Heute in die Pfanne gehauen …

Bild: iDogma. Mit ProCamera fotografiert, mit PS Express bearbeitet (beschnitten, geschärft, gesättigt, scetched) und mit Blogger+ ins Netz geschubst.
Fallmaschen & Herzgespinste
Heute in die Pfanne gehauen …

Bild: iDogma. Mit ProCamera fotografiert, mit PS Express bearbeitet (beschnitten, geschärft, gesättigt, scetched) und mit Blogger+ ins Netz geschubst.
Es ist die Angst vor dem Aufstieg, die mir zuweilen die Freude am Leben vergällt. Auf einmal wusste ich es. Glasklar. Wenn ich diese Angst überwinden könnte, würde ich meine latenten Ängste vor dem Leben mehr und mehr verlieren.
Wir hatten Z. längst hinter uns gelassen, J. und ich, und radelten Richtung Hornbach. Immer südwärts. Der erste Frühlingstag. Der erste Tag ohne lange Unterhose. Der erste Tag ohne Mütze und Handschuhe … Kilometer um Kilometer fuhren wir vorwärts. Geradeaus. Abwärts. Und wieder geradeaus durch die bald schon in üppigem Grün strahlende Landschaft. Immer südwärts, wie gesagt. Feriengefühle ein bisschen.
So mag ich Radfahren, sagte ich zu Irgendlink. Damals, als der Po noch nicht weh tat. Kleine Steigungen nahmen wir locker. Die Sonne schien, die Vögel pfiffen. Mensch, was willst du mehr?
Die Idee von der Radtour kam von meinem Liebsten. Ich selbst hatte für heute nur ein einziges Anliegen auf dem Herzen. Eine deutsche SIM-Karte samt Vertrag für mein smartes Mobiltelefon wollte ich erstehen, denn bald schon würde ich im deutschen Netz fischen und telefonieren. Ganz zuoberst auf meinen Wochenplan hatte ich vorgestern diese Pendenz gekritzelt, da ich ja endlich mal meine Adressänderung verschicken wollte. Wir würden also einfach auf der Durchfahrt beim Telecom-Laden vorbeifahren und anschließend weiter südwärts radeln. Gesagt, getan.
In Hornbach Boxenstopp. Wasseraustausch. Gedanken ebenfalls.
Erinnerst du dich? Heute Vormittag beim Frühstück hast du vorgeschlagen, wir könnten heute eine größere Tour machen, an die sechzig Kilometer. Mir sei das zu viel, habe ich dir gesagt. Untrainiert wie ich bin, sagte ich zu Irgendlink. Zuweilen überfordern wir Menschen uns gegenseitig mit unseren Ideen, Wünschen, Bedürfnissen, Begrenzungen. Du mich zuweilen mit deinen großen Plänen, ich dich wohl mit meiner Angst vor dem Abenteuer.
Mittelwege gehen … Hm, was meinst du, kann das Gehen von Mittelwegen, kann das Finden von Kompromissen langfristig glücken, ohne das die beiden Menschen, die sie schließen, unglücklich dabei werden? Führt womöglich der einzig wahre Weg der Selbstverwirklichung über den Egoismus?
Manchmal wohl ja, manchmal nein. Gewiss müssen wir manchmal kompromisslos unser Ding tun, doch manchmal müssen wir uns aneinander reiben und dabei gemeinsame Wege finden. Laut denken, sagte ich, verhilft mir zu Klarheit. Ist es ein Zeichen der Reife und der Liebe, fragte ich J., oder ist es ein Zeichen der Resignation, wenn wir uns mit Mittelwegen zufrieden geben?
Ein Thema, das wir ausgiebig diskutierten … Bis zur nächsten Steigung zumindest. Denn die kommt immer irgendwann.
Es ist die Angst vor dem Aufstieg, die mir zuweilen die Freude am Leben vergällt, begriff ich, es ist die Angst vor der Angst. Es ist meine Nichtakzeptanz von Steigungen in meinem Leben. Mein Trotz gewissen Naturgesetzen gegenüber, sozusagen.
Sich anstrengen, sich verausgaben, nach Atem schnappen, das rasende Herz im Hals klopfen zu spüren, während ich eine Steigung nehme, empfinde ich als unangenehm, doch hinterher fühle ich mich gestärkt und bin stolz, es einmal mehr geschafft zu haben und oben angelangt zu sein.
Grenzen sanft weiten wie im Yoga, immer ein klein wenig weiter, ein klein wenig länger aushalten, das mag ich. Aber bitte auch schön sanft im richtigen Leben! Einfach immer schön so, dass ich dabei in meinem eigenen Tempo vorangehen und meiner Angst in meinem Tempo begegnen kann.
Einundvierzig Kilometer und viele Höhenmeter später langen wir um achtzehn Uhr wieder auf dem einsamen Gehöft an. Mein Po ist wund. Meine Beine, meine Füße sind müde und ich bin glücklich. Erschöpft lasse ich mich ins Bett fallen. Und ein klein bisschen mutiger.
Listenreich sei der
Mensch. Heißt es. Hinterlistig liegen sie auf der
Lauer. Lungern herum. Be-
decken Küchen- und
Schreibtisch. Listen, die mich daran erinnern, was
zu tun ist. Listen, die mir sagen, was ich einzu-
kaufen muss. Listen, die mich informieren, welche
Menschen anzurufen, zu treffen, über dies und jenes zu
informieren sind. Listen überall. Den
einen wird gegeben. Den anderen wird
genommen. Kurz und gut sind sie mir
am liebsten.
Just another Blog?
Alles neu macht …
Für einmal ist es bereits der April, der alles neu macht, denn ungefähr am ersten April – kein Scherz, nein! – werde ich hier den Vorhang lüften und erzählen, wie es mir in der Fremde ergeht.
In der Fremde?
Na ja. Irgendwie nah und irgendwie fern …
fern von Bern …?
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Was bisher geschah?
Sofasophia verlässt ihre geliebte Heimat. Bern – die Stadt ihres Herzens. Sie will es wissen. Sie will Neues entdecken. Dem Ruf der Liebe folgen. Nein, der Liebste hat sich nicht gedrängt, aber er hat sie eingeladen, an seiner Seite – in der schönen Pfalz, jenseits der schweizerischen Grenze – zu leben, zu spinnen, zu wohnen, zu lieben und zu sein.
Sofasophia ist neugierig. Und auch ein wenig ängstlich. Und sie freut sich auf deinen Besuch hier.
Demnächst in diesem Kino!
Part I
Wenn ich aufstehe, das zerwühlte Bett verlasse und Richtung Küche tappe, noch schlaftrunken, noch ohne Licht, noch erwachend, kann ich mir die Welt da draußen nicht vorstellen. Sie ist nicht. Es ist nur das, was ich jetzt bin. Nur ich. Ich und meine Träume, die langsam von mir abfallen. Ich und meine Visionen, meine Hoffnungen, meine Sorgen, meine Ängste.
Ich ziehe die Jalousien hoch. Sonnenstrahlen küssen den Küchentisch. Und den dort herum fläzenden Möbelprospekt, der als Beilage die Wochenzeitung eingedickt hatte. Betten. Perfekte Schlafzimmer, minimal möbliert, mit Kunstdrucken an den Wänden. Perfekt gemachte Betten, faltenlos wie die leichtbekleideten Damen, die sich darauf räkeln.
Sterile Betten, die so gar nicht nach Lust, nicht nach Liebe, nicht nach Leidenschaft aussehen.
Seltsam eigentlich, ist doch das Bett, ist doch das Schlafzimmer jener Ort, wo wir am meisten uns selbst sind. Ganz. Wild. Verträumt …
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Part II
5. Habe keinen Respekt vor der Autorität anderer, denn es gibt in jedem Fall auch Autoritäten, die gegenteiliger Ansichten sind.
Ein Satz, den ich neulich beim Blogroll-Surfen via Wildgans bei Zigeunerweib gelesen habe. Hat Betrand Russel gesagt. Unter anderem.
Nicht, dass ich den Satz so ganz unterschreiben könnte, aber die Essenz hat was. Jede Ansicht hat ihr Gegenteil – bloß: was war zuerst?
Diese Woche ergab es sich, dass ich für Internetrecherchen ein paar Mal hintereinander virtuell Zeitung gelesen habe. Wie bei Blogs lassen sich solche online-Artikel kommentieren. Und wie die guten alten Papierbriefe von Lesenden spiegeln Kommentare die Sicht der jeweiligen Gesellschaft wider. Ob es eine Durchschnittssicht ist, die da auf dem Bildschirm abrufbar ich, kann ich allerdings nicht beurteilen. Sowenig wie ich übrigens an sogenannt repräsentative Umfragen glauben kann. Sind nicht immer die eine Gesellschaftgruppen lauter und melden sich eher zu Wort als andere? Deshalb weiß ich also nicht, ob es repräsentativ ist, wenn auf einen kritischen Artikel mit eher rot-grünen Klang zur Wahl des Hardliners Amstutz in den Ständerat, vor allem braune Antwortschreibende das Wort ergreifen, den Artikelschreiber mit Wortmüll bewerfen und ihn gar einseitig nennen. Und drohen, Amstutz‘ Wahl, sei erst der Anfang gewesen … Mir stockt der Atem. Wohin gehen wir? Wir – als Gesellschaft, als einzelne?
Demokratie heißt nebeneinander leben, sich respektieren. Heißt kommunizieren, versuchen, andere Ansichten zu verstehen, heißt sich reiben ohne sich aneinander aufzureiben.
Habe zwar Respekt vor der Autorität anderer, doch denke daran, dass es immer Autoritäten gibt, die gegenteiliger Ansicht sind. Dein Respekt sei wohlwollend, aber nicht unterwürfig.
(by Sofasophia)
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Part III
Ich öffne die Haustüre. Sie ist die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit, die Schleuse zwischen Innen und Außen. Fast unmerklich ziehe ich, sobald ich die Schwelle überschreite, eine Schutzhaut an. Traum, Wildheit, Geborgenheit lasse ich drinnen und betrete die kalte Welt da draußen.
Die kalte Welt?
Jede Ansicht hat ein Gegenteil.
… oder mein Nachwort zum Frauentag
Auch heute ist Frauentag – nicht international, doch ganz persönlich.
Ich bin auch heute ganz Frau. Frauentag ist überall. Und ich bin all den Frauen, die vor mir gekämpft und sich für ihre Anliegen sogar lächerlich gemacht haben, von Herzen dankbar.
Lächerlich? Sind es nicht gerade auch andere Frauen, die beim Kampf um gleiche Rechte – im Alltag, in der Sprache – peinlich weggucken und betonen, sie seien im Fall sicher keine Emanzen?
Es gibt noch viel zu tun, sagt Frau Luise F. Pusch im Migros-Magazin 10 vom 7. März 2011.
Kompetenzen? Früher eins meiner Lieblingsgänsehautwörter. Ich und Kompetenzen? Nö, hab ich nicht, will ich nicht, kann ich nicht … Kompetenz riecht nach Karriere, fand ich und Karriere mag ich nicht. Also mag ich auch Kompetenzen nicht, basta. So einfach war das damals bei mir. Früher, wie gesagt. Älter werden und sein hat auch sein Gutes, denn heute mag ich es, über meine und die Kompetenzen anderer zu philosophieren.
Gestern, am Ufer des Murtensees, verstieg ich mich auf die Theorie, dass wir alle eigentlich nur über jene Dinge reden sollten, zu denen wir etwas zu sagen haben. Wo wir kompetent sind.
Eben passierten wir ein geparktes Auto, das wahrhaftig magisch das Sonnenlicht auffing und dessen Farbe sich kaum in Worte fassen ließ. Beglückt blieben wir stehen und genossen das Schimmern des Lichts und die Auflösung desselben in alle Himmelsfarben.
Was für eine wunderbare Farbe, nicht schwarz, nicht braun, eine Farbe wie …, hob Irgendlink an. Doch halt, nein, ich kann doch gar nichts dazu sagen, ich kenne mich ja mit Autos nicht aus. Hum, andererseits … hier geht’s ja eigentlich um Farben. Da wiederum kenne ich mich als Künstler aus. Darf ich jetzt was dazu sagen oder darf ich nicht?
Stell dir vor, wie still die Welt wäre, wenn wir alle nur über jene Dinge reden würden, bei denen wir uns auskennen?
Nur reden, wo wir kompetent sind.
Wie klug die Welt bald wäre! Und wie still! Herrlich.
Ja, ohne all das sinnlose, ohne als das leere Gelabber.
Politikerinnen und Sesselkleber müssten ihre Ämter niederlegen, weil sie nichts mehr zu sagen wüssten.
Gewisse Parteien würden aussterben, andere würden wachsen.
Und niemand würde einfach drauflosreden.
All die Stammtische würden verwaisen.
Das wahre Paradies …
… hm, und vermutlich – na ja, versteh mich richtig, aber – vermutlich wäre es uns schon bald sterbenslangweilig!
Warum der Röstigraben heißt, wie er heißt, steht hier, doch warum ich mich gerne in der Drei-Seen-Region und an der französisch-deutschen Sprachgrenze aufhalte, ist nicht so einfach in Worte zu fassen. Ein Argument Pro Röstigraben ist, dass ich mich dort immer ein bisschen wie im Urlaub fühle.
Hier ein Link zum Everytrail-Spaziergang, den ich heute mit Irgendlink genossen und aufgezeichnet habe. Mit ein paar wenigen iPhone-Bildern.
Endlich kam auch meine Nikon mal wieder zu Einsatz (ein Draufklick macht die Bilder groß):
Sugiez – noch am Brojekanal …
Kiosk-Wagen-Spiegelung (beim Campingplatz)
Hier lang!, sagt Irgendlink, steht ja auf dem Pfeil.
an den Ufern des Murtensees …
gut vertäut …
auf dem Rückweg durch die Dörfer
Unser Traumhaus …
Kitsch oder Kunst?
… ein Thema übrigens, das uns zu einer spannenden Diskussion über unsere wahren Kompetenzen – im Gespräch ebenso wie in unseren Alltagsaktivitäten – bringt. Kein schlechtes Blogthema, wenn ich es mir so recht überlege …
Wir sind eben in Indien. So was kann schon mal dauern, werfe ich um halb neun in die gemütliche Runde. Vier meiner Freundinnen und Freunde sitzen mit J. und mir am Tisch. Abgesehen von den inzwischen unüberhörbar laut knurrenden Mägen ist die Welt in Ordnung. In bester Ordnung. Leise indische Musik im Hintergrund. Opulente bollywoodeske Dekoration. Gerüche von Kardamon, Koriander und Co.. Auch an Gesprächsstoff mangelt es uns nicht.
Eben habe ich die Geschichte von Walsers Buch, das J. am Freitag erjagt hat, zum Besten gegeben, als auch schon die wildesten Geschichten kursieren.
Wie T. wohl ist?, fragt K..
Bestimmt hat sie M., ihren damaligen Geliebten, der ihr das Buch gewidmet hat, umgebracht. Darum der neue Name unter ihrer Telefonnummer, mutmaßt A..
Hat es im Buch gar codierte Botschaften, die es zu knacken gilt?, fragt J. Zum Beispiel: Wer befreit mich endlich von M.? Der schenkt mir Jahr für Jahr neue Bücher von Walser! Hilfe!
Oder ist sie gar nicht Opfer, sondern Täterin?, sage ich.
Auf einmal sitze ich wie neben mir und lasse die Jahre Revue passieren, die ich die Menschen in dieser Runde nun schon kenne. Der Kern meiner Schreibgruppe – oder so ähnlich. Wie viele selbstgeschriebene Texte haben wir zusammen schon diskutiert? Wie viel haben wir miteinander gelernt, erlebt, gelacht und erlitten? Und wie viele Biere haben wir zusammen getrunken? Auch haben wir besser gelernt zu kritisieren und Kritik anzunehmen. Wohlwollende Kritik, die weiterbringt. Wir haben Handwerkzeug kennengelernt und es miteinander getauscht und geteilt. Wir alle haben Fortschritte gemacht. Ein Stück Lebensschule war sie, diese Runde, denn jeder eigene Text ist ein Stück meiner selbst und die Auseinandersetzung mit seinem Inhalt, seiner Struktur und seinem Stil ist eine Auseinandersetzung mit mir selbst. Ich seufze innerlich, halb wehmütig, halb dankbar. Vielleicht sind Umbrüche und Umzüge und Neuanfänge dazu da, uns zum Loslassen, zum Innehalten, zum Dankbarsein aufzufordern?
Als das Essen endlich serviert wird, wir sitzen inzwischen schon seit zwei Stunden bei Tee, Lassi, Wasser und Bier am Tisch, seufze ich wieder, diesmal laut. Genüsslich. Wir teilen aus unseren Töpfchen, probieren dies und das und genießen das Zusammensein. Auch ein paar Wisst-ihr-noch-Geschichten machen die Runde und J. wird laufend über die Geschichte und die Geschichten unserer Schreibgruppe aufgeklärt. Am Anfang … später … damals …
S. mit seinen ewigen Heimkehrer-Geschichten, die er jeweils im zu jener Zeit aktiven Forum zum besten gegeben hat und unsere Nach-den-Schreibtreffen-Resümees waren lange Zeit Tradition. Fehlen sie mir? Schwer zu sagen. Ich gehe einfach immer weiter. Vorwärts. Rückwärts. Stolpere, falle gar hin, wie vorgestern im Wald, stehe wieder auf, putze mir die Blätter von der Hose und gehe weiter.
Wann ist das letzte Mal? Das letzte Mal im Könizbergwald. Das letzte Mal im Bremgartenwald. Das letzte Mal im Quartierladen einkaufen. Das letzte Mal im Maharaja essen.
Das erste Mal lässt sich genau definieren: Dann und dort, du weißt schon, dies und das war so und so. Das letzte Mal weißt du nie. War es jetzt schon, kommt es erst?
Fehlen werden mir nur die Leute, nicht die Erinnerungen, denn die nehme ich ja mit.
Besucht uns mal, sagt J. beim Abschied.
Von seiner Bilderjagd bringt J. heute Abend ganz überraschend neben den knapp zweihundertfünfzig Bildern mit Berns Straßenschildern auch ein Buch mit. Die Jagd. Gebraucht und zerlesen. Von Martin Walser, einem Autoren, dem ich bisher aus dem Weg gegangen bin. Wie ich es oft bei allzu hochgelobten oder allzu runtergemachten Schreiberlingen tue. Reine Vorurteile natürlich. Nicht dass mich der Plot der Geschichte besonders reizt, aber mich spricht Walsers Sprache an. Ich mag dichte kurze Sätze, lese ein paar Abschnitte und schaue mir das Impressum an.
Das Buch, so illustriert mir J. anhand eines Bildes, hat er buchstäblich auf der Straße gefunden.
In einem Koffer. Mit der Aufforderung „zum Mitnehmen“. An der Ju….straße, sagt J.
Soweit so gut. Wenn da bloß nicht diese Widmung drin wäre und das Herz hinter dem Männernamen. Das Buch ist zudem signiert und, das Beste, die im Erscheinungsjahr des Buches, 1988, beschenkte Dame hat oben rechts auf der ersten Seite ihren Namen hingeschrieben, da sie das Buch bestimmt Freundinnen und Freunden ausgeliehen hat.
Ich nehme mein iFon zur Hand, öffne die Telefonbuch-App und gebe auf Geratewohl ihren Namen ein. Es gibt exakt eine Frau in der ganzen Schweiz, die diesen nicht mal besonders ausgefallenen Namen trägt. Und sie wohnt, wen wundert’s, an der Ju…straße.
Frage ich ihre Telefonnummer ab, erscheinen auch prompt zwei Namen. Doch nein, der zweite ist nicht jener Männername vor dem Herz in der Widmung. Ein neuer Mann.
Wer sie wohl ist, T., die ihre handsignierte Jagd einfach auf die Straße legt? Und wo hat T. damals, vor dreiundzwanzig Jahren, gelebt, gejagt, geliebt und gelesen?
Was wird mit all meinen Büchern geschehen, die in den Taschen fürs Brockenhaus bereit liegen?
Ja, ein Buch kann mehr als bloß jene eine Geschichte erzählen, die auf seine Seiten gedruckt worden ist.