Fragmente überall. Alles, woraus ich bestehe, ist Bruchstück, Stückwerk – physikalisch ebenso wie metaphysisch, energetisch (ob Kunst oder nicht wäre eine andere Geschichte). Alles zusammen sei mehr als die Summe des Ganzes, hat mal ein kluger Mensch gesagt*. Jedes Teilchen meines Lebens, Ding oder Mensch, hat sich irgendwann mit mir getroffen – oder ich mich mit ihm. Bleibt kleben – Anziehung ist der Leim – und teilt ein Stück Zeit und ein Stück Weg mit mir. Ein Wegbruchstück. Ein Lebensphasenbruchstück. Alles ist abschiedlich, sagte Jorgos Canacakis, bei dem ich vor vielen Jahren ein Trauerseminar besucht habe. Alles. Alle Beziehungen. Alle Dinge. Alles kommt. Alles geht. Und dazwischen und genau da und überall findet Leben statt. Sattes Leben. Glück. Freude. Krankheit zuweilen. Leid auch. Leben eben.
Solche bunten Gedanken blubbern durch meine Pipelines, während ich staubsauge.
Später, als ich das Bett frisch beziehe, denke ich an J. Und dass 6 gut für die Kondition ist. Und fürs Herz.
Beim Abwaschen denke ich an eine Geschichte, die sich in mir zu entwickeln beginnt. Eine Kurzgeschichte. Eine eingermaßen ver-rückte, schräge. Irgendwann später schreibe ich sie runter. Was sich sehr gut anfühlt. Kreatives Frühlingserwachen.
Neue Geschichten. Alle sind sie schon. Als Samen. Als Fragmente. Als Setzlinge. Wir brauchen sie bloß zu finden. Und zu zähmen. Zu hegen. Dennoch werden die meisten ungeschrieben bleiben. Für alle reicht mein Leben nicht. Selbst wenn ich weniger faul wäre. Nein, selbst dann nicht.
*“Das was aus Bestandteilen so zusammengesetzt ist, dass es ein einheitliches Ganzes bildet, ist nicht nach Art eines Haufens, sondern wie eine Silbe, das ist offenbar mehr als bloß die Summe seiner Bestandteile. Eine Silbe ist nicht die Summe ihrer Laute: ba ist nicht dasselbe wie b plus a, und Fleisch ist nicht dasselbe wie Feuer plus Erde.“ Aristoteles (Quelle: Emergenz, Wiki)
Weißt Du, gerade fällt es mir wieder ein. Ich war ein Kind noch, ziemlich klein, glaube ich, als ich irgendwie erfuhr, dass alles, wirklich alles aus Atomen besteht. Faszinierend, das ließ ich mir ausführlich erklären. Und dann lag ich immer wieder mit der gleichen Frage des Nachts wach: Alles Atome, so kleine simple Dinger, ganz einfache Teile, nur zusammengesetzt – und – das Ganze ist dann: ICH. Wie kann das sein, dachte es in meiner Kinderseele. Aus solchen kleinen Stückchen ein ganzes ICH. War mir unbegreiflich.
Und ist unbegreiflich, dieses Rätsel, dieses Wunder. Oder?
Ebenso unbegreiflich: Mit jedem Atemzug atmen wir ein Atom ein, das Platon ausgeatmet hat. Sagt die Statistik jedenfalls. Das berührt mich – nicht wegen der Statistik und der großen Zahl, sondern wegen diesen Lebenslinien, diesen unendlichen. Nicht nur bei Atomen. Ja, ich glaube all diese Stückchen von „Abschiedlichem“ (wunderbares Wort) bilden Fäden, unendliche Linien, alles umfassende Netze. Und wir darinnen …