Winterhöhle

„… das Schreckliche, das einer Seele durch Schönheit angetan werden kann … „

Ein Satz, der mich nach Luft schnappen lässt.  „Wintergewölbe“ von Anne Michaels hat mich nach einem längeren Unterbruch nun endlich doch gepackt hat. Dieser dreihundertfünfzig Seiten dicke Roman erzählt von Heimat und Heimatlosigkeit, vom Verpflanztwerden, von der Illusion von Liebe und jener Liebe, die so schön ist, dass sie unerträglich wird. Von Harmonie auch. Und deren Gegenteil. Kein Easyreading, dieses Buch, sondern eins, das meine ganze Aufmerksamkeit beansprucht, das mich innehalte heisst, Sätze wieder und wieder kauen lässt, um sie ein klein bisschen leichter verdauen zu können.

Gestern, vor dem Einschlafen, gedacht: „Wer einmal jene unfassbare jenseitige Schönheit erlebt, gesehen, geahnt, an ihr geschnüffelt, sie gerochen, geschmeckt, ertastet, gespürt hat, wer einmal den Himmel und den letzten Vorhang offen gesehen hat, für diesen Menschen ist alles, was danach kommt, ein Abklatsch, eine Imitation, eine Irritation. Die Ansprüche sind hinterher unfassbar. Nichts und niemand kann sie erfüllen. Dieser Mensch weiss nun nicht, ob er sich darüber freuen soll, dass er sie gesehen hat, diese absolute Schönheit, oder sie verfluchen und sich wünschen, er hätte damals weg gesehen. Und er weiss nicht, wie er inmitten dieser Unvollkommenheit leben kann.“

Heute, beim Lesen meiner gestrigen Notiz ahne ich: Dieser Mensch bin ich – dieser Mensch sind wir alle. Wir alle haben sie gesehen. Irgendwann. Irgendwo. Und da, in uns, ist sie noch immer. Deshalb die Sehnsucht. Deshalb die Unzufriedenheit …

Mein Weg, damit zu leben, ist es, mich mit der Unvollkommenheit zu versöhnen. Ohne dabei die Augen vor der Schönheit in und um mich zu verschliessen.

Dominoeffekt

Hätte ich nicht ungefähr die Hälfte meines bisherigen Lebens geraucht, wäre ich vielleicht heute nicht so fit, wie ich es heute bin. Alles klar? Nicht? Oukei, hätte und wäre gelten nicht, ich weiss, ich weiss, aber der Rest stimmt … ehrlich wahr! Denn ganz vieles lässt sich neu erfinden!

Weisch, ich webe hier ein paar Zipfelchen zusammen, die ich in den letzten Wochen mal fester mal loser zu fassen gekriegt habe. Alles ist relativ“ zum Beispiel das eine, oder alles ist verlinkt“ ein anderes und „wir sind all das, was wir glauben“ ein drittes. Alles? Hoppla! Das Wort „alles“ tut immer so verdammt wichtig, ich weiss. Es tut, als sei in diesen fünf Buchstaben die ganze Welt – halt, was sage ich da? – das ganze Universum eingepackt. „Alles“ tut grenzenlos. Und für einmal lassen wir ihm den Spass obwohl wir ja wissen, dass alles relativ ist … Ooops, da ist es es schon wieder …

Item. Back to Topic … Ein paar Zipfelchen will ich hier verweben. Biografische natürlich, wie könnte es auch anders sein, wo wir alle doch immer mit unsrer Biografie im Rucksack unterwegs sind.

Hätte ich also damals, mit süssen 16, nein zur Zigarette gesagt, wäre ich heute woanders. Wie gesagt, vielleicht viel weniger fit als jetzt. Wo und wie ich wäre? Ich weiss es nicht. Ist auch müssig. Dennoch habe ich bisweilen Lust, mir auszumalen, wie die „andere“ Sofasophia heute unterwegs wäre. Hätte sie auch irgendwann begriffen, dass sie gar nicht so bewegungsunlustig ist, wie sie immer geglaubt hat? (Wie meine Sportlehrpersonen mir ständig – mit ihren Noten – weismachen wollten und wie ich eines Tages zu glauben angefangen hatte …) Hätte die Andere wohl auch eines Tages zu joggen angefangen, wie jene Sofasophia, die ich heute und hier bin … die im Frühling endlich mit rauchen aufgehört und dafür mit laufen angefangen hat? Und die heute bereits süchtig nach diesem Zustand von Trance geworden ist, der sich nach einer Viertelstunde laufen oder so einstellt. Süchtig nach diesen Hormonen, die der Körper jeweils ausschüttet und die ich bis vor Kurzem ins Reich der manipulativen Werbemärchen verbannt hatte.  Als eine Erfindung der Gesundheits- und der Sportartikelbranchen.

Neulich – im Wald – überkam mich Panik: Was mache ich bloss im Winter? Nein, in ein Fitnessstudio will ich nicht. Ist mir zu … ähem, *hüstel* zu bieder? Irgendwie sowas eben … Und die innere Schweinehündin überwinden, um mir grossräumig ein Studio zu suchen, das meinen Ansprüchen genügen könnte …? Nö, keine Lust! Ausserdem kostet das …

Bestimmt gibt es ein Trainingsteil, das meinem Bewegungsbedürfnis entspricht!, dachte ich. Und fand in einem Katalog genau das, was ich mir vorgestellt hatte. Visualisierung? Mit Hilfe von Google und ricardo.ch hatte ich mir ein paar Mausklicks später ein Teil ersteigert, das ich nun gestern im Jura abholen konnte.

Nein, die Lady auf dem Bild bin nicht ich.  Doch ein solches Teil, mit dem sie trainiert, steht nun in meiner Wohnung! Ehrlich: Es macht total Spass! Bin gestern so auf die Schnelle 6 km ge“joggt“.

orbitracDoch zuvor habe mir eine wunderbare Reise  geschenkt. Bin im Auto, mit lauter Musik und singend natürlich, durch eine der schönsten Landstriche der Schweiz gefahren, durch den Jura, einer meiner Lieblingsgegenden! So voller Schönheit. So voller Kontraste … Mal wild, mal sanft,  zuweilen hügelig und dann wieder weit … Grüne Wälder, Felder, gemähte Wiesen … Felsiges Gelände …  Bäche … Irgendwann werde ich wohl mal im Jura wohnen. Vielleicht jedenfalls. Wenn ein paar weitere Dominosteine gefallen sind.

Wer weiss?

Kopfstand mit Krone

Titel zu finden macht mir in der Regel Spaß. Dennoch frage ich mich bisweilen, ob ich nicht, wie in fast allen Bereichen meines Lebens, nun auch beim Blogen wieder in der Leistungsfalle gelandet bin. *seufz*

Bewusstes und unbewusstes Handeln. Mein grosses Thema zurzeit. Selbstbeobachtung. Was motiviert mich? Woran glaube ich? Ich bin, was ich glaube. Ich lebe so, wie ich es mir erlaube.

Wer mich kennt, weiss um meine Ambivalenz zum grossen Themenkreis Wünschen, Visualisieren und zum ganzen Machbarkeitshype, der Materialistinnen und Esoteriker gleicherweise befallen hat. Dennoch komme ich nicht umhin, tagtäglich zu sehen, wie wahr wird, was wir denken. Obwohl mir nicht immer ganz klar ist, was zuerst da war. Ich sehe, wie eintrifft, was wir vermeiden wollen, weil wir dem Anti-Wunsch so viel Aufmerksamkeit geben. Und ich sehe auch, wie eintrifft, was wir uns wünschen.

Wünsche weise, es könnte sich erfüllen!, sagt Luisa Francia bisweilen. Das bewusste Wünschen ist allerdings nur ein kleiner Teil unserer Realität, viel grösser ist das, was wir unbewusst glauben. All diese verinnerlichten Sätze. Wie hat doch Mutter damals gesagt …? Vater auch! Wir glauben und es wirkt.

Heute morgen habe ich beschlossen, nicht mehr länger Sklavin meiner alten Selbst- und Weltbilder zu sein. Ich nehme mir meine Freiheit. Ich will die alten Muster ein letztes Mal betrachten, würdigen. Danach Überflüssiges entsorgen (Sondermüll? Kompost?). Werkzeug dazu habe ich inzwischen eigentlich genug. Kraft gewiss auch. Nur am Mut fehlt es mir. Wie so oft. Die Königin meines Reiches zu werden, heisst Mut zur Eigenmacht. Endlich.

Ich frage mich einmal mehr, ob solches anderen einfach in den Schoss fällt. Womöglich ist es bloss so ein dämlicher Glaubenssatz von mir, dass ich glaube, mir alles mühsam erarbeiten zu müssen.

Denn vielleicht ist ja alles ganz anders!

Heute fällt mir kein kluger Titel ein. Sorry!

Wochenende! Um ein Uhr die Bude verlassen. Und entschleunigen …

Ich liebe diesen Übergang, doch manchmal fällt es mir schwer, das Tempo herunterzufahren und ich bin auch zuhause noch mit hundertachtzig Sachen unterwegs. Bei der Arbeit, im eiligen Funktionieren, im Handeln und Reagieren steckt so viel Ablenkungspotential. Aktivismus im Blut. Obwohl ich doch in meiner Freizeit  überhaupt nicht hetzen muss …

Immer wieder beschäftigt mich die Frage, wie ich in diesem hektischen Wirbeln bei mir selber bleiben und sein kann. Besonders dann, wenn ich nicht leisten mag. Weder in der Bude noch zuhause.

Diese Frage habe ich heute Nachmittag – unter anderem – mit einer Therapeutin diskutiert, über die ich unter anderem im nächsten Spurenheft schreiben werde. Sie ist Teil eines Frauennetzwerks, über das ich berichten soll/darf/will/kann. Nach einer wunderbaren Tibetan Tantra Pulsing-Behandlung erhielt ich Tee trinkend Einblick in eine mir bis anhin unbekannte Arbeitsweise. Was für eine Bereicherung mein Schreibjob doch ist!

Geht es in all unserm Unterwegssein und Erfahrungensammeln denn nicht schlicht und einfach darum, dass wir unser Bewusstsein für die vielen Perspektiven des Lebens öffnen? Dazu will ich zeitlebens bereit sein. Für neue Wege und neue Möglichkeiten. Und dabei  mich selber. Sein. Ganz.

sammeln …

Irgendwann hat mir eine Freundin eine kleine Geschichte dazu erzählt … Genaueres weiss ich nicht mehr … Um Glückserlebnisse ging es. Dass wir sie sammeln können. Wie Edelsteine. Als Vorrat für karge Zeiten … Seelenfutter …

Heute gesammelt:

  • Komplimente meines Scheffs für das Einrichten der Infrastruktur (siehe gestern). („Was würde ich bloss ohne dich machen!“)
  • Komplimente der Mitarbeitenden für die Organisation der Schulung (siehe  auch gestern) allgemein und williges Mithelfen beim Aufräumen! („Du hast ja schliesslich die ganze Arbeit mit Einrichten gehabt!“) > Wertschätzung!
  • Freude über die Gipfeli und Brötli, die ich geholt habe. 😉
  • Komplimente einer Arbeitskollegin für das von mir in den letzten Tagen erarbeitete Gender-Factsheet! („Wow!“)
  • Das Angebot einer Arbeitskollegin, dass sie morgen früh für mich die Post und Gipfeli holt, weil ich ja Sitzung habe. Einfach bloss deshalb, damit ich nicht noch früher im Büro sein muss! Einfach so!
  • Die Zusage eines Kollegen, sehr gerne meine Pflanzen vor dem Verdursten zu retten, während ich im August Schweden heimsuchen werde …

Ein paar schlichte, wohltuende Edelsteine für meine Hosentasche. Und doch so viel nährender als all die negativen Gedanken der letzten Tage.

so verdammt wichtig

Bäh! Einer dieser Tage, wo ich am liebsten im Bett geblieben wäre und mir die Bettdecke über den Kopf gezogen hätte! Alles so trüb. Geschlafen habe ich zwar gut. Trotz Vollmond. Trotz Mens. Und trotz des Fotoalbums von vor zehn Jahren, das ich mir gestern Abend angeschaut habe. Bilder von damals, als das Leben noch einfach schien und mein Weltbild einigermassen übersichtlich.

Bin dennoch aufgestanden, natürlich, und habe auf dem kurzen, regennassen Arbeitsweg einen Vater mit Sohnemann im Kinderwagen gekreuzt.  Wie singt doch Büne Huber („mittschiffs“) so passend? „Es rägnet i mim Gsicht!“

Bin mal wieder so dünnhäutig, dass ich die Gegenwart anderer Leute kaum ertrage. Hyperhochsensibel. Doch gerade heute konnte ich es mir nicht leisten. (Wann dann?) Es gab viel zu tun, aufzugleisen, ein paar nicht verschiebbare Anrufe zu erledigen, interne Dinge zu entscheiden. Diese verdammte Wichtigkeit! Und dieses vermaledeite Nett-Sein!

Ich biss auf die Zähne. Wieso erzähle ich eigentlich im Büro kaum je, wie es mir geht? Obwohl wir es doch so gut miteinander haben und ich alle mag. Und obwohl mir die anderen erzählen, wie es ihnen geht. Sogar oft mit einem „Pssst! Das wissen die anderen nicht!“. Und wieso erzähle ich immer nur die erfreulichen Dinge? Nein, es ist nicht so, dass ich den anderen misstraue. Es ist wohl eher so, dass ich mich bedeckt halten will. Selbstschutz. Allgemein bin ich sehr transparent und authentisch. Und ich halte mich mit Meinungsäusserungen selten zurück.

Als mein Scheff um 11 Uhr wegen einer externen Sitzung sein Büro verliess, stürzte ich mich – wie abgemacht – darauf, die Infrastruktur für die morgige Finanzschulung vorzubereiten. Tönt toll. Und das Problem hört sich in der Tat recht simpel an: Sieben Leute sollen – über Beamer – sehen, was auf einem PC abläuft, um zu verstehen, wie das Buchhaltungssystem unseres Hilfswerks aufgebaut ist. Umrahmt wird das Ganze von einer Powerpoint-Präsentation.

So weit, so gut. Doch muss der benutzte PC ausnahmsweise am Firmennetzwerk angeschlossen sein, will heissen, wir können nicht wie üblich mit Laptop und Beamer ins angemietete Sitzungszimmer vis-à-vis, denn dort funktioniert unser Netzwerk nicht. Im Vorfeld hatten mein Scheff und ich beschlossen, das Ganze in seinem Büro zu inszenieren. Bis gestern. Da beschloss der gute Mann plötzlich, dass sieben Nasen in diesem doch eher kleinen Raum zu eng sind. Und dass wir eine bessere, andere Lösung finden müssen, will heissen, ich.

Das ganze Theater also in den Vorraum verlegen, wo alle naselang jemand vorbei kommt? Und wo es natürlich keinen Anschluss fürs Netzwerkkabel hat? Und währenddessen ich, weil ich nicht an der Schulung teilnehmen „muss“, im angrenzenden Büro „eingesperrt“ sein werde?

Mit Mensbauchkrämpfen kroch ich also im Scheffbüro auf der Suche nach Kabeln unter die Tische. Nach einer halben Stunde und ein paar saftigen Flüchen war alles an seinem Platz. Im Test lief das Ganze, die Kabel aufs Äusserste gespannt. Ich auch. Mal gucken, ob es morgen klappt. Immerhin ist Vollmond vorüber.

Draussen tobt ein Sturm. In mir drin irgendwie auch und jetzt werde ich mir, da ich frei habe, endlich die Decke über den Kopf ziehen.

NeoSchamanismus?

Grenzerfahrungen dienen und dienten schon immer dazu, sich seinen Geistern und sich selbst zu stellen. Als Einweihungsritual. Fahrzeuge dorthin dabei waren seit jeher monotone Rhythmen, Trance, Singen, Schreien, dabei mit den anwesenden Geistern und Menschen in Kontakt zu treten, die Einheit zu zelebrieren. Dies half, sich von der diesseitigen Schwere zu löse und sich auf die Anderswelt einzulassen. Auf die Begegnung mit der eigenen Innenwelt, den eigenen Gefühlen. Indem wir uns erlauben, alles zu sein, innen und aussen, sind wir ganz und heil.

So weit so gut, doch was hat das mit meinem Alltag zu tun? Nun … ich behaupte, Patent Ochsner – und gewiss auch andere Bands – zelebrieren im weitesten Sinn schamanische Handlungen. Sie versetzen mich  in eine andere Schwingung. Während eines Gigs bin ich ganz bei mir. Innen und aussen.

Bereits beim Soundcheck klebten B. und ich, wie Groupies, an den Schranken vor der Bühne. Den Platz in der vordersten Reihen hatten wir uns in der Umbaupause unauffällig, zielstrebig und mit charmantem Lächeln gesichert. Darin ist B. einsame Spitze. Mit ihr gehe ich total gerne an Konzerte. Wir haben einen sehr ähnlichen Geschmack (Musik, Männer und so weiter) und können uns gemeinsam so richtig hemmungslos auf die Musik und das ganze Drumrum einlassen.

Als Ochsners loslegten, löste ich mich schon bald in jenen Zustand glückseliger Entspannung auf, gefördert durch ansonsten eher unangenehme Grenzerfahrungen wie überdurchschnittlicher Lautstärkepegel und Enge. Doch das muss hier einfach so sein.

Patenter Sound zum Mitsingen – JeKaMi … Jed/r kann mitmachen 🙂

Da die Ochsen schon bald 20 Jahre im Buisness sind, ist das Publikum immer sehr altersheterogen. Die zwei niedlichen Mädels um die zwanzig neben mir, ob sie die Musik wohl schon im Tragetuch auf Mamas Rücken mitgekriegt haben? Und hintendran die Dame im Deuxpièce, welche Verbindung sie wohl hat? Egal! Ist doch geil, das wir alle – wenn auch befristet – gleich schwingen … Dieses Gefühl von Familientreffen stellt sich bei mir jeweils kurz nach den ersten Songs ein. I love it!

Bereits am 28. März, nach meinem letzten Ochsner-Konzert im Bierhübeli, schrieb ich in mein Internettagebuch:

Ist es die Authentizität dieser Band? Sind es Sprachwitz, Übermut, Humor, gepaart mit Bünes kritischem Blick auf die Mitwelt … Sind es die Texte, die Kompositionen?
Ja, das alles, von allem etwas. Aber noch mehr ist es wohl die Begeisterung, mit der Ochsners, vorab Büne, ihre Musik performen. Begeisterung, die echt ist, nicht frei von Selbstzweifeln, so urmenschlich. Auch ist das alles, wie überall, mehr als die Summe der einzelnen Teile. Vielleicht schafft Büne durch seine Natürlichkeit für mich, für seine Fans, eine Identifikationsfläche? Brauche ich Helden?
Lacht ruhig, aber für mich ist so ein Gig mit Ochsners eine geradezu „heilige Handlung“. Ich werde dabei ganz mich, ganz Körper, ganz Stimme, ganz Schwingung, ganz Lachen und ganz Genuss. Ganz Gegenwart. Was will ich mehr und was gibt es Heiligeres?
(Quelle: http://www.lebenswertvoll.ch/Janaluna/Janalunas%20Internet-Tagebuch09_1.html)

Schön, B., dass wir mal wieder gemeinsam das Leben feiern konnten! S’fägt mega mit dir!
Die Nacht war zwar kurz, doch es hat sich gelohnt!

Wie sang doch Büne? „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da …“ (Coversong, von Theo Makeben, neuinterpretiert)

verlinkt …

Meine grösste Ressource, sagte ich neulich zu meinem Scheff, ist, dass ich das Leben als Netz betrachte. Und dass ich das schon immer konnte. Ich nehme das Leben, Sicht- und Unsichtbares, so wahr, dass alles miteinander verbunden ist. Alles ist verwandt, sagen die Lakota und auch die Quantenphysikerinnen haben es bewiesen.

Dieses Wissen als Ressource zu betrachten – was übrigens allen möglich ist – , hilft mir, was immer geschieht, zu relativieren. Das ist der rote Faden meines Lebens, das ist der rote Faden meiner Schreibe, und es ist auch der rote Faden in all meinen Beziehungen.

Der gestrige Abend – will heissen, die gestrige Nacht  – mit U. hat mir mal wieder gezeigt, wie vielschichtig und vernetzt die menschliche Kommunikation ist:
Da erzählt U. zum Beispiel eine Episode aus ihrem Alltag.  Ich greife einen Zipfel ihres Erlebens und spinne weiter, indem ich meinerseits eine Episode erzähle. Zur Illustration, dass ich – zumindest ansatzweise – verstehe, was sie erzählt hat und was sie meinen könnte. So mäandern wir erzählend durch die Höhen und Tiefen unserer Biografien. Malen WortBilder, teilen Erlebtes, Gefühltes … und unterbrechen uns selber immer wieder: He! Ich wollte doch eigentlich erzählen, wie ich damals … und jetzt erzähle ich dir was ganz anderes! Immer wieder gackern wir herzhaft, während sich die Weinflasche leert sich und die Minuten ohne unser Zutun versickern. Erstaunlich, wie universell die Geschichten sind, die das Leben schreibt – meine, deine, ihre, seine. Wie sie resonieren, wie sie im Gegenüber neue Links öffnen und wie wir erzählend auf den Wellen der Ewigkeit surfen.

Und dabei doch absolut gegenwärtig sind … Jetzt.

Und jetzt freue ich mich darauf, heute Abend mit B. die Ochsen zu erleben …

Bittebitte Büne, sing Angelina. Für mich. Das Lied für deinen Schutzengel berührt mich jedes Mal von neuem. Live habe ich es noch nie gehört … höchste Zeit!

Zitat aus einem Interview mit Büne Huber von Patrick Holenstein.
Ich möchte auf einige Songs eingehen. Angelina ist eine typische Ochsnerballade. Der Text klingt, als wäre sie die Mutter im Kontext der Platte oder eine Geliebte. Wie ist es wirklich und gibt es eine reale Angelina?

Es ist das Konzept des Schutzengels. Das ist das Bild, welches bei Angelina im Vordergrund steht. Ich kenne das aus Gesprächen mit vielen anderen Menschen, die in irgendeiner Form künstlerisch tätig sind, dass immer eine Angst im Raum steht. Die Angst, dass die tiefe Verbindung, der feine Faden mit einer seelischen Welt, mit etwas Spirituellem, und ich meine spirituell nicht im Sinne von Religion, das hat nichts mit der Kirche zu tun, sondern mit der spirituellen Welt, dass dieser Faden verloren geht. Man hat unter Umständen Angst, wenn du am Arbeiten bist, beschleicht dich das Gefühl, du würdest nur Mist bauen und es kommt nicht an den Punkt, an dem ich es mir wünsche. Oder ich misstraue meinen Kräften oder Visionen, ich misstraue meinen Eindrücken, die ich von etwas habe, geschweige denn, ich kann sie gar nicht umsetzen. Das ist ungefähr diese Ecke, die Angelina stark geprägt hat. (Quelle: http://www.students.ch/magazin/details/8618/Interview-mit-Buene-Huber-von-Patent-Ochsner)

Plastikschulden

Sind Bremsklötze Warnungen des Schicksals oder sind sie Tests, um zu gucken, wie mutig und zielstrebig wir sind? Oder weder noch? Mit der Absicht, einen ultraleichten und dennoch superwarmen Schlafsack zu kaufen, der notabene nicht mumienförmig, sondern eine Decke ist und auf der Innenseite einen Baumwollbezug hat und unter hundert Franken kostet, ging ich in die Stadt. Und den Flug nach Göteborg wollte ich auch endlich buchen. Möglichst billig. Online braucht es offensichtlich inzwischen überall Kreditkarte. Ein Mensch ohne Schuldenkarte ist nur ein halber Mensch, scheint es mir.

Für meinen letzten Flug lieh ich mir das Teil aus. Dass ich solche Transaktionen nicht wirklich gerne mache, versteht sich. Weshalb ich nun, schweren Herzens, beschlossen habe, mir endlich auch eins anzuschaffen. Und darum heute Nachmittag meine nette Hausbank aufsuchte und den Antrag einreichte. Für eine Prepaid-Karte, die ähnlich wie mein Handy, nur solange benützt werden kann, wie es Geld drauf hat. Doch dieses Plastik werde ich weder morgen noch übermorgen in Händen halten. Frühestens in zehn Tagen. Und bis dann wird mein favorisierter Flug (Genf-Brüssel-Göteborg) wohl noch mehr kosten.  Oder ausgebucht sein. Mit jedem Tag wird er teurer. Im Reisebüro erfuhr ich, dass er samt Reisebüro-Aufpreis schon mehr als sechshundert Franken kostet. Tja. Weder Schlafsack noch Flugbuchung konnte ich abhaken. Und meine gute Laune, die ich am Vormittag gehabt hatte, schmolz von Geschäft zu Geschäft. Endlich zuhause war sie total im Eimer.

Zum Glück ist Wochenende. Und ich hab ein paar kuhle Dinge vor. Morgen Abend Besuch von U. Moosfrau auf Durchreise aus dem Schwarzwald. Und am Samstag die Ochsen live. Aarberg Open Air, wir kommen.

Da von meinen Freundinnen und Freunden meines Wissens niemand eine Kreditkarte hat, suche ich nun im Internet einen Weg, den Flug via Rechnung buchen zu können. *suchmoduseinschalt* … Das muss doch irgendwie möglich sein!!! Sonst muss ich doch ins Reisebüro und die Mehrkosten zahlen. Oder jemanden mit Kreditkarte finden …

Als hätte ich nicht schon genug um die Ohren! Die Recherchen für die nächsten drei Spuren-Artikel sind am Laufen. Dazu morgen Nachmittag ein Brainstorming mit Pfarrer H., der mich eingeladen hat, an einem literarischen Gottesdienst, einige Texte zum Themenumfeld „Saat, Ernte“ beizusteuern. (Ooops, Sofasophia und die Kirche? Kann das gut gehen?)

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>>> Später. Geschafft! Ich habe! Meinen Flug! Auf Rechnung gebucht! Yes, I can!

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>>>>>>>>> Nochmals eine Stunde später. Mein Gleichgewicht ist wieder hergestellt. Wald. Rennen. Mein Paradies. Ganz nahe. Und ganz und gar ohne Bremsklötze. Glück pur.