenn mehr als Hundert Menschen mitmachen wird es das größte Col-Art Kunstwerk aller Zeiten.

Das hier ist eine Col-Art-Kunstaktion von Jürgen Rinck, Deutschland, Rossana Duran, Mexico und Marc Kuhn, Schweiz. (Ich teile es hier nur.)

Marc Kuhn schreibt in seinem gestern verschickten Rundbrief: »Unsere Idee: Jede und Jeder – von alt bis Jung – mit Lust mitzumachen malt auf ein kleines Stück Leinwand bei sich zu Hause ein Acrylbild, mit dem offenen Titel: Gemeinsam trotz Corona. […] Wir in Biel stellen dann auf einer Fläche von 100×100 cm die ersten 25 eingesandten Bilder zu einer ‚Col-lage‘ so zusammen, dass die entstandene Komposition optimal stimmt.

Jürgen seinerseits in Zweibrücken stellt die neu entstehenden Col-Collagen ins Netz (https:irgendlink.de/col-art), wo auch Du und andere sie besichtigen können. […] Gerne kannst Du dieses Projekt auch weiteren Bekannten weitersagen, die womöglich Freude hätten, beim Projekt mit dabei zu sein.

Sollten über 100 Menschen bei dieser Riesencollage mitmachen – und wir wünschen es natürlich von Herzen – so wäre es in der über 50-jährigen Geschichte von Col-Art die Realisation mit den meisten Teilnehmern ever.

In der Hoffnung, bald von Dir Post mit Bild zu kriegen und zuvor am besten ein Foto Deines Werkes per Mail, grüssen wir Dich herzlich.«

Sei dabei!