Am meisten unter die Haut ist mir jene Szene, wo Sonja ihre Tochter Femke sucht – in der Leichenhalle eines Krankenhauses unter vielen toten, mit weißen Laken zugedeckten Kindern, welche die Überschwemmung der holländischen Küstenregion nicht überstanden haben. Und ja, sie findet Femke.
Überhaupt: In den ersten drei Folgen der niederländisch-belgischen Mini-Serie Wenn die Deiche brechen gibt es viele sehr dramatische Szenen (2017, aktuell in der NDR-Mediathek), während die Folgen 4-6 vor allem davon erzählen, wie das Leben nach der Überschwemmung weitergeht.
Ganz am Anfang der Serie begleiten wir die junge Mutter Sonja und ihre Kinder Femke und Kevin, auf dem Weg ins Gefängnis, wo Ronnie, Sonjas Mann, eine Strafe abbüsst. Sonja und ihre Kinder sind bereits auf dem Weg dorthin in die Vorboten eines gewaltigen Sturms geraten und verunfallen auf dem Heimweg beinahe.
Nicht nur Sonja, auch Ronnie, treffen wir im Laufe der sechs Folgen immer wieder. Und Samir, einen Gefängnismitarbeiter, der bleibt, als längst alle anderen gegangen sind. Weiter treffen wir das wohlsituierte Ehepaar Wienesse samt ihren zwei Teenietöchtern und einem Haufen Eheprobleme; und wir beobachten den niederländischen Premierminister Kreuger, der mit seiner Regierung und jener Belgiens die folgenschwere Entscheidung trifft, die Küste noch nicht sofort zu evakuieren. Eine Entscheidung, die er später sehr bereut. Später, als ein Drittel der Niederlande unter Wasser steht und unzählige Menschen gestorben sind und noch mehr vermisst werden.
Weitere Leidtragende sind Kimmy, die – weil ihre Mutter es von ihrem Arbeitsplatz im Krankenhaus aus nicht schafft, ihre Tochter von der Schule abzuholen – bei Herr Stein, einem alten Mann, der eigentlich mit dem Leben abgeschlossen hat, Unterschlupf findet. Auf ihrer Flucht treffen sie Samir und Ronnie und landen Tage später halberfroren in einem Flüchtlingslager.
Geschichten und Gesichter. Menschen. Menschen auf der Flucht. Flüchtlinge im eigenen Land.
Zu heftig? Zu dick aufgetragen? Ich glaube nicht. Ich bin fast sicher, dass sich solche Dramen bald auch in Europa abspielen werden. Sie geschehen so ähnlich bereits, doch bis jetzt noch so weit weg, dass wir weggucken können, wenn wir wollen.
Seit ich das Buch Szenen aus dem Herzen gelesen habe, das die Mutter von Greta Thunberg vor anderthalb Jahren, also noch vor Gretas erstem Schulstreik für das Klima, geschrieben hat, bin ich sicher, dass uns nur noch ein sehr radikales Umdenken und Andershandeln helfen kann. Ich las zwischen diesen Buchdeckeln gründliche Recherchen, Fakten und Zahlen, von Gesprächen mit Expert*innen, vor allem aber auch die turbulente Geschichte einer Familie, die sich dem Klima verschrieben hat.
Buchcover | Szenen aus dem Herzen
Es gibt Menschen, welche die ganzen wissenschaftlichen Fakten zur Klimakatastrophe, die inzwischen weltweit und von unabhängigen Stellen benannt werden, als Weltverschwörung, als Klimahype, als Klimahysterie abtun. Sogar Medien wie die Weltwoche – na ja, wirklich wundern tut es mich natürlich nicht – machen bei diesen Schmutzkampagnen mit und teilen in ihren Medien Artikel von Klimaleugne-Lobbyisten. Mich gruselt.
Die Argumente der Leugnenden sind so populistisch wie polemisch und gleichen im Prinzip jenen, die in der rechtsradikalen Politik verwendet werden. Was mich ebenfalls nicht wirklich wundert. Die Antwort auf die Frage, wessen Interessen da mit welchen Mitteln bedient werden, entlarvt. Wo es um die kurzfristige Wohlstandsmehrung einiger weniger geht, wurden Fakten schon immer nach Belieben zurechtgebogen.
Für mich und für immer mehr Menschen aus allen Generationen aber geht es um alles. Es geht uns um die langfristige Verbesserung der Lebensqualität all jener, die auf dieser Erde leben.
Darum auch teile ich die Anliegen der internationale #FridaysforFuture-Bewegung. Heute und in den nächsten Tagen- in der Schweiz zum Beispiel am 28. September – gehen so viele Menschen wie noch nie für einen grundsätzlichen Systemwechsel auf die Straßen; für ein globales Umdenken, nicht nur wie bisher im Kleinen, sondern eben auch im Großen.
Doch wer nicht auf die Straße kann, muss nicht untätig bleiben. Solidarität und Flagge zeigen gehen auch anders. Zum Beispiel mit einem Like für Frau Traumspruchs CybDemo-Aktion Alles fürs Klima auf Blog und Twitter:
Die junge Französin Pauline Delabroy-Allard schreibt als ginge es um Leben und Tod. Und letztlich tut es das auf temporeiche, geradezu schwindligmachende Weise auch.
Das hier ist eine Liebesgeschichte, wie ich sie so noch nie gelesen habe. Eine Amour fou, die je länger je mehr weh tut. Die zwei bis dahin heterosexuellen jungen Frauen – Sarah und die Ich-Erzählerin – begehren und lieben sich schon bald mit einer Raserei, die einem Flächenbrand ähnelt. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein. Sarah, klassische Musikerin und Künstlerin, lebt zudem so ganz anders als die Ich-Erzählerin, die als Lehrerin arbeitet. Schon bald können die beiden nicht mehr ohne einander sein. Doch auch miteinander wird es immer schwieriger. So schwierig, dass die Ich-Erzählerin sich immer wieder krankschreiben lassen muss. Als Alleinerziehende mit einer kleinen Tochter und bis dahin immer zuverlässig Agierende steht ihre Welt auf einmal Kopf. Sie verliert ihre innere Mitte immer mehr, und der Boden unter ihren Füßen beginnt zu schrumpfen.
Es kommt wie es muss. Die beiden trennen sich. Das heißt, Sarah trennt sich von der Erzählerin. Doch nur, um immer wieder zu ihr zurückzukommen. Bis Sarah eines Tages ihrer Partnerin etwas erzählt, das das Leben der beiden noch grundlegender verändert als alles Bisherige.
Nach und nach wird Es ist Sarah auch zur Geschichte einer Depression, ja, es ist nicht zuletzt eine Geschichte zweier depressiver Frauen. Eine Geschichte von Verlassen und Verlassen werden. Eine Geschichte von Krankheit und der Sehnsucht nach Ganzheit. Eine Geschichte von der leisen Hoffnung, beim Versuch eines Tages wieder ein überschaubares, aushaltbares Leben zu führen, nicht kaputt zu gehen. Denn ja, dieses früher so normale, so alltägliche Leben ist für die Erzählerin inzwischen unvorstellbar geworden.
Pauline Delabroy-Allard hat mich mit ihrer eindringlichen Sprache und der allumfassenden Sinnlichkeit ihrer Erzählung buchstäblich aus den Socken gehauen. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, bis ich es fertig hatte. Weil es mitreißt. Weil es so rasant, so intensiv, so berührend, so erschöpfend, so aufwühlend geschrieben ist. Und so traurig. Es nicht gelesen zu haben, wäre allerdings keine Option.
Ich bedanke mich herzlich bei der Frankfurter Verlagsanstalt und der Autorin, die mir mit diesem Rezensionsexemplar aufwühlende Lesestunden geschenkt haben.
Frankfurter Verlagsanstalt FVA
Übersetzt von Sina de Malafosse
192 Seiten
Hardcover
Ca. € 22,– (Print, D), € 14,99 (eBook, D)
ISBN 978-3-627-00266-4 (Print), 978-3-627-02276-1 (eBook) FVA
Angefangen hat bei mir das alles nicht erst, als die Diskussionen über Plastik in den Weltmeeren immer lauter geführt wurden. Und auch nicht erst, als Greta Thunberg vor über einem Jahr leise ihren öffentlichen Protest begonnen hatte. Mein Bewusstsein für die Umwelt und ihren Schutz war schon immer dagewesen.
Vielleicht weil wir arm waren, hatte ich schon immer versucht, die Ressourcen, die mir zur Verfügung standen, so schonend wie möglich einzusetzen.
Ein paar kleine Beispiele gefällig?
Wasser sparen: Nicht bei laufendem Wasser einseifen oder Zähne putzen.
Strom sparen: Licht löschen, wenn ich ein Zimmer verlasse.
Motor ausmachen, wenn ich an der Ampel stehe.
Auto nur benutzen, wenn ich etwas nicht mit dem Fahrrad oder ÖV schaffe.
Müll trennen und wo möglich vermeiden.
Naturschutz sowieso: Keinen Müll in die Natur werfen. All das war für mich immer das Normale.
Dennoch gestehe ich, dass ich noch vor einem Jahr weit weniger konsequent und nachhaltig handelte als heute. Und ich hoffe, dass ich weiterhin dranbleibe und meinen ökologischen Fußabdruck noch kleiner machen kann.
Im Haushalt habe ich inzwischen einiges, worüber ich früher milde lächelte oder auch nur zu faul dazu war, umgesetzt. Insbesondere im Bereich Körperpflege und Reinigung, denn Wasser ist jene Ressource, die ich aktuell als die Bedrohteste aller Ressourcen vermute. Seit ich das erste Mal über das Vorkommen von Mikroplastik in Körperpflegeprodukten und selbst in der Nahrungskette las, habe ich angefangen, Wasser noch mehr zu schützen und ich habe inzwischen anders putzen gelernt.
Putzen als Politikum? Ja. Denn längst ist alles politisch. Sogar Müll. Oder vor allem Müll. Kurz: Alles, was wir tun und lassen, alles, was wir hinterlassen.
Natürlich ist der Versuch, den eigenen ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten, ein winziges Tröpfchen auf den heißen Stein. Aber ich stelle mir ja gern vor, dass wir alle, wenn wir alle bewusster leben, doch noch etwas verändern können, doch noch der Klimakatatrophe Einhalt gebieten können. Vielleicht.
Darüber diskutieren, ob sie menschengemacht ist oder ob das, was da weltweit gerade geschieht, eine dieser Katastrophen ist, die die Erde immer wieder heimgesucht haben, ist letztlich müßig. Die Fakten einer rasanter als noch vor Jahren gedachten Veränderung lassen sich nicht mehr leugnen. Die Erde hat Fieber, nannte es eine liebe Freundin neulich. Und das, ihr Lieben, das geht uns alle etwas an.
Angesichts des Ausmaßes dieser unabsehbaren Veränderungen ist mein kleiner Versuch, wenigstens im eigenen Haushalt etwas zu tun, natürlich lachhaft. Aber vielleicht kann ich dich anstecken. Und dich und dich. Und dann sind wir schon ein paar mehr.
+++
Als ich als Sechzehnjährige entschied, keine Tiere mehr zu essen, gaben dazu vor allem politische Themen wie Massentierhaltung und Tierfutterzucht und damit natürlich die Welthungerthematik den Ausschlag. Der Gesundheitsaspektgelangte erst nach und nach in mein Bewusstsein, doch von meiner Mutter habe ich eine gewisse Vorliebe für Reformhäuser geerbt. Also rückte auch gesunde Ernährung mehr und mehr in meinen Fokus. Damals, in den frühen Achzigern, waren meine Freundin und ich mit unserer Entscheidung vegetarisch zu leben noch Exotinnen gewesen, belächelt, unverstanden. Später lernte ich zum Glück immer mehr Gleichgesinnte kennen. Auch meinem damaligen Entschluss, Nestlé zu boykottieren, bin ich bis heute, mehr oder weniger konsequent, treu geblieben.
Ja, manches tue ich, um mich besser zu fühlen, auch wenn ich nicht an eine Auswirkung meines Handels glauben kann.
Und nein, ich bin beileibe nicht in allem konsequent. Manchmal weiß ich schlicht zu wenig über die Herkunft eines Produkts und manchmal bin ich schlicht zu faul, mich vertiefter zu informieren. Außerdem sind es so viele Baustellen und es ist unmöglich, sie alle zu überblicken. Ernährung und Wasser sind ja nur zwei Themen. Dennoch hängt letztlich alles zusammen und das hier ist eine Stelle, an der ich konkret etwas tun kann.
Ich begrüßte es sehr, wenn unsere Gesetzgebung nachziehen würde. Ich wünsche mir, dass die Menschen, die wir gewählt haben – und in diesem Herbst in der Schweiz neu oder wieder wählen werden –, um unsere Legislative und Exekutive zu bilden, handlungsbereiter wären. Konkreter. Effizienter. Ich glaube inzwischen, dass es ohne Verbote oder massive Einschränkungen und Nutzer*innen-Steuern nicht mehr geht (ich sage nur Fliegen und Kreuzfahrten).
Wenn Politiker*innen statt an den eigenen Geldsäckel primär an das Wohlergehen der Menschen, und zwar nicht nur denen im eigenen Land, denken würden, wäre ein erster Schritt getan, die Katastophe vielleicht noch abzuwenden.
(Geht wählen, Schweizer*innen, aber wählt weise!)
Global denken, lokal handeln.
Der gute alte Ökospruch aus meiner Jugend hat nicht an Aktualität verloren.
Darum habe ich eines Tages an einem Ende des riesigen unüberschaubar großen und unfassbar komplizierten Puzzles angefangen. Und du? Machst du mit?
Essig hast du bestimmt im Haus, aber wie sieht es bei dir mit Soda, Natron, Zitronensäure und Kernseife aus? Hast du diese Dinge, kannst du deinen Putzschrank nach und nach ausmisten. Abgesehen davon, dass diese Dinge das Abwasser weniger belasten, sind sie auch viel günstiger als all die Chemiebomben.
Im Mai habe ich hier bereits einige Rezepte vorgestellt. Manches habe ich ausprobiert, manches davon hat sich bewährt.
Hier sind meine Lieblingsrezepte:
1.) Körperpflege
Körper (Seife)
Ich benutze zum Duschen und Händewaschen schon sehr lange vorwiegend Naturseifen gerne auch mit guten, natürlichen Düften. Meine Lieblingsseifen lege ich gerne vor dem Gebrauch im Schrank zwischen die Kleider, damit sie da vor sich hinduften können.
Vor einigen Monaten habe mich in die Seifen von Dr. Bronners verliebt, aber inzwischen gibt es ja in jedem guten Bioladen, jeder guten Drogerie und jedem guten Unverpackt-Laden eine große Körperseifenauswahl.
Einzig bei den Haaren war ich mit Seife nie wirklich glücklich, darum suchte ich weiter und fand folgende Lösung, die sich ziemlich einfach selbst machen lässt (und in entsprechenden Läden und im Internet erhältlich ist).
Haare: Festes Shampoo (keine Seife, sieht aber so aus)
6 g Kakaobutter oder Sheabutter
25 g des pfanzlichen Tensids SLSA (Sodium Lauryl
Sulfoacetate)* (nur mit Feinstaubmaske anwenden)
Die Butter in einem Glas im Wassserbad schmelzen. Die trockenen Zutaten in Schale mischen. Die flüssige Butter dazugeben. Mischen. Vor dem Kneten die ätherischen Öle zugeben. Gut durchkneten und in drei Stücke formen. An der Luft oder in Förmchen trocknen lassen. Vor der ersten Anwendung mindestens einen Tag gut durchtrocknen lassen. Direkt aufs Haar anwenden oder in kleine Seifensäckchen gelegt.
Sollten die Stücke bröseln, lassen sie sich gut wieder zusammenfügen und neu formen. So aufbewahren, dass die Stücke immer wieder trocknen können.
Wichtig: SLSA nur mit Mundschutz (Maske oder großes Tuch) anwenden, da es sehr fein ist (Feinstaub).
*alternativ Tensid SCI (Sodium Cocoyl Isethionate) verwenden. Es ist besonders mild und palmölfrei, allerdings etwas schwerer zu bekommen.
Mit dem überflüssigen Bienenwachs aus den Bienenstöcken eines Freundes habe ich mir Bienenwachstücher selbst gemacht (mit dünnem Bauwollstoff und Jojobaöl und einem Bügeleisen).
Das Bienenwachs-Tuch duftet herrlich nach Bienenwachs und hat außerdem antibakterielle Eigenschaften. Je nach Größe ist es geeignet zum Zudecken oder Verpacken von angeschnittenem Obst & Gemüse, frischen Kräutern, Schälchen und Schalen, Salatschüsseln oder Kuchen sowie zum Einpacken von (geschmiertem) Brot und Käse und vielem mehr.
Durch die Wärme der Hände wird es formbar und flexibel und haftet so an allen glatten Oberflächen und an sich selbst. Brot lässt sich darin auch einfrieren.
Gereinigt wird diese ökologische Frischhaltefolie mit etwas lauwarmen Wasser und einem Lappen. Das Wasser perlt vom Wachstuch sofort ab und trocknet schnell. Bei stärkeren Verschmutzungen kannst du auch ein wenig biologisch abbaubares Spülmittel verwenden.
Dank des eingearbeiteten Jojobaöls bleiben die Tücher lange elastisch und hygienisch (ca. ein Jahr).
Ältere Wachstücher können wieder aufgearbeitet werden. Entweder du gibst sie kurz in den Backofen oder du bügelst nochmals kurz (unter Backpapier) drüber.
Die Zitronen einfach vierteln und mixen. 200 g Salz dazu und nochmals mixen. Alles zusammen mit dem Wasser und dem Apfelessig in einen Kochtopf. Aufkochen und etwa 5 – 10 Minuten warten. Fülle das Spülmittel in deine Behälter. Es schäumt nicht, macht aber schön sauber. Da kein Konzentrat, braucht es davon ein bisschen mehr als von üblichen Spülis.
Ca. 20 Blätter zerkleinerte Efeu-Blätter in einen Kochtopf mit 500 ml Wasser aufkochen
Nach 5 Minuten auf hoher Temperatur Herd ausschalten.
In Gläser abfüllen und immer mal wieder kräftig schütteln um die Saponine zu lösen. Es schäumt, aber nicht sehr stark, was aber auf die Reinigungswirkung keinen Einfluss hat. Nach frühestens fünf Stunden die Blätter absieben.
Für den Geschirrspüler ein wenig Waschsoda dazugeben.
Kühl aufbewahren, hält sich nicht sehr lange.
Quelle: diverse
Pulver für die Geschirrspülmaschine
100g Zitronensäure
100g Natron
200g Waschsoda
Alles gut mischen und in ein Glas oder Gläser abfüllen. Ein bis zwei Esslöffel Pulver vor jedem Spülgang in das dafür vorgesehene Fach der Spülmaschine geben.
Durch die enthaltene Zitronensäure sparst du dir den Klarspüler.
für Wollwaschmittel: 2 EL Natron anstatt des Waschsodas
Für eine normale Ladung Wäsche einfach 10 frische große Blätter in eine Socke oder ein Waschsäckchen packen und mit in die Waschmaschine geben. Bei stärkeren Verschmutzungen oder hartem Wasser ein bis zwei EL Waschsoda ins Waschpulverfach geben.
Keine Sorge: Mit Efeu kannst du Wäsche jeglicher Couleur waschen! Weiße Wäsche wird nicht grün.
Für Wolle oder Seide statt des Sodas besser Natron verwenden, denn das wäscht schonender.
Alle 4-5 Wäschen mal einen Schuss Essig ins Waschmittelfach dazugeben, um einer Verkalkung vorzubeugen. (Der Geruch verfliegt.)
Alles in hohem Topf aufkochen, gut rühren, abkühlen lassen (ca. eine Viertelstunde)
⇒ jetzt noch nach Wunsch 3 Tropfen Ätherisches Öl zugeben
Wieder umrühren. Das fertige Waschmittel in die Wunschbehälter abfüllen.
Vor jeder Anwendung des Waschmittels die Flasche kurz kräftig schütteln. Pro Waschgang etwa 200 ml der selbst gemachten Flüssigkeit nehmen, je nach Wasserhärte.
Für Wolle oder Seide statt Soda Natron verwenden. Soda ist zu stark für solche Fasern.
Alle 4-5 Wäschen mal einen Schuss Essig ins Waschmittelfach dazugeben, um einer Verkalkung vorzubeugen. (Der Geruch verfliegt.)
ein großes Einmachglas oder ein anderes Schraubglas
eine Sprühflasche
Schalen von ungespritzten Zitrusfrüchten (etwa von Zitronen, Orangen oder Limetten)
hellen Tafelessig
Vier Wochen Geduld
Zitrusfrüchte eignen sich super für Reinigungsmittel, denn sie haben aufgrund der enthaltenen Säure eine hohe Reinigungskraft und punkten durch ihre ätherischen Öle mit einem frischen Duft. Zitronen sind in Reinigungsmitteln besonders effizient.
Waschen mit dem Guppyfriend- Waschbeutel Das ist eine erste pragmatische Lösung gegen Mikroplastikverschmutzung durch Waschen. (Unbezahlte Werbung.) [Mehr Infos …]
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Weiteres kluge Tipps zum ökologischen Haushalt gibt es hier [klicken, careelite] und auf vielen anderen Seiten im Internet wie
Neulich las ich Andreas Altmanns philosophischen Lebensreisebericht ’Triffst du Buddha, töte ihn’. Ein Buch, das mir unter die Haut gegangen ist wie schon lange keins mehr. Ausgerechnet Altmann also, den ich immer ein klein bisschen für abgehoben und zynisch gehalten hatte. Doch schon nach den ersten Seiten revidierte ich mein Vorurteil. Da schreibt einer, der sucht, einer, der finden will. Der schon vieles probiert hat und schon vieles gesehen. Und viel gelitten. Einer, der sich kein A für ein U vormachen lässt und keine seichten Antworten will. Und vor allem aber einer, der radikal ehrlich mit sich selbst ist und sich nicht schont.
Auch ist er, wie ich, mit dem Christentum fertig, fertig mit dem ganzen Monotheismus. Mit dem ganzen Götterkram.
Mit diesem Lebensrucksack macht er sich auf den Weg nach Indien, um endlich jemanden zu finden, der ihm sich selbst zeigt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Über Umwege findet er in ein buddhistisches Meditationszentrum, denn die buddhistische Philosophie – nicht zu verwechseln mit jener Buddhaverehrung, die manche buddhistische Lehrrichtungen als Religionssynonym erschaffen haben – hat ihn bis jetzt von allen erlebten Lehren über das Leben am meisten überzeugt.
Die Themen, die ihn – ähnlich wie mich – immer wieder bewegen:
Radikale Selbstverantwortung
Praxis der Achtsamkeit
Hoffnung auf mehr Herzweitung, Warmherzigkeit und Freundlichkeit
Nicht urteilen: Umgang mit anderen Menschen, vor allem mit mir Unangenehmen
Innere Ruhe und Frieden finden
Meditation für den Alltag
Solchen Dingen spürt er nach, während er sich mit sich selbst auseinandersetzt und ein zehntägiges Schweigeretreat absolviert. Eins, das ihn an seine Grenzen bringt.
Immer wieder dachte ich beim Lesen seiner Erfahrungen an unsere Fernwanderungen, ans Pilgern an sich. Natürlich kann man gesammelte Erfahrungen letztlich nie vergleichen. Wir haben zum Beispiel auf unseren Wanderungen weder geschwiegen noch bewusst meditiert. Dennoch: manches, was er erlebt, durfte auch mir im Unterwegssein in der Natur passieren: Diese Herzöffnung zum Beispiel. Achtsames und bewusstes Sein in Selbstverantwortung … Dinge, die in unserer Welt je länger je weniger Raum haben.
Eigenverantwortliches Handeln, Denken und Verhalten – ich habe manchmal Angst, dass es uns als Gesellschaft immer mehr abhanden kommt. Dabei ist es ja letztlich nur ein kleiner Teil der Menschheit, der sich schei**e verhält. Leider aber vergiftet diese Schei**e – wie Öl das Wasser – das soziale Klima auch in kleinen Dosen nachhaltig.
Wie können wir das verhindern?
Wenn ich so über die Zukunft unserer Gesellschaft nachdenke, spiele ich zuweilen mit dem Gedanken, wie eine Gesellschaft aussähe, die keine Nachwuchslehrkräfte mehr hätte, keine Nachwuchspflegepersonal, niemanden mehr, der putzt und keine Polizei mehr – weil diese Jobs niemand mehr machen will. Weil diese Jobs immer unzumutbarer geworden sind. Weil jene pensioniert werden und aussterben, die noch mit Leidenschaft in diesen Berufen gearbeitet haben. Gedankenspiele, wie gesagt.
Ein weiteres Gedankenspiel ist mein Nachdenken über die Zukunft, global ebenso wie persönlich und auf uns als Einzelne bezogen. Wie wir denken, wie wir uns verhalten, was wir mit unserem Verhalten auslösen (Massenphänomene, wie kleine Steintürmchen, die, wenn sie in Massen auftreten, ganze Strände, ganze Ökosysteme zerstören). Wir hinterlassen vorsätzlich Spuren, weil wir uns unserer Anwesenheit auf dieser Welt vergewissern wollen.
Schnitt.
Womöglich – nein, ziemlich sicher sogar – ist ’Gott’ vor allem ein Synonym, ein Sammelbegriff für all das, was unseren Verstand übersteigt, für all das, was wir mit unseren Sinnen und Unsinnen nicht erfassen können.
»Eigentlich ist es ja verrückt mit diesem Christentum. Wir sagen ja in unserer aufgeklärten Gesellschaft gerne über Menschen aus nativen Völkern, dass sie an Mythen glauben. An Märchen. Aber schauen wir uns doch mal die Basis des Christentums an: Etwas anderes als ein Mythos sind Jungfrauengeburt und Auferstehung ja auch nicht.« So irgendwie brachte es neulich eine Freundin auf den Punkt.
Und wo wir grad beim Glauben sind: Meditieren soll ja zu Gleichmut empfundenem Unrecht und Leid gegenüber verhelfen und dabei eben auch Leid reduzieren. Ist aber Leid und Ungerechtigkeit empfinden zu können nicht eigentlich total wichtig, wenn wir etwas zum Besseren wenden wollen – persönlich, lokal und global?
Ach, und warum man Buddha töten soll, wenn man ihn gefunden hat, verrät Altmann am Ende des Buches.
»Buddha soll dir Hebamme sein, Guru und Mentor. Um das in dir schlummernde Potential zu wecken, es zur Welt zu bringen. Aber wenn es geweckt ist, dann musst du dich verabschieden, ihn von dir weisen, ihn ’töten’. Selbstverständlich nicht durch einen mörderischen Akt […], sondern mit der symbolischen Geste eines definitiven Abschieds.«
Oder wie Goenka sagt: »Der spirituelle Lehrer ist nur Wegweiser. Du musst dein eigener Meister werden.« Und deine eigene Meisterin auch.
Endlich bin ich doch wieder eingedöst, als es leise zu tröpfeln beginnt. Man weiß ja nie, was aus so einem Tröpfeln wird, überlegt Irgendlink, kriecht aus dem Zelt und baut das Außenzelt, das ich Stunden vorher wegen der Hitze abgebaut habe, wieder auf. Der Regen ist schnell vorbei und fast ebenso schnell ist es Morgen. Gut schlafen geht anders, doch da wir uns mit Monika um halb sieben Uhr zum Frühstück verabredet haben, stehen wir auf. Auch die Morgenkühle will ja ausgekostet werden
Das wird jetzt schwierig!, sage ich zu Irgendlink, da ich im Alltag ziemlich morgenmufflig bin und am Morgen reden und zuhören so gar nicht mein Ding sind. Dazu setzt sich langsam Kopfschmerz im Hinterkopf fest. Trotz allem ist es dann aber doch gemütlich mit unserer Gastgeberin. Wir tauschen Adressen und verabschieden uns herzlich.
Zurück an der Aare müssen wir erst ein kleines Stück aareaufwärts gehen, bis wir die Brücke entdecken, die uns auf die rechte Aareseite bringt, denn auf der linken endet der Wanderweg vorläufig. Auf einmal fällt mir ein, dass ich mitten in der halb schlaflosen Nacht in meiner Achselhöhle eine Zecke ertastet habe. Irgendlink versucht, das Mistvieh herauszuziehen, doch es will mich nicht ganz loslassen. Nun denn … besser halb als gar nicht.
Auf der anderen Aareseite ist der Weg bis Jaberg, wie uns Monika prophezeit hat, richtig schön und wir fühlen uns wie in eine Zwischenwelt Eingetauchte. Einmal tröpfelt es sogar ein wenig und die Temperatur ist am Vormittag sehr angenehm. Wir sehnen uns, als es gegen Mittag heißer wird, nach einem erfrischenden Bad und überlegen, den Gerzensee, mit dem wir schon die ganze Zeit liebäugeln, in die heutige Tagesetappe einzubauen. Aus dem Gedankenspiel wird schließlich eine konkrete Aktion, denn so weit ist es ja nun auch wieder nicht. Allerdings geht es steil bergan, denn der zu in einem Naturschutzgebiet gehörende See liegt auf einem Hügel.
So wechseln wir nach Jaberg irgendwo wieder die Aareseite und entscheiden uns für jenen Wanderweg, der uns am längsten der Aare entlang gehen lässt. Es ist inzwischen wieder brutal heiß als wir den waldigen Aarewanderweg verlassen und den Hügel aufwärts wandern. An einem Bauernhofbrunnen füllen wir die leergetrunkenen Wasserflaschen. Durch Felder, über Wiesen und fast ohne Schatten gehen wir, bis wir schließlich erschöpft und verschwitzt am Badeplatz des Gerzensees anlangen. Es ist heiß, so heiß. (Und ja, wir wissen, dass der See eigentlich nur für die Einheimischen ist. Wegen Naturschutz und so.) Bedingt nachvollziehbar; doch da wir ja sorgsam sind, nichts liegenlassen und keinen Lärm machen, erlauben wir uns, wann immer wir hier in der Gegend sind, dem See einen Besuch abzustatten.
Das Schwimmen tut einfach sooo gut. Später picknicken wir und erfreuen uns an diesem friedlichen Platz. Einzig ein einzelner Junge, der Kopfsprünge übt, ist da, als wir eintreffen. Später kommen seine Kumpels und die vier Buben spielen sehr friedlich miteinander. Eine später eintreffende, sehr sympathische Frau – keine Einheimische, wie sie uns zuflüstert – lädt uns im Laufe eines angeregten Gesprächs ein, am Abend bei ihr und ihrer Familie zu übernachten. Wie lieb! Wir nehmen ihre Adresse dankbar mit. Wer weiß, vielleicht sind wir ja später froh drum?
Nach einer Weile packen wir unsere Sachen wieder und kehren zurück an die Aare. So jedenfalls der Plan. Auf dem Weg dorthin stellt sich uns allerdings eine Schattenbank in den Weg, eine mit wunderschöner Aussicht auf den Gerzensee. Hm. Ein Nickerchen, das wäre doch was?, sagen wir und legen uns auf die Wiese. Ich bin leider zu aufgekratzt zum Schlafen, doch die Ruhe tut trotzdem gut, das Dösen entspannt ein wenig.
Zurück an der Aare wechseln wir wieder auf die rechte Seite. Der Weg ist mal waldig, mal schattenlos und je näher wir Münsingen kommen, desto mehr Leute sind unterwegs. Mit Fahrrädern oder zu Fuß oder badend. Die Dichte der Bänklein steigt im Gleichschritt mit meiner Müdigkeit.
Also so richtig-richtig. Nicht nur müde wegen zu wenig Schlaf, sondern auch so richtig in den Beinen. Teer gabs heute mehr als auch schon, dazu die Hitze, das Bergaufwandern zum Gerzensee. Dazu das Dauerrauschen der Autobahn.
Müde, so müde … doch da ist kein möglicher Lagerplatz in Sicht. Im Naturschutzgebiet wollen wir eher nicht lagern, außerhalb des Naturschutzgebiets sind überall Siedlungen. Vielleicht dann doch zur See-Bekanntschaft? Aber dann müssten wir ein Stück zurück und durch ein feierabendverkehrlautes Dorf wandern. Hm. Nein. Machen wir nicht. Aber, so schlägt Irgendlinkr vor, er könne ja mit dem Zug nach Thun fahren und unser Auto holen. Finito Wanderung. Weil ich so erschöpft bin.
Ich lasse den Gedanken zu. Aber ich merke, dass es sich nicht richtig anfühlt. Es wäre wie ein Aufgeben. Ein Scheitern.
Wir reden über Aufgebendürfen, über Scheiterndürfen. Wir sitzen auf einer Bank ohne Schatten. Ich habe die Schuhe ausgezogen, bade zum zigsten Mal meine heißen Füße. Spiele mit den Steinen, ziehen einen besonders prächtigen, großen, roten Stein aus dem Wasser. Wie schön er ist! Selbst als er trocken ist, ist er noch rot. Er fühlt sich so angenehm an. So kühl. Schon immer liebte ich Steine und schon immer habe ich Steine gesammelt. Mich von ihnen getröstet und gehalten gefühlt. Dieser hier macht mir irgendwie Mut, weiterzugehen. Ich lege ihn auf einen anderen Stein, einen noch größeren, und wir wandern weiter, denn auf einmal ist da wieder ein bisschen Kraft.
Schließlich erreichen wir die Badi Münsingen, wo ich – wie mir auf einmal wieder einfällt – damals fast ertrunken bin. I’m just kidding. Ich hatte einmal wegen der starken Strömung den Ausstieg* verpasst oder nicht rechtzeitig zu fassen bekommen und musste mich deshalb am Gestrüpp ans Ufer ziehen. Lange her.
Wir gehen über die Brücke und sehen am Brückenpfeiler ein kaputtes, wie zusammengefaltet aussehendes Boot. Eins, das es nicht geschafft hat. Hoffentlich ist bei diesem Unfall niemand ertrunken, sagen wir zueinander. Die Strömung ist durch die hitzebedingt riesigen Schmelzwassermengen sehr stark. So stark, dass ich bisher keine Lust auf einen Aareschwumm habe. Jedenfalls gab es bisher noch keine Stelle, an der ich mich sicher genug gefühlt hätte, unbeschadet wieder herauszukommen.
Auf der anderen Aareseite bin ich oft mit dem Rad lang gefahren. Vieles kommt mir bekannt vor. Wieder so ein Tag voller Erinnerungen. Und wieder spüre ich meine Grenzen. Diese unglaubliche Müdigkeit. Erschöpfung. Ich-mag-nicht-mehr.
Unser aktuelles Wegstück hat verschiedene Parallelwege, Rad- und Wanderwege, Bänklein, ein dichter Wald zur Linken … Und Mücken. Soo viele Mücken wie bisher noch nie. Innert kürzester Zeit habe ich mindestens zehn neue Mückenstiche. Schnell sprühen wir uns mit Mückenschutz ein.
Bei einem Holzlagerplatz überlegen wir, ob wir überhaupt noch im Naturschutzgebiet sind und ob es hier nicht vielleicht irgendwo doch ein Plätzchen für uns gäbe. Tut es. Ein kleiner Sackgasse-Weg ist wie geschaffen für uns. Es ist vielleicht nicht der schönste aller Lagerplätze, aber es ist hier sehr ruhig. Nur Kuhgebimmel und leises Autobahnrauschen. So bauen wir, vom Hauptweg unsichtbar, unser Zelt auf. Der Boden ist hart. Irgendlink zaubert einen Stein aus seinem Rucksack.
»Wie jetzt? Du hast meinen roten Stein mitgenommen? Boah, der ist doch so schwer! Daanke!« Wieder einmal fehlen mir die Worte.
Als das Zelt steht, holen wir mit dem Wassersack Wasser aus der Aare und kochen uns müde unser Abendessen. Pilzrisotto und Tomatensalat.
Beim Feierabendbier stelle ich fest, wie stolz ich bin, meinen Erschöpfungstiefpunkt überwunden zu haben. Aber das war vermutlich nur möglich, weil ich die Möglichkeit des Aufgebens hatte in Betracht ziehen und mir zu scheitern hatte erlauben können.
Heute schlafe ich tief und fest.
Bilder von Tag 11
Die Eisenbahn- und Wandernde-Brücke, die wir überqueren müssen, um weiter Richtung Bern wandern zu können
Nochmals die Brücke, vom einen bis zum andern Ende fotografiert
Ein Blick in den wirklich sehr schönen Wanderweg zwischen Uttigen und Jaberg: Waldboden, Wald rechts und links
Und natürlich ist da immer unsere Freundin, die Aare, die uns nach Bern begleitet
Ein Pilz, von unten fotografiert
Ich bade einmal mehr die Füße in der Aare. Das wievielte Mal wohl schon auf dieser Reise?
Irgendlink hat Johanniskraut entdeckt
Am Gerzensee, den wir fast für uns haben
Blick von der Siestabank aus auf den Gerzensee hinunter
Der rote Stein, den ich nach der kleinen Pause auf einem großen Stein zurücklassen werde
Boah, was bin ich müde. Ich setze mich auf eine Absperrstange
Hier wäre ein schöner Lagerplatz, aber die Mücken vertreiben uns
Dieser Platz hier passt doch super. Sogar die Mückenplage ist hier halbwegs erträglich. MückensprayseiDank!
4. + 5. Juli 2019
Wir erwachen wie gewohnt früh und freuen uns, dass die Mücken offenbar weniger morgenaktiv sind als wir. Nach einem kleinen Frühstück wandern wir weiter Richtung Bern. Die Rucksäcke waren auch mal schwerer, sagen wir. Wie jeden Morgen. Überhaupt: Wie wir uns jeden Morgen neu das Gewicht des Rucksacks leichtreden. Gewichtleichtrederei muss die Schönfärberei unter Wandernden sein.
Es ist unklar, wie und wo wir die nächsten Tage verbringen. Sollen wir unsere Wanderung in Bern beenden oder aber durch Bern hindurch weiter der Aare entlang wandern? Es ist erst Donnerstag und wir haben theoretisch bis Samstag Zeit.
Ich stelle fest, dass ich – bei aller Liebe zu Bern – keine Lust auf Stadt habe. Nicht mit dem schweren Rucksack jedenfalls. Aare plus Bern bedeutet nämlich viele Menschen, viele Badestellen, viel Gewusel. Von Berns südlichen Ausläufern bis zum nächsten Campingplatz am Wohlensee wären es bestimmt zwei Tagesetappen, überlegen wir.
Screenshot, der eine Karte von Bern zeigt. Der Aaarewanderweg von Berns Süden durch die Stadt bis zum nordwestlich der Stadt gelegegen Wohlensee wird mit fast 29 km angegeben.
Erst nach und nach kristallisiert sich heraus, dass es da diesen einen Punkt in Bern gibt, an dem wir unsere Fernwanderung elegant abrunden könnten. Im Eichholz, diesem Ort, an dem wir uns vor fast genau zehn Jahren das erste Mal im echten Leben begegnet sind. Perfekt als Finale dieser Wanderung.
Wieder machen wir viele Pausen. Hundegassigänger*innen und Wandergruppen kreuzen unseren Weg und seit wir entschieden haben, die Tour im Eichholz zu beenden, fühlt sich alles wieder richtig, gut und leicht an. Die Stadt macht mir keine Angst mehr. Fast beiläufig klärt sich auch die Frage nach der Rückkehr nach Hause, denn mein Bruder lädt uns für den Abend auf einen Campingplatz am Neuenburgersee ein, wo er heute Nachmittag seinen kleinen Segelkatamaran ausladen wird. Die Freunde, die unser Auto hüten, schreiben, wo sie den Schlüssel deponieren, da sie unterwegs sind, und so geht auf einmal alles auf.
Bald erreichen wir das Ende das Waldes. Vor uns ein Wanderweg unter freiem Himmel, ohne Schatten, nur da und dort ein Baum. Wir rasten am Wegrand. Ein Passant sagt, dass es nur etwa ein Kilometer so weiter gehe. Oke, einen Kilometer, das schaffen wir, sprechen wir uns Mut zu. Doch der Kilometer ist etwa drei Kilometer lang und der Weg – ohne Zweifel ein schöner – führt durch ein weiteres sehr schönes Naturschutzgebiet namens Dammknick. Ein Knick führt uns dann auch in einem Bogen ein Stück weg von der Aare, durch eine künstlich angelegte Auenlandschaft. Leider sind die Bäume darin noch zu klein zum Schattenspenden. Wir kriechen buchstäblich durch die Hitze und genießen jeden noch so kleinen Schattenpunkt.
Später, auf einer schattigen Bank kurz vor Bern-Eichholz, picknicken wir unsere letzten Vorräte und schauen den hier zahlreichen Aareschwimmenden zu. Wir fantasieren, wie sie in ihren wasserdichten Schwimm-Taschen ihre Buisnessklamotten mitnehmen und per Aareschwumm zum nächsten Geschäftstermin am anderen Stadtende gelangen. Oder wie sie in der Aare Geschäfte abschließen. Oder wie Liebesgeschichten beim Schwimmen ihren Anfang nehmen. Die Aare als Verbindung von Mensch zu Mensch sozusagen.
Und dann sind wir da. Im Eichholz. Viele Menschen auf Wiesen. Frisbees. Gummiboote. Kinderlachen. Sonnenmilch in der Luft. Unter schattigen Bäumen unmittelbar an der Aare, einen Steinwurf vom Campingplatz entfernt, ziehen wir unsere schweren Rucksäcke aus.
Unser Plan ist einfach: Irgendlink fährt mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Thun-Steffisburg und holt das Auto. Sodann holt er mich, die ich derweil das Gepäck hüte, hier ab, und gemeinsam fahren wir zu meinem Bruder an den Neuenburgersee.
Ich kaufe Irgendlinks Ticket online, da das günstiger ist, als wenn er Tram, Zug und Bus einzeln lösen müsste. Doch auch so ist es immer wieder erstaunlich, wie viel so eine kleine Zugfahrt kostet. Dank guter Verbindungen hat Irgenlink nur eine knappe Stunde bis zum Auto und etwas mehr als eine halbe Stunde bis zurück ins Eichholz. Was wir ins zweieinhalb Tagen gewandert sind, lässt sich in vierzig Autominuten fahren. Keine Pointe.
»Als wir hier vor zehn Jahren unser kleines Bloggerkennenlerntreffen hatten – Irgendlink war auf Schweiz-Radtour – legten wir unwissentlich den Grundstein für all die tollen Wanderungen und Reisen der letzten Jahre.
Der beste Weggefährte ever, « twittere ich, als Irgendlink sich auf den Weg gemacht hat.
Und: »Krähen spazieren vorbei, der Bagger schweigt und der Schatten wandert statt meiner.
Aareschwimmende juchzen vorbei.
Im Kopf ein Song von Züri West und A hard day‘s night (vo Aafang aa).«
Zwei junge Frauen bitten mich, ihre Sachen zu hüten, während sie ein Stück aareaufwärts spazieren und zurückschwimmen wollen. Aber klar, mach ich doch gerne. Überhaupt ist es ziemlich angenehm hier, obwohl es viele Leute hat. Ein rücksichtsvolles Miteinander. Sogar der Baustellenlärm vis-à-vis beim Dählhölzi-Tierpark ist moderat. Lärm und Pausen wechseln sich ab.
Bald ist Irgendlink wieder da und wir wandern zum Parkplatz, den er in einer kleinen Quartierstraße in der Nähe gefunden hat. Merkwürdig, auf einmal wieder in einem Auto zu fahren. Durch die Stadt zuerst, aus der Stadt hinaus, auf die Autobahn, dann über Landstraßen.
Schön ist es mit meinem Bruder. Fürs Segeln reicht der Wind zwar nicht, doch Seebaden, eine kleine eBiketour zum Strandkneipchen, leckeres Essen und die Annehmlichkeiten eines Campingplatzes runden unseren letzten Wandertag ab.
Wären da nicht die lauten Nachbarn, die bis in die Nacht hinein plappern und lachen, könnte ich mich direkt daran gewöhnen, auf Campingplätzen zu zelten. Andererseits ist es deutlich unruhiger als im Wald, ich schlafe weniger gut als in der Natur und erwache mit sehr starkem Kopfweh und Übelkeit. Darum gönne ich mir am Freitagmorgen die erste Warmdusche seit zwölf Tagen. Sie tut gut. Kopfweh und Übelkeit sind danach fast weg.
Wir dürfen nochmals die Leih-eBikes benutzen, um die nähere Umgebung zu erkunden. Mit Freier-Eintritt-Karten für die kulturelle Aktionen in der ganzen Region, die wir an der Campingkasse bekommen haben, gönnen wir uns zwei Museumsbesuche in Le Locle. Zum einen gehen wir in die Unterirdischen Mühlen, zum anderen ins Kunstmuseum. Ein gelungener Ferienabschluss!
Auf der Rückfahrt nach Hause realisere ich, dass für mich immer wieder diese Wechsel, diese Übergänge – dieses Auflösen des einen Aggregatzustandes zugunsten eines anderen – sehr schwierig sind. Dieses kleine ständige Loslassen des eben noch Seienden. Es bereits als Gewesenes betrachten. Als Echo. Wie ein Pflaster, das entfernt wird. Übergangsschmerz.
Bilder von Tag 12 (und ++)
Wir haben fertig gepackt. Irgendlink posiert neben seinem Rucksack, meiner steht ein Stück weiter vorne auf dem Waldboden
Die wievielte Brücke wir da wohl überqueren? Diese hier hat ein tolles Holzgebälk und wäre bei Regen ein guter Unterstand
Ab hier sind wir der gnadenlos brennenden Sonne ausgesetzt im Naturschutzgebiet Dammnknick
Durch die Auenlandschaft ohne Schatten
Gleich sind wir im Eichholz. Wir haben auf einer Schattenbank gerastet und wandern jetzt wieder weiter. Irgendlink lehnt an einem Betonblock, hinter ihm ein Wanderwegweiser
Irgendlink verlässt im Zug die Stadt. Blick aus dem fahrenden Zug auf die Schienen und die Stadt zwischen den Bäumen
Sofasophia hütet im Eichholz die Rucksäcke und betrachtet die Menschen in der Aare
Die Aare am Eichholz. Am Ufer gegenüber die Baustelle vom Tierpark Dählhölzli
Jetzt sind wir am Neuenburgersee und haben gebadet. Danach bauen wir zu dritt Steintürmchen
Steintürme, die miteinander zu kommunizieren scheinen
Abends, vor dem Schlafen, ein kleiner Abstecher an den Seestrand
Die deutsche Übersetzung der französischen Aufforderung, die Türe während des Duschens zu schließen, klingt ziemlich unbeholfen: Danke die Tür zu schließen, daraus die auch hervorgeht.
Am nächsten Morgen radeln wir mit den eBikes durch die Weinberge und Sonnenblumenfelder. Hier begrüßen uns viele Sonnenblumenköpfe
Am Bootshafen: Weiße Boote unter Blauhimmel
Da segelt er davon, mein Bruder auf seinem kleinen Segelkatamaran, denn endlich ist doch noch ein wenig Wind aufgekommen
Wir fahren derweil nach Le Locle in die Unterirdischen Mühlen. Hier sieht man die Berge rechts und links. Unten eingeklemmt die Gebäude des Museums
Später besuchen wir das Kunstmuseum Le Locle und genießen die abswechslungsreiche Ausstellung. Auf jeder Treppenstufe steht der Name einer*s anderen Kunstschaffenden
Hier ein Blick auf eine Rauminstallation: Ein filigranes Labyrinth aus hellen Holzbalken füllt einen ganzen Raum
Der Tag beginnt mit einer wunderbaren Weitsicht auf die frisch gewaschenen Berge am anderen Ufer. Wie gewohnt wandern wir früh los, weiter Richtung Hünibach und Thun, um möglichst viel von dieser angenehmen Morgenkühle erhaschen zu können.
»Die spinnen doch, diese Schweizer*innen mit diesem elenden Auf und Ab. Echt jetzt: 26%! Ich meine: 26%! Aber geschafft haben wirs. Im Kriechgang,« twittere ich noch vor neun, als der Weg so steil bergauf oberhalb des Dorfes an Oberhofen vorbei führt. Vorbei auch am Holzatelier, das M. leitet, doch es ist noch früh und er vermutlich noch gar nicht da. Wir versuchen allerdings auch gar nicht, das herauszufinden. Mit den Rucksäcken sind spontanen Besuche eher suboptimal.
Bald sind wir wieder am See. In Hünibach. Nach einem kleinen Einkauf sitzen wir einfach nur da, auf einer Bank, und genießen den letzten Seemorgen. Von hier aus sehen wir bereits das Ende des Sees und den Aareabfluss. Keine Stunde später betreten wir in Begleitung der Aare die kleine Stadt Thun, die in einem vergangenen Leben mein Dreh- und Angelpunkt war.
Alles bekannt. Da, die Brücke, wo wir damals. Die Fähre über die Aare ist heute außer Betrieb, zu viel Wasser, zu stark die Strömung. Wir setzen uns schon wieder auf eine Bank. Das hier will behutsam angegangen werden. Erinnerungen wollen gesehen werden. Erinnerungen brauchen Zeit.
Später. Wir spazieren durchs Bälliz, die Marktstraße Thuns, das Herz der Stadt. Emsiges Treiben. Vieles ist noch wie früher, manches anders. Hier habe ich – und dort drüben war doch – ach, wie war das damals?
Es ist schön, diesen Weg heute mit Irgendlink zu gehen, Vergangenes zu teilen und die Stadt neu zu erleben. Im großen M tanken wir die Handys, trinken und essen etwas und schließlich verlassen wir die Stadt wieder. Aareabwärts. Am Aarebad vorbei.
Es gibt verschiedene Wege, auf beiden Aareseiten, für Menschen mit uns ohne Räder. Wir tüfteln ein wenig, bis wir endlich einen finden, der uns schattig genug ist. Schön geht anders, wir sind ein wenig verwöhnt nach den letzten Wandertagen.
Es ist jedenfalls ein krasser Unterschied zwischen heute Morgen und jetzt: vor Thun diese beinah illusorisch ruhige, fast heile Welt, Hügel, Seen und Natur, nach Thun an der begradigten Aare eingeklemmt zwischen Straße, Kieswerk und Naturschutzgebiet und ohne unmittelbaren Aarezugang. Es ist laut auf diesem reizlosen, schnurgeraden Weg, der einzig als Verbindung von Punkt A nach Punkt B gedacht ist.
Naturschutzgebiet, ha! Sind Naturschutzgebiete womöglich sichtbar und materiell gewordene Ablasshandlungen einer industriellen Hochleistungsgesellschaft?, orakle ich. Ich fühle mich jedenfalls nach den friedlichen Tagen in den Bergen bereits wieder gehetzt und bin froh, dass wir im Laufe des Nachmittags endlich ein kleines Seelein finden, in welchem wir uns abkühlen können. Die Aare wäre natürlich auch badbar, doch wir haben keine wirklich geeignete Stelle gefunden. Manche Stellen waren zwar schön, boten aber keinen Schatten. Aarebaden, zumal mit so viel Strömung und ohne Übung, darf außerdem nicht unterschätzt werden.
Das Baden tut gut. Im Wasser schwimmt Gras und erst da wird uns klar, dass der See Hochwasser hat. Nach dieser Erfrischung überlegen wir so langsam, wo und wie wir heute Nacht lagern könnten. Einkaufen müssten wir ja auch noch. Unser täglich Bier zum Beispiel, ein frisches Brot und sonst noch das eine oder andere.
Irgendlink findet auf der Karte einen Weg nach Uttigen und lotst uns durch den Aarewald ins nahe Dorf. Wir fragen uns bis zum Volg durch und kaufen ein. Wie wir uns vom Volg aus wieder Richtung Aare wenden, spricht uns eine freundliche ältere Dame an. Ob wir Pilgernde seien und wohin und woher und dass sie vor zig Jahren nach Santiago gepilgert sei. Wir kommen ins Gespräch, trotz der Rucksäcke auf dem Rücken, und schon bald sitzen wir an ihrem Gartentisch und trinken selbstgemachten Sirup. Köstlicher Schatten. Wohltuendes Sitzen. Wir plaudern über das Woher und Wohin und über die Gewitter der letzten zwei Nächte und dass diese Nacht auch wieder welche gemeldet seien.
Irgendwann lädt uns Monika, die wir inzwischen von Pilgerin zu Pilgerin duzen, ein, in ihrem Garten zu zelten. Ein Angebot, das wir gerne annehmen, auch wenn es doch eine rechte Umstellung wird, inmitten von Häusern und dem Gewusel eines Dorfes statt in der Natur zu schlafen.Doch vorher gehen wir mit unserer Gastgeberin noch ein wenig spazieren. An die Aare natürlich. Und danach gibt es Coupe Danemark, mit hausgemachter Schoggisauce.
Es wird für mich die am wenigsten erholsame Nacht dieser Reise. Vor allem ist es die Hitze, die mich nicht schlafen lässt. Wegen der Gewitterwarnung haben wir nämlich wieder einmal auch das Außenzelt aufgebaut. Ein Zwei-Sekunden-Regen ist aber alles, was es heute Nacht gibt, darum stehe ich mitten in der Nacht auf und baue das Außenzelt ab.
Als ich endlich doch noch ein wenig schlafen kann, fährt beim nahen Volg der Lieferant vor und entlädt seine Waren. Willkommen zurück in der Zivilisation.
Bilder von Tag 10
Ein Bächlein findet von den Bergen seinen Weg in den See
Eine Art Staumauer mit Graffiti am Weg
Sofasophia wandert an einem Haus neben der Staumauer vorbei
Wald, Wald, Wald
Sofasophia fotografiert die Tafel, welche eine Steigung von 26% ankündigt
Ein gut gefüllter Schaukasten vor dem Holzatelier, wo M. arbeitet
Ein Blick in den Atelierschaukasten: Holztiere, Schmuck und Handschmeichler sind zu kaufen
Panorama von Oberhofen über den See. Vorne Wiese und Siedlungen, in der Mitte der See, im Hintergrund die Alpenkette vom andern Ufer, mit Niesen und Stockhorn
Wanderwegweiser, der in alle Richtungen zeigt
An der Schiffländte in Hünibach: See, Bäume, Berge gegenüber, darüber Blauhimmel
Blick in den See
Panorama von der Schiffländte Hünibach aus: Links der See, vorne das Ufer, rechts bereits die Aare
An der Aare Richtung Thun. Rechts im Bild Stufen bis ans Wasser, vorne Bäume und erste Häuser
Da vorne ist die Stadt schon gut sichtbar. In der Bildmitte eine gedeckte Holzbrücke, über der Stadt das Schloss, darüber Blauhimmel
Die Holzbrücke über die Aare unter Blauhimmel
Thun, eine Stadt am Fluss und Häuser unter Blauhimmel
Sofasophia geht der Aare entlang auf die Stadt zu, rechts und links Häuser
Ein Platz im Bälliz, rechts und links Häuser, Sonnenschirme
Im großen M ein Ladekabelwunder: vier Kabel aus einer Steckdose
Wir sind wieder an der Aare, im Hintergrund zwei große Brücken
Die Aare mit Wald rechts und links, im Wasser ein Surfer an einem Seil
Am andern Ufer sieht man Leute baden. Bäume. Fluss.
Unter einer Brücke finden wir tolle Graffiti
Ebenfalls unter der Brücke finden wir diese Sammlung von Hundekotbeutel.
Ein kleiner See, der zum Verweilen und Baden einlädt
Am kleinen Badesee: Bäume, sandiges Ufer
Das Zelt ist aufgebaut. Sofasophia schließt den Rucksack neben dem Zelt
Abendspaziergang ohne Rucksack dafür zusammen mit unserer Gastgeberin an die Aare: Abendstimmung bei Gegenlicht
Am liebsten würden wir ja jede Nacht auf einem solch tollen Platz wie diesem übernachten. Auf unserer gemeinsamen Favoritenliste bekommt er viele Punkte. Andererseits hatten wir ja bis jetzt immer tolle Plätze.
Wir beschließen, dem Pilgerweg zu folgen, den wir bereits unten im Dorf ausgeschildert gesehen haben. Um uns in ihn einzufädeln, müssen wir zuerst ein wenig bergan durch den Wald. Bald finden wir den Weg, der allerdings ziemlich viele schattenlose Anteile hat und uns entsprechend ins Schwitzen bringt. Da wir aber mehrheitlich geradeaus und abwärts wandern und ein sehr klar definiertes Ziel haben – in Gunten Käse und Brot einzukaufen – geht es. Und ein bisschen jammern darf ja auch sein.
Immer wieder staune ich unterwegs darüber, dass ich Mimose und So-was-von-Unsportliche michin diesem Wanderalltag so wohl fühle. Ich nenne unsere Art des Fernwanderns für mich gar mein selbsttherapeutisches Konzept –im Wissen darum, dass es sich nicht 1:1 auf andere Menschen übertragen lässt. Mich fasziniert es, wie ich auch diesmal innert Tagen – wie schon bei Reuss (2014) & Rhein (2016) – in eine innere und äußere ‚Natürlichkeit‘ hineinwachse. Kopf und Bauch sind wieder ein Team, ich bin (meist) gegenwärtig, konzentriert, achtsam und spüre meine Grenzen und Bedürfnisse. Auch will ich das, was ich tue, tun, weil ich es genauso will. (Im Alltag oft nicht möglich.) Natürlich war dem hier eine gemeinsam vorab getroffene Entscheidung vorausgegangen, darum halte ich mich täglich an diese. Zum Glück im Wissen darum, dass ich jederzeit Stopp! sagen kann.
In diesem Selbstbestimmungsmodus spüre ich Freude und Müdigkeit, erlebe Hunger, Durst, Sattheit, Erschöpfung bis zum Geht-nicht-Mehr, Staunen, Hitze, Erfrischungsbäder, Sternenhimmel, Bach-Fluss-See-Rauschen, Mücken-/Bremsenstiche, Weitblick, Steilhang … Ja, alles geht nebeneinander – manchmal ist es sehr viel, manchmal auch zu viel. Und hätte ich vorher all die eher ungemütlichen Dinge dieser kleinen und unvollständigen Aufzählung als Preis bezahlen müssen, um im Tausch dafür all die schönen Dinge zu bekommen – à la kapitalistisches Kosten-Nutzen- oder Preis-Leistung-Denken –, ich hätte den Preis so aufs Mal nicht zu zahlen gewagt, da ich mir die guten Dinge längst nicht in dieser Qualität hätte vorstellen können. Und wer nimmt schon freiwillig Mückenstiche und Muskelkater auf sich?
So lehrt mich Fernwandern einmal mehr Demut, nicht im Sinne von Demütigung, sondern vom Bewusstsein meines Seins als Teil des Ganzen, als Teil der Natur. Ich anerkenne, dass ich nicht alles in der Hand habe. Diese ‚Natürlichkeit‘ ist es, die ich oben meinte. Die Schwerpunkte verschieben sich. So wirkt vieles aus meinem Alltag mit Abstand betrachtet wie Surrogat, welches letztlich mein tiefes Bedürfnis nach einer allumfassenden Verbundenheit nicht wirklich stillen kann. (Doch es könnte auch ein Ziel für mich sein, solche Wertungen nach und nach aufzugeben.)
Wir wandern mal still, mal ins Gespräch vertieft. Mal philosophieren wir, mal lachen wir. Schau, der Niesen – endlich hat das Huhn ganz oben auf dem Gipfel – gemeint ist ein Jahr für Jahr gleichförmiges Schneefeldgebilde – sein Ei gelegt! Ab sofort dürfen die Kinder barfuß gehen und im See baden, so will es der Volksmund.
Die Bäckerei Gunten hat noch auf und wir kaufen ein frisches Brot. Auch das letzte Käsesandwich, einen Spitzbuben und etwas zu trinken gönnen wir uns. Vor der Bäckerei lungern wir am Cafétisch herum, da es schön schattig ist. Ich mache schließlich eine kleine Runde, um Altglas, Flaschen und Müll loszuwerden und kaufe im Lädelli frischen Käse ein. Die Verkäuferin erzählt von ihrem Sohn auf der Alp und dass er am Anfang der Alpsaison jeden Tag etwa sechs soo große Käse macht. Inzwischen seien sie nicht mehr so groß und auch nicht mehr täglich sechs. Aber lecker sind sie allemal. Ich lasse mir ein großes Stück abschneiden. Von einem Käse vom letzten Jahr. Schmeckt genial.
Weiter gehts. Inzwischen haben wir einen guten, hitzekompatiblen Rhythmus des Gehens gefunden. Gehen-Schattenpause-Gehen-Schattenpause. Zeitlich sind die Phasen ähnlich lang, trotzdem kommen wir voran. Es ist heiß. Von Gewitterneigung ist noch nichts zu merken. Nach Gunten geht es erstmal wieder so richtig bergauf, bis wir den Wanderweg erreicht haben. Ein schöner Wanderweg, der über den Siedlungen Richtung Oberhofen entlang führt.
In Oberhofen in den See. Das muss jetzt einfach sein, zumal die Badi keinen Eintritt kostet. Und ja, sie ist wirklich sehr hübsch, M. hat recht. Während wir uns im See abkühlen, ziehen fette Gewitterwolken auf. Wieder kündigt die Wetterapp für heute Nacht Gewitter an. Darum beschließen wir auch für diese Nacht eine Waldhütte zu finden. Auf der Karte zuerst und dann auch in echt.
Weil es immer düsterer wird, lassen wir die Sehenswürdigkeiten – Schloss und Museum – links liegen und schauen zu, dass wir in den Wald kommen. Schnell kaufen wir im Dorfladen ’unser täglich Bier’ und was wir sonst noch so brauchen und steigen dann hoch zu besagter Hütte.
Wieder ist es ein schönes großes Haus, doch diesmal gibt es keine überdachte Tische. Immerhin ist das Hausdach schön breit, hat gemütliche Bänke und bietet uns, wie wir bald am eigenen Leib erleben können, guten Regenschutz. Wir haben es uns auf der Hausvorderseite bequem gemacht, mit bestem Blick auf See, Niesen und die ganze Gegend hier.
Irgendlink hängt den Wassersack in den Brunnen, aus welchem nur ein kleines Rinnsal fließt. Steter Tropfen füllt den Sack und als dieser voll ist, hängt ihn Irgendlink auf der Hausseite auf. Die Dusche ist bereit. Wir könnten uns allerdings auch einfach ausziehen und in den Regen stellen, witzeln wir. Aber mach das mal bei Hagel!
Es gewittert ein erstes Mal ziemlich heftig. Wenn man Donner sehen könnte, wäre er dunkelblau mit graublauen, fast schwarzen Rändern, da wo er an- und abrollt, schreibe ich auf Twitter. Es regnet ein bisschen. Später regnet es ziemlich heftig. Wie und wo man hier wohl biwackieren könnte, jetzt, wo alles bis auf die Bänke rund ums Haus nass ist? Es hagelt. Das Gewitter wandert, kreist, kommt und geht. Wie wird es in der Nacht wohl werden?
Angst habe ich keine, auch wenn es zugegeben ein bisschen gruslig ist. Ich stelle mich auf eine Nacht im Sitzen ein. Auf eine schlaflose Nacht. Aber es kommt anders. Besser. Wir beschließen, probehalber unsere Matten auf die relativ schmalen Bänke zu legen. Siehe da. Es funktioniert. Die Tische in der Nacht zuvor haben uns erfinderisch gemacht.
Nach einer erfrischenden Dusche aus dem Duschsack – yesss, was muss, das muss! – schlafen wir Kopf an Kopf ein. Was, wenn ich es mir so recht überlege, ziemlich romantisch ist (ich sag jetzt nur Überkopfgutnachkuss).
Irgendwann tröpfelt es dann doch unters Dach, denn es windet. Wir wachen auf, überlegen nicht lang und ziehen um, ums Eck. Ich darf auf die Bank, während sich Irgendlink mit der Matte auf den harten Boden legt. Der Gute!
Bilder von Tag 9
Irgendlink wandert mit dem Solarpanel am Rucksack, damit unsere Handys immer schön genug Saft haben
Niesenpanorama unter wolkigem Blauhimmel
Das Huhn hat sein Ei gelegt – die Schneefelder am Niesengipfel sprechen von Sommer
Wegweiser vor Gunten
Abstieg nach Gunten
Vor einem Restaurant in Gunten wirbt eine Tafel für Drinks. Geschrieben sind die Namen, wie man sie ausspricht
Das Hüttchen vis-à-vis der Bäckerei in Gunten hat ein Gesicht
Sofasophia steigt von Gunten aus wieder steil aufwärts
Oberhofen: Das Schloss
Oberhofen: Ein Museum
Weil es tröpfelt, lassen wir Schloss und Museum links liegen und steigen bergauf zur Waldhütte
Blick von der Bank vor der Waldhütte aus
Es wetterleuchtet
Festmahl, bestehend aus Nudeln, Gemüsesauce, Halloumi und Tomatensalat
Da habe ich die zweite Hälfte der Nacht geschlafen
Am nächsten Morgen sieht der Niesen wieder ganz sauber aus
Ein sehr schönes Aufwachen ist es auf 1100 Höhenmetern. Stille, Weitblick – und schon bald kitzelt die Sonne die Berg wach. Nach einem winzigen Frühstück packen wir unsere Sachen und wandern weiter Richtung Waldegg-Beatenberg. Weit ist es nicht mehr, aber schon bald ist es sehr heiß. Als Zwischen- oder vielleicht sogar Tagesziel haben wir uns für die Sundlauenen entschieden, einem Platz direkt am Thunersee, den ich von früher kenne und als wildromantische Badebucht mit Wald und einigen tollen Wildzeltplätzen in Erinnerung habe. Lang her.
Ab Waldegg, einer Siedlung, die zum sehr weitläufigen Berg- und Feriendorf Beatenberg gehört, folgen wir darum den Wegweisern nach Sundlauenen. Da wir keinen Brunnen finden, bitten wir zum ersten Mal auf dieser Tour bei einem Wohnhaus um Wasser. Normalerweise füllen wir unsere Flaschen an Brunnen, Bächen, Flüssen. Die Frau, die uns Wasser zapfen lässt, fragt, wo wir lang wandern und staunt, wie weit wir in einer Woche schon gekommen sind.
Erzählen wir jemandem, dass wir auf der Grimsel losgewandert sind, staunen die Leute immer, dabei ist es im Grunde gar nicht mal so weit. Doch das Wandern scheint hier ungewöhnlich geworden zu sein, wir treffen unterwegs jedenfalls kaum Wandernde.
Auf einer Schattenbank frühstücken wir ausgiebig und genießen die Weitsicht. Noch immer sind wir ziemlich hoch oben.
Bald weicht der Wald Weideland, Scheunen säumen den Weg, Höfe auch. Im Schatten des Waldes ist die Hitze definitiv erträglicher gewesen als auf den Wiesen und – überhaupt! – der steile Abstieg geht ganz schön in die Knochen und Gelenke. Ich bin denn auch ziemlich erschöpft, als wir irgendwann die Autostraße erreichen, die wir überqueren müssen, um zur Sundlauenen-Bucht zu kommen. Was für eine Brutofenhitze! Dazu macht mich die Nähe des Sees ganz hibbelig, ich will mich so schnell wie möglich ins Wasser stürzen.
Doch hier sieht alles anders aus als früher, der Wald ist mit einem Campingverbot belegt, manche Stellen sind abgesperrt und als privat gekennzeichnet. Dazu ist die Badestelle schon ziemlich gut besetzt.
Hatte nicht B. letzte Woche etwas von einer Baustelle erzählt? Davon, dass hier wegen Überschwemmungen oder Unwetterschäden baulich eingegriffen worden sei? Ich erinnere mich nicht mehr so genau, aber früher war es hier auf jeden Fall schöner. Jedenfalls in meiner Erinnerung.
Der Badestrand ist steinig, ohne Bäume und somit ohne Schatten. Doch da es dort eh schon viele Menschen hat, suchen wir uns im nahen Wäldchen einen Platz, wo wir lagern können. Wir breiten uns aus und folgen, dem Wandern der Sonne entsprechend, den Schattenflecken. Der See ist hier sehr kalt und weil die großen Steine sehr rutschig sind, ist der Einstieg entsprechend, sagen wir mal, experimentell. Dennoch tut die Erfrischung sehr gut und wir erholen uns ein paar Stunden vom anstrengenden Abstieg.
Den Plan, hier zu bleiben, um zu biwackieren, verwerfen wir schnell, es ist ja auch erst etwa vier Uhr. Der Platz ist zu öffentlich und außerdem sind Gewitter gemeldet. Für Gewitter wäre eine Waldhütte nicht schlecht. Oder ein öffentlicher Zeltplatz, auf welchem wir zur Not in ein Badehäuschen flüchten könnten. Wir diskutieren die Möglichkeit, mit dem Schiff von der Sundlauenen-Schiffländte aus ans andere Ufer zu fahren, da dort ein Campingplatz ist. Bei dieser Gelegenheit hätten wir auch gleich einen Twitter-Blog-&-Künstler-Kollegen heimsuchen können. Aber passen Besuche und passt ein Seeseitewechsel in unseren Wanderflussflow?
Hin- und hergerissen sind wir, denn mit dem Schiff könnten wir ja auch einfach die Beatenbucht umschiffen. Denn um die Bucht zu Fuß zu umwandern, hätten wir einmal mehr ein ziemliches Aufwärtsstück gehen müssen. Bei dieser Hitze. So spät noch. Bei Gewitterprognosen. Nein. Man darf sich ja auch mal etwas gönnen. Eine Schifffahrt zum Beispiel.
Die Fahrt ist kurz und das Schiff sehr voll. Wir setzen uns ins Schiffsinnere, denn die vielen Leute und die brutale Hitze strengen an. Über dem Niesen ziehen Wolken auf, wie um die Prognosen zu bestätigen. Ob wir in Merligen irgendwo einen sicheren Platz finden werden? Eine Scheune vielleicht, bei einem Bauernhof?
In Merligen ist da auf einmal diese riesige Lust auf Pommes. Oder doch lieber ein Eis? Die Möglichkeit zu konsumieren macht es. Oder sind es die vielen Menschen hier? Jedenfalls sitzen wir kurz darauf schon wieder an einem schattigen Tisch. In der Badi Merligen. Mit einem Klingeldingsi vor uns, das angeblich kundtun wird, dass die Pommes fertig sind. Nach zwanzig Minuten gehe ich beim Kneipchen vorbei und frage nach. Doch die Pommes sind noch nicht fertig, denn die arme Frau ist mit Küche und Theke allein und bekommt buchstäblich nichts gebacken. Nach einer weiteren Viertelstunde werde ich dann doch langsam ungeduldig und kündige Irgendlink an, dass ich in zwei Minuten nochmals nachfragen werde. Ich stelle dazu sogar demonstrativ den Handywecker. Nach anderthalb Minuten hüpft und lärmt das Klingeldingsi auf dem Tisch herum und ich hüpfe auch und hole die Pommes. Die dann auch ziemlich gut schmecken und den gröbsten Hunger stillen.
Inzwischen haben wir die Wanderkarten ein bisschen ausgiebiger betrachtet. Irgendlink hat oberhalb von Merligen eine Waldhütte entdeckt. Nicht weit von hier. Luftlinie gerade mal achthundert Meter. Da in der Nähe könnten wir es bestimmt mit Zelten versuchen. Irgendlink ersteht am Badi-Kiosk eine Flasche Bier, Dosen gibt es hier nicht. Verrückter Kerl, als hätten wir nicht schon genug Gewicht in den Rucksack. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf einen kühlen Schluck Bier.
Ab Dorfmitte geht es immer schön steil aufwärts, teils über Wanderwegtreppen. Schließlich lassen wir das Dorf hinter und unter uns. Erste Regentropfen fallen. Der Himmel ist ein graues Geschmier, durch das aber doch immer wieder ein paar Sonnenstrahlen dringen. Und heiß ist es auch noch immer. Das kühle Seebad ist längst mit Schweißbächen überschrieben, überschwitzt. Und noch immer geht es weiter bergauf. Ich schaue immer mal wieder auf dem Handy, wie weit es noch ist und ob wir es wohl trocken nach oben schaffen.
Und auf einmal sind wir da. Was für ein Waldhaus! Mit vielen Picknicktischen – steinerne unter freiem Himmel, hölzerne unter einem Dach. Dazu zwei Brunnen. Eine geöffnete Toilette. Ein Spielplatz mit Holzschnipselboden, den wir schon bald zum Biwackplatz bestimmen. Dazu eine prächtige Aussicht auf den Niesen am Ufer gegenüber, der sich mit Wolken bedeckt hält.
Es ist ein kleines Wunder, dass wir nach diesem heißen Tag und bei den angekündigten Gewittern so einen guten, sicheren Platz gefunden haben. Und sogar einen Bierflaschekühlbrunnen gibt es hier!
Ich mag Brunnen, auch baden lässt es sich nämlich in ihnen. Nach dieser wohltuenden Erfrischung kochen und essen wir. Später trinken wir unser kühles Bier und bald schlüpfen wir auch schon im Spielplatzbereich in unsere Schlafsäcke. Der Regen hat sich wieder verzogen und auch die Gewitter scheinen es doch nicht ernst gemeint zu haben.
Auf Twitter schreibe ich am nächsten Morgen einen Thread:
1.) So ein Gewitter hat was. Zuerst als Intro Wetterleuchten überm Niesen, dann erste Donner und Blitze ebendort, ennet des Sees. Spektakulär! Kein Kino kann so was. 3D kann einpacken. Langsam kommt das Ganze näher und wir entscheiden uns um ein Uhr nachts,
2.) uns von ‚zwischen dem Schaukelpferden’ auf die Tische zu verlagern. Wie in einem Freilichttheater konnten wir von dort aus – liegend -weiter staunen. Ja, und ein bisschen unheimlich wars schon. Schließlich der Regen. Erlösende Kühle. Um 2:22 guck ich nochmals aufs Handy, dann
3.) penne ich ein. Tief und fest. Ich wollte ja schon immer auf einem Tisch tanzen. Schlafen toppt das irgendwie.
Kurz bevor wir fertig gepackt haben, kommt der Platzwart, ein Mitarbeiter der Gemeinde, und sagt, dass man hier eigentlich nicht übernachten dürfe, ABER alles sei gut. Wir bräuchten auch kein Geld in die Kasse am Haus zu legen (was wir vorgehabt hatten). Das Geld sollen wir lieber für die weitere Reise behalten. (Yesss! Damit sind wir nun definitiv in die Gilde der Pilgernden dieser Welt aufgestiegen. Irgendlink trauert dem Umstand nach, dass er keinen Pilgerpass dabei hat.) Wir hätten im Schloss Rallingen übernachten können, sagt der Platzwart weiter, da habe es eine Pilgerherberge. (Was wir theoretisch hätten sehen und somit wissen können.)
Was für ein netter Mensch! Danke Merligen für diese Wahnsinnsnacht.
Bilder von Tag 8
Eiger, Mönch und Jungfrau im frühen Morgenlicht
Weitblick. Berge, Wiesen, unten Interlaken und ein erstes Zipfelchen vom Thunersee
Aussicht beim Weiterwandern Richtung Waldegg-Beatenberg
Eine Scheune unterwegs, im Hintergrund wie hier immer und überall Berge
Wir frühstücken auf einer schattigen Bank. Die Sonne scheint durch die Bäume und ergießt sich scheinbar aus meinem Finger
Irgendlink sitzt mit Handy auf einem schattigen Fleck Wiese, neben sich ausgebreitet das Solarpanel
So langsam verlieren wir wieder an Höhe. Unter uns der See, vor uns Wiese und Wald, ein Hüttchen duckt sich an den steilen Hang
Am Abend. Blick auf den Niesen auf der anderen Seeseite. In der Bildmitte der See und vorne diesseitiges Gelände im Dämmerlicht
Gewitter ziehen auf, über den Bergen auf der anderen Seeseite. Wolken, Wetterleuchten
Hier werden wir biwackieren. Zwischen Schaukelpferden. Mit Blick auf Waldhaus, Bäume, Tische, Brunnen
Blick beim Erwachen von unserm zweiten Schlafplatz aus. Hierher ziehen wir um, als es zu gewittern und zu regnen beginnt. Wir schlafen auf Holztischen
Der See blubbert leise neben uns. Es wird langsam hell und am Ufer gegenüber lassen sich die Berge ein gelbrosa Häubchen wachsen. Was für ein Erwachen! Die Welt tut als sei sie ein ganz und gar friedlicher Ort. Wir lassen uns gerne ein wenig täuschen, kochen Wasser, frühstücken ein wenig und packen, denn auch heute wollen wir wieder vor der großen Hitze loswandern.
Eigentlich wollte ich heute Morgen ja kurz schwimmen gehen, aber ich bin noch nicht genug aufgeheizt für den morgenkühlen See und belasse es darum bei einer erfrischenden Katzenwäsche.
So schaffen wir uns bergan, denn der Weg nach Bönigen führt oberhalb der Autobahn durch die Hügel. Am Anfang Wiesen, Höfe, Hüttchen, Wald. Schließlich eine Treppe, die ich Ar**sch**lochtreppe taufe, weil sie mich so richtig fertig macht. Aber so richtig. Es ist nicht die Steigung an sich, denn davon hatten wir schon viele. Aber diese Stufen hier? Echt jetzt, die muss sich Riese ausgedacht haben. Ich wandere tausendmal lieber über unebene Hügel und natürliche Wurzeln als über eine proportional derart unnatürliche Treppe wie diese hier. Sogar Irgendlink stöhnt. Aber irgendwann ist auch die längste Treppe geschafft. Wir gönnen uns eine längere Pause, bevor wir weiter wandern. Auf der übernächsten Pausenbank gibts Frühstück. Dort irgendwo haben wir die höchste Stelle erreicht und der Weg geht wieder langsam abwärts.
Als wir den See erreichen, eine Bank, eine Badestelle, geht es nicht lange und ich nehme mein erstes Bad des Tages. Es wird auch mein letztes sein, aber das weiß ich zum Glück noch nicht.
Kurz darauf erreichen wir Bönigen. Per App habe ich herausgefunden, dass wir mit dem Schiff nach Interlaken Ost fahren können. Eine Viertelstunde vor der Abfahrt treffen wir an der Schiffländte ein und kaufen uns für ein paar Kilometer wanderfrei. Hitzefrei. Nun ja, auch auf dem Schiff ist es heiß, aber hier bläst uns immerhin der Wind um die Ohren. Ich freue mich über diese Fahrt und darüber, dass wir so Interlaken um ein kleines Stück abkürzen können.
Im Gegensatz zu all den Touristinnen und Touristen von der ganzen Welt – insbesondere vom fernen und vom nahen Osten – verbinde ich mit der Gegend hier schwierige Erinnerungen. Neben dem Gewusel und der Hitze ein weiterer Grund, die Stadt baldmöglichst hinter uns zu lassen.
Doch zuerst müssen wir dringend einkaufen – morgen haben die Läden zu. Der Kellner eines Restaurants am Schiffssteg heißt uns den nahen Bahnhof zu unterqueren. Drüben sei ein großes Coop. Wir tun wie geheißen. Auf dem Bahnhofplatz pures Chaos, das von der Verkehrspolizei irgendwie geordnet wird. Wer wann wie über die Straße darf, wird recht willkürlich gehandhabt. Ein Fahrradfahrer will sich an der Polizistin vorbeimogeln, doch sie wirft sich ihm buchstäblich in den Weg, damit wir unbehelligt den Platz überqueren können. Ihr ‚Stopp heißt Stopp!, was ist daran so schwer zu verstehen?’ verfolgt uns noch lange.
Wir haben einen Coop-Gutschein in der Tasche und den zücken wir jetzt. Tagesmenü im Restaurant. Zack. Nachschub kaufen. Zack.
Bald haben wir genug vom Gewusel der Stadt und schaffen uns über das Bödeli, wie Interlaken hier genannt wird, nordwärts, um an das Nordufer des Thunersees gelangen zu können. Am Anfang wandern wir noch treudoof unserer Aare entlang, doch da uns dies so ohne Schatten schon bald zu heiß ist, beschließen wir, Richtung Friedhof Unterseen zu wandern. weil wir uns von einem Friedhof ein bisschen Schatten versprechen und vielleicht einen Brunnen. Bestimmt können wir uns dort ein wenig abkühlen.
Ja. Können wir. Doch wir stellen beim Blick auf die Karte immer wieder fest, dass wir für einmal keinen richtigen Streckenplan zur Hand haben. Es gibt zu viele Möglichkeiten. Außerdem haben wir von der Stadt längt genug, obwohl noch ein ganzes Stück vor uns liegt.
Beim nächsten Brunnen stillen wir einmal mehr unseren Durst, erfrischen uns und waschen Hände, Arme und Gesicht, denn das Wandergesetz Nr. 1 besagt, dass man jedem Brunnen Respekt erweisen soll, indem man von seinem Wasser trinkt.
Dass der Brunnen an einer Postautohaltestelle steht, ist Zufall. Noch ein größerer Zufall ist es, dass genau in jenem Moment, als ich gucken will, wo das Postauto hinfährt, eins anhält und der Fahrer uns die Türen öffnet. Innert einer Sekunde – ein kurzer Blickkontakt genügt – entscheiden wir uns, einzusteigen.
Habkern. Das bin ich doch früher schon mal gewesen. So ganz falsch kann das nicht sein?, sage ich, als wir uns gesetzt haben, wage aber erst, als wir oben angekommen sind, auf die Karte zu schauen. Mit uns steigen ein junges Trekking-Paar und eine junge Französin aus. Das Paar will auf einen Berg und dort biwacken, die junge Frau ein wenig wandern. Und wir? Fast sind wir soweit, dass wir uns in das nächste Postauto setzen wollen und zurück fahren. Wir sind nämlich in die falsche Richtung gefahren, ein ziemliches Stück ’rückwärts’. In Habkern sind wir zwar etwa fünfhundert Höhenmeter höher, aber wieder vor Interlaken und noch lange nicht daran vorbei. Da unten liegt es, das Bödeli.
Wir spazieren durchs geteerte Dorf und überlegen hin und her. So viele Wege, so viele Möglichkeiten. Eine Mountainbikeroute führt da oben nach Beatenberg-Waldegg, sagen die Wegweiser. Ah, und hier, schau!, sagt Irgendlink, entlang der Höhenlinie führt auch ein Wanderweg nach Beatenberg-Waldegg.
Wir entscheiden uns, auf jeden Fall ein Stück in den Wald hineinzuwandern, die Straßen zu verlassen, einen Lagerplatz zu suchen. An einem wilden Bach füllen wir sicherheitshalber alle Flaschen auf, damit wir auch ohne See-Bach-Brunnen den Abend, die Nacht und den Morgen überstehen. Wie gut, dass wir unsere übliche Dose Bier dabei haben.
Wir wandern eine Stunde durch den Wald und ich merke, dass ich so langsam an meine Grenzen komme. Der Tag war unglaublich abwechslungsreich, extrem heiß, super wanderintensiv und dazu voller Eindrücke und Erinnerungen. Ich bin schlicht und einfach kaputt. Fast haben wir den Platz erreicht, an welchem wir später unser Zelt aufbauen werden – was ich aber noch nicht weiß –, als ich glaube, keinen Schritt mehr gehen zu können. Von all den Höhenmetern einmal abgesehen, waren das heute sicher nahezu fünfzehn Kilometer, die wir gewandert sind. Dazu seit Interlaken wegen des Wochenend-Vorrats mit deutlich schwereren Rucksäcken als sonst.
Irgendlink schlägt vor, dass ich hier bleiben und auf ihn warten soll. Er werde voraus gehen und jenen Platz suchen, wo Wander- und Waldweg aufeinander stoßen. Auf der Karte sei dort eine etwas breitere Stelle eingezeichnet und er sei ziemlich sicher, dass wir dort lagern können. Ich schaue mir die Stelle auf dem Handy an und stelle fest, dass es bis dahin nur noch hundert Meter sind. Ein neuer Energieschub erfüllt mich und schließlich sind wir tatsächlich bald auf einem richtig guten Platz. Nicht wirklich hübsch, aber ideal. Die einzige Stelle, die breit genug für das Zelt ist.
Ein Wendeplatz, der vermutlich, wenn wir die Spuren richtig lesen, für Holzfällerarbeiten genutzt wird. Der ganze Boden ist voller Sägespäne. Wir bauen auch heute nur das Innenzelt auf, es ist trotz der 1100 Höhenmeter ziemlich warm. Die leichte abendliche Abkühlung tut gut. Wir kochen, essen Leckeres und schließlich setzen wir uns mit unseren Bechern und der Bierdose auf unsere ganz persönliche Logenplätze und sehen der Sonne dabei zu, wie sie mit ihrem Untergehen das Eiger-Mönch-Jungfrau-Massiv erglühen lässt.
Hehre Gefühle tauchen in mir auf. Demut ob der Größe der Berge. Ein bisschen fließen die Tränchen, denn es ist einfach so schön hier zu sein und ich bin froh über das zufällige Postauto.
Dieses Abendlicht. Dieses Alpenglühen. Und immer dieses wunderschöne alte Volkslied – Luegid vo Bärge is Tal –, das in meinem Herzen kreist.
Ich schlafe gut in dieser Nacht. Tief und fest, totmüde wie ich bin.
Bilder von Tag 7
Noch ist der See ruhig und die Sonne weckt langsam die Berge am Ufer gegenüber
Der Tag erwacht. Von unserm Biwack aus sehen wir direkt rüber nach Iseltwald. Morgendunst liegt auf dem See.
Wir sind früh unterwegs Richtung Bönigen. Auf dem ersten Stück geht es zünftig bergan. Wiesen, Bäume, vereinzelte Höfe, blauer Himmel.
Beim Aufstieg nach Bönigen steht dieses Hüttchen am Wegrand
In der Ferne, hinter dem Wald, sehen wir bereits den See blinzeln. Obwohl die Schatten noch lang sind, ist es bereits sehr warm
Was für eine brutale Steigung. Noch schlimmer als die Steigung aber ist diese Treppe hier
Sofasophia versucht, die gute Laune nicht zu verlieren. Diese Treppenstufen sind sehr mühsam, zu hoch für kurze Beine, zu lang für einen flüssigen Rhythmus
Da unten ist der See. Von weitem, ganz hinten, grüßt bereits der Niesen am Thunersee. in der Mitte, zwischen den Bergen und Seen die Stadt Interlaken, unser heutiges Zwischenziel
Langsam verlieren wir wieder an Höhe und nähern uns dem Brienzersee
Irgendlink spricht mit den Kälbchen über die Hitze
Auch junge Kälbchen sind durstig. Und natürlich wollen alle gleichzeitig trinken
Wir haben die Schiffländte von Bönigen erreicht, denn wir haben beschlossen, mit dem Schiff nach Interlaken Ost zu fahren
An der Schiffländte in Bönigen
Interlaken ist ein heißes Pflaster – wörtlich ebenso wie metaphorisch
Nach Einkauf und Mittagessen versuchen, die Stadt so schnell wie möglich zu durchqueren, der Hitze wegen
Stunden später. Wir sind wieder in der Höhe. Diesmal per Postauto, das uns in Habkern ausgeladen hat
Die Weitsicht von hier oben ist atemberaubend. Irgendlink schaut hinunter auf Interlaken und sieht den ersten Zipfel des Thunersees, den letzten Zipfel des Brienzersees und zwischen den Seen die Stadt Interlaken
Blick von Habkern aus Richtung Osten, Richtung Interlaken: Berge, Wiesen, Blauhimmel
Wir wandern Richtung Beatenberg-Waldegg und finden nach einer Weile einen guten Nachtlagerplatz
Nicht weit vom Lagerplatz haben wir beste Sicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau
Langsam macht sich die Sonne davon und färbt das Eiger-Mönch-Jungfrau-Massiv rosa
Das Massiv hier mit noch ein bisschen mehr rosa, weils so schön ist
Und gleich nochmals mehr rosa, gleich ist sie weg, die Sonne, die die Zipfel rosa tüncht
Der letzte rosa Tupf gehört der Jungfrau, sie ist die größte von allen
Unser Nachtlager: Rechts das aufgebaute Innenzelt auf Holzspan-Erde. Davor Irgendlink mit warmer Jacke, hinten Bäume und dämmriger Himmel
Unser Nachtlager auf der Wiese ist ruhig, schattig und relativ kühl. Nicht zuletzt, weil wir nur – und hauptsächlich als Mückenschutz – das Innenzelt aufgebaut haben. Wir brechen nach einem winzigen Frühstück zeitig auf, um möglichst viel Morgenkühle zu erwischen. Es ist noch nicht mal sieben Uhr, als wir das erste happige Stück, jenes dem Bach entlang durch den Wald, geschafft haben und unsere langen Schatten fotografieren.
Brienz ist noch sehr ruhig, als wir es seitlich, möglichst nahe an Aare und See, durchqueren. Beim ersten Badesteg, den ich sehe, nicht weit von einer Komposttoilette entfernt, befriedige ich gleich zwei Bedürfnisse, jenes nach einer stinklangweiligen Sitzung zum einen und jenes nach einem erfrischenden Morgenbad zum anderen. Mein erstes Brienzerseebad seit Ewigkeiten!
Was die Weiterwanderung angeht, sind wir hin- und hergerissen. Der Wanderweg, der direkt am See entlang führt, ist am Anfang geteert und führt recht nahe an der Autostraße entlang. Die Alternative wäre ein kleiner Schlenker bergauf, am Südhand des Sees. Wir wägen ab. Der Weg ist zwar in der Wander-App eingezeichnet, nicht aber als eigentlicher Wanderweg ausgeschildert.
Wenn irgendwo ein bestehendes und funktionierendes Wegenetz besteht, wozu soll ich denn auf die Karte gucken?, ist Irgendlinks Devise. Ich mache einfach, was die gelbe Pfeile mir sagen. So wäre er vermutlich, ohne meine Intervention, einfach dem Wanderweg Richtung Iseltwald gefolgt. Bei solchen Gelegenheiten, stelle ich fest, wie unterschiedlich Irgendlink und ich durch die Welt gehen. Was natürlich mit Gewohnheiten zu tun hat, mit Erfahrungen, mit Denkmustern.
Ich habe aber keine Lust, einer weiteren doofen Teerstraße entlang zu laufen und bin dafür gerne bereit ein Stück aufwärts zu wandern. So schlage ich ein Stück auf dem Bergweg Richtung Axalp vor. Meine Methode besteht nämlich darin, dass ich vorher gucke, wo es die waldigsten Wanderwege hat. Meistens geht die Gleichung auf, denn im Wald hat es in der Regel keine Teerstraßen. Kurz gesagt personalisiere ich mir den Wegverlauf zurecht, passe ihn meinen Bedürfnissen an – egal, ob es da nun Wanderwegtafeln hat oder nicht. Das kann gelingen oder in die Hose gehen. (Meistens gelingt es, denn ein bisschen Kartenlesekunst habe ich mir in all den Jahren angeeignet.)
Als wir bei zunehmender Hitze etwa einen Kilometer sehr steil durch den Wald bergauf kraxeln, kommen mir natürlich trotzdem immer mal wieder kleine Zweifel. Vielleicht wäre es ja unten gar nicht so schlimm gewesen? Vielleicht wäre der Berufsverkehr nicht gar so laut gewesen wie wir befürchtet haben? Aber als wir an einer kleinen Wegkreuzung, die ich schon im Voraus als höchsten Punkt markiert habe, anlangen und ausgiebig frühstücken, ist schnell alles wieder gut. Es ist genau so genau richtig. Immer wieder gibt es diese Momente, gerade nach sehr steilen Stücken, nach sehr anstrengenden Etappen, wo wir nach der Mühe einfach nur Glück atmen. Und uns ausruhen. Trinken. Etwas essen. Kraft sammeln.
Auch was die Giessbachfälle betrifft, ist unser kleiner Umweg Richtung Axalp eine weise Entscheidung gewesen, denn wir treffen genau am spektakulärsten Platz auf den gigantischen Wasserfall. Was für ein Naturereignis! Wie damals, als Neunjährige, bin ich hin und weg von der Schönheit und Kraft des Wasserfalls. Es steigen Erinnerungen an meine allerersten Ferien hoch. Ich war neun Jahre alt gewesen, damals, als mein großer Bruder und seine Partnerin die drei kleinen Geschwister ins Auto verfrachtet hatten und mit ihnen ein paar Tage an den Brienzersee zum Zelten gefahren waren. So viele neue Erfahrungen waren das für mich gewesen: Ferien. Zelten. Seebaden. Ausflüge machen. Die Giessbachfälle. Erlebnisse, die sich unauslöschlich in mein Herz geprägt haben!
Von den Giessbachfällen aus gibt es einen sehr gut gehbaren Wanderweg abwärts zum See und von da an ist der Seewanderweg bis Bönigen durchgängig gut zu gehen, will heißen: fast ohne Teer.
Zurück am See finden wir schon bald einen herzigen Badeplatz. Wir sind bereits wieder reif für das nächste Bad, denn erneut ist es über dreißig Grad heiß. Auch die diversen Insekten mögen diesen Platz ganz offensichtlich. Irgendlink wird von Käfern heimgesucht, ich von Schmetterlingen.
Wir wandern weiter und kehren schließlich im Strandbad Iseltwald ein. Die Badi sieht noch genau aus wie damals!, sage ich, wie damals, als ich das erste Mal in einem richtigen See geschwommen bin. Wir essen Pommes, trinken etwas Erfrischendes und überlegen, ob wir auf dem Zeltplatz einchecken sollen. Der Preis ist allerdings eher an der Schmerzgrenze und es ist ja auch erst Nachmittag, also noch früh. So entscheiden wir uns dafür, weiterzuwandern. Durch den Ort Iseltwald, der viel größer ist, als ich ihn in Erinnerung hatte. Wir kaufen ein paar Kleinigkeiten ein – die traditionelle Dose Bier zum Beispiel, die wir uns später genüßlich teilen – und wandern, den Ort und sein Gewusel wieder verlassend, weiter westwärts.
Es könnte schwierig werden, einen Nachtplatz zu finden, stellen wir fest, als wir sehen, dass der Wanderweg durch lose bewohntes Gebiet führt. Rauf, runter, mal waldig und seenah, mal hügeliges Wiesenland …
Irgendlink entdeckt einen kleinen Weg, dem wir direkt abwärts zum See folgen. Ein hübscher Platz. Hier könnte man sicher biwacken, überlegen wir. Zum Platz gehört ein Bootparkplatz, der leer ist. Vielleicht könnten wir die Leute, denen der Platz gehört, fragen, ob wir hier lagern dürfen?, überlegen wir.
Wir genießen den Schatten, dösen ein wenig und erfrischen uns im See, als schließlich das zum Bootplatz gehörige Ruderboot auftaucht. Ein älteres Paar steigt aus. Wir plaudern ein wenig und erfahren, dass es bestimmt kein Problem wäre, hier zu biwacken. Der Platz gehöre zum Haus – da oben –, sie hätten nur die Anlegestelle gemietet, im Haus wohne allerdings zurzeit niemand. Ein Stück weiter sei übrigens ein sehr schöner, öffentlicher Grillplatz, welcher ein bisschen größer und gemütlicher sei als dieser kleine Platz hier.
Wir bedanken uns und überlegen hin und her … Das Risiko bei einem öffentlichen Platz besteht darin, dass vielleicht schon jemand dort ist. Oder noch jemand kommt. Dass ein Camp-Verbot besteht. Dass sich jemand beschwert. Dass sich jemand von uns gestört fühlt.
Wir beschließen, das Risiko zu wagen. Schlimmstenfalls ist der Platz besetzt oder es hat ein Zeltverbot, dann müssen wir halt weiter, sagen wir uns und ziehen die Rucksäcke wieder an.
Wenig später finden wir einen idealen, menschenleeren Grillplatz und beschließen einfach mal abzuwarten, besonders was den Bau unseres Lagers betrifft, falls noch jemand kommen sollte. Es gemütlich anzugehen. Baden. Kleiderwaschen. Kochen und Essen.
Auf dem See wird es langsam ruhiger und die Lichter am anderen Ufer und drüben, in Iseltwald, gehen an. Später schwimmt noch das ältere Paar in der Nähe vorbei und winkt uns zu. Ansonsten werden wir – von den Mückis einmal abgesehen – in Ruhe gelassen. Dank Mückenspray ist das jedoch erträglich.
Wir schlafen unter freiem Himmel, da zum einen der Boden für die Heringe fast zu hart und zu trocken ist und zum anderen: Wozu ein Zelt aufbauen, wo doch der Himmel über uns so wunderbar funkelt?
Mitten in der Nacht, als ich kurz aufwache und mal schnell die Sterne nachzähle, stelle ich fest, dass der See fast keine Geräusche mehr macht. Als ob auch er schlafen würde.
Bilder von Tag 6
Unser 5. Nachtlagerplatz: gemähte Wiese mit herumliegendem Heu, Rucksack, hinten geht es runter zum Bach
Unsere Schatten sind noch lang, als wir Richtung Brienzersee wandern
Ein aus Holz geschnitztes Jodlerpaar in Lebendgröße erinnert daran, dass Brienz das Zentrum der Holzschnitzkunst ist
Endlich. Am See. Das erste Seebad vom Holzsteg aus vor Blauhimmelundsee-Panorama
Eine Komposttoilette sorgt für Erleichterung
Wir überqueren eine Aarebrücke, um an die Südseite des Sees zu gelangen. Hier sieht man, wie die Aare in den See fließt
Wir entscheiden uns, am Hang statt der Wanderstraße am See entlang zu wandern
Es geht steil bergan, immer Richtung Axalp
Romantik kann er: Auf einer Tafel verewigt Irgendlink unsere Gegenwart mit einem von einem Amorspfeil durchbohrten Herzchen
Irgendlink posiert zwischen den gediegenen gemauerten Pforten des Grandhotels Giessbach
Endlich: Die Giessbachfälle, tosend, laut, beeindruckend
Die ganze Umgebung dampft vom Wasserfall
Der Wasserfall begleitet uns beim Abstieg
Hier beschert uns der Wasserfall einen Regenbogen auf dem Wanderweg
Auch weiter unten ist der Fluss ziemlich wild
Wir sind nun wieder unten am See und rasten. Ein Sonnenbrunnen drängt durch die Bäume zu uns
Schmetterlinge landen zuerst auf meinem Knie und später auf meiner Hose
Ein schöner Wanderweg sehr nah am See führt nach Iseltwald
Der Weg ist stellenweise sehr schmal und abfallend
Nach einer längeren Pommes-Pause in der Badi in Iseltwald wandern wir weiter und finden einen schönen Grillplatz, wo wir unser Nachtlager aufschlagen. Hier schwimmt Irgendlink im warmen Brienzersee
Die Sonne geht langsam unter
Ein Platz wie ein kleines Paradies
Wir waschen unsere Kleider und biwackieren direkt am See