anders zu sein

Ich wollte eigentlich nur endlich den letzten etwas äh negativeren Artikel ein bisschen weiter runterrutschen lassen, genau so war das!, schreibt Mietze in ihrem Blog. In ihrem Artikel Sendepause kündigt sie eine solche an. Gute Idee, könnte ich eigentlich auch, eine Schreibpause machen, murmle ich. Aber nicht so. Nicht mit diesem tristen letzten Artikel. Ich muss ebenfalls etwas nachschieben, damit der vorherige nachrutschen kann. Absacken ins Vergessen.
Allerdings kann ich nicht versprechen, dass das, was ich heute schreibe, dieser Sache dient. Vielleicht brauchen die heutigen Dinge wiederum einen Artikel obendrüber.
Über die Macht, die andere über mich haben, will ich schreiben. Seit Tagen denke ich darüber nach. Über all die unausgesprochenen Worte und Blicke, so dass du dich wieder wie ein Kind fühlst und auf einmal die Macht begreifst, die Erwachsene über dich hatten. Und die andere über dich haben. Noch immer. Und die du über andere hast auch. Erkenntnis, deine Schwester heißt Schmerz.
Da war dieses Gespräch in der Frauenrunde vorgestern Abend. Nach dem Ritual tauschen wir uns aus. Längst ist Smalltalk in unserem Kreis Vergangenheit. Eine erzählt ein Erlebnis von früher und wie sie sich in jener Situation abgelehnt gefühlt hatte, kritisiert, unverstanden. Wir alle kennen das. Unsere Gesellschaft ist die Summe wunder, unverstandener Menschen.
Wir alle haben auf die eine oder andere Weise ein angeknackstes Selbstwertgefühl und kompensieren irgendwie dieses Leck. Alle waren und sind wir abgelehnte, Flügelgestutzte Kinder. Wie anders erklärt sich, dass wir uns auf Konkurrenzkämpfe einlassen? Auf dieses ewige Buhlen um Aufmerksamkeit? Auf dieses Streben nach Anerkennung? Alle sehnen wir uns nach alles umfassende Liebe (na ja, vielleicht auch nur fast alle).
Es ist einfacher, andere zu kritisieren, das Unkraut vor fremden Türen zu sehen und den Dreck anderer, als den eigenen. Doch besonders hart ist, für Dinge kritisiert zu werden, die deiner Wahrnehmung nach objektiv nicht zutreffend sind. Und wenn dann noch deine ganz persönliche Art zu sein, wie du bist, kritisiert wird, wird es richtig brutal und Grenzen überschreitend. Und unfair. Es geht nicht mehr um Fakten, nicht mehr um Materie, sondern es geht um dich. Um dein Sosein. Deine Privatsphäre. Deinen Raum. Dein Lebensgefühl. Deine Individualität. Deine Farbe.
Stell dir diese Welt ohne die ganze Vielfalt vor und ohne die Farben der anderen!
Stell dir vor, alle wären gleich!
Stell dir vor, alle würden gleich denken wie du!