alle können es

Und alle tun es. Alle sprechen gerne darüber. Weil alle es KÖNNEN! Ob groß oder klein, komplex oder einfach gestrickt, alt oder jung. Das perfekte Thema für alle! Am liebsten werden im Kontext mit ihm gleich ein paar Schauergeschichten mitgeliefert. Geschichten, die mit Ja, damals vor zehn Jahren … oder so ähnlich anfangen. Dann folgen sie, die Erlebnisse mit Blitz und Donner, mit Hagel und  Sturm. Mit Schnee oder ohne. Geschichten über Naturgewalten. Ihre Faszination ist eine doppelte. Zum einen, weil wir uns – mitten in solch Erlebnissen – bewusst werden, wie klein und im Grunde machtlos wir sind (die stille Faszination) und zum anderen, weil wir uns gerne von Dramen erregen lassen (die laute Faszination). Am liebsten sind uns natürlich die Dramen anderer. Und wir gerne das Publikum. Zwar nahe am Geschehen, doch mit sicherem Abstand. Wie beim Krimilesen. Das Wetter – niemand kann sich ihm entziehen. Selbst wenn es das letzte ist, was wir sehen. Und das erste, wenn wir die Fensterläden öffnen.

Heute ein bisschen Neuschnee, stellte ich fest. Als ich bald darauf die Seite meines immerwährenden Seelenfarben-Kalenders wendete, war mir kurz, als stehe meine Mutter neben mir. Ganz unbewusst hatte ich, wie ich soeben begriff, vor einem Jahr ihr morgendliches Ritual übernommen. Jeden Tag hatte ich auf meinem Mondkalenderposter das Tagesmagnet einen Schritt weitergeschoben und mich dabei auf den neuen Tag eingestellt. Der Mondkalender wurde zwar inzwischen vom immerwährenden Kalender abgelöst, das Ritual blieb sich indes gleich. Ich suche täglich während dieses Rituals meinen Platz auf der illusorischen, chronologischen Zeitachse, die sich mein Leben nennt.

Meine Mutter. Bald neun Jahre sind seit ihrem Tod vergangen, doch sehe ich sie jetzt vor mir, als wäre es gestern gewesen. Sehe, wie sie nach dem Morgenkaffe und der Morgenzigarette vom Küchentisch aufstand und zum selbstgemachten Kalender am Küchenschrank ging, um den Tag –  den vergangenen, gestrigen allerdings – zu rapportieren. Mein Vater hatte ihr zur Herstellung ihres Kalenders eigens einen Holzstab zurecht geschliffen, der die perfekte Breite hatte, um die zwölf eierschalenfarbenen Halbkartons im A4-Format in jeweils einunddreißig, dreißig, neun- oder achtundzwanzig Zeilen zu unterteilen.

Schön, schrieb sie. Oder: Regen. Oder auch: durchzogen. Ein Wort meist nur. Außer wenn das Wetter kompliziert war. Aber auch dann reichte fast immer ein Wort: Wechselhaft. Je kranker sie wurde, desto reduzierter ihr Blick auf die Welt. Bis er nur noch das Wetter zu umfassen schien. Und den Zustand ihres schwächer werdenden Körpers. Irgendwann stand auf einmal auch Starke Schmerzen im Kalender. Oder Weniger Schmerzen. Der tägliche Rapport musste sein. Der Status Quo festgehalten, eingefangen, zur Erinnerung konserviert. Mit den Vorjahren verglichen.

Ich kann nicht umhin, dabei an mich und mein Kalenderritual zu denken. Und an meine Blogleidenschaft. Einer der Äpfel, scheint mir, der nicht allzu weit vom Stamm gefallen ist. Andere sind zum Glück weiter weg gerollt, nicht bei mir gelandet. Doch dieser hier schmeckt mir.

46 Grad 56 N – 7 Grad 26 O

1. Rien ne va plus

Wenn sie, er oder es fehlt, geht gar nix mehr. Winterschlafen höchstens. Decke über den Kopf. Ohne sie, er, es kann ich nicht sein. Ich brauche sie! Dringend! Oder ihn oder es. Für die Arbeit auch. Ja, im Büro fehlt sie, er, es mir am allermeisten. Wo sich das Ding bloß versteckt hat? Unter Schnee begraben? Gefrorene Software?

Wie einfach es wäre, einfach meinen Bio-Rechner hochzufahren und sie, ihn, es neu zu installieren. Runterladen aus dem Großen Netz. Oder eine entsprechende CD einlegen. Warum und wo das Teil rausgefallen ist, weiß ich nicht. Ein Virus vielleicht? Am liebsten also neu laden, auspacken und öffnen. Anwenden. Und alles wäre wieder gut. Wie einfach es sein könnte, das Leben.

Zum vermissten Inhalt:
BeGEISTerung – InSPIRation
MOTIV – BEWEGgrund
MOTIVation – ANTRIEB

Falls du, er, sie, es, ihr, sie meine abhanden gekommene Software finde(s)t, bitte sofort bei mir melden. FinderInnenlohn garantiert!

2. Kreuzpunkte

Warum mich Zahlen so faszinieren, weiß ich nicht. Ähnlich wie Buchstaben und Katzen führen sie ein autonomes Dasein, lassen sich mal hier mal da nieder. Dennoch gaukeln sie mir Sicherheit und Fassbarkeit vor. In Gleichungen zum Beispiel. Ich vertraue ihnen wider alle Vernunft. Auch lassen se sich auf Spielchen ein. Wie auf ein Leben als Teil einer Koordinatenangabe. Zum Beispiel.

Seit ich neulich das erste Mal ein GPS in Händen hielt und zu bedienen lernte, stelle ich fest, wie sehr mich die Idee fasziniert, dass sich jeder Punkt definieren lässt. Wo immer jemand ist, die Stelle lässt sich benennen! Mit Zahlen. Zahlen geben auf den Meter genau an, wo ich mich befinde. Und du. Ausgangspunkt ist, wie wir wissen, Greenwich, einst definierter Nullpunkt. Alles fängt mit einer Definition an. Null wäre hier also. Oder: du wärst da. Du wärst das. Ich wäre dies. Er jenes. Am Anfang war die Definition. Immer. Definieren ist machtvoll. Ein Spiel mit Wörtern und Zahlen. Schöpfungsmacht.

Was ich sagen wollte? Es entspricht meinem Naturell, ein Werkzeug zu kennen, das  mir sagt,  wo ich bin. Und dass ich bin. Dass ich da bin. Zugegeben, die Tatsache, dass ich anhand ein paar Zahlen anderen Eingeweihten verraten kann, wo ich wohne, hat was Unheimliches. Big Brother lässt grüßen. Natürlich. Dennoch …

Fällt mir eine Geographie-Stunde ein. Prüfungsarbeit Koordinaten. Meine Banknachbarin – wir saßen allerdings, wie immer bei Prüfungen, durch eine Sitzplatz-Lücke getrennt – hatte das ganze Theater ganz und gar nicht kapiert. Die Logik, die den nördlichen Breitengraden zugrunde liegt, war für sie ein Buch mit sieben Siegeln. Noch in der Pause zuvor hatten wir gemeinsam geübt. Keine Chance. Also hatte ich mit ihr ausgemacht, dass ich ihr die Lösungen auf einen Zettel schreiben würde. Gesagt, getan. Doch ausgerechnet heute schielte der Gg-Lehrer ständig im Raum umher und bemerkte, wie ich den Spickzettel ins Pult neben mir legte. Eine Note Abzug. Schei… benkleister. Na ja. Damit konnte ich leben. Und wir hatten einen Grund mehr, den Lehrer zu verunglimpfen.

Wenn ich mich heute einem vorher im GPS eingespeisten Kreuzpunkt nähere, werde ich ganz zappelig. Es gilt, einen Schatz zu finden. Das Kind in mir trifft auf die Erwachsene. Hier bin ich. An diesem Punkt. Hier finde ich. Etwas. Ein bisschen Materie. Und ein bisschen mich. Und ein bisschen verloren geglaubte Software namens BeGEISTerung?

Schwerkräfte

Halbe Geschichten immer wieder. Anfänge. Halbe
Träume. Massenweise Notizen und
Plots. Alle nicht schlecht, doch
fehlt ihnen etwas. Der Schluss? Hätten sie einen, wären sie
fertig. Am Ende. Und genau
das dürfen sie nicht sein, denn alles geht.
Alles! Geht! Immer! Alles geht
immer weiter. Irgendwie. Auch meine Geschichten. Die
Figuren leben, so stelle ich es mir vor, auch ohne mich
weiter. Nachdem ich sie erfunden habe. Immer weiter.
Ewig.

Da ist R., die sich Gedanken darüber macht, was der größte
gemeinsame Nenner dessen ist, was
Menschen brauchen, um sich
wohl zu fühlen. Frische Wäsche? Wasser? Eine saubere
Wohnung? Oder sei das bereits Luxus. Denkt sie. Lebendig
geworden durch meine Tastatur. Zum Leben
erweckt. Zur Denkerin gemacht.

Und dann? Wie weiter?

Oder D.. Sie dreht bisweilen das Gesetz der Schwerkraft
und sich selber auf
den Kopf und fällt beim
Liebemachen himmelwärts. Schwebt
dort ein wenig. Kommt wieder
zurück. Noch da. Dort. Hier. Überall. Nur
nicht im Alltag.

Und dann? Wie weiter?

Oder T., dessen Vater eines Tages nicht mehr aufsteht. So viel
unfertiges noch zwischen ihnen. Unausgesprochen auch die
Liebe. Trotz all dem Mist, der sich da
angesammelt hat.

Und dann? Wie weiter?

Tja. Alltag kommt in Geschichten selten vor, jener langweilige, immer wiederkehrende Alltag. Pinkeln. Wäschewaschen. Geschirrspülen. Einkaufen. Briefmarken aufkleben. Vielleicht weil wir Lesenden, aus dem Alltag fliehen wollen. Weil wir nicht alltägliche Geschichten lesen wollen. Mit nichtalltäglichem Alltag drin. Mit überraschenden Alltäglichkeiten. Dennoch wollen wir uns in ihnen wiedererkennen. Zumindest als Zerrbild. Im Spiegel der Geschichten, denn dies sind sie alle. Immer. Immer ein wenig zumindest. Wiedererkennen also. Sich selber. Andere. Und über unsere Menschlichkeit weinen. Oder lachen. Oder beides. Gleichzeitig.

Doch sag mir nun bitte eine oder einer, was denn eine ganze Geschichte ist!

Wie kann ich einen Text vollenden, endlich, ohne seinen Geist umzubringen, weil ich seine Dynamik, seine Entwicklung kappe, wenn ich die Geschichte für vollendet erkläre und sie einsperre. Zwischen zwei Buchdeckeln, auf denen vorne mein Name steht.

Da bleibe ich wohl besser bei meinen halben Geschichten, die das Leben mir zeigt, und lasse mich immer wieder auf neue Figuren ein. Gehe immer wieder neuen Spuren nach. Höre hin. Schaue zu. Schließe die Augen. Träume offenen Herzens und mit geöffneten Sinnen meine Welt um und forme aus der Essenz alldessen neue Bilder. Fiktion gibt es nicht. Alles ist Fiktion.

Buchstaben hat es ja genug. Zum Glück. Ganze Buchstaben. Das reicht.

poc a poc

Alle reden vom Neuen Jahr und davon, dass sie glauben, es werde gut. Alles. Oder einiges zumindest. Und ich? Ich habe nichts dazu zu sagen. Weiß nicht, wie es wird. Will es auch nicht wissen.

Ich werde es – soweit es in meiner Macht steht – für mich so schön wie möglich gestalten. Erleben. Poc a poc – Stück für Stück – Schritt für Schritt. Genauso wie es an der Brücke in Thuès-Entre-Valls angeschrieben steht. Poc a poc den Abhang runterfahren sollen wir dort. Poc a poc leben sollen wir. Hier. Jetzt. Nicht auf Vorrat.

Schließt schreiben (er)leben aus? Notiert gestern Abend vor dem Einschlafen. Weil ich kaum schreibe, wenn ich viel erlebe. Nun wieder allein im Bett. Allein mit dem Schreibblock. Halbleer die Wohnung jetzt. Halbvoll. Ganz da ich. Du dort. Und du und du dort.

Wäre das Leben einfacher, würden wir nur das NotWendige tun? Feuer schüren zum Beispiel, um nicht zu erfrieren, hat J. gemailt. Und neben dem Notwendigen nur das, was Freude bereitet.

Was wendet die Not? Was macht Freude? Was zählt? Tja … Kann ich nur für mich beantworten. Soziale Netze weben zum Beispiel. Freundschaften pflegen, Menschen lieben, Dinge kreieren, Geschichten und so. Dazu heilsames, achtsames Unterwegssein. All dies sowohl notwendig als auch lustvoll.

Und Internet? Notwendig? Lustvoll? Tja, habe gestern Abend kein Internet gehabt … obwohl alles technisch einwandfrei aussah. Empfang gut, hieß es sogar. Aber rein und raus ging nix.

Ferienhalber kein Internet zu haben, ist für mich kein Problem, doch als ich gestern vor der Kiste hockte und nicht mehr ins Große Netz rein konnte, fühlte ich mich doch irgendwie neben der Schiene. Wie die Raucherin, die ich einst war, mit Zigarette im Mund, doch ohne Feuerzeug. Notwendig? Lustvoll? Oder süchtig gar?

Hm. Poc a poc. Nicht auf Vorrat. Mich freuen an dem, was ist. Am Alleinsein, jetzt grad, und an der relativen Freiheit, die ich habe. Neben aller Sach- und Zeitzwänge, meine ich, die allesamt mit Brötchen verdienen zu tun haben. Kohle verdienen um konsumfähig zu bleiben.

Um nicht zu verhungern. Um ein Dach über dem Kopf zu haben. Um nicht zu erfrieren. Nur noch das NotWendige tun! Feuer schüren, also.
Und arbeiten gehen?

Und sie dreht sich doch, die Erde … das Hamsterrad auch …

abtauchen …

… in die südfranzösische Pampa werde ich, werden wir …
Eine Woche ohne Internet!

FERIEN … was für ein suspektes Wort!
Wie füllen?
Wie fühlen?

Zulassen, loslassen …
… wie heute Vormittag im Bernaqua …
Mutprobe: durch die Rutschröhren flitzen.
Kind sein. Wieder mal.
Dunkel ertragen. Geschwindigkeit ebenfalls.
Die Sinne stimulieren.
Den Nervenkitzel genießen.

Stunden später auf mehr als 900 m. ü. M.: verschneite 360 Grad-Rundsicht.
Geochachen, meine neue Leidenschaft, wäre bei diesem Wetter wohl nur schwerlich möglich gewesen …
… obwohl da ein Schatz direkt unter unseren kalten Nasen gebaumelt sein soll …
Tja, Bantiger, du Cheib, du zeigst dich mir, uns, immer wieder in anderem Gewand!
Heute weiß gepudert …

Winkewinke, liebe Leserinnen und Leser … genießt die Altjahrswoche!
Auf Wiederlesen im neuen Jahr …

die Wahrheit über die Wahrheit Vol. 3

Teil 3

(letzter Teil)

Ichichich!, sagte der kleinste aller Engel, von allen Springimhimmelrum genannt, und hüpfte mit hochgehaltenem Finger auf und ab. Ich werde den Menschen die Wahrheit bringen!

Die einen nickten freundlich, während andere ihre englischen Stirnen runzelten. Schließlich wurden Vor- und Nachteile diskutiert und irgendwann waren sie sich einig: Springimhimmelrum durfte die Wahrheit auf die Erde bringen, wenn er es denn schaffen sollte, die große Kugel vor der gesamten Engelschar hochzuheben. Dass diese nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist, kann sich ja jeder denken.

Mutig trat Springimhimmelrum vor und lud sich unter Aufbietung seiner ganzen mentalen Kräfte die Kugel auf seine kurzen Flügel. Sein Gesicht leuchtete, als er es geschafft hatte. Großer Applaus belohnte seine Mühen.

Doch als er sich mit seinen kurzen Beinchen auf der Wolke, die ihn trug, vor den anderen verneigen wollte, geschah es: Die große Kugel rollte davon. Zu Anfang noch ganz langsam dann immer schneller hopste sie von Wolke zu Wolke. Als sie die Atmosphäre der Erde erreicht hatte, blieb ihr nichts übrig, als sich den Gesetzen der Schwerkraft und deren Wahrheit zu beugen, die sie ja immerhin auch in sich trug, da sie ja die GANZE Wahrheit war. Immer schneller fiel sie Richtung Erde und zerschellte schließlich mit einem lauten Knall auf einem Felsen. Sie war so groß, dass sich ihre einzelnen, winzigen Teilchen über die ganze Erde verteilten.

Wer immer nun auf der Erde eines dieser klitzekleinen Teilchen findet, sieht, fühlt, erkennt, durchschaut oder isst, ahnt ein klein bisschen davon, was Wahrheit sein könnte.

© by Sofasophia

Lila, Lila

Cooler Film, den wir da ausgewählt hatten. Zwar fing er bereits um zwanzig Uhr an, doch da wir ausnahmsweise mal früh gegessen hatten, passte das perfekt. Martin Suters gleichnamiges Buch hatte ich vor Jahren mal mit Genuss gelesen. Auch J. hatte von dem Film gehört, der erst letzte Woche Première hatte. Gucken lohnt sich!

Vielleicht habe ich mich ja auch bloß in deine Texte und Bilder verliebt?, flüsterte ich J. während des Filmes zu. So wie Marie, die Protagonistin. David, der liebeswürdige Antiheld, der mit einem gefundenen Manuskript, das er als seins ausgab, Maries Herz erobert und damit eine Lawine von unvorhersehbaren Umständen losgetreten hatte, hatte es wahrlich nicht einfach. Zumal seine Beichte, nämlich dass er gar nicht der richtige Autor wäre, niemanden interessierte. Zu gut passte er in das Bild des unbedarften literarischen Genies.

Nein, natürlich waren es nicht deine Texte, J., auch nicht deine Bilder. Obwohl ich sie mag. But it is you!

Ob Marie, die sich nach der dramatischen Trennung von David auf der Frankfurter Buchmesse, später doch wieder in David verliebt hat, weil er diesmal mit einem wirklich von ihm verfassten Buch erfolgreich war? Wer weiß das schon! Sein zweites, das heißt, sein erstes eigenes Buch fängt David mit folgenden Worten an: Dies ist die Geschichte von Marie und David. Lieber Gott, lass sie glücklich enden! Und das tat sie dann auch.

Und das soll auch meine. Und deine.

Ich für mich mag meine Lieblingsmenschen um ihrer selbst willen. Hey, Ihr Lieben da draußen, schön, dass es Euch gibt!

die Wahrheit über die Wahrheit Vol. 2

Teil 2

Die anderen Engel und Engelinnen waren näher gerückt und nickten zustimmend. Dass sie den Menschen irgendwie helfen wollten, war bald allen klar, doch galt es, die beste Form zu finden. Die Wahrheit konnte ja alle möglichen Gestalten annehmen. Sie konnte dem einen gasförmig, der anderen als Flüssigkeit erscheinen, mal sichtbar, mal transparent, mal nur mit geschlossenen Augen fühlbar, mal auf der Haut, mal auf der Zunge und oft genug nur im Herz drin wahrnehmbar.

Endlich einigte sich die Engelschar darauf, dass sie der Wahrheit, die sich inzwischen in ihre Runde gesetzt hatte, ein möglichst prunkvolles Aussehen verleihen wollte. Eine große leuchtende Kugel würde ihrem Inhalt am besten gerecht werden, fand die Wahrheit selber. Eine Kugel, die jenen bunten Kugeln an den Decken mancher Musik- und Tanzlokale ähnelte. Grösser noch als jene dort und grösser auch als alles, was die Menschen je gesehen hatten, würde sie – an einem zuvor bestimmten Ort und für alle zugänglich – ihre Attribute der Erkenntnis an alle nach ihr Hungernden austeilen. Sie würde glitzern und glänzen, mehr als alles, was Menschenaugen je gesehen hatten. Wer die Wahrheit sähe, würde endlich alles und für alle Zeit klar sehen.

Doch ein Problem haben wir noch!, sagte schließlich der alte Engel, der die ganze Wahrheitslawine losgetreten hatte. Wie wollen wir die Wahrheit auf die Erde bringen? Daran sind vor uns ja schon viele andere gescheitert!

Alle nickten angeregt, zustimmend oder schauten nachdenklich vor sich hin.

(Fortsetzung folgt …)

die Wahrheit über die Wahrheit Vol. I

Teil 1

Sie saßen da und schüttelten immer wieder den Kopf. Unglaublich, was sie da sahen. Was sie da sehen mussten! Ab und zu rempelten sie sich an oder runzelten die Stirnen. Sie wollten es einfach nicht verstehen. Obwohl … Natürlich konnten sie es verstehen. Gut sogar. Sie waren schließlich auch mal so gewesen. Dennoch war es krass, wie seltsam sich die Menschen da unten verhielten. Behaupteten doch tatsächlich, sie wüssten es besser. Besser als andere. Sie wüssten die Wahrheit. Sie wüssten, was wirklich zählt und was wirklich wirklich ist.

Wir müssen endlich etwas unternehmen!, sagte einer der alten weisen Engel schließlich, während er sich einmal mehr die wenigen ihm noch verbliebenen Haare raufte. Aus Angst, diese auch noch zu verlieren, musste eine Lösung gefunden werden. Wir müssen einschreiten!, sagte er ein weiteres Mal.

Was willst du tun?, fragte ein jüngerer Engel, den das Getümmel auf der Erde bisweilen amüsierte. Diese Sucht der Menschen, sich ins beste Licht zu rücken! Dieses Getue, wer besser, klüger, grösser, interessanter sei. Wer was besser wisse und besser könne. Darüber konnte doch eigentlich nur gelacht werden.

Ich habe eine Idee!, sagte eine jener weisen Engelinnen, die immer schon den Wunsch gehabt hatte, den Menschen zu ein bisschen mehr Durchblick zu verhelfen. Wir offenbaren ihnen die ganze Wahrheit!

(Fortsetzung folgt …)

die Wahrheit über die Wahrheit – Intro

EDIT: Teil 1 INTRO

Hm … oder soll ich das wohl besser auf morgen verschieben? Auf den Day After? Auf  dieses zu erwartende Wenn-ich-wieder-fitter-bin? Die Wahrheit rennt ja nicht davon. Sie versteckt sich zuweilen, tut klitzeklein, grinst über unser Bestreben, sie festhalten zu wollen oder meinen zu können und weiß selber, viel besser als wir, dass sie selbst nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

Deshalb kann sie gut bis morgen warten, meine Geschichte von der zerbrochenen Wahrheit. Heute müsst ihr mit meinem lauten Freudenseufzer vorlieb nehmen: Jippie, endlich Ferien!

Wie eine Wandererin, die sich auf die Berghütte vertröstet und ihre letzten Kräfte bis ebendort einteilt, fühlte ich mich, als ich heute um zwei endlich Feierabend machte. Endlich nach Hause. Endlich Ferien. Endlich Ende. Und ähnlich wie die Wandererin in der Berghütte war ich erst mal einfach nur eins: erschöpft … Und wie die Wandererin in der Berghütte habe ich mich inzwischen auch bereits ein klein bisschen erholt. So sehr, dass ich Euch morgen die Wahrheit über die Wahrheit erzählen werde!

Versprochen!