angeleint

dahinter
darunter
versteckt
verdeckt
unsichtbar
undichtbar
angeleint zwischen Buchstabe und Buchstabe
jene Worte die ohne Worte weben
verwandeln stattdessen
Farben
Düfte
Töne
immer
jetzt
immer
anders
immer
vorläufig

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Bin heute Morgen mit diesen Worten erwacht. Ob der Wecker sie mir zugeflüstert hat?

Und endlich kam mein Notizblock wieder mal zum Einsatz! Eine Woche lang hatte er Pause. Wie mein Kugelschreiber vor Freude darüber hüpfte, wieder kritzeln zu dürfen! Ich konnte ihn kaum zähmen und festhalten. Und der Block erst! Räkelte sich elegant – was sag ich da? – anmutig, zierte sich gar ein bisschen. Doch dann ließ er sich doch dazu herab, sich von meinem Kugelschreiber kitzeln und bemalen zu lassen. Bodypainting irgendwie. Buchstaben nur. Buchstaben nur? Purzelnde Gesellen, die sich zu einem kleinen Poem verbinden, über das Papier tanzen, sich mit mir zusammen über mich und das Leben lustig machen und einfach da sind. Beneidenswerte Gestalten!

Ganz viele von ihnen werde ich heute Abend im Stauffacher hören. Peter Stamm liest aus „Sieben Jahre“ vor, M. und ich hören zu. Ich freue mich.

unbeschreiblich

Mir fehlen die Worte, mein Glück zu beschreiben.
Ich schweige und lausche den Nichtworten.

Mein Herz wagt es, arrhythmisch zu trommeln.
Ich lasse mich auf seinen Wirbel ein.

Mein Innendrin überschwappt und überflutet alles.
Ich baue einen Brunnen und teile meine Fülle.

Ich lasse mich auf den Tanz des Lebens ein
und dich von Neuem los.

Ich freue mich auf unser nächste Wiedersehen
und lebe trotzdem gut. Jetzt. Ganz. Hier.

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(Für J.)

Berge

Ich säe Berge, sagte sie. Klein wie sie war, musste sie sich dazu nicht tief bücken. Kieselstein um Kieselstein legte sie in die warme Erde. Wie ihre Großmutter neben ihr hatte sie zuvor mit dem Setzholz eine Schneise gezogen. Bald würden hier Berge wachsen. So wie aus Apfelkernen Apfel- und aus Nüssen Nussbäume wurden.

Samstagmorgen. Mit der Kaffeetasse in der Hand wandert Julia durch Großmutters Garten. Längst ihr Garten. Oma und Opa sind schon lange tot, Berge keine gewachsen, doch Steine mag sie noch immer. Gesteinsschichten. Geschichten.

Meine Lebensgeschichte ist nichts anderes als das Umschichten von Erfahrungen, geht es ihr durch den Kopf. Kleines wird groß. Großes schrumpft. Und Unkraut wächst ohne zu fragen. Im Steingarten setzt Julia sich hin. Auf sonnengewärmte Erde.

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Diese Ges(teins)schichten habe ich gestern anlässlich eines literarischen Gottesdienstes vorgelesen. Thema: Saat gut – alles gut?

Computer sind anders, Menschen auch

Seit RAH vor Wochen über die uns im alltäglichen Leben fehlende Suchfunktion des Computers geklagt hat, stolpere ich tagtäglich über weitere Analogien zwischen den verschiedenen Welten, in denen wir uns aufhalten.

Nein, der PC ist uns nicht überlegen, obwohl er das bessere Gedächtnis hat. Doch ein gutes Gedächtnis ist eben nicht alles. PCs können weder glücklich sein, noch trösten. Und sie können auch nicht umarmen.

Ist doch schön, dass es Mitmenschen gibt. Selbst wenn die nicht perfekt sind.

Hm. Wo lege ich eigentlich in mir drin all die Begegnungen mit meinen Mitmenschen ab? Hab ich da nichtmal irgendwo einen dicken Ordner gesehen? „Zwischenmenschliches“ steht auf seinem Rücken. Unterordner „Freunde & Freundinnen“ mit weiteren Unterunterordnern. Darauf Vornamen. Auch Unterordner „Schreiberlinge“ und „Verwandte“ gibt es da.

Ablegen gut und recht. Doch bitteschön in welchem Format? .pdf? Damit ich garantiert nichts mehr ändern kann? Oder doch lieber in einem Textformat wie .doc, .txt oder .rtf, damit ich jederzeit daran arbeiten kann? Und jetzt? Alles abspeichern? Backupen hin und wieder nicht vergessen!

Ooops. Dabei will ich doch fließen lassen. Alles. Immer. Jetzt. Und dabei innen und außen in Bewegung bleiben.

Ob mein Laptop auch dafür eine Analogie kennt? Ist eben auch nicht perfekt, das Teil!

Phase 4

Am liebsten mag ich Phase 3. Alle sind müde, entspannt, die Zungen schwer, die Gedanken dickflüssig. Nach dem dritten Grappa schimmert  bei mir ein wenig Vernunft durch. Genug! Muss ja noch fahren, nuschle ich, staune dabei von neuem, wie viel meine eher kleine Freundin B., deren Geburtstag wir feiern, tanken kann. Und dabei noch immer relativ grad in der Landschaft stehen. Sollte es mich beunruhigen, wie viel ich selber tanken kann? Okay, aus genannten Gründen bin ich – irgendwo in Phase 2 – nach drei Gläsern Rotem zu Sauser übergegangen. Na ja. Trotzdem.

Phase 1. Ankommen. Mich irgendwo an der Peripherie bewegen. Da und dort grüßen. Anstoßen. Wie geht’s auch? Die meisten kenne ich ein wenig. Wir sehen uns alle Jahre wieder an B.s Festen. Same time, same place. Kleine Gespräche sind nicht wirklich mein Ding, überspringen kann ich diese Phase trotzdem nicht. J., B.s Nachbar, sieht sich als genialer Sprücheklopfer. Gut. Dann ist ja für – wenn auch eher zweifelhafte – Unterhaltung gesorgt. B. und ich zwinkern uns unauffällig zu. Leute kommen, andere gehen. Ach, sieht man dich auch mal wieder. Ich beobachte. Rede wenig. Schnappe mir ein paar Häppchen, um den Wein innen drin aufzutunken.

Phase 2. Wir sitzen am Tisch und da und dort entspinnen sich erste spannende Gespräche. Kleine Fenster werden geöffnet. Ich höre zu. Nehme Teil. Sage auch ein paar Sätze. Gehe auf der Spirale ein bisschen weiter nach innen. Oha,  I., ein feiner Kerl, der durch Abwesenheit glänzt und E.s Freund, wurde am Donnerstag von der freiwilligen Katastrophenhilfe nach Sumatra beordert. Als IT-Fachmann sei er da sehr gefragt. Um zehn Uhr morgens erhielt er den Anruf, um zwei Uhr ging das Flugzeug.

Endlich zieht J. ab, mit Frau, Kind und Kegel, denn Little L. ist in R.s Armen eingeschlafen. Es wird gleich viel ruhiger. Auch einige der anderen gehen. B. und ich wenden uns ein wenig von den anderen ab, um über persönliche Dinge zu sprechen. Damit haben wir Phase 3 eröffnet. Später – noch zu viert – diskutieren wir über Lebensträume, Beruf und Berufung, erfüllte Sehnsüchte und die Konsequenzen. Ob es womöglich nicht besser sei, nach Plan B zu leben … Ich habe weder Plan A noch Plan B, gestehe ich. Hatte ich wohl nie. Und schon gar keinen Plan C oder so. Ooops. Dennoch habe ich nicht das Gefühl, nicht gelebt, nicht gewählt zu haben. Vielleicht hatte ich, vielleicht habe ich einfach nur ein paar Plänchen statt grosse Pläne für mein Leben?

Zwischendurch spielen wir Gaga, ein witziges Kartenspiel, das B.s jüngste Tochter T. (7), von E., ihrer Patentante erhalten hat. Ich gewinne ständig, obwohl ich mich absolut nicht anstrenge. Eine simple Strategie: Der Gedanke, dass es mir nichts ausmachen würde, zu verlieren. Ich gehe alle möglichen Risiken ein und gewinne trotzdem. Ooops, doch eine Art Plan? Fatalismus.

Auf einmal sprechen wir über Suizid. Als Möglichkeit. Doch irgendwann nächstens werden wir – vor allem bei solchen Themen – garantiert unter den Tisch fallen. Noch ein Grappa? Okay, aber nur ein ganz kleiner. Muss ja noch fahren. M. nach Hause bringen, den ich ebenfalls seit Jahren kenne, doch keine Ahnung hatte, dass er praktisch um die Ecke wohnt.

Mein Auto fährt wie von allein. Und wie von allein findet mich später der Schlaf. Gut so. Phase 4.

Kreisen

Ich mäandriere. Im Krebsgang durchs Labyrinth. Vorwärts, rückwärts. Nur dank des Sonnenstandes weiß ich, in welche Richtung ich mich bewege. Falls mich das interessieren sollte. Suchen tu ich nur meine Kraft. Und finden.

Weder Anfang noch Ende.
Ob sich das Beten nennt?

Es gibt immer ein Ende. Auch hier. Aber das Ende ist stets der Anfang von etwas Neuem. Die Punkte, die wir im Leben setzen, sind immer nur vorläufig.
Henning Mankell, Der Chinese; S. 592

oder …

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …
Hermann Hesse, Stufen

oder …

Jeder Mensch, den ich in meinem Labyrinth antreffe, ist ein Ausdruck von Leben. Ist Kreuzung. Und macht es mir möglich, mich neu zu sehen. Weckt schlafende Teile in mir.
Sofasophia, Alltagsgedanken

vorbei

Gewohnheiten beibehalten wollen
oder sie loslassen
Gefühle verwischen
oder sie einkochen
Gebete als mäandrierende Wege durch die Labyrinthe der eigenen Kraft begreifen
oder sich in den Himmel ausleeren
Rollen fallen lassen
oder sie festschnüren

Wie Sonne und Mond immer wieder neu auf- und untergehen
Ewiges Kreisen
als Falke im Turm
als großer Gesang womöglich

Schnappschüsse
für die Ewigkeit

jura0706

und schon vorbei

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Pic (06.07) und Text by Sofasophia