kuhler Schrank

Es geschah just in dem Moment, als ich mich nach dem Schreibblock ausstreckte, der auf dem Beistelltisch nebenan vor sich hin träumte. Mich nach ihm ausstrecken tat ich, weil ich ihm liebkosen wollte. Was in seinem Fall bedeutete, ihn mit Buchstaben zu füllen.

Na ja, ob ihm gefallen würde, was ich zu schreiben gedachte, wusste ich allerdings nicht. Wählen kann er nicht. Über die Unwichtigkeit des Schreibens im allgemeinen wollte ich schreiben. Und über die Unwesentlichkeit des Bloggens im speziellen. Und dass es doch viel wichtigeres auf der Welt zu tun gäbe als mit Worten zu jonglieren. Helfen, heilen, handeln, hingehen! Das zählt doch. Oder zumindest Geld beschaffen. Wozu auch immer. Aber doch nicht bloggen! Zeitverschwendung!

Ich würde besser etwas richtig wichtiges tun … Tja, nur was? Die Steuererklärung ausfüllen zum Beispiel? Oder endlich mal wieder den Kühlschrank putzen! Jahr für Jahr hockten mir die beiden zeitgleich im Nacken. Anfang Jahr gelobe ich mir immer wieder – allerdings nur heimlich, so dass sie mich nicht hören können –, die beiden so schnell wie möglich zu erledigen. Damit sie mich nicht plagen können. Doch dann gehen die Wochen übers Land. Die Sonne scheint. Es wird wärmer. Die Kühlschrankputzsaison geht zu Ende und die Mahnung vom Steueramt liegt im Briefkasten. Und meine Gelübde sind längst verdunstet. Wie Bier. Womit wir wieder beim Thema sind.

Just in dem Moment nämlich, als ich mich nach dem Schreibblock ausgestreckt hatte, war es umgekippt. Zwar habe ich schnell reagiert und die Flasche war zum Glück auch nicht mehr ganz voll. Dennoch haben alle was abbekommen. All die ungelesenen Zeitschriften. Der Sudoku-Block ebenfalls. Und sogar Stieg Larsson blieb nicht verschont. Hoffentlich heißt das Buch nicht vergebens Vergebung.

Aber, ehrlich gesagt, über ein umgekipptes Bier zu schreiben, ist nun wirklich nicht wichtig. Und auch die Steuererklärung ist nicht wirklich kuhl. Dann schon eher der Kühlschrank, wenn auch nur seiner Temperatur wegen …

Und wie gesagt, es gibt vieles, das viel wichtiger ist als Bloggen. Aber nicht alles macht so viel Spaß.

2 Kommentare zu „kuhler Schrank“

  1. Liebe Philosophin auf dem Sofa

    Zeitverschwendung und Bier (-parabel) das erinnert mich doch an etwas 🙂 Bier scheint definitiv etwas mit Zeitverschwendung zu tun zu haben, oder inspiriert es einem über die Zeit zu philosophieren? Ein Bier trinken, einen Blogg schreiben, Bier ausleeren. Die Zeit kann so verschieden genutzt werden. Ich könnte noch sagen einen Blogg lesen. Ob ersteres sinnvoller ist als zweites oder drittes und viertes ???

    Ob etwas wichtig ist oder spass macht, muss sich ja nicht gegenseitig ausschliessen, denn wichtig ist, dass es spass macht 🙂

    Ok, bei der Steuererklärung arbeite ich noch daran. Aber ich probiers mal mit Bier über die Steuererklärung ausleeren 🙂

    Greez
    Klangfee

  2. querida
    zu letztem: gute idee! nur bei mir leider nicht umsetzbar, da ich das teil jeweils online mache.
    und bier auf dem laptop? na ja … das dann doch liiieber nicht! 🙂
    greez, sophia auf dem bürostuhl

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