Memory

Hab ich vergessen, keine Ahnung mehr, wie das war!, sagte ich zum Scheff, als er von mir wissen wollte, wie wir dies und jenes letztes Jahr gehandhabt hatten. SpÀter auf einmal der Gedankenblitz: Ah, jetzt erinnere ich mich wieder 
 das war doch so und so!

Zwar habe ich die Fakten in irgendwelchen digitalen oder Papier-Ordnern abgelegt, doch es war mein GedÀchtnis, das mich letztlich daran erinnert hatte, wie es letztes Jahr gelaufen war. Es war mir einfach so wieder eingefallen. Und dies, obwohl mir Kollegin A. nachsagt, dass ich in der letzten Zeit ziemlich vergesslich oder zumindest zerstreut sei. Frechdachs!

VerrĂŒcktes Teil, das Hirn! Festplatte. Rechner. GedĂ€chtnis. Erinnerung. Speicher. Alle Dateien auf einem Haufen. Wie viele Gigabytes ich wohl unter meiner SchĂ€deldecke zusammenpresst habe?

Erinnerungen, sie sind die Schnur, an der wir uns durchs Leben hangeln. Selbst wenn ich mich nicht wirklich an Details erinnern kann. Und selbst wenn ich mich nicht mehr erinnern will. Sie sind einfach da. Unsichtbar. Unfassbar. Und sie bestimmen doch jede meiner Handlungen. Alles was ich tue, baut auf Erinnerungen an gemachte Erfahrungen auf. Angefangen beim Fahrradfahren ĂŒber das Abschließen meines Zahlenschlosses bis hin zu der gewĂ€hlten Route durch die Stadt. Ich weiß, in welche LĂ€den ich gehen muss, um zu bekommen, was ich suche. Ich erinnere mich. Automatismen. VerrĂŒcktes Teil, das Hirn!

Und leider ist da auch ganz viel MĂŒll gespeichert. Wie gerne wĂŒrde ich ganz viel altes Zeug rausschmeißen! Oder neu schreiben.

Habe bei Blinkyblanky ĂŒber ĂŒberflĂŒssig gewordene KrĂŒcken gelesen: „Wer wĂŒrde nicht mit Genuss seine KrĂŒcke wegwerfen, wenn er wieder ohne gehen kann, doch was macht er: er legt sie auf den Speicher (=Festplatte!), falls er sie noch mal braucht.“

Na ja, ich stelle meine KrĂŒcken zwar mangels Speicher in den Keller, denn die fressen ja dort unten kein Heu. Doch wozu? Gebrannte Kinder, die wir Menschen sind, speichern wir eben vor allem jene Dinge, die uns fĂŒr die unsichere Zukunft Schutz vorgaukeln. WĂŒrden wir doch statt dessen besser all die wunderbar leichten, ĂŒbermĂŒtigen, magischen, vertrĂ€umten Momente speichern! Und darauf vertrauen, dass die Zukunft, noch ungeschrieben, viele ebensolche glĂŒckliche Erlebnisse fĂŒr uns bereit hĂ€lt. Tja, das neu zu schreibende Programm fĂŒr meine Bio-Festplatte mĂŒsste unbedingt genau diese FĂ€higkeit beinhalten!

Habe gestern Vormittag im BĂŒro lange mit meinem Lieblings-IT-Supporter telefoniert. Ein Datenbank-Programm, in das ich in den letzten Tagen eingearbeitet worden bin, zickt. Noch immer. Trotz De- und Neuinstallation. Ein kleiner Teil der Konfigurationen ist offenbar noch nicht richtig eingestellt. Fehlende Vernetzungen mĂŒssen eben erst hergestellt werden, bevor wir die Software in ihrem vollen Umfang anwenden können. Wie im Leben: Netzwerke fallen nicht vom Himmel. Wir weben sie tĂ€glich mit unseren Gedanken und Handlungen. Feine FĂ€den zuerst, dann immer dickere. Werden ErinnerungsstrĂ€nge. Auf die wir zurĂŒckgreifen. Bei allem was wir tun.

4 Kommentare zu „Memory“

  1. Zu ĂŒberlegen, was und warum etwas gespeichert wird, ist schon interessant. Da ich ja schon ein gutes StĂŒck Ă€lter bin, wundere ich mich oft, was von den Erlebnissen noch abrufbar ist, und frage mich, wie oft ich was gar nicht der Wirklichkeit entsprechendes im Kopf habe. Wie du das Leben siehst, wird es dir lachen oder weinen.

  2. Ein wunderbarer Text von dir, Sofasophia! Er lĂ€sst die Hirnströme ganz schön wild sprudeln…

    Auch ich staune immer wieder ĂŒber die Spitzenleistungen unseres Erinnerungs-, VerknĂŒpfungs- und Denkapparates, ĂŒber die unglaublich robuste und zugleich diffizile Hard- und Software…

    Komm gut ĂŒbers Wochenende!
    Gruss,
    Brigitte

  3. liebe brigitte
    danke fĂŒrs feedback! und fĂŒr die wĂŒnsche fĂŒrs wochenende natĂŒrlich auch … 🙂
    ja, der mensch ist schon was faszinierendes!
    liebgrĂŒss
    d.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert