Diese Pflanze im Bad, keine Ahnung wie sie heißt. Ich mag sie, ich mag ihre vielen grünen Streifen, die aus der Mitte nach außen wachsen. Seit sie und ich hier in der Pfalz leben, wächst sie wie verrückt. Sie blüht und produziert neue Ableger. Zwanzig Jahre alt ist sie mindestens, doch geblüht wie jetzt hat sie noch nie. Und der Papyrus im Wohnzimmer – ich kann ihm beinahe beim Wachsen und bei der Vermehrung zuschauen. Der Drachenbaum? Ebenfalls prächtig, noch prächtiger als in Bern. Und die Orchidee, das aus Kernen selbstgezogene Cherimoya-Bäumchen, die Linde im Garten draußen?

Ach, ich könnte alle aufzählen! Allen meinen Pflanzen gefällt es super auf dem einsamen Gehöft. Mir auch.
Nein, das Leben ist nicht ideal, doch gibt es idealere Standorte und weniger ideale. Plätze, die uns gut tun. Plätze, an denen wir uns entwickeln und entfalten können. Orte und Menschen, die uns gut tun.
Ein Geschenk.
Kategorie: Sofasophien
Wespen und so
Wie hat Inox Kapell uns auf seinen beiden äußerst inspirierenden Insektenführungen samstags und sonntags erzählt? Wespen ließen sich mit Kupfer vertreiben.
Montagmorgen auf der Südterrasse. Liveexperiment. Wir sitzen beim Frühstück. T. fotografiert und dokumentiert, wie die Wespe sich ohne zu zögern auf das Marmeladenbrot neben den Kupfermünzen setzt. Entgegen Inox‘ Aussage.
Du glaubst bloß zu wenig daran, sage ich augenzwinkernd aus der wespenfreien Zone, wo zwei kleine Kupferröhrchen vor unseren Frühstückstellern liegen.
——-
Addition
Wespe hasst Kupfer.
Wespe liebt Marmelade.
Wespe zögert, kurz, Kupfer plus Marmelade zu mögen.
Wespe setzt sich auf Kupfer plus Marmelade und lässt es sich dort gut gehen.
Nein, das ist keine Fabel, sie hat keine Moral. Ebensowenig wie die Wespe.
gedacht
Eine Mücke macht noch keinen Elefanten!, zu J. gesagt, neulich. Dabei an Schwalben und den Sommer gedacht.
Gestern, als ich einen meiner zahlreichen Mückenstiche kratzte, darüber sofasophiert, dass Elefanten eigentlich viel netter sind als Mücken. Immerhin stechen sie nicht. Macht also keine Mücken aus Elefanten, bitte!
inspirierend
Der schöpferische Mensch muss alle Gebote und Verbote von sich weisen. Er braucht Freiheit ~ Freiraum, unendlich viel Raum. Den ganzen Himmel und sämtliche Sterne. Nur dann kann seine innerste Spontaneität anfangen, sich zu entfalten.Es spielt keine Rolle, ob du malst, bastelst, singst oder tanzt, ob du Gärtner, Bauer, Wanderer oder Jongleur bist. Das spielt keine Rolle. Was zählt, ist, ob du deine innerste Seele in das hineingibst, was du erschaffst. Dann haben deine schöpferischen Produkte etwas von der Qualität des Göttlichen.Vergiss nicht, Kreativität hat nichts mit einer bestimmten Arbeit zu tun. Kreativität hat etwas mit der Qualität deines Bewusstseins zu tun, sagt Mamalela.
da draußen
Wenn ich dieser Tage durch den Garten spaziere, wird mir – neben einer riesigen Dankbarkeit – angst und bang’. Die vielen Äpfel, Birnen und Pflaumen an den Bäumen! Die vielen Kohlköpfe, Karotten, Lauch, Kartoffeln, Tomaten, Maigold in den übervollen Beeten … wer soll dies bloß alles ernten, haltbar machen und essen?
Schnitt.
Am Anfang war Erde. Krümelige, braune Erde. Da und dort haben wir erste Samen ausgestreut. Karotten, Lauch und Dill. Setzlinge, ein paar wenige, da und dort. Dann immer mehr. Fülle.
Unaufhaltsam sind sie gewachsen, die einst winzigen Pflänzchen, der Ernte entgegen. Unaufhaltsam haben sie den ihnen innewohnenden Plan erfüllt.
Als wir säten, wusste niemand von uns, was werden würde.
instant sterben
Ein bisschen wie Quicklunch ist es, das heutige Leben. Gieß heißes Wasser darüber, lass es kurz stehen, rühre ein bisschen und genieße es. Sterben geht ähnlich. Und tut kaum mehr weh bei so viel Chemie, habe ich mir sagen lassen.
Apropos sterben: Da bekam ich doch gestern eine Mail von einer meiner vielen Schwestern. Tante L., sei gestorben, schreibt sie, und dass ich auf der Website xyz Todesanzeige und eine Link zum Kondolenzbuch fände.
Ich klicke auf die blaue Zeile und finde tatsächlich, was V. angekündigt hat. Der Tod im Netz. Mit Bild. Voll krass, denke ich noch, bevor ich sofort ein paar mitfühlende Zeilen eintippe. Auf dem iPhone natürlich. Dekadent! Wo führt das hin?
Das schlechte Gewissen lässt sich innert Minuten wegtippen und immerhin werde ich, da ich in Deutschland lebe, nicht zur heutigen Abdankung erwartet. Zumal ich Tante L. kaum wirklich kannte. Siebenundachtzig Jahre hatte sie auf dem Buckel, die Gute.
Die Generation meiner Eltern ist in meiner Verwandtschaft auf beiden Seiten – bis auf eine letzte Tante, die zwar sterben will, aber nicht kann – ausgestorben. Wir rücken in die erste Reihe vor, meine Geschwister, Cousinen und Cousins. Wir sind die Nächsten. Die Nächsten, die den Löffel abgeben werden. Vielleicht nicht heute, aber Punkt-Punkt-Punkt. Sogar mit Internetanzeige und allem Pipapo. Falls wir das wollen.
Während J. heute Morgen seine Lunchbrote schmiert, übertrumpfen wir uns mit Geschichten über unsere jeweiligen buckligen Verwandten. Über deren Ticks, Verrücktheiten und Vorlieben. In einer Ecke meiner Phantasie höre ich gleichzeitig meinen Nichten und Neffen zu, wie sie später einmal ihren Kindern und Kindeskindern von der seligen Tante Sofasophia erzählen, die sich dazumal als Künstlerin versucht hatte. Je nachdem, was ich noch vor mir habe, kann die Geschichte nun so oder so weitergehen. Eine Geschichte, die erst noch fertig geschrieben werden muss. Den Schreibstift, sprich die Tastatur, habe ich noch in der Hand. Den Löffel ebenfalls. Ich brauche ihn schließlich, um umzurühren! Heißes Wasser bitte!
Statt dessen
Statt meine viermonatige Auszeit, wie ich es mir vorgenommen habe, für die Vollendung meiner Manuskripte – nur schon eins wäre toll! – zu nutzen, bin ich zur In-den-Tag-hinein-Lebenden geworden. Unter dem Strich bin ich halb so leistungsfähig, halb so kreativ, halb so unternehmungslustig wie gedacht.
Vielleicht sollte ich einfach meine Pläne und Ziele loslassen und stattdessen einfach die Gegenwart, und mit ihr jeden einzelnen Moment zulassen, sagte ich gestern am Feuer zu meinem Liebsten. Zumal sich meine Kreativität im Moment eher innerlich abspielt …
Lassen statt leisten. Wenn das bloß nicht so verd… schwer wäre! Denken, was die andern denken, wenn ich so-und-so bin, ist das eigentliche Gift, der größte Bremsklotz, das mühsamste Sandkörnchen im Getriebe meines Lebens und meiner Lebensfreude. Selbstsabotage. Will ich nicht mehr. Brauche ich nicht mehr. Lieber weniger, dafür bewusst. Ohne Druck.
Ach, und genau dahinein habe ich – fast zufällig – erfahren, dass innerhalb unserer Webcommunity von zig eingereichten Bildern für eine Apple Präsentation in Chicago nur knapp dreißig Bilder ausgewählt worden sind. Darunter eins von mir.
Der ewiger Birnbaum. Guckt hier …!
Meine Mutter, die vor vielen Jahren in Chicago geboren wurde, würde sich darüber sicherlich freuen, wäre sie noch im Diesseits. So freut sie sich vielleicht im Jenseits mit. Ich tu’s auf jeden Fall … 🙂
… auch Heimweh? Manchmal?
Auch Heimweh, manchmal, ja. Manchmal würde ich mich gerne einfach auf mein Rad Velo schwingen und kurz mal zu C. in die Länggasse fahren. Dort eine Tasse Tee trinken oder zwei und braaschte, gugele u lafere wie mir der Schnabel gewachsen ist. Oder zu K. nach B. und dort im Garten abhängen, zu M. nach W., zu B. nach B., zu A. nach B., zu, zu, zu … Oder zu L. nach R. – zwar nicht grad um die Ecke, aber keine Stunde Fahrt mit meinem Sternchen. Die Herzlichkeit, Unmittelbarkeit und Vertrautheit im Umgang mit meinen Freundinnen fehlt mir hier schon. Gestern, im Wartezimmer meiner neuen Ärztin, kam ich nicht umhin, Vergleiche im Umgang der Menschen miteinander zu ziehen. SchweizerInnen und Schweizer dort, Deutsche hier. Nein. Nicht wertend, denn du kannst ja auch nicht Äpfel und Birnen miteinander vergleichen. Außerdem sehe ich ja immer nur einen Ausschnitt. Meine subjektive Perspektive. Bin ich einfach eine Mimose oder sind die Deutschen im Umgang miteinander wirklich derber und direkter als wir Schweizerinnen?, frage ich mich aber dennoch hin und wieder. In meiner aktuellen Dünnhäutigkeit überfordert mich zuweilen so ein Ausflug in die Welt beinahe.
Menschen, die ein bisschen so ticken, spinnen, grübeln, philosophieren, die Welt so wahrnehmen, lachen, denken und leben wie ich, die gibt es bestimmt auch hier, sage ich mir oft. Nur muss ich sie eben noch finden. Oder mich finden lassen. Ab August gehe ich – ein bisschen auch mit diesem Hintergedanken – ins Rückenyoga. Nach Barfußtanzen-Events, Trancedance und Schwitzhütten habe im Internet vergeblich gesucht. Auch Frauenrituale oder schamanische Trommelgruppen gibt es hier offenbar nicht. Ich könnte ja selbst Kurse anbieten, wie damals in Z., vor dreizehn Jahren, überlege ich zuweilen, doch bedeutet das fehlende Angebot nicht auch, dass kein Interesse vorhanden ist?
Schnitt.
Anhora hat gestern über die neuen Zeitzonen nachgedacht, in denen sie sich aktuell als Stellenlose bewegt. Die Parallelen zu mir sind unübersehbar. Diese Zeit, in der sie und ich leben und die nicht Urlaub, aber auch nicht bezahlte Arbeitszeit ist, wirbt verzweifelt um Anerkennung und Daseinsberechtigung, die wir ihr, Kinder der Leistungsgesellschaft, nur schwer geben können. Ob wir nun (wie ich) vom Ersparten leben oder von Arbeitslosenbeiträgen, macht im Endeffekt kaum einen Unterschied. Es ist im Kopf, das Problem. Wir werten Nichtstun ab, dabei ist es der Puffer. Die Zeit zwischen den Dingen. Die Lücken zwischen den Wörtern. Die Pause zwischen zwei Buchstaben. Die Leere zwischen den Zeilen. Sie ist die Essenz, die das Leben erträglich macht.
Auf dem Tisch steht eine große gläserne Vase. Daneben steht eine Schale mit Sand und da liegen auch kleine und große Steine. Sie alle sollen in die Vase. Fängst du mit dem Sand an, wird nicht alles Platz finden. Fängst du mit den kleinen Steinen an, auch nicht. Die großen Steine stehen für jene Dinge, die dir sehr wichtig sind* und sollen darum zuallererst in die Vase geschichtet werden. Einer vielleicht für eine Stunde Yoga pro Tag. Oder für einen langen Spaziergang. Oder für eine Stunde Lesen oder Nichtstun … Die kleinen Steine sind die Dinge, die auch wichtig sind, damit du dich im Leben wohlfühlst. Ordnung vielleicht, Sauberkeit, ein voller Kühlschrank, ein Dach über dem Kopf, dein Laptop … Doch der Sand ist es, der alles zusammenhält, der die Lücken schließt. Er ist es, der alles verbindet. Da ein Lächeln, dort ein Anruf, eine Begegnung, ein Musikstück. Der Sand ist es auch, den wir gleich wieder vergessen. Wenn wir zurückschauen auf unsere Leben, eines Tages, werden wir die Sandkörner zwar nicht erwähnen und uns nicht an die einzelnen Bröselchen erinnern, doch sie werden es sein, die darüber entscheiden, ob wir sagen können: Gut gemacht!
So ein Sandkorn ist dies hier, ein scharlachrotes … Eines, das übrigens ziemlich gut gegen Heimweh hilft. Im Hintergrund könnt ihr mich sogar mitsingen hören … 😉
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=bnDFseiDE-4&feature=related]
Büne Huber erzählt „Geschichten von Menschen für Menschen, die auch in komischen Zeiten die Hoffnung nicht aufgeben, dass ein Leben vor dem Tode möglich sein kann.“
Zitat: Büne Huber. Quelle: hier klicken

>>>>> Nie! NIE! Niiieee!
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*Klassischerweise stehen in obiger Parabel, die ich vor vielen Jahren einmal gelesen habe, die großen Steine für die Arbeit, für das Sichern des Einkommens … Ich habe sie hier aber ungefragt an meine Bedürfnisse angepasst. 🙂
Die Sache mit dem Kipphebel und andere wichtige Erkenntnisse
Dieses Fenster in meinem kleinen Klo! Eines der alten Systeme. Du kannst das Fenster auf Kipp stellen, wenn du vorher den einen von den beiden Hebeln von oben nach unten bringst und so die Mechanik, die das Fenster arretiert, veränderst. Seine innere Logik wird gleichsam manipuliert … 😉 Tolle Sache, dieses Auf-Kipp-Kippen.
Ja, lach du nur, liebe Leserin, lieber Leser! Meine Berner Altbauwohnung, die ich bis Ende März bewohnt hatte, war eben ziemlich simpel befenstert. Und was davor war, habe ich wohl einfach vergessen. Dass es kippbare Fenster gibt, zum Beispiel. Alle meine Berner Fenster waren nur analog zu öffnen gewesen.
In meiner Künstlerinnenbude auf dem einsamen Gehöft habe ich zum Glück – außer jenem auf dem kleinen Klo – noch ein paar andere Fenster. Ziemlich viele sogar. In der Küche schon mal drei. Im Wohnzimmer sogar noch mehr. Vier Dachfenster im Schlaf- und Künstlerinnenstübchen inklusive. Irgendwann nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Hof auf dem Berg aufgebaut und ist seither etliche Male renoviert worden. So war mein Hausteil früher das Gesindehaus, habe ich mir erzählen lassen. In meinem schönen großen, weiß gekachelten Bad – mit ebenfalls drei Fenstern (Himmel, wie soll ich die bloß alle sauber halten?) – seien früher drei (!) Gesinderäume untergebracht gewesen. Ach, all die Geschichten, die das Haus erzählen könnte!
Wieso stellst du es denn nicht einfach auf Kipp, sagte J. neulich zu mir, als ich das Schlafzimmerfenster öffnete und es anschließend mit dem Vorhang mühsam arretierte, damit es sich nicht weiter öffnen konnte als ich es wollte.
Kipp? Ich muss ziemlich dumm aus der Wäsche geguckt haben.
Ja, Kipp.
Wie das denn? Hat ja keinen zweiten Hebel dran …
Na, sooo … Er dreht den einzig vorhandenen Hebel nach oben und zieht das Fenster auf. Kipp. Et voilà!
Aha …
Dass ich hier nun, auf dem einsamen alten Gehöft – außer dem Klofenster mit seiner nicht ganz einfachen Handhabung – auch alle anderen Fenster ganz einfach auf Kipp stellen kann, war somit die große Überraschung des Tages.
Wie oft im Leben, fragte ich mich hinterher natürlich, gehe ich mit den Dingen, den Menschen und der Natur so um, als hätte ich schon ihre ganze Wahrheit erkannt?
(((Hm, da bist du ja eh selbst drauf gekommen.)))
Schnitt.
Neulich habe ich hier Herrn Blender vorgestellt. Er kann, wie sich Stammlesende vielleicht noch erinnern, zwei Bilder zu einem neuen vermischen. Unter Einbezug verschiedener Vorgaben und Filter ist er ein wahrer Künstler.
Wie mein Liebster und ich gestern so im Bett den Sandmann herbei plaudern, murmle ich, dass das Leben eigentlich ein einziges Überblenden ist. Laufend schieben sich neue Bilder über alte. Dynamisch verändert sich alles. Immer. Auch wenn es vermeintlich gleich aussieht, was wir täglich tun, die immer gleichen Griffe, die ständig gleichen Abläufe, die täglich gleichen Tassen, die ich in die Spülmaschine stelle, ist es doch immer wieder anders. Versuche mal, die Maschine zweimal genau gleich aufzufüllen! Oder versuche mal, zweimal das genau gleiche Bild aufzunehmen! Geht nicht. Bestenfalls wird das Ergebnis sehr ähnlich.
Das Gesicht des Alltags ist die eine Wahrheit. Eine andere, dass sie sich täglich ändert. Es lebe das Paradoxon.
blühen zum Beispiel
tulpenzwiebel
ganz erfüllt
mit allem
was du brauchst
alles da
in der erde
ruhend
ganz
bei dir
im frühling
brichst du aus
wer bist du
was über
oder
was unter
der erde
ist
beides
so verschieden
innen
außen
scheinbar
gegensätze
das alles
bist
du
ganz
Das hab ich vor zwölf Jahren geschrieben. Ein Wörter-Bild, das mir heute Morgen eingefallen ist. Es ist irgendwo aus einem Ordner in meinem inneren Ablagesystem gefallen und bei seiner Wanderung durch meine Hirnwindungen in einem meiner vielen Filter hängen geblieben. Zum Glück wird alles gefiltert. Filter ist eh alles. Und nichts. Auf der materiellen Festplatte war es schnell gefunden, das alte Ding. Ich würde dieses Poem heute wohl anders schreiben. Stetige Wandlung unseres Weltverständnisses. Unseres Geschmacks. Unserer Wahrnehmung und Auswertung. Dazu all die Inspirationen und Inputs von außen. Entwicklung. Wandlung.
Zum Glück gelingt mir abgucken und nachahmen immer nur kurz.
Beim Tanzen, zum Beispiel, spüre ich, wenn ich mich kurz umschaue, hin und wieder den Impuls, eine Bewegung aufzunehmen, die ich bei anderen sehe. Manchmal ist das störend, weil ich aus meiner eigenen Körperwahrnehmung falle. Manchmal jedoch passt es genau da hin, wo ich jetzt bin. Und wie. Ich nehme die Bewegung kurz auf, integriere sie und schon ist sie wieder vorbei und ich tanze wieder mein eigenes Muster.
Beim Malen bestaune ich womöglich bei anderen deren Pinselstrich, die Formgebung, den Umgang mit verschiedenen Themen, Materialien oder Stilmitteln. Ich habe anschließend Lust, auszuprobieren, ob das bei mir auch geht. Geht vielleicht sogar wirklich. Es ist und bleibt aber immer nur ein Impuls. Mehr nicht. Eine Inspiration, eine kurze.
Beim Fotografieren staune ich oft über die Bilder anderer. Wie er das wohl gemacht hat? Wie hat er es belichtet? Wie bearbeitet? Oder: Ihr Bild berührt mich so, dass ich Gänsehaut kriege, ich will das auch können. Und natürlich probiere ich aus.
Doch so wie ich mein Ding mache, kann das niemand. Ob gut oder schlecht: alle machen wir unser Ding so, wie nur wir es können. Handschriften kann niemand dauerhaft fälschen. Zum Glück auch nicht. Ob ich Kunst nenne, was ich kreiere, ist zweitrangig. Definitionen sind letztlich Schall und Rauch. Hauptsache, ich tue, was ich kann. Hauptsache, ich setze um, was in mir drin steckt.
Der Tulpenzwiebel ist es ziemlich egal, ob sie hier oder in der Schweiz in die Erde gesteckt wird. Hauptsache Erde, Licht und Wasser. Und Luft auch. So einfach. Das Verhältnis der einzelnen Elemente zueinander – mehr oder weniger Wasser zum Beispiel – macht, dass sie tiefer wächst oder weniger lang blüht.
Frühere Texte, frühere Bilder von mir sind mir zuweilen beinahe peinlich. Nein, die Tulpenzwiebel nicht, die ist soweit okay. Doch bei anderen dachte ich auch schon: Was? So schlecht habe ich früher geschrieben? So banal? So viele Füllwörter?
In zehn Jahren denke ich vielleicht, falls ich diesen Text hier in die Finger bekomme: Wie ich damals bloß geschrieben habe? So fad. So … (Wörter einfüllen erlaubt).
🙂