Wie könnten wir chnuuschte übersetzen?, fragen sich Freundin K. und ich am Samstagabend bei Gschwellti und Käse. Oder chnüüble? Wir wollen J. verständlich machen, wie reich unsere Schweizer Dialekte sind. Nein, für chnuuschte gibt es kein hochdeutsches Äquivalent. Ein pfälzisches kommt der Sache ziemlich nahe, klingt sogar ähnlich, aber ist mir leider bereits wieder entfallen.
Sprache drückt Befindlichkeit aus, Befindlichkeiten und Zeitgeister einer ganzen Gesellschaft. Laut- und Klangmalereien lassen uns ahnen, was ein Wort ausdrückt. Und da war am Freitagabend – wir hatten M. und A. zu Besuch – auf einmal diese Sprache, staufferisch, im Raum. Sie steht hinten auf dem gedruckten Bern-ist-überall-Manifest, das einige Autorinnen und Autoren, die im Verlag Der Gesunde Menschenversand publizieren, kreiert haben und ist eine der sechs Sprachen, in die das Manifest übersetzt worden ist. Eine kleine Googlesuche auf den iPhones bringt keine Antwort. Staufferisch gibt es nicht. Oder doch? Neue Sprachen braucht das Land. Neue Wörter auch.
Mein Lieblingsbruder P. erzählt heute, dass Finnisch und Ungarisch verwandt sind. Dass Ungarisch von den Finnen mitgestaltet wurde, als diese über die früheren Handelswege, die Flüsse, das ungarische Land erschlossen. Verwandtschaften, die sich nicht auf den ersten Blick erschließen. Alle Sprachen sind Fremdsprachen, heißt es im erwähnten Manifest, und jede Sprache ist eine Brücke in die Welt.
Sprachbrücken: neue Wörter sind gefragt.
Wie nennt man doch gleich dieses Gefühl, sagt Irgendlink, es ist Samstagmorgen und wir trinken im Bett Tee und Kaffee, dieses Gefühl, du weißt schon, wenn du zu spät zur Arbeit kommst. Und auf einmal merkst du, dass du splitternackt bist …
Und wie nennt man doch gleich …
Tja, wie ich bereits sagte: Wir brauchen neue Wörter …