Meine Schreibgruppe ist einfach toll. Ja, ich weiß, ich wiederhole mich, denn das sage ich an dieser Stelle nicht zum ersten Mal.
Gestern Abend hatte ich für einmal keinen Ausschnitt aus einem meiner Manuskripte mitgenommen, sondern meinen gestrigen Blogartikel über mein Monster und mich. Witzigerweise hatten auch alle andern für sie untypische Texte mitgenommen. A. hatte für einmal wunderbare Lyrik dabei, K. den Anfang einer sensibel verfassten Geschichte. Eine Frau auf der Suche nach mehr Leben. S. war mit dem Ausschnitt fiktiver Memoiren eines alten Mannes gekommen und H. brachte ein Märchen, eine vielschichtige Parabel mit, mit Fantasy-Touch natürlich. M. war textlos anwesend, einfach nur da, und tat uns mit seinen wohlwollendkritischen Inputs gut.
Wunderbare Texte allesamt, die mich staunen lassen über unsere Entwicklung in den letzten Jahren. Die Qualität unserer Texte ist sichtlich gestiegen und auch die Fähigkeit den eigenen Text und jene der anderen zu reflektieren.
Mich fasziniert jedes Mal, dass es immer wieder polarisierende Sequenzen gibt. Die einen mögen einen Satz wie „Der Schredder kotzt“, andere finden das Bild völlig unpassend. So werden wir Autorinnen und Autoren immer wieder auf unser eigenes Empfinden zurückgeworfen: Soll ich dies oder jenes ändern oder soll ich es lassen wie es ist?
Ich habe mir heute im Büro überlegt, den Text umzuschreiben, so wie ich das normalerweise mit den Texten tue, die ich mit meinen Schreibfreunden und –freundinnen besprochen habe. Denn das wäre ja eigentlich die Idee des Austausches – eine Qualitätsverbesserung. Dazu natürlich sich gegenseitig zu inspirieren und die Texte auf Schwachstellen abzuklopfen. Und herausfinden, was verstanden wird und wie. Auch sehen, was anders gemeint, anders verstanden wird. Wo habe ich möglicherweise die Absicht, unklar zu sein, damit die Lesenden selbst Bilder finden können?
Ich habe mich schließlich dafür entschieden, den Text nicht zu überarbeiten. Blogtexte haben es an sich, irgendwie roh zu sein. Roher als ein Roman. Damit vielleicht auch ein wenig authentischer, kantiger, unebener. Das darf sein. Bloggen ist eine neue Literaturform.
In meinem Text löste das Wort „Monster“ am meisten Diskussion aus. Müsste denn ein Monster nicht böser, fieser, schrecklicher sein als ich es hier darstelle? Gänzlich ohne jegliche guten Absichten wie mein nicht wirklich nettes, doch irgendwie mit positiven Ideen zu Werke gehendes Monster namens Dark. Darf ein Monster gute Ziele haben und hat die mein Monster?
Ich persönlich empfinde meins relativ wertfrei und gleichgültig außer dass es ein gutes Gespür für meine Ungereimtheiten hat. Und darum ist es auch sein einziges Bestreben, diese aufzudecken. ((Notiz an mich: Oder will Dark bloß, dass ich mich mitsamt meiner Ungereimtheiten akzeptiere?)) Wenn es mir seine berühmten W-Fragen stellt, dann keineswegs darum, weil es mich fertig machen will. Ich soll bloß nicht aufhören, hinzuschauen, sagt es. Und darum stellt es seine Fragen vor allem dann, wenn ich denkfaul zu werden drohe. Doch den Schmerz, der zum Hinschauen und Erinnern oft dazugehört, den macht nicht das Monster. Der Schmerz ist schon vorher dagewesen. Immer schon vielleicht und für immer. Wer weiß das schon?
Vermutlich haben also meine Schreibleute recht: Mein Monster ist nicht schrecklicher als ich und meine Abgründe und über mein Monster zu schreiben tut mir jedes Mal gut. Wozu also Angst vor dem Monster haben?