Ein Stück für zwei.
Der Vorhang öffnet sich. Auf der Bühne ein paar große Blumentöpfe mit Stauden und Gemüsepflanzen. Als Bühnenbild – hinten – Chiffontücher in verschiedenen Grüntönen. Ich trage eine grüne Schürze über der Alltagskleidung und gehe mit einer Gießkanne zwischen den Pflanzen umher. Gieße hin und wieder und zupfe da und dort ein paar dürre Blätter ab. Zwischendurch wende ich mein Gesicht der Sonne entgegen. Alles um mich herum vergessend. Ganz offensichtlich bin ich glücklich.
Von hinten links nähert sich eine Person, langsam, leise, locker. Ihr Aussehen androgyn und alterslos. Nur die Stimme verrät ihr Geschlecht. Doch ganz eindeutig ist es nicht. Der Eindringling hüstelt – Warnung oder Ankündigung? – und bleibt ein paar Schritte neben mir stehen. Schaut mir zu.
Ich lasse mir nicht anmerken, dass ich sie bemerkt habe. Hoffe, die Type, die ich für mich XeNö nenne, verziehe sich wieder und lasse mich in Ruhe. Keine Chance.
Ich (mit einem Tonfall, der deutlich machen soll, wie sehr ich mich belästigt fühle): Suchst du etwas?
XeNö: Nö.
Ich: Was … öhm … machst du denn sonst hier?
XeNö: Na. Dir zuschauen. Dir dreinreden.
Ich: …
XeNö: Und dir ein paar Fragen stellen.
Ich (verdrehe die Augen)
XeNö: Na … ?! Hat es dir die Sprache verschlagen?
Ich: Du hast mir gerade noch gefehlt!
XeNö (grinst): Gut zu wissen!
Ich (verdrehe die Augen in die andere Richtung. Sage nichts)
XeNö: Erste Frage: Was soll das Ganze?
Ich: …
XeNö: Na? Komm schon!
Ich: Das Ganze?
XeNö: Bravo. Richtige Rückfrage. Braves Kind.
Ich (frage mich, wie ich diesen aufdringlichen Menschen, der meine Zeit verschwendet, endlich loswerden könnte …)
XeNö: Na? Deine Bloggerei! Diese Zeitverschwendung. Selbstdarstellung. Theater. Vorstellung. Diese ganze Selbstbeweihräucherung, du weißt schon. Dieser Seelenstrip … diese …
Ich: Haaalt! Ich wüsste nicht, was DICH das angeht!
XeNö: Werd nicht frech, Kleine!
Ich (richte mich zu meiner vollen Größe auf. Hundertachtundsechzig Zentimeter Sofasophia): Wenn hier jemand frech ist, dann du! Kreuzest hier unaufgefordert auf und stellst unbequeme Fragen! Außerdem brauchst du mein Blog ja überhaupt nicht zu lesen!
XeNö: Weiß ich doch …
Ich: … aber natürlich gibst du nicht locker! Leute wie dich kenn ich doch!
XeNö: Ach ja?
Ich: Ja! Also. Hör jetzt genau hin, denn ich habe nicht vor, mich zu wiederholen. Wenn du wissen willst, warum ich blogge, bleibt dir nix anderes übrig als meine Texte zu lesen. Da steht es drin. Immer wieder. Eine andere Antwort bekommst du nicht. Nicht du!
XeNö: Nun schnapp doch nicht gleich ein. Man wird doch noch nett fragen dürfen.
Ich (verdrehe erneut die Augen, flüstere): Nett … (Flüstermodus aus) … wenn man die Antwort nicht scheut!
XeNö (wendet sich von mir ab. Geht durch den Garten, schaut da und dort hin, hebt Steine auf, scheint etwas zu suchen …)
Ich (Flüstermodus) Ich habe meine Zeit schon dümmer verbracht. Außerdem ist Bloggen weder sinnlos noch dumm. Materiell gesehen schaut zwar nichts ‚bei ‚raus, aber für mich zählen andere Dinge. Die Freude am Schreiben und der Austausch mit den anderen. Zum Beispiel. Und der Ausgleich zu meinem Alltag. Mentale Verdauung. Bisschen spinnen hin und wieder.
XeNö: Sorry, was hast du gesagt?
Ich: Nichts, das dich interessieren müsste.
XeNö: Du und deine ewigen Monologe! Überall führst du sie: Im Kopf. Auf Papier. Im Blog. Gehst immerzu im Kreis herum.
Ich: Deine Meinung.
XeNö: Ich frage mich doch bloß, wie ich dir helfen könnte!
Ich (beiße auf die Unterlippe, um ein Lachen zu unterdrücken): Seh ich so aus? Brauchst du vielleicht ’ne Brille?
XeNö: Ich könnte dich doch hin und wieder besuchen. Deinen Blog aufmischen.
Ich: Du hast mir gerade noch gefehlt!
XeNö: Siehst du. Im Kreis. Du wiederholst dich. Und deine Augen brauchst du auch nicht ständig zu verdrehen!
Ich: Das ganze Leben ist ein Kreis. Nicht gemerkt? Wir fahren bloß ein bisschen Lift. Paternoster. Sind mal oben. Mal unten. Steigen aus. Wieder ein. Gegen den Drehwurm hilft nur schreib … Ooops. (flüsternd, zu mir selber) Was sag ich da?
XeNö (verschwindet grinsend vorne rechts) Auf Wiedersehen!
Ich (knie mich vor eine der Pflanzen und flüstere): War das jetzt alles echt?
Blogito Ergo Sum
Richtig:
„Außerdem ist Bloggen weder sinnlos noch dumm.“
„Gegen den Drehwurm hilft nur schreiben.“
Grüße in ein kreatives Wochenende hinein.
Donna
hach, mein tag ist gerettet.
danke euch!
fortsetzung folgt …!
genau- fahre fort…