Nischenzöix

Die einzige Grenze ist Ihre Fantasie!, wirbt eine App für sich. Hat was.
Vielleicht gut, dass es Grenzen gibt. Manchmal. Wäre meine Fantasie grenzenlos, hätte ich keine Zeit für all die Ideen, die mich zusätzlich zu all den bereits vorhandenen überschwemmen würden.
Ich verbringe diese Tage in dichter Arbeit. Die PR-Sache für Irgendlinks geplante Reise ums Meer, um die Nordsee ((für die ich immer wieder und ausgesprochen gerne Werbung mache)) wird immer komplexer. Zwei lokale Zeitungen sind aufgesprungen. Vorerst punktuell. Wer weiß, was wird.
Daneben hinke ich um Wohnungsinserate herum und hoffe, dass – wie immer – alles schon zur richtigen Zeit kommt. Meine Erfahrungen sagen das eine – es kommt gut! –, meine Ängste das andere.
Dazwischen Nischen. Die braucht es. Nischen zum Spielen. Und Träumen von der großen Reise, die ich nur von Ferne miterleben werde.
Ich brauche Bilder. Dies hier heute montiert und auf alt – auf lonesome bikeboy, ihr wisst schon – getrimmt:
Zelt und Rad hat J. auf der Radreise von hier nach Andorra – im Frühling 2010 – fotografiert. Ihn selbst habe ich im Sommer 2011 in Rendsburg geknipst. Vor der längsten Rolltreppe der Welt, die ganz schön kirre machen kann. Plümerant sozusagen … siehe dazu auch pixartix. Da hat es nämlich mal wieder Nachschub. Ihr wisst schon … pixartix, DAS Bilderblog!

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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

unfertig

Vor ein paar Tagen, genau gesagt, als wir damit angefangen haben, Irgendlinks Fernradreise-Liveblogprojekt professioneller anzugehen, dachte ich: Wenn er seine Europenner-Website fertig redesigned und relauncht hat, werde ich mal so richtig Werbung machen – hier auf dem Blog und mit einer Rundmail. Denn was ich bei mir kaum kann, kann ich bei andern sehr gut: Erkennen, was gute Kunst ist und ein bisschen pushen. Außerdem freuen sich meine Freunde, Freundinnen und meine treue LeserInnen womöglich genauso wie wir über das, was da werden wird. Das Projekt ist einfach zu gut, um es nicht sichtbar zu machen. Und wenn alles fertig ist, dann rühre ich für meinen Liebsten die Werbetrommel. Dachte ich.

Wenn ich so und so, dann … Wenn wir so und so, dann … Über den Konjunktivismus und die lange Bank der Prokrastination habe ich hier schon viel geschrieben. Wie ein Kehrreim ist das Thema. Wie ein Ohrwurm. Hartnäckig und klebrig. Glück vorgaukelnd, Sehnsüchte weckend und Illusionen nährend taumelt es durch unsere Gegenwart und vertröstet uns auf später.
Ich behaupte nicht, dass es nur das Jetzt gibt. Zu sehr prägt mich die Vergangenheit. Zu sehr werfe ich Schatten in die Zukunft, in die nahe ebenso wie die ferne, in meine und auch in die von J., denn letztlich sind sowohl das Projekt „Ums Meer“ als auch mein Umzug in sechs-sieben Wochen jetzt noch Zukunft. Doch Zukunft muss vorbereitet werden. Die Zeit ist der rote Faden auf dem die bunten Lebensperlen baumeln. Holzperlen. Glasperlen. Süßwasserperlen. Alle echt. Manchmal fällt eine zu Boden, rollt unters Sofa, und zeigt sich erst beim nächsten Staubsaugen. Manche Perlen verblassen, andere fassen wir so oft an, später, dass sie glatt und glänzend werden, während wieder andere Risse bekommen. Und doch baumeln sie alle am gleichen Faden.
Rote Fäden haben es an sich, sich zu verheddern. Manchmal führen sie uns aus dem Labyrinth scheinbar nicht mehr heraus. Manchmal scheinen sie sich rückwärts zu bewegen und wir vergessen kurz, dass auch rückwärts vorwärts ist, weil die Zeit nicht der Chronologie einer Zeitachse, sondern jener der Spirale folgt.
Was ich sagen will: Nein, die Europenner-Seite ist noch nicht fertig, doch lesbar. Sehr sogar! Und wer wissen will, was es mit diesem Wort auf sich hat, lese hier weiter. Die Seite wächst beim Gehen. Der Weg wächst, wenn du ihn gehst. Ein irisches Sprichwort, meine ich mich zu erinnern, das die Vorversion von europenner.de untertitelte. Ich hoffe, dass ich richtig zitiert habe.
Zur Reisevorbereitung in Sachen PR gehört unter anderem die Überarbeitung des Jakobsweg-Buches, das J. vor vierzehn Monaten auf irgendlink.de live gebloggt hat. Dort rückwärts lesbar – heißt der neueste Artikel zuoberst –, wird es jetzt auf europenner.de in lesefreundliche Weise neu ins Netz gestellt >>> hier zum Text. Irgendlink hat es sanft überarbeitet und ein klein bisschen geschlankt. Für mich ist es auch mit Abstand – nicht mehr im Live-Modus, da Vergangenheit – eine wundervolle Lektüre.
Auch „Ums Meer“ wird Irgendlink wieder live bloggen. Und live Bilder einstellen. Wir alle können mitreisen.
Ich zitiere aus dem Brief, den wir an Menschen, die das Projekt womöglich finanziell unterstützen wollen, versenden werden.

Reisen Sie mit!
Als Sponsor oder Sponsorin unterstützen Sie Rincks aktuelles Projekt finanziell oder materiell. Im Gegenzug erscheint Ihr Firmenlogo auf Rincks Reise- und Alltagsblog irgendlink.de. Selbstverständlich werden Sie auf Wunsch in Publikationen namentlich erwähnt. Bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf.
Auch als Spenderin oder Spender können Sie mitreisen: Kleine oder große Spenden sind herzlich willkommen. Wir verraten Ihnen auf Anfrage gerne die Bankverbindung zur Überweisung Ihres Beitrags.

  • Mit 30 Euro ermöglichen Sie Rinck zwei Wochen freies Internet bei T-elekom.
  • Mit 50 Euro ermöglichen Sie Rinck drei Tage Verpflegung aus dem Gaskocher von Trangia.
  • Mit 100 Euro kann sich Rinck fünf Campingplatz-Nächte leisten
  • Mit 200 Euro ermöglichen Sie ihm freies Internet für die ganze Reise bei T-elekom.
  • Mit 200 Euro: Der Künstler kann sich einen Rundum-Service für sein Fahrrad leisten. Neue Bremsbeläge, neue Schläuche, neue Reifen.
  • Mit 500 Euro: Jürgen Rinck kann sich einen ganzen Monat verpflegen und vielleicht sogar eine norwegische Pizza essen gehen.
  • Mit 1000 Euro: Campingplatz und Verpflegung für einen Monat sind gewährleistet.

Wer das Projekt mitträgt, wird auf Wunsch in Publikationen und im Blog namentlich dankend erwähnt.“

(((Vielleicht hat ja auch hier jemand Lust, sich ähm, finanziell, *hüstel* zu beteiligen?)))
Fertig sind die PR-Dokumente noch nicht. Noch baue ich an einem Interview, das wir dem Versand teilsweise beilegen wollen. Auch die Web-Auftritte sind noch nicht fertig. Vielleicht nie. Wie im richtigen Leben. Bloggen und leben haben ziemlich viele Ähnlichkeiten. Beides geschieht laufend. Beides endet erst mit dem letzten Atemzug oder dem letzten Punkt. Ob fertig oder nicht. Und ob das jemand je wissen kann?
Oh, die Spülmaschine ist fertig. Toll, wenigstens sie kann es.

Wissen und hören

Gestern mit den Ritualfrauen Karten gezogen. Erhellende Erkenntnisse über mich selbst gewonnen. Meiner Intuition vertrauen will ich. Weitergehen.
Im Zeitalter der grenzenlosen Kommunikation versuche ich bei mir zu bleiben – und mit mir selbst im Gespräch. Selbstgespräch nach innen. Hinhören. Still sein.
Nicht immer reden. Nicht immer schreiben. Wissen, wenn es Zeit dafür ist. Und wann.

Bildvarianten auch auf 
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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).
 

to be or not to be

Nicht, dass ich den Anspruch hätte, hier shakespearesches Niveau erlangen zu wollen, keine Angst, doch dieser Titel muss heute einfach sein. Höchstens to blog or not to blog, wäre eine Alternative und vielleicht sogar, heute und hier, eine passende Analogie.
Selbstbeweihräucherung und Exhibitionismus im Internet – ja, davon gibt’s genug. Und ein wenig tun das alle, die sich auf dien eine oder andere Art sichtbar machen. Ob nun in der virtuellen Welt oder in der höchst realen.
Wenn du voran kommen willst, musst du dich trauen. Zeige, was du kannst!, hatte mein Vater vor vielen Jahren einmal gesagt. Ich war noch in der Ausbildung. Und ob er trauen gesagt hat, weiß ich nicht mehr mit Sicherheit. Andere sagen: Stell nicht dein Licht unter den Scheffel. Mach dich nicht klein!, sagen dritte. Leicht gesagt … Mut und Selbstvertrauen waren leider nicht mit in meiner Schoppenflasche. Und was meint vorankommen wirklich? Spitze Ellbogen hatte ich noch nie.
Darum sinne ich seit gestern Abend darüber nach, ob es gut oder doof ist, wenn ich darüber blogge, dass ich den Februar-AppIt meiner iPhoneArt-Community gewonnen habe. Okay, keine supergroße Sache, doch Fakt ist, dass meine Bildserie – aus über hundert Bildern – am meisten Stimmen bekommen hat. So ein AppIt-Wettbewerb findet alle paar Monate statt. Die Aufgabe besteht jeweils darin, das Bild des letzten Gewinners oder der letzten Gewinnerin möglichst originell zu verändern und zu bearbeiten. Diesmal war es ein langweiliger Baum, der es sogar fast geschafft hat, mich zum Nichtmitmachen zu bringen. Doch auf einmal hatte ich total Spaß und war voller neuer Ideen.
Der Preis? Wie gesagt: Die Siegerin oder der Sieger darf das nächste zu bearbeitende Bild beitragen. Nein, wirklich keine große Sache. No money! Dennoch freue ich mich sehr. Zu sehen, dass meine Bilder eine Aussage haben, die ankommt, tut gut.
Doch zurück zur Ausgangsfrage: Darf ich so etwas bloggen? Ist geteilte Freude doppelte Freude oder erwecke ich mit solchen Nachrichten Neid?
Bin ich noch ich – auch ohne Blog? Lasse ich mir gar von all diesen Grübeleien die Flügel stutzen?
Schnitt.
Diese Tage sind voller Bilder. Zum einen sucht Irgendlink für seine Drucksachen und das Werbematerial – nicht zu vergessen auch für seinen Stand an der Messe „Kunst direkt“ in Mainz in fünf Wochen – nach aussagekräftigen Bildern, zum anderen brauche ich ein Bild, das sich zum verrückten und inspirierten Bearbeiten durch andere iPhoneArtistInnen eignet. So saßen wir gestern Nacht vor dem großen Bildschirm und reisten durch Dänemark, Schweden und Norwegen. Auf einmal war es Sommer. Sommer 2010. Beide waren wir damals noch Frischlinge in der iPhoneographie. Die Bilder sind dennoch bezaubernd und das Fernweh räkelt sich erwachend. Da und dort finden wir Bilder, bei denen es uns sofort in den Fingern juckt: Das will ich bearbeiten. Appen.
Zum Beispiel das hier (das rechte Bild gibts groß bei pixartix)
       (einfach aufs Bild klicken!)
Es war ein kalter Tag in Norwegen. Wir fuhren immer nordwärts, heißt eigentlich nordwestlich, Richtung Meer. Kalt meint hier fünfzehn Grad, während in Deutschland und der Schweiz Rekordtemperaturen um die dreißig Grad gemessen wurden. Auf der Suche nach einem Geocache waren wir in einem Dorf gelandet, Selbu, das ein hübsches Heimatmuseum, direkt neben der Kirche, sein Eigen nannte. In welcher notabene grad eine schlotternde Braut ihrem Liebsten das Jawort gab, während wir uns im Heimatmuseum aufwärmten. Einer dieser Tage, die so typisch für unsere Art zu reisen sind. Einfach schauen, wohin es uns verschlägt.
Im Museum eine sehr angenehme Dame, die uns alles erklärt. Auch die kleine Kunstausstellung – eine sehr beeindruckende Rauminstallation, die aus mindestens fünfhundert an der Decke an Fäden aufgehängten Stricknadeln bestand.
So klicken wir uns gestern Abend weiter an die norwegische Küste. Von da aus zum Polarkreis und schließlich zurück durch Schwedisch-Lappland. Mein Herz klopft heftig. Nicht nur vor Fernweh. Ich bin dankbar für all das zusammen mit J. Erlebte. Da keimt Hoffnung, dass das Leben nicht nur nicht gut ist, nicht nur bloß schwer, nicht nur ständig voll neuer Hürden und Widerstände. Nein, das Leben ist auch schön. Oft sogar. Und ich, ich bin.

Nachspiel

Wenn etwas kaputt geht, muss es repariert werden. Richtig? Und wenn etwas kaputt geht, so dass es sich nicht mehr reparieren lässt, muss es ersetzt werden. Eigentlich ganz einfach. Als neulich beim Ausparken aus der Garage mein rechter Außenspiegel zerbrach, habe ich mich deshalb am nächsten Tag an den Laptop gesetzt um im weltweiten Netz nach einem Ersatzspiegel zu fischen. Nach ein paar Mails mit dem Händler meiner Wahl war klar, dass das gebrauchte Teil zu meinem alten Sternchen passen müsste. Zwar hatte ich mich ein wenig über die wiederholt männliche Anrede des Ersatzteilhändlers genervt, ihn gar demonstrativ mit Frau angesprochen, doch schließlich wurden wir uns einig. Ich zahlte die Rechnung und wartete.
Als vor zwei Tagen der Postbote ein überdimensioniertes Paket ablieferte, war meine Freude groß. Nicht nur wegen des Altpapiernachschubs zum Anfeuern. Es ist doch ein wenig unheimlich, mit einem gesprungenen Spiegel zu fahren. Ausgepackt war das Teil schnell, doch dann drehte und wendete ich es erst eine ganze Weile hin und her. Schließlich kratzte ich mich am Kopf.
Ist das nicht ein linker Spiegel oder mein ich das nur?, fragte ich Irgendlink. Auch mein Liebster begutachtete das Teil von allen Seiten, nickte, schüttelte den Kopf und beschloss, in der Garage nachzugucken, ob wir mit unserer Schlussfolgerungen richtig lagen. Lagen wir.
Mann, wie konnte ich nur so doof sein und rechts mit links verwechseln!, murmelte ich und öffnete meine Mails um die Sache in Ordnung zu bringen. Nein, doof war nicht ich, doof waren die andern. Schwarz auf weiß habe ich einen rechten Außenspiegel bestellt. Ha! Männer, rechts und links – waren das sonst nicht eher die Frauen?
Nach dem ich auf meine Mails an den Händler keine Rückmeldung erhielt – außer dass meine Mail im S-P-A-M gelandet sei –, rief ich heute Morgen dort an. Meine Empörung legte sich schnell. Herr S. wand sich und ich rang derweilen um Fassung, um nicht laut loszuprusten.
Sie hätten zeitgleich zwei Bestellungen für zwei Außenspiegel bekommen, sagte der gute Mann. Für einen rechten und für einen linken. Es kam, wie es kommen musste: Die Spiegel – oder waren es die Pakete? – wurden verwechselt. Murphy am Werk! Dem anderen Kunden, der offenbar ein wenig schneller als ich reagiert hatte, vermutlich telefonisch und darum ohne Umwege über den S-P-A-M-Ordner, wurde umgehend ein richtiger, nämlich ein linker Spiegel nachgesandt. Warum dieser Kunde jedoch daraufhin statt nur den rechten, den ich brauche, auch gleich noch den linken retourniert hat, habe ich wirklich nicht verstanden. Ob er zwischenzeitlich auf dem Schrottplatz gefunden hat, was er brauchte?
Nun ist sein Paket auf der Reise. Doch statt zurück an die Firma, hat er es auf deren Wunsch an mich geschickt. Cool, so werde ich schon bald stolze Erhalterin eines noch größeres Paket sein. Jippie, das ist ja wie Weihnachten und Ostern zusammen. Schon bald werde ich drei Außenspiegel haben. Davon habe ich doch schon immer geträumt. Andererseits … was fange ich bloß mit zwei falschen, linken Spiegeln an? Und nur einer ist der richtige, der rechte. Nein, auf meine politische Gesinnung wird das keine Auswirkungen haben, doch ich werde den Verdacht nicht los, dass mir das Leben etwas sagen will. Bloß was?

Marktplätze

Über Exhibitionismus in allen möglichen Schattierungen denke ich dieser Tage viel nach. Und über uns Bloggerinnen und Blogger und das Warum-wir-bloggen. Angeregt durch Diskussionen in anderen Blogwohnzimmern. Angeregt durch Gespräche beim Abendessen im ganz realen Wohnzimmer auf dem einsamen Gehöft. Wie viel Öffentlichkeit braucht ein Mensch wirklich? Wie viel Resonanz von andern brauchen wir künstlerisch Tätigen, um genau das zu tun, was wir tun wollen – nämlich uns auszudrücken. Brauchen wir ebenso Resonanz wie eine Saite, die ohne Klangkörper nicht tönt? Wie laut müssen wir zupfen, um gesehen und gehört zu werden?
Und müssen wir denn gehört und gesehen werden?
Irgendlinks Reiseprojekt ist gestern in ein neues, konkreteres Stadium getreten. Mit meinem beruflichen Erfahrungen im PR-Bereich, als frühere Sekretärin eines Künstlers und spätere Sekretärin eines Non-Profit-Hilfswerks, versuche ich nun nach gemeinsamer Arbeitsplanung, mit bescheidenen Mitteln allerdings, nach ein wenig Öffentlichkeit zu fischen. Ja, zugegeben, dabei geht es um Geld. Nein, es muss bei Kunstprojekten nicht immer und nicht grundsätzlich um Geld gehen, um gesehen und gehört zu werden. Doch ohne Geld kann auch eine Künstlerin und ein Künstler kein Brot kaufen.
Beim Bloggen aber geht es um andere Werte. Erstens ist es Lust. Lust am Schreiben. Gleich danach geht es bei mir ums Teilen. Ich gebe etwas von mir her. Vielleicht nicht aus altruistischen Gründen, doch ich gebe freiwillig. Ich gebe etwas, das in mir gewachsen ist. Etwas persönliches. Danach spaziere ich weiter durch das virtuelle Universum und nehme da und dort etwas mit, was mir andere anbieten. Ebenso freiwillig. Aus Lust am Kreieren machen wir uns gegenseitig reich. Reich an geteilten Erfahrungen. Teilgeben. Teilhaben.

Die Sache mit dem Festhaltenwollen

Wie ich gestern, mitten im Alltag, meinen Liebsten drücke und von ihm gehalten werde, begreife ich auf einmal, dass ich ihn diesen Sommer viele Tage lang nicht drücken, nicht mal sehen werde.
Zum einen bin ich dabei, meinen Haushalt von Deutschland wieder in die Schweiz zurückzuverlegen, zum anderen plant Irgendlink eine ungefähr drei Monate dauernde Radwanderreise um die Nordsee. Ums Meer. Er wird auch diesmal wieder, wie auf seiner Jakobsweg-Reise vor einem Jahr, live darüber bloggen – Bild- und Textreportagen der ganz besonderen Art! Ihr dürft euch schon jetzt freuen!
Losgelassen habe ich schon oft. Nicht immer freiwillig. Abschieden begegne ich zwiespältig. Wer weiß schon, wann und ob wir uns je wiedersehen?, denke ich zuweilen, wenn ich gute Freundinnen oder Freunde zum Abschied umarme und wir uns auf den Weg machen.
Wie wir uns so drücken, J. und ich, gestern, sage ich, dass ich diese Umarmung und alle andern, die schon waren und alle die noch kommen werden, in eine Dose packen will. Später, allein, wenn ich ihn vermissen, wenn ich seine Umarmung ganz besonders brauchen werde, kann ich einfach diese Dose aufmachen und ich werde wissen, dass er da ist. Dass wir uns auch über die weite Distanz nahe sind.
Ich wünsche mir, nährende Augenblicke jederzeit abrufen zu können. Kostbare Erfahrungen sollen mich in Momenten der Mutlosigkeit daran erinnern, dass das Leben auch anders sein kann. Darum will ich jeden Frühling und jeden Sommer von neuem all die Düfte, die den Tag vergolden, einkochen. Konservieren. Herzfuttervorräte anlegen. Für kalte Wintertage. Für graue Stunden.
Ich will jeden Augenblick genießen, den ich auf eine das Herz nährende Weise verbringe. Mit J.. Mit meinen Lieblingsmenschen. An meinen Lieblingsorten. Während meiner Lieblingsjahreszeiten. In der Natur. Bereits erlebtes Jetzt verfügbar gemacht für kommendes Jetzt. Vorrat für kalte Wintertage.
((Notiz an mich: Wieso redet eigentlich niemand von Sommervorräten? Winterliche Kargheit, schneeweiße Stille, tiefgefrorene Nasenhaare – niemand scheint davon etwas aufbewahren zu wollen, selbst jene Menschen nicht, die den Winter lieben …)))
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Nein, ich bin nicht die einzige, die solche Gedanken denkt. Cambra hat ähnliches gebloggt …

Zeitfresserchens Lust

Da las ich heute, bei Sherry wars, über unsere nachlassende Konzentrationsfähigkeit und dass wir nach einer Viertelstunde Arbeit an einem Thema bereits mit den Füßen scharren. Wir müssen doch endlich mal wieder nachschauen, ob uns jemand gemailt hat. Ob eine SMS eingegangen ist. Ob dies. Ob das. Ob jemand nach uns fragt.
Wie ich da sitze und schreibe, fallen mir ab hier sogleich ein paar mögliche Fortsetzungen für diesen Blogartikel ein. Die erste, die ich mir vorgenommen habe, nenne ich hier mal Spur eins. Auf ihr will ich über Zeit und unseren Umgang mit ihr sofasophieren. Problemlos könnte ich jetzt an Spur zwei weiterspinnen. Will heißen, über soziale Kontrolle schreiben. Über Nachbarn, die wissen, wann ich das Haus verlasse. Wo ich einkaufen gehe. Wie ich meine Wäsche aufhänge. (((Oops, schlampig wie ich bin, habe ich seit Stunden die Wäsche in der Maschine vergessen! Mach ich gleich nach dem Bloggen, versprochen!)))
Spur zwei eröffnet mir problemlos mindestens zwei weitere Spuren, wie ich weitererzählen könnte. Und von jenen zwei Spuren je wieder zwei, mindestens. Meine blühende Phantasie ist ein Zeitfresserchen der grenzlosen Art. Beim Bilderbearbeiten ist es noch schlimmer. Nehmen wir ein schlichtes rohes Bild, fotografiert mit dem iPhone. Kaum fotografiert, oder noch vor dem Klick, habe ich mindestens zwei Ideen, wie ich das Bild weiter entwickeln will. Alles, was danach kommt, nenne ich nicht mehr Fotografie, sondern digitales Gestalten, kurz iDogma. Auch iKunst, wie Mietze neulich vorschlug, gefällt mir. Manchmal verfolge ich von Anfang an gleich mehrere Spuren der möglichen Bearbeitung, wobei während der Arbeit nach jedem Schritt laufend neue Spuren dazukommen. Hilfe, da könnte ich mich glatt in meinem eigenen Bilderdschungel, auf Nimmerwiedersehen, verirren! Und von jedem Bild gäbe es danach mindestens zehn finale Versionen. Wenn ich denn die Zeit hätte! Und wenn ich mich nicht immer mit mir selbst auf eine Variante oder zwei einigen könnte.
Im Grunde läuft es bei AppIt!, einer der Arbeitsgruppen auf IPA, unserer iPhoneArt-Community, ziemlich genau so. Ein rohes Bild wird von allen, die mitmachen wollen, weiterbearbeitet. Wirklich spannend, was aus dem langweiligen Baum, den ich neulich hier erwähnt habe, geworden ist. Der Beweis: Auch aus einem banalen Bild lässt sich etwas Witziges gestalten. Das macht Hoffnung.
Hätte ich bloß mehr Zeit, dann würde ich …, jeden Tag denke oder sage ich diesen Satz mindestens fünfmal. Zeit habe ich zwar schon, doch wie setze ich meine Prioritäten? (((Oh, ich bin wieder auf Spur eins gelandet. Wow!))) Was ist uns wirklich wichtig? Ist es das, womit wir am meisten Zeit verbringen? Die meiste Zeit verbringen wir – ihr da draußen jedenfalls, ich im Moment nämlich nicht – bei der Arbeit. Wir leisten viel, um viel Geld – und gleich noch mehr Geld! – zu verdienen, womit wir uns Dinge kaufen können, die unserer Unzufriedenheit entgegenzuwirken sollen, die dadurch entstanden ist, dass wir so viel arbeiten. Immerhin kurbeln wir so die Wirtschaft an und das ist doch gut, oder etwa nicht!?
Vor ein paar Jahren habe ich in Bern an einem tollen Kunstprojekt zum Thema Zeitverschwendung teilgenommen. Es gab Bilder, Musik und Literatur rund um dieses faszinierende Thema. Weil wir im Vorfeld keine Zeit gehabt hatten – logisch irgendwie! – trafen wir Autorinnen und Autoren uns kurz vor der Lesung, um den Ablauf unserer Lesung zu nageln. Wir waren uns schnell einig, uns beim Lesen abzuwechseln, legten spontan eine Reihenfolge fest und trugen schon bald einen witzigen Mix aus ernsten und heiteren Texten vor. Dem Publikum und uns hat es jedenfalls Spaß gemacht.
Unter anderem kamen einige meiner Kürzestgeschichten, genannt „Voller Einsatz“, die nur einen einzigen Satz lang sind, voll zum Einsatz. Zeitersparnis pur!
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Zeitgeist

Um deinen dunkelgrauen Zeitgeist bei Laune zu halten, brauchst du ihn bloß – wie eine Parkuhr – mit deinem Zeitmangel zu füttern, doch egal, ob du nun mit Zeit handelst, nie Zeit hast, Zeit abarbeitest, andern Zeit stiehlst, Zeit absitzest, Zeit vorarbeitest, um freie Zeit zu schaffen oder ob du gar Zeit vertrödelst oder totschlägst, eins darfst du auf gar keinen Fall tun, denn sonst wird er sauer: Zeit haben.
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Zeit sammeln

Das ist die Geschichte jenes jungen Mannes, der erfahren hatte, dass er eines Tages sterben würde, der sich auf den Weg machte, um überall, wohin er kam, Zeit zu suchen, zu erbetteln, zu sammeln, und tatsächlich viel Zeit geschenkt bekam, doch diese durch die ständige Rennerei wieder aufbrauchte und daher beschloss, nicht mehr weiter zu rennen, sondern seine Vergänglichkeit zu akzeptieren, und dabei erkannte, dass er endlich Zeit hatte, denn nun war die Zeit auf seiner Seite und schien sich gar zu vermehren, während er schaute und lebte und atmete und grüßte, und er wurde reicher an Zeit als je zuvor, und dabei alt und älter, und eines Tages starb er weise und glücklich.
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Der Kaiser hat ja keine Kleider an …

Das Bild ohne Bild oder des Kaisers neue Kleider …
Am Anfang war eine schwarze Fläche, die ich dank einer App namens PhotoWizard mit immer wieder anders farbigen Rahmen eingefasst hatte. Zwischen jeden bunten fügte ich jeweils einen schwarzer Rahmen ein.

Das fertig gerahmte Nicht-Bild nudelte ich anschließend durch ein weiteres Programm (iDroste), was den Rahmen aufgeknackt und das sture Ding in Schnecken-/Spiralenform gebracht hat.

Alsdann wurde das neue Ding mit reflektierenden Rahmen auf gelbem Untergrund von allen vier Seiten erneut gerahmt.
Klingt womöglich furchtbar langweilig, technisch und banal. Mag sein, doch ich plaudere hier nur us em Nähtruckli (aus dem Nähkörbchen), weil ich etwas von der Faszination mit euch teilen will, die zurzeit das Bilderbauen ohne reale Bildvorlage für mich hat.
Aus nichts etwas machen – vielleicht einfacher, als aus Stroh Gold zu spinnen.
Im Gegensatz zum nackt durch die Straßen wandelnden Kaiser in Andersens Märchen habe ich allerdings am Schluss nicht nacktes Nichts vor meinen Augen, sondern ein neugeborenes Bild. Ein Bild das vorher nicht da wahr. Wie es die Kunstmalerin auf der Leinwand erlebt. Nur, dass meine Farbtuben virtueller Natur sind. Ein neues Bild, das aus einer Mischung von Absicht, handwerklichem Können – nämlich dem Bedienen der verschiedenen Bildbearbeitungs-Applikationen auf dem iPhone (meine Pinsel, Stifte und Farbtuben sozusagen) – und Zufall entstanden ist.
Die Moral von der Geschicht? Gibt es nicht.
Ausprobieren. Weitermachen.
Ach, übrigens: Auf unserem noch fast nigelnagelneuen Bilderblog Pixartix zeigen Irgendlink und ich immer wieder neue Experimente …

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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).