Mein neues Leben

Seit ich meine Arbeitsstelle Ende Juni freiwillig verlassen habe (StammleserInnen erinnern sich?), habe ich konstant das Grundgefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Ein für mich fast neues Gefühl übrigens. Jedenfalls im Bereich Arbeit-Beruf-Berufung. Der Plan, mich nur noch selbständig durchzubringen, fühlt sich noch immer genau richtig an, obwohl ich mich nun doch wieder „offiziell arbeitslos“ gemeldet habe. Ein bisschen finanzielle Unterstützung hat noch nie geschadet. Eine kleine feste Stelle zum Beispiel als Verlagskorrektorin oder -lektorin wäre doch auch toll? Sicherheit und so. Geld? Leider noch immer so etwas wie ein Reizwort für mich alte Anarchistin. Oder Idealistin. Oder Naivistin. Was auch immer …

Seit ich Bürgerin von Secessionistan! geworden bin (Blogleserinnen erinnern sich?), denke ich oft über Satz 5 in der Verfassung (siehe unten) dieser Kunstrepublik nach. Doch auch die andern Satzungen sprechen mir zutiefst aus dem Herzen! Es geht um Solidarität, Teilen, Gleichheit im Sinne von Gleichwertigkeit. Eine Verfassung, die – würde sie so auf der Welt so umgesetzt – allen ein menschenwürdiges Leben erlaubt. Und das Bedingungslose Grundeinkommen dürfte eigentlich auch noch gleich mit drin stehen. 🙂

Geld. Das liebe Geld. Das dreckige Geld. Und die Möglichkeiten des Lebens, über die Irgendlink heute Morgen gebloggt hat und die man als Selbständige, als Freischaffende, als Lebenskünstlerin hat … Wie anders könnte man leben, wenn …

Gestern las ich einen spannenden Artikel über bedingungslose Geldgeschenke:

Ein erstaunliches Experiment mit einer Gruppe von Menschen zeigte, wie tief das Geld mit dem Selbstwert des Menschen verbunden ist. Um unsere Beziehung zum Geld zu heilen, müssen wir es in den hellen Spiegel bringen, in dem es der Ausdruck unserer Wertschätzung und Liebe ist. […]

Vor einigen Jahren, im Mai 2010, nahm ich an einem fünftägigen Seminar teil, bei dem es um die spirituelle Bedeutung von Geld ging. Eine Übung, die wir machten, bestand darin, dass die Seminarleiter eine Glasschüssel mit Geld vorne hinstellten. In dieser Schüssel befanden sich 4000 € in zerknitterten Scheinen. Dadurch, dass die Scheine zerknittert waren, füllten sie die ganze Schüssel. Es sah aus wie ein Salat aus Geld. Das Geld verschenkten sie.

Die Übung bestand darin, dass man freiwillig vortreten konnte, um Geld aus der Schüssel zu nehmen. Die einzige Bedingung war, dass man offen sagte, wie viel und wofür man das Geld haben möchte. […]

Der 500-€-Schein lag sehr, sehr lange in der Schüssel und niemand traute sich, ihn zu nehmen. Irgendwann trat eine Frau vor. Sie erklärte, dass sie als Kind nie Taschengeld bekommen hatte, aber von ihrem Vater für kleine Arbeiten bezahlt wurde und er ihr die Groschen in einer mahnenden Weise vorgezählt hatte, was sie sehr beschämte und erniedrigte. Sie wollte Geld nehmen, einfach um mal etwas zu bekommen, ohne dafür etwas leisten zu müssen. Der Seminarleiter fragte sie, wie viel sie denn nehmen wolle. Es wurde deutlich, dass es hier um ihren Selbstwert ging, der in ihrer Kindheit schon verletzt worden war. Sie war sehr unsicher und hatte Tränen in den Augen. Sie zögerte und traute sich nicht an die Schüssel zu treten. Der Seminarleiter musste sie mehrfach auffordern, aber sie konnte keinen Betrag nennen. Schließlich musste sie sich direkt vor die Schüssel stellen und nahm schließlich einen 20-€-Schein. Alle im Raum waren sehr betroffen. Waren es 20 €, die sie sich wert war? Hatte sie so viel Angst und Scham, sich mehr zu nehmen, wenigstens 50 € oder vielleicht 70 €? Sie zitterte und weinte. Der Seminarleiter trat zu ihr, nahm sie in die Arme, griff in die Schüssel und gab ihr den 500-€-Schein. Da brach sie zusammen. In dieser Geste verdichtete sich das ganze Leiden ihres Lebens, die Erniedrigung als kleines Kind und ihr Leben als Frau, die nie die Chance hatte, Selbstwert zu entwickeln. Es war wirklich bestürzend, welche Kraft das Geld hatte und wie stark es in den Selbstwert eingriff.

Quelle: www.tattva.de

Geld ist in unserer Gesellschaft, auf der ganzen Welt wohl gar, das Gefährt, das Mobil, das Werkzeug, das Ding geworden, über das wir alle unsere Werte definieren. Gut oder schlecht? Egal. Es gilt einfach, sich das bewusst zu sein. Und zu verstehen, wie sehr es uns beeinflusst. Was es mit uns macht, wenn es fehlt oder im Überfluss da ist.

Im Moment läuft es bei mir oft so, dass ich in Bezug auf Dinge, die ich zu brauchen glaube oder die ich haben möchte, überlege, ob es eine Tauschmöglichkeit dafür gibt. Mit einer Künstlerin aus Norddeutschland verhandle ich aktuell über Kunst gegen Kunst. Auch in anderen Beziehungen scheinen sind neue Wege aufzutun. Tauschhandel ist womöglich der Handel der Zukunft?

Ooops, schon nach zwei! Ich müsste so langsam die Rechnung für meine letzte Kundin schreiben – damit Geld reinkommt und ich die Miete zahlen kann. Und ein paar Werbeaktionen müsste ich auch mal angehen … 🙂

Kunst aufgeräumt

So ein Galerie-Umzug ist zeitaufwändig. Zuerst gilt es alle Bilder von den Wänden zu hängen, denn die alte Galerie hat dicht gemacht. Bilder abhängen und möglichst ohne Ecken anzustossen sowie Dellen und Scherben zu produzieren, zu verpacken. So weit, so gut.

Und jetzt, wohin damit? Sie einfach in den Keller stellen mag ich nicht. Dort stauben sie nur ein. Wohin also?
DSC_0684b_fG_In Berns Straßen
Ich könnte ja auf diesem Blog hier eine Galerie eröffnen? Doch nein, halt, hier sind eher Texte als Bilder zuhause. Wie wäre es dagegen mit meinem zweiten Bilderblog namens Sofasophia appt die Welt?

Hm, ja, stimmt, die Bilder, die ich heute Nachmittag von den Wänden gehängt habe, sind keine Appspressionismen. Somit gehören sie nicht wirklich in die Räume einer Appspressionismen-Galerie, richtig, aber ein neues Blog eröffnen, bloß um meine Erinnerungsbilder zu publizieren, will denn doch nicht. Hat ja genug Platz an den Wänden.

Kommt doch vorbei und schaut euch ein bisschen Frankreich, Nordspanien, Skandinavien, Bern und anderes Zöix an, falls ihr Lust habt … Keine neuen Bilder zwar, aber es  hat ein paar feine Impressionen darunter, nämlich genau hier: Sofasophias Fotogalerie.

Innen und außen

In der Stadt ist mir draußen nicht draußen genug, bloggte Lakritze gestern und hat mir voll aus dem Herzen geschrieben. Wie Irgendlink und ich gestern Nachmittag durch den Wald wanderten, der einst als Park das längst von der Natur wieder verschlungene Lustschloss Tschifflik umrundete, wurde mir genau dies klar. Mein Draußen, das ich brauche, heißt Wald. Heißt Erde unter den Füßen. Heißt Laub, heißt Baum, heißt Himmel-über-mir. Gut, den gibts auch in der Stadt, falls man ihn denn sehen kann (hochblicken ist in der Stadt zudem nicht ganz ungefährlich …).

Ich fühle mich hier unendlich weit und geborgen. Werde ruhig. Atme tief.

Wir bücken uns nach Kastanien, füllen alle Säcke unserer Jacken und ich sage zum Liebsten:
Arme Menschen, die noch nie im Wald waren, die noch nie Kastanien gesammelt haben, die noch nie Erde unter den Fingernägeln hatten.

Das Glück liegt auf dem Waldweg
Das Glück liegt auf dem Waldweg

Auf dem letzten Stück unserer kleinen Wanderung regnet es ein bisschen. Guter Laufregen. Reinigt Luft und Lungen. Tut gut. Spült den Stadtstaub von den Autoscheiben.

Nun sitze ich in meiner gemütlichen Schweizer Wohnung. Am Schreibtisch. In der Waschküche kurbelt sich die Ferienwäsche Richtung Sauberkeit. Draußen regnets. Innen drin in mir ist es wieder ruhig geworden.

Langweilige Ruhe? Nein, ja, heilsam-langweilige Ruhe. Wohltuende Ruhe.

Neben mir eine Liste. Dinge, die getan werden wollen und sollen.
Eins nach dem andern.

Einsehen oder aussehen?

Seltsame Vorstellung, dass ich heute Abend in meinem Schweizer Bett schlafen werde. Noch sitze ich am Schreibtisch in Irgendlinks Künstlerbude. Das Einsame Gehöft hat uns seit gestern Abend wieder. Nach einer staufreien Fahrt, wenn man mal vom kleinen Berliner Stau am Anfang absieht.

Die Dichte von Ereignissen, die Geschwindigkeit des Lebens überrollt mich immer wieder. Gestern noch in Berlin aufgewacht, vorgestern mit den Rädern mitten durch die Metropole – am Holocaustdenkmal vorbei – nach Kreuzberg geradelt, nun hier, bald dort.

Was ist das Leben anderes als Dinge von A nach B zu bewegen. Vielmehr noch sich selbst. Stetiges Geschiebe. Stetige Mobilität.

Wozu nur? Netzwerke knüpfen ist meine erste Antwort, Beziehungspflege. Nein, ich bin weniger wegen Hamburg nach Hamburg gereist und auch nicht wegen Berlin nach Berlin. Es waren die Menschen. Die Bloggerinnen und Blogger, die Freundinnen und Freunde. Die Begegnungen.

Wie wir vorgestern Nachmittag mit Frau Freihändig ein vorläufig letztes Mal auf den Stufen des Kreuzbergdenkmals hockten und nach Norden guckten, wurde die Welt in mir drin auf einmal klitzeklein und bestand auf einmal nur noch aus uns drei Menschen, stellvertretend für die ganze Menschheit. Eine Welt aus Menschen, die sich mögen, die Sorgen und Freuden teilen, die sich aufeinander verlassen, die miteinander in dieser Zeit durch diese Zeit unterwegs sind und am einen oder andern leiden. Da zählt auf einmal nichts anderes mehr. Und diese Verbundenheit ist es, die zählt. Die nährt. Diese Sein.

Berlin1
Wasserkunst in Berlin

Sein und Schein … jaja, total abgelutschte Wörter, sorry, dennoch nachdenkenswert. Ich habe mich immer wieder dabei beobachtet, wie ich dieses Städte – Hamburg, Berlin –, diese geschichtsträchtigen und berühmten Orte und seine Menschen, auf Echtheit abgeklopft habe (wie ich es eigentlich ständig und überall tue). So vieles tut so als ob. So viele tun so als ob. So oft tun wir alle als ob. Zeigen uns größer als wir sind. Leben lauter als uns lieb ist, schneller als wir eigentlich können, hektischer als uns gut tut. Über unsere Verhältnisse sozusagen, und das eben nicht nur finanziell …

Die Sehnsucht nach dem Echten, nach dem Dahinter und Darunter ist es, die mich im Leben immer wieder innehalten lässt. Dann brauche ich ein echtes Lächeln. Augen, die mich als Menschen sehen, nicht als potentielle Käuferin. Ein Lächeln nährt mich, ganz im Gegensatz zu all dem Glitzerklimbim und Lärm. Beides gibt es. Überall.

Den Menschen auf dem Land täte es gut, ihre Herzen mit städtischer Toleranz zu weiten. Den Menschen in der Stadt täte es gut, ihre Herzen der ländlichen Naturverbundheit zu öffnen.

Ach, ich sentimentaler Sack! … wie gerne würde ich Brücken bauen zwischen den Welten. Und vielleicht tue ich es ja immer wieder ein bisschen? Bloggenderweise?

Auf einem engen Radstreifen in Berlin Mitte auf einmal die immer wieder neu atemberaubende Erkenntnis, dass dies alles ein und dieselbe Welt ist. Die selbe Welt, durch die wir im Sommer geflussundbergwandert sind. Die selbe Welt, auf der gekriegt, geliebt, gefoltert, gefüttert, gemordet, getanzt und gelacht wird. Und gehofft. Alles verbunden. Alles vernetzt.

Ewiger Wasserkreislauf.

Heute nichts …

… außer einer kleinen ToDo-Liste?

– Packen
– Putzen
– Wäsche waschen und aufhängen
– Reifenloch im Gästefahrrad reparieren (Irgendlink)
– Auto beladen
– Autobahn finden
– südwestwärts fahren
– …

On the road again … schon bald. Und ich Landei freu mich echt richtig fest auf Daheim (zuerst bei Irgendlink), morgen dann bei mir.

Über gestern schreib ich also nicht heute, sondern morgen. 🙂

Noch mehr Berlin

Gestern Nachmittag trafen wir uns mit dem Fotografen und Blogger Florian Fritsch, der viel über seine Heimatstadt zu berichten wusste. Kurz vor acht lud er uns vor dem Babylon Kino ab, wo wir uns die Premiere des neuen Pfälzer/Ludwigshafener Tatort, der Ende Oktober im Ersten ausgestrahlt wird, angucken durften. Persönlich anwesend waren Lena Odenthal/Ulrike Folkerts und Mario Kopper/Andreas Hoppe und andere Mitwirkende der Filmcrew. Die neue Tatort-Serie überrascht mit witzigen Dialogen und einer sehr dichten, nahen Kameraführung. Über den Plot verrate ich natürlich nichts, Ehrensache!

Statt weiteren Worten lasse ich heute Bilder sprechen …

Noch mehr Berlin gibts drüben bei Irgendlink.

Bilder: iPhone und Nikon (gemischt)

Über Berge Richtung See

Zugegeben mit obigem Titel assoziiert man nicht unbedingt Berlin.
Über solche Berge kannst du als Schweizerin ja nur lachen, sagt Irgendlink. Dennoch keuche ich ein bisschen, was allerdings weniger am Prenzlauer oder am Kreuzberg denn am Fahrrad liegt. Bis auf den Kreuzberg fahre ich außerdem mit viel zu tiefem Sattel. Ich sitze auf einem roten Damenrad mit Rücktritt und ein paar wenigen Gängen, die sich allerdings und leider kaum voneinander unterscheiden lassen. Die Reifen sind sehr klein, was mehr Umdrehungen bedeutet, um voran zu kommen. Doch was will ich jammern? Dem geliehenen Stahlroß sollte frau nicht ins Maul schauen. Nachdem wir bei einem Kreuzberger Radladen den Sattel höher gestellt haben, fährt es sich zum Glück schon viel besser, nur wird davon leider der Sattel nicht bequemer.

Unterhalte dich selbst!
Unterhalte dich selbst!

Mit Frau Freihändig essen wir vietnamesisch – lecker, günstig und vegikompatibel – und freuen uns alle sehr über dieses längst fällige Wiedersehen. Später radeln wir übers Bahndreieck am Kreuzberg (heißt das so?) Richtung Norden und lernen dabei den neuen Radweg Berlin-Leipzig kennen. Schön zum Radeln, frisch geteert, keine Autos, Naturschutzgebiet und so. Wieder so eine tolle und notwendige Initiative, die dem Stadtleben mehr Qualität verleiht.

Später gelangen wir in eine Gegend, die ich als sehr künstlich empfinde. Neue Überbauungen, Spielplätze, Sitzgelegenheiten … Nicht hässlich, durchaus mit einer gewissen Ästhetik gebaut. Künstlich empfinde ich, dass hier nichts dem Zufall überlassen worden ist, dem Leben, den normalen Menschen, die nicht mit am Reissbrett stehen. Der gemainstreamte Mensch hat gefälligst hier zu spielen und dort zu hocken, da drüben ist dies und dort jenes … Auch die Natur ist bloß ein weiterer Faktor, der in diesem Konzept seinen fixen Platz zugeordnet bekommen hat.

Wie es wohl in zehn Jahren hier aussieht?

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Unterwegs auf dem brandneuen Radweg Berlin-Leipzig: Eine neue Siedlung wird aus dem Boden gestampft …

Weiter gehts, weiter, weiter, die Zeit drängt. Über den Alexanderplatz zurück auf den Prenzlauer Berg, denn wir sind mit Irgendlinks altem Mainzer Freund J. und seiner kleinen Familie verabredet. Länger als wir dachten, dauert die Fahrt. Rushhour. Und ich kurz vor dem Kollaps. Der Po tut von unten weh. Der Lärm tut von außen weh. Dazu ständig rot und grün. Stop and Go.

Am S-Bahnhof Anhalter
Am S-Bahnhof Anhalter

Endlich vor der Kita. J. stellt uns seine Partnerin A. und sein rotgoldiges Töchterlein M. vor. Nur noch kurz einkaufen und weiter gehts. Zu fünft an den Weißensee. Es regnet. Die Kleine quängelt im Rad-Anhänger, will laufen. Rushhour noch immer. Ich fühle mich kaputt. Erschöpft. Die Tour auf den Gotthard ist ein Klacks, sage ich, gegen einen Tag in einer Großstadt wie Berlin, Radfahren in der Stoßzeit, Autoabgase, Lärm … Drinnen, in der gemütlichen Wohnung, erhole ich mich zum Glück schnell. Wir genießen das Zusammensein, die köstlichste Kürbissuppe der Welt und das süßeste Mädel Berlins.

Nachts dann, vom Weißensee durch die nun ruhigere Stadt zu radeln – es hat sogar zu regnen aufgehört – macht richtig Spaß. Ja, wirklich, ich mag diese Stadt. Sehr. Sehrsehr sogar. Aber leben, nein, leben möchte ich hier doch nicht, Landei ich. 🙂

Wo Prinzessinnen in den Himmel wachsen

Frau Freihändig schreibt uns gestern, dass wir uns die Prinzessinnengärten auf dem Kreuzberg anschauen sollen, wo wir doch schon in Berlin sind. Ihre Tipps waren bisher immer goldrichtig. Außerdem ist es vom Prenzlauer Berg aus, wo wir residieren, nicht weit dahin. Sogar zu Fuß gut machbar. Ich surfe auf der Webseite der Gärten und bin sofort hell begeistert. Der Liebste füttert unser Navi derweil bereits mit den Daten, denn er will das Teil mal im Nahkampf, sprich in der Stadt, zu Fuß, austesten.

Urban Artwalk ist wirklich eine tolle Sache, doch die Bilder, die ich gestern unterwegs geschossen habe, müssen warten. Heute widme ich meinen Rückblick auf den vergangenen, gestrigen Tag einzig dem Prinzessinnengarten. Er ist es wert.

Schaut selbst, was Menschen anrichten können, wenn sie die Welt ein bisschen lebendiger, wohnlicher, lebenswerter machen wollen: Aus einem Stück Brachland ist in nur fünf Jahren ein Idyll mitten in der Stadt gewachsen. Man vergisst dort drin, dass drauße der Verkehr rollt und die Menschen eilen.

Ach, ich freu mich so. Heute treffen wir endlich mal wieder die gute Frau Freihändig. Was für ein Tag. Inklusive Vollond und Mondfinsternis und so.

Ach, und morgen? Echt verrückt! Morgen gehen wir in die Kino-Premiere, des neuen Pfälzer Tatorts Blackout. Im Kino Babylon an der Rosa-Luxemburg-Straße. Gratis. Mit in einer per Verlosung gewonnenen Karten!.
Manchmal darf man ja auch Glück haben, meinte Irgendlink, als er die Mail losschickte, mit der er sich um die Karten beworben hat. Und ich fange langsam an zu glauben, dass es das Leben gut mit uns meint. Oder so.

Ach, und auch bei Irgendlink drüben gibts prinzessinnenhaftes Lesefutter.

Berlin

Jetzt sind wir also da. Eine ausgesprochen stress- und staufreie Fahrt hatten wir, obwohl uns die Zeltnachbarn am Sonntag gewarnt hatten. Mag sein, dass es an unserm Umweg über Lüneburg lag?

Auch den Tipp, Lüneburg zu besuchen, haben uns unsere Campingplatznachbarn gegeben. Es sei einfach so schön dort. Hätte uns das nicht schon misstrauisch machen sollen? Okay, Lüneburg war schön, stimmt. Schön, nett, ein wenig schief, aus schönen Backsteinen, die es nur hier gibt, gebaut … Aber es war mir persönlich doch fast ein bisschen zu sehr scheinbar heile Welt, als dass ich es als bleibende und unverzichtbare Erinnerung abbuchen müsste. Sorry, liebe LüneburgerInnen.

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Immerhin waren die belegten Brote wirklich köstlich, die wir uns in einer Pizzeria bauen lassen haben.

Ziemlich weit vom Schuss ist es auch, doch auf dem langen Weg zur Autobahn fanden wir schließlich einen Baumarkt und konnten dort eine neue rechte Scheinwerferbirne erstehen. (Ach, das wäre schon eine Geschichte für sich. Mal schauen, ob ich darüber mal berichte. Oder Irgendlink. So viel sei schon verraten: Es gibt manchmal Menschen, die toppen jede Fiktion und jedes Klischee. Und wir haben vorne rechts wieder Licht.)

Auch die Futtervorräte stockten wir unterwegs, in Aussicht auf einen Berliner Kühlschrank, wieder auf.

Klasse übrigens, dass wir ein Navi dabei haben. Was ich früher immer belächelte, macht süchtig. „Folgen Sie der Straße für 22 Kilometer“-Sprüche vermitteln Sicherheit, die ich zu schätzen gelernt habe. (Danke Journalist F., falls du das liest, für das tolle Geschenk!) 🙂

So fanden wir unsere Berliner Bleibe auf Anhieb. Eine Kleinanzeige hat uns hierher gebracht. Günstige, temporär leerstehende Studentenbude, Altwohnung, gemütlich, für wenig Geld. Dazu zwei Fahrräder zur freien Benutzung. (Danke, Sebastian!)

An der Wand hängt eine Karte der DDR, die mich an Emil denken lässt und sein Herz bestimmt höher schlagen ließe.

Bilder gibts noch keine. Außer von unterwegs.

Wildgänse?

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Heute ist es bedeckt, kühl … eine Radtour in den Prinzessinnengarten wäre fein? Mal schauen …

Gegenüber, im Aufbauhaus, gebe es eine große Versuchung für KünstlerInnen-Herzen: Eine Art Kunstzubehör-Baumarkt. Gefährlich! 🙂