Der Konjunktiv des Samens

Ich verabschiede mich bis auf weiteres – vielleicht sogar bis im neuen Jahr von meinen lieben, wunderbaren Leserinnen und Lesern.

Euch und euren Lieben wünsche ich einfach nur das Allerallerbeste für die Rauhen Weihe-Nächte und den Jahreswechsel. Bleibt euch treu – u löht euch jo nie-nüt loh gfalle! (Lasst euch bloß nichts gefallen!)

~~~

Hier noch ein paar Kaugummis, Post-it-Notizen und Sofasophien auf den Weg …

Kann man Erinnerungen wirklich einfach verlieren? So verlieren, wie man Handschuhe und Taschentücher verliert (und Regenschirme)? Und sind sie dann auch einfach weg – weg mit dem ganzen Gefühl, das sie auf der Haut hinterlassen haben, weg mit dem ganzen Gefühl von Wärme und Weichheit …?

~~~

Empathie ist – unter anderem – eine Art auf andere fokussierte Selbstliebe; so gut getarnt, dass kaum jemand merkt, dass das, was du teilst und schenkst auch das ist, was du dir wünschst. Weil du fühlst, was jemand brauchen könnte. Weil du ein fühlendes Wesen bist.

~~~

Vielleicht gleicht die Seele ja einem Samen und weiß alles wie dieser, weiß was aus uns werden könnte, wenn die Umstände ideal wären. Weiß auch, was werden könnte, wenn die Umstände schädlich sind. Der Konjunktiv des Samens. Nur gleicht sie ihm darin nicht, dass der Same keine Wahl hat.
(Notiz an mich: Ist körperliches Leid womöglich ein Ausdruck der Diskrepanz zwischen idealen und schädlichen Voraussetzungen?)

~~~

Eine weitere nerdosophischer-philonerdischer Erkenntnis:
In meiner biologischen Cloud ist immer alles da. Alles ist verfügbar, jede Software (sinnvolle Programme, Malware, Viren) – jederzeit. Ich kann sie downloaden, wenn ich mein eigener Superuser bin. Und wenn ich das Passwort kenne. Es ist meine Verantwortung.

~~~

Möge unsere Kunst unsere Seelen und unsere Säckel füttern.
(Ich mag zum Beispiel Seidenfutterstoff …)

~~~

Synkopenatmung? Das ist, wenn wir zusammen atemlos atmen.
(Na, du weißt schon …)

~~~

Winkewinke und auf bald.

[Kommentare werde ich erst irgendwann oder gar nicht moderieren … 🙂 ]

apt-get install zufriedenheit

Längst bin ich zu einer kleinen Nerdin mutiert. Zu einer Nerdosophin von mir aus. Eine Wandlung, die sich laufend vollzieht und sich in den letzten zwei Jahren noch verstärkt hat, seit ich meinem früheren possessiven Betriebssystem, das auf meinem Rechner installiert war, den Rücken gekehrt habe. Seit ich zur Linux-Anwenderin geworden bin, diesem freien und kostenlosen Betriebssystem, das mindestens so virensicher wie Mac ist. Nein, keine Angst, das was jetzt kommt, wird nicht nerdisch sein, höchstens ein bisschen, aber so, dass auch Nicht-Nerdische es verstehen. Versprochen. Nerdisch? Auch das werde ich übersetzen, versprochen. Jetzt. Hier. Nerds* sind Menschen, die sich exzessiv und leidenschaftlich mit IT, Programmierung, Internet und den Hinter- und Abgründen der virtuellen Technik befassen. Und html können.

Html? Hm, das war doch, das ist doch … Ähm, nein, sorry, keine Ahnung. So irgendwie höre ich dich murmeln und nein, keine Angst, ich werde hier keinen Vortrag über die wichtigste und älteste Sprache des Internets halten. Uns interessiert ja meistens nur, dass etwas funktioniert, nicht wie. Wer nun weiterliest, erfährt nur etwas über die der internetten Sprache zugrunde liegende Philosophie. Denn die Klammer, die Klammer, die gilt es zu verstehen.

Html befiehlt einem Text – kurz gesagt – wie er auszusehen hat. Oder wohin er führen soll, wenn er die Aufgabe hat, etwas zu verlinken. Und damit all jene, die den Text im Internet lesen wollen, nicht über kryptische Befehlszeilen stolpern, geschieht das alles im Hintergrund. Auf einer zweiten, verborgenen Ebene. Hinter den Zeilen, sozusagen, statt zwischen den Zeilen. Bei WordPress einem Content Management System (kurz CMS), also einem Inhalte bewirtschaftenden System, sehen die Benutzenden oberhalb des Fensters, in das sie den Text einfügen, der später den Lesenden gezeigt wird, die Möglichkeit zwischen visuellem und Text-Modus zu wählen. Visuell? Ganz einfach: So sieht der Text nachher aus. Hier kann nach Herzenslust formatiert werden: mit Farben, mit Fettdruck, mit Kursivanzeige, mit Überschriften … Fast wie Word oder Open- & LibreOffice.

Bist du noch da? Nun wird’s nämlich spannend. Ähm. Vielleicht. Hoffe ich. Neben dem visuellen, für alle Augen sichtbaren Modus gibt es, wie gesagt, den Text-Modus. Seit ich diesen vor vielen Jahren entdeckt habe, kann ich nicht mehr ohne ihn. Man spricht bei dem, was er anzeigt, auch von Quelltext. Und nun kommt es, das mit der Klammer (siehe oben). Jener Klammer, die eigentlich Tag heißt. Nein, nicht Tag wie das Gegendings von Nacht, sondern das englische Tag. Na, ihr wisst schon. Aber ich mag halt das Wort Klammer lieber. Verzeiht mir also, ihr andern Nerds, falls ihr hier mitlest. Ich bin ja, wie gesagt, eher so eine Art Philonerdin oder Nerdosophin.

Widmen wir uns also der Klammer. Der Doppelklammer um genau zu sein. Nun ja, die Doppeldoppelklammer um richtig genau zu sein. Denn <> und </> sind die Basis jeden Befehls. Was in der Klammer drin steht, entscheidet später über das Aussehen des visuellen Inhalts. Fettdruck wird zum Beispiel mit den Klammern <strong> und </strong> ausgelöst. Wobei die erste Klammer den Anfang und die zweite Klammer das Ende des fettzusetzenden Wortes oder Satzes anzeigt. [Okay, bei Bildern und überall, wo es keinen Text einzurahmen gilt, braucht es nur eine Klammer, eine, die dafür auch gleich einen Schrägstrich enthält: <img /> bei Bildern oder <br /> für den Zeilenumbruch. Das könnt ihr aber gleich wieder vergessen. Oder auch nicht.] Soll das Fettzusetzende auch gleich noch kursiv sein, werden die Klammern <em> und </em> drumrum gebaut. Doppeldoppeldoppelkammern. Klickt man also das allererste Mal vom visuellen in den Text-Modus, wird man nicht gleich auf Anhieb etwas erkennen, außer Klammern, ähm, Tags. Vor allem, wenn man noch nicht weiß, was die einzelnen Befehle wie strong, em etc. bedeuten. Und darum geht es hier zum Glück für dich nicht. 😉

Hier geht es nur darum, das Prinzip der Klammer zu verstehen, zu verstehen, dass im Verborgenen alles ein wenig anders aussieht. Dass Programme geschrieben und gelesen werden und dass das, was ein Programm für uns macht, eigentlich eine Art Übersetzung ist. Die heutigen Rechner transkribieren die Befehlszeilen im Hintergrund für uns Lesende so, dass unsere Augen nur das Vordergründige, für alle Sichtbare sehen.

Vermutlich ticken auch die Programme, die unserer Bio-Software – Geist, Seele, oder meinetwegen meinem Ich, meinem Leben, meiner Lebenseinstellung, meiner Arbeit – zugrunde liegen, so ähnlich. Html als Analogie für mein Unterbewusstsein, für das Skript meines Lebensbuches?

Erwacht bin ich neulich mit dem Satz apt-get install. Nun verstehst du wieder Bahnhof, richtig? Das war dieser Halbsatz, den Irgendlink damals, als er die Meseta durchpilgert hatte, benutzt hat. Und ich erinnere mich noch heute daran, nach vier Jahren, wie er mir am Telefon erzählt hatte, dass er sich andere Bilder im Kopf installiert habe, um den Weiten der Meseta nicht schutzlos augeliefert zu sein.

Apt-get ist auch so ein Begriff, den wohl nur närrisch-nerdische Linuxen kennen und verwenden. Mit apt-get gebe ich auf der Hintergrund-Befehlsebene, dem Terminal genannten Cockpit, das ein, was ich nicht nur in einem einzelnen Text, sondern auf dem ganzen Rechner verändern will. Apt-get** ist demzufolge die Aufforderung an den Rechner, etwas Grundlegendes zu verändern. Oder etwas aus dem Netz Gefischtes zu installieren. Ich kann auch sagen: Apt-get update. Dann fischt der Rechner alle verfügbaren Updates für alle bestehenden Programme auf dem Rechner aus dem Netz. So kann ich im Betriebssystem Dinge hinzufügen und entfernen.

Natürlich bin ich diesbezüglich noch immer ABC-Schützin, doch das Prinzip ist auch hier einfach: Die Befehle und die Orte, wo etwas hin soll und wo es abgeholt werden kann, stehen in Klammern. Ein bisschen anders als bei html, aber doch im Prinzip gleich.

Du gähnst? Verzeih, aber jetzt kommt’s: Software lässt sich nämlich verändern. Ergänzen. Überschreiben. Löschen.

Und das hier – du hast es geahnt, stimmt’s? – das hier sind alles Metaphern. Gleichnisse für das Menschsein und das ist es wohl auch, was mich an der Technik so fasziniert. Sie ist der Versuch eines Abbildes. Der Mensch schuf sich den Rechner zu seinem Bild (so wie er sich ja auch einst Gott zu seinem Bilde schuf).

Und darum schauen wir uns jetzt die menschliche Festplatte an. Bei der Geburt ist sie leer. Gut, ganz leer ist sie nicht. Da ist ein Betriebssystem drauf, natürlich, und sie ist formatiert. Übersetzen tun wir das hier mal mit Genen, unserem biologischen Erbe, kulturellen Einflüssen, Land, Geschichte … Aber es sind noch keine Dateien drauf, nur ganz viel Raum. Dieser Raum wird jedoch schnell voll und voller. Aus kleinsten Trampelpfaden werden schnell Autobahnen. Laufend werden Programme installiert und ständig Updates nachgereicht. Oft ganz hässliche. Malware. Virenverseuchter Mist auch.

Das Programm, ob du von dir glaubst, ein liebenswerter Mensch zu sein – oder eben nicht –, wird wohl ziemlich bald installiert. Darauf basieren viele der später dazukommenden Programme. Wie auch beim Rechner viele Programme auf bestimmten anderen basieren, mit ihnen zusammenhängen oder sich gegenseitig bedingen. (Notiz an mich: Wenn ich einmal groß bin, werde ich IT-Psychologin, vielleicht).

Darum ist es besonders wichtig zu wissen, dass sich Software verändern lässt. Ergänzen. Überschreiben. Löschen (siehe oben).

Und ja, gute Nachricht: Auch menschliche Programme lassen sich verändern. Nicht ganz so einfach allerdings, zugegeben. Wie das funktioniert, kann ich auch nicht so einfach zusammenfassen. Und ob es auch dafür Formatierungsanweisungen wie die eben erwähnten Klammern, Doppelklammern, Doppeldoppelkammern und Doppeldoppeldoppelkammer gibt, wage ich zu bezweifeln, doch das es geht, habe ich dieses Jahr erlebt. Nicht immer, aber immer wieder. Und es lohnt sich, sein eigenes Betriebssystem kennenzulernen und sich als sein ganz persönlicher sudo*** fit zu machen. Oder Hilfe bei einem Supportservice zu holen.

Ooops, was für ein … Text! Ob ich dafür heute wirklich so früh aufstehen und mich an den Rechner setzen musste? Ich sag nur sudo*** apt-get install zufriedenheit. Und vergiss bloß dein sudo-Password nicht!

____________________

* Na ja, wörtlich übersetzt klingt es nicht so schön (Fachidiot, Computerfreak, Sonderling, Streber, Außenseiter).

** Apt ist die Abkürzung für Advance Packaging Tool, eine Art Paketverwaltungssoftware also.
Mehr darüber für andere Nerds und Wannabes gibt’s hier: http://wiki.ubuntuusers.de/apt/apt-get?redirect=no

*** sudo ist der Superuser mit der Befehlsgewalt über die Installationen am jeweiligen Rechner.

 

Das Rückspiegelding

In Zeiten der Wandlung, in Zeiten der Übergänge wächst das Bedürfnis, stehenzubleiben. Mich umzudrehen. Den Weg zu betrachten, den ich zurückgelegt habe. Ich stehe an einem Hang, sehe hinunter, sehe die Straße, die ich zuerst gegangen bin, dann verlassen habe; eingetauscht gegen einen Wanderweg, schließlich gegen einen Trampelpfad. Ich wechsle und tausche oft. Am meisten Wege und Dinge. Menschen nicht. Auch Überzeugungen nicht. Die wandeln sich wohl, aber im Grunde sind sie mein Grund und Boden.

Ich stehe da und schaue mir die zurückgelegten Spuren dieses Jahres an. Ich war im Sommer zu Fuß auf dem Gotthard, dazu noch in strömendem Regen und ohne die innere Ruhe einzubüßen. Ich habe gelitten, ja, das habe ich. Immer wieder. An mir. An andern. Am Weg. Oft auch auf dieser wunderbaren Wanderung, die dennoch für mich eine Art Wendepunkt darstellt – einen der Wendepunkte dieses Jahres. Ich habe begriffen, dort auf dem Weg auf den Gotthard, dass ich nur auf den Berg komme, wenn ich Schritte tue. Einen nach dem andern. Und dass ich mich nicht mehr gegen die Steigung wehre. Dass ich Ja zur Steigung sage, zum Schmerz, zur Anstrengung, zum Regen, zum Schweiß auf der Stirn (auch zu dem unter der Regenjacke), Ja zum Weg, den ich gehe. Weil ich ihn selbst gewählt habe. Und das im Grunde jeder Schritt ein Same ist, ein Same aus dem neue Wege wachsen können.

Ich stehe da und schaue mir die zurückgelegten Spuren dieses Jahres an und ich sehe, wie ich die ersten Monate dieses Jahres wichtige und ganz und gar unvernünftige Entscheidungen getroffen habe. Entscheidungen, die Mut erforderten. Einem Sprung aus dem Helikopter gleich. Freier Fall. (Und ja, natürlich trage ich einen Fallschirm …) Ich habe den Sprung nie bereut, nie, aber ich weiß noch nicht so genau, was danach kommt. Und ob ich noch fliege oder schon gelandet bin. Oder ob ich ab jetzt immer fliegen werde. Und ob das mein neues Leben ist.

Ich stehe da und schaue mir die zurückgelegten Spuren dieses Jahres an. Sie sehen zwar chaotisch aus und ziellos, weil ich es ja nicht so mit den Zielen habe, dennoch folgen sie einer Richtung. Und die Richtung kenne ich gut. Auf den Wegweisern, die ich passiert habe, ist mein Herz drauf codiert, nur für mich sichtbar. Ihnen bin ich gefolgt, auch dann, wenn andere den Kopf geschüttelt haben. Wovon willst du denn leben?, habe ich mich oft gefragt und nein, ich habe meine Antwort noch nicht wirklich gefunden. Dass ich von meiner Selbständigkeit noch nicht leben kann, habe ich gemerkt. Zu wenig liegt mir das Selbstvermarkten. Doch ich lerne. Ich lerne zu mir zu stehen. Mich nicht mehr immer klein zu machen. Den Kopf dort tragen, wo er hin gehört. Oben. Ich lerne mir zu trauen. Und ich lerne mich zu trauen.

Ich stehe da und schaue mir die zurückgelegten Spuren dieses Jahres an. Mir ist viel Heilung zuteil geworden. Letztendlich durch mich selbst. Weil ich Schritte gewagt und getan, Werkzeuge angenommen, einige Dinge und einige Menschen losgelassen, andere Dinge begriffen und andere Menschen eingelassen habe (die das jetzt lesen und sich betroffen fühlen: gut so, ihr seid gemeint!). Weil ich gewählt habe. Weil ich weise, verrückte und unbequeme Entscheidungen getroffen habe. Weil ich einiges verstanden habe (und das Meiste noch immer nicht, aber das ist in Ordnung so).

Ich stehe da und schaue mir die zurückgelegten Spuren dieses Jahres an. Danke!, sage ich, danke, mein Weg. Danke, ihr Menschen an meiner Seite. Danke, Liebster, danke Freundinnen und Freunde, danke Wald, danke Berg, danke Bäume, danke Steine … Mir rinnen Tränen über die Wangen. Dankbarkeit ist in jeder Zelle. In jeder Zeile. In jedem Wort. Denn ich sentimentaler Sack fühle mich seit vielen Jahren das allerallererste Mal schon eine ganze Weile ziemlich gut. Manchmal sogar sehr gut. Und ich fühle mich sogar im Dezember wohl. Das Kind in mir hat zu sich selbst zurückgefunden und freut sich über das Geheimnis hinter dem ganzen Weihnachtskommerz.

In Zeiten der Wandlung, in Zeiten der Übergänge wächst das Bedürfnis, stehenzubleiben. Mich umzudrehen. Den Weg zu betrachten, den ich zurückgelegt habe. Doch jetzt wende ich mich dem Weg zu, der vor mir liegt. Ich tue den nächsten Schritt. Ich atme tief ein und aus und ich freue mich auf das, was kommt. Weil da – trotz allem Bullshit – so viele und so vieles eben auch gut ist. Da ist nicht nur Leid. Da ist nicht nur Schmerz. Da ist nicht nur Krieg. Da sind nicht nur traurige, verletzte, enttäuschte Menschen, da sind auch viele, die mit ihrem Mut dem Schmerz trotzen. Die mit ihrer Musik der Not entgegentreten. Die mit ihrer Kraft andere aufrichten. Die mit ihren Worten, andere bezaubern. Die mit ihren Taten, anderen ein Lächeln schenken.

Wir sind viele, die das Wohl und die Zufriedenheit und das Miteinander fördern. Wir sind vermutlich sogar viele mehr als wir denken.

Ich gehe einen Schritt nach dem andern und ich weiß, dass ihr alle da seid.

Danke.

(Das war mein Happy 2014, liebe Sarah!)

In der Ecke der Horror – reblogged

Heute reblogged aus Ullis Blog Im Blauen Café

Es ist schon eine Weile her, dass Irgendlink und Soso diese Fortsetzungsgeschichte ersannen und Kapitel 3 an mich übergaben, darum zur Erinnerung:

Kapitel 1 von Soso

Kapitel 2 von Irgendlink

Kapitel 3

Und dann wurde wieder alles schwarz. Kein Gedanke, keine Erinnerungen, kein Traum, abtauchen, auftauchen und wieder abtauchen und auftauchen … Zeit wurde zu einer Gummischlange. Woher sollte er wissen wann Tag und wann Nacht war? Was wusste er überhaupt? Schemenhaft zogen Büro, Handy laden, Hausnummer suchen, Fahrrad abschliessen erneut an ihm vorbei, vermengt mit dem verflixten Wohnwagen und den Augen von Egon. Was wohl aus ihr geworden ist? Leif driftete wieder, erinnerte sich an Egon, ihr Lachen, ihre flatternden Haare im Fahrtwind, ihren unerschütterlichen Optimismus. Gerne hätte er sie geküsst, damals. Vielleicht auch jetzt. Aber du meine Güte, wie lang ist das schon alles her! Nach dieser Katastrophenfahrt hatten sie sich nicht mehr getroffen. Nein, das war keine Absicht gewesen und auch keine Antwort auf den vermasselten Urlaub, es ist passiert, einfach so. Ich werde einmal recherchieren und sie dann anrufen. Na ja, werde ich …

Seine Hand, die festgezurrte unter dem Gürtel, die bewegliche, hatte gezuckt, hin zu seiner Körpermitte. Die Reflexe eines Mannes, wenn er ans Küssen denkt. Er schüttelte den Kopf, der beweglich war, wie die Hand, in seinen Ohren das Tropfen des Wassers. Doch Moment, es gab mehr als die Wassertropfen und seinen Herzschlag, seinen Atem, ein anderes Geräusch hatte sich unter die Wassermusik gelegt. Hatte es nicht eine Zeit gegeben, als alles Tropfen verstummt war? Und hatte er nicht ein Flüstern gehört, Schritte? Aber jetzt, jetzt tropfte es wieder und … angestrengt lauschte er, versuchte Gehörtes mit einem Wort zu belegen, etwas zu finden, das ihm einen Halt gab in all dem Haltlosen und doch Gefesseltem. Er kannte es, er musste es schon Hunderte Male gehört haben. Zuhause … ja! Im Büro … auch, auch damals bei Mutter, nein, im Auto nicht. Er lauschte, seine Hand blieb ruhig, er versuchte die Quelle auszuloten, einen Punkt zu finden, wo das Geräusch begann, aber es bewegte sich, ging hierhin und dorthin, wurde lauter, kam näher, dann ging es weiter, wurde leiser, es schabte, es brummte.

Noch immer war da dieser Nebel um ihn herum, er steckte in einer Blase, manchmal kam er an die Oberfläche, dann tauchte er wieder ab. Die Geschichte begann sich in eine Auszeit zu schreiben. Ungeplant, nicht gewollt, ohne Grund, aber auch ohne Eile. Wie damals mit Egon, da war auch alles ungeplant, ungewollt und ohne Eile gewesen. Ohne Grund? M… da war er sich nicht sicher. Geschieht überhaupt irgendetwas ohne Grund? Es ging doch immer um Ursache und Wirkung, oder nicht? Aber verdammt, wieso lag er dann hier, was war die Ursache, was der Grund? Die Wirkung spürte er ja klar, klar und vernebelt zugleich.

Während er grübelte, hockte der Horror in einer Ecke des Nichts, er fühlte sich zunehmend unwohl, wollte hinauf auf das Podest, wollte wüten, vielleicht massakrieren, aber vor allen Dingen erst einmal einem, irgendeinem so richtig das Fürchten lehren. Seine Nahrung war und ist das Wimmern seiner Opfer, elendige Kreaturen, die an ihrem Leben kleben, als gäbe es wirklich etwas zu verlieren. Er wusste, dass sein Auftritt näher kam. Aber jetzt musste erst einmal diese blöde Putze Feierabend machen und verschwinden. Als hätte sie ihn von draussen denken hören, schaltete Elvira den Staubsauger aus. Es war genug für heute. Sie stellte den Sauger in seine Ecke, zog den Kittel aus, ihren Mantel und die Stiefel an, sah sich noch einmal um, nickte und ging. Der Kies knirschte unter ihren Füssen, ein Wind blies letzte Herbstblätter über die menschenleere Strasse dieser beschaulichen Wohngegend. Sie seufzte, wie anders es doch bei ihr daheim aussah. Enge Strassen, voll mit Autos, Motor- und Fahrrädern, Menschen hasteten von früh bis spät von hier nach da, es gab Geschrei, Gezanke aus den Fenstern und so manch besoffenes Gegröle in der Nacht. Sie blieb noch einen Moment stehen, während Horror hinter der Hecke hockte. Soweit hatte er es nun schon aus dem Nichts herausgeschafft, er konnte sein Opfer schon riechen. Konnte diese doofe Tussi nicht e n d l i c h gehen! Ich fass es nicht, beinahe hätte er sich vor die Stirne gehauen, nun hält sie auch noch einen Plausch mit diesem Alten! Tatsächlich war Elvira am Gartenzaun stehen geblieben und plauderte ein bisschen hin und her. Mit Otto, dem Alten, der so gerne Kleinholz machte. Gerade stand er wieder an seinem Hackklotz und schärfte seine Axt.

N’abend Otto, nu mach du och ma Feierabend, wird schon dunkel un kalt isset och!

Meene Kleene, er nannte sie immer meene Kleene, dette vastehstde nich, hier isset jut für mich, wat soll icke denn jetzt schon inne Stube? Aber nu hau schon ab, sei nett zu dene Jören! Auch das sagte Otto jedes Mal, sei nett zu dene Jören und dabei zwinkerte er ihr immer zu.

Na dann tschüss. Elvira hob die Hand zum Gruss und ging die lange Strasse hinunter.

Endlich war seine Stunde gekommen …

© by Ulli Gau

 ~~~

Fortsetzung folgt (vielleicht)

Bisher spielten mit:

Er (Leif), Putzfrau (nicht Elvira), die Egon, zwei finnische Tramper, Frank, norwegischer Polizist, Elvira (die Putzfrau), Otto und der Horror

Zeitfenster: 1990 und jetzt

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte, den Anfang machte Sofasophia, es folgte Irgendlink, nun ich … vielleicht magst ja jetzt du die Fortsetzung schreiben, dann bitte bei Sofasophia oder Irgendlink melden …

Ich bekam von Irgendlink die Stichworte: Staubsauger, Hackklotz und verflixt

Ich verteile: Fluglotsenstreik, Alimente und Gummitwist

Da und dort, die Welt und ich.

Ich nehme vieles persönlich. Zu persönlich sogar. Obwohl alle sagen und schreiben, dass das nicht gut ist (*), komme ich dagegen nicht an, zu denken, dass die leidenden Menschen im Gazastreifen mich meinen, wenn sie um Hilfe bitten – mich und dich, uns alle. Und ich komme auch nicht dagegen an, dass ich mich mitverantwortlich fühle, wenn ich über Hungernöte, Frauenhandel, Kinderarbeit und Working Poorness lese. Ich fühle mich mitverantwortlich für das kapitalistisch-imperialistischen und ausbeuterischen Konzept unserer westlichen Gesellschaft, in der ich groß geworden bin.

Nein, ich fühle mich nicht nur deshalb mitverantwortlich, weil ich bestimmt schon Jeans aus Asien gekauft habe, die unter unmenschlichen Bedingungen genäht worden sind, weil ich bestimmt schon technische Geräte gekauft habe, die unter unmenschlichen Bedingungen installiert worden sind und weil ich bestimmt schon Lebensmittel und Alltagsprodukte gekauft habe, die unter unmenschlichen Bedingungen geschaffen worden sind. Ich fühle mich wohl eher darum mitverantwortlich, weil ich weiß, wie sich Leid anfühlt und dem fremden Leid gegenüber zugleich hilflos bin und dennoch etwas kleines tun kann.

Neben den kleinen Spenden da und dort tue ich im Grunde ja nur dieses: Ich kann die Not nicht vergessen, ich kann sie nicht wirklich ausblenden, obwohl ich kaum Zeitung lese und noch weniger Tageschau gucke. Ich sehe sie trotzdem und ich fühle sie in mir und ich nehme sie persönlich. Ich leide mit den Menschen, die leiden, mit. Ich nehme fremdes Leid persönlich. Ich denke darüber nach wie die Welt sein könnte, sein müsste, wenn genau jene Menschen, die die Fäden ziehen, empathischer wären. Menschlicher. Wenn sie das, was sie achtlos/gewissenlos/emotionslos (?) tun, überdenken würden. Ja, du ahnst es: Ich fühle mich auch für deren Handlungen irgendwie verantwortlich, weil ich Teil dieser Gesellschaft bin, die solche gefühllosen Monster hervorbringt. Ja, ich weiß, dass das krank ist, es ist größenwahnsinnig irgendwie, aber dann denke ich: Ich bin es allen Leidenden schuldig, dass sie jemand wahrnimmt, dass sie jemand hört, dass jemand ihr Leid mitfühlt. Dass sie nicht verbittern und so ebenfalls zum Tätern werden.

Vielleicht, weil ich selbst erlebt habe, wie es ist, wenn man im Leid nicht allein ist. Wenn jemand da ist, der einem hört und sieht und mitfühlt.
Und vielleicht auch, weil ich als Mitfühlende glaube, ein bisschen kollektive Buße zu tun für das Unrecht, das weltweit geschieht und an dem ich eben indirekt, als Teil dieser ausbeuterischen Gesellschaft, mitverantwortlich bin.
Und weil ich mich als Mitfühlende so wohl auch ablenken kann und absehen vom eigenen Schmerz oder ihn zumindest relativieren.

Ich gestehe es, ich bin nämlich eine von denen, die, wenn sie wegen eines Unfalls die rechte Hand verlieren würden, zwar nicht als erstes, aber gleich als zweites oder drittes denke würde: Ich darf jetzt nicht klagen, andere verlieren ihr Bein oder gleich beide und die sind dann wirklich arm dran. Ich bin eine von denen, die erst, wenn sie keine Luft mehr bekommt, merkt, dass sie gleich ertrinken wird, wenn sie nicht sofort um Hilfe ruft.

Feuer6Das Problem an dieser Art Weltbild, sagte Freundin M. (1) vorgestern Abend, als wir nach dem Feuerritual noch zusammen saßen und uns austauschten, das Problem ist, dass du zu glauben meinst, wie andere sich fühlen, wie andere leiden, was andere brauchen. Weil du von dir auf andere schließt. Doch du kannst niemandem die Last abnehmen.
Aber sie ihm leichter machen vielleicht?, sagte ich.

Ja, im Grunde weiß ich natürlich, dass ich wenig ändern kann und ja, ich leide sehr an dieser Hilflosigkeit. Und manchmal fehlt es mir am Zutrauen, am Vertrauen daran, dass es je anders werden wird. Und dass andere mindestens so kompetent oder gar viel kompetenter darin sind, mit ihrer Not umzugehen. Wie wäre es also, wenn ich ihnen diesbezüglich mehr vertrauen würde? [Und womöglich ist das alles ja bloße Hirnwichserei einer Gutfrau?]

Aber womöglich auch nicht. Womöglich ist es auch richtig, mitzufühlen, wenn woanders im Gewebe der Welt ein Mensch einem andern Menschen (oder Tier) Leid zufügt um sich wie auch immer geartete Vorteile zu verschaffen. Macht. Geld. Gier. Eigennutz.

Und womöglich ist mein einziges Werkzeug dagegen der Buchstabe, das Wort, der Satz. Wörter helfen mir dabei, unerträgliches rauszuschreiben. Rauszuschreien. Schreiben ist wie schreien, wie duschen, wie abwaschen und wie scheißen; schreiben ist jener Prozess, der mir verstehen hilft, das Werkzeug, das Lebensmittel, die Lebensmitte, die mich mit mir, mit der Welt verbindet. Mein Innen mit meinem Außen. Mein Außen mit meinem Innen.

Das Leben nicht zumindest ein wenig persönlich zu nehmen, geht bei mir nicht. Aber ich kann daran arbeiten, es anders persönlich zu nehmen. Wie das geht, weiß ich zwar noch nicht so genau, doch ich hoffe, dass ich es herausfinden werde.

___________________________

* Der toltekische Weisheitslehrer und Schamane Don Miguel Ruiz bietet mit seinen Büchern einen ethischen Verhaltenskodex, der inzwischen das Leben von Millionen Menschen bereichert. Die Versprechen, die man sich selbst gibt, lauten:
1. Sei untadelig mit deinen Worten.
2. Nimm nichts persönlich.
3. Ziehe keine voreiligen Schlüsse.
4. Tu immer dein Bestmögliches.
5. Sei skeptisch, aber höre gut zu.

Ja und Nein und das Etwas mittendrin

Eine der vielen Herausforderungen unserer Leben besteht für mich darin, manche Dinge als unabänderlich zu akzeptieren. Vergangenheit zum Beispiel. Oder die Richtung des Wassers, in die es fließt, und wie es die Steine schleift und formt.

Naturgesetze erkennen wir daran, dass sie für alle gleich sind, weder gut noch böse. Einfach da. Gegeben. Eine Grundbedingung unserer physikalischen, unserer materiellen Welt. Einzig sich selbst gehorchend.

Doch warum das Wasser manchmal so leise und manchmal so laut fließt, immer wieder anders, nach Regen, vor Regen, bei Wind, bei Sturm, Ebbe und Flut – wer kann es verstehen? (Wirklich meine ich.) Und können wir die Gewalt der Natur, auch wenn sie scheinbar willkürlich waltet, so ohne Zaudern bejahen, zumal es uns nie gelingen wird, sie zu beherrschen? Selbst alle Dämme und Deiche der Welt vermögen Wind und Sturm nicht zu stoppen.

Ist der Wind darum böse, uns feindlich gesinnt? Ich sage: Nein. Weder Wind noch Feuer, Erde, Sonne und Regen haben gute oder böse Absichten. Sie gehorchen nur ihrem Sein. Sie sind das, was sie sind.

Sollen wir uns den menschengemachten Regeln und Gesetzen gleich vertrauensvoll beugen wie denen der Physik? Sollen wir? Dürfen wir überhaupt? Müssten wir nicht unterscheiden und werten, wem sie dienen, bevor wir ihnen vertrauen? Wohin allzu vertrauensvoller Gehorsam führen kann, wissen wir längst.

Vieles schmeckt mir nicht, aber weil ich hungrig bin, esse ich es doch. Weil es einfacher, billiger und bequemer ist, als mir etwas besseres zu suchen. Aber ich gestehe es: vieles was ihr mir vorsetzt, ist mir zu salzig. So salzig, dass ich dennoch nicht aufhören kann, es zu verschlingen, obwohl es meine Geschmacksknospen beleidigt. Ich weiß und ich merke, dass es mir nicht gut tut, aber etwas in mir, etwas, worüber ich keine Kontrolle habe, ruft nach mehr. Will mehr. Es hat viele Namen, das Etwas, das Phänomen. Ich nenne es Glutamat. So heißt es manchmal. Auch. Aber nicht nur. Das Etwas mit den vielen Namen hat auch viele Gesichter. Für viele heißt es auch Normalität. Ja, klar, auch ich bin normal. Wenn auch ein wenig anders normal als die normalen Normalen, die das Etwas von Herzen lieben. Dieses Etwas, das sie auf dem Mainstream hält, weil es da so einfach ist.

Tout le monde il est gentil* | Dieses Bild habe ich an der Baz’Art** fotografiert. Wer es erschaffen hat, weiß ich leider nicht.

Nein, wenn man nur schnell genug mitläuft, ist es kein Problem. Wenn man nur schnell genug schlingt, schnell genug springt, schnell genug arbeitet, schnell genug rennt, schnell genug Ja sagt, schnell genug leistet, scheißt, trinkt, mitschreit, mitmacht, mitläuft. Mitten drin im guten alten Großen Hamsterrad. Die Große Masche. Die Straße der normalen Norm ist schmal geworden. Rechts und links vom Mittelstreifen, wo früher breite Wege waren, ragen nach ein bisschen Teer und Beton schon bald scharfe Ränder aus der Erde. Sie schneiden tief, wenn du drauf trittst, und werfen dich aus der Bahn. Einmal draußen, auf dem grünen Streifen – wo es sich sehr angenehm liegt, wenn du ehrlich bist – ist es schwer, wieder ins Hamsterrad zu kommen. Erstens weil dieses immer schneller dreht, zweitens weil du merkst, dass du es nicht mehr willst. Nicht das Rad, nicht das Tempo, nicht das Etwas. Obwohl du weißt, dass du es solltest. Du kennst ja nichts anderes. Und du weißt ja, dass du, wenn du im Großen Hamsterrad mitrennst, vom Großen Hamster Ende Monat Futter bekommst. Damit deine Backen nie leer werden.

Da. Nimm noch ein bisschen Etwas. Hier. Schau. Es hat genug. [Es ist billig. Da drüben steht die Fabrik. Die Rohstoffe sind einfach hergestellt, vollsynthetisch.] Da, nimm.

Zu salzig!, sagst du. Aber nein, doch nicht salzig. Das muss so! Ehrlich. Glaub mir, das hier ist der Geschmack der Menschen. So wollen sie es. Sie lieben es. Iss!

[Es ist eben nicht alles ein Naturgesetz, was schon immer irgendwie so und nicht anders funktioniert hat.]

__________________________

* Tout le monde il est beau, tout le monde il est gentil (deutsch: Die Große Masche) ist eine französische Komödie mit Jean Yanne aus dem Jahr 1972, die sich schon damals über die Gehirnwäsche aus der Welt der Medien mokierte.

https://dailymotion.com/video/xko3d3

** Baz’Art in Meisenthal: hier klicken

Christoph ist verschwunden

Wo isch de Christoph?

I weiss eigetli ned, eb er würkli vrschwunde-n-isch. Die andere wüsste vellech chli meh als i, abr die kann i jo ned froge. Sie sind jo gar ned do. I cha nur säge, was i weiss. Und dass i ne scho mega lang nüme gseh ha. Wer meh chönnti wüsse, wüssti ned. Ha jo scho chli umegfrogt. Und jo, ich gibe’s zue, i vermisse-ne ned würkli. Und vellech wott er jo gar ned, dass öpper weiss, wohere-n-er ggange-n-isch? Vellecht isch’s ehm ganz rächt, dass es niemer weiss?

Abr vellech au ned. Vellecht würd er gärn gfunde werde. Aber äuä de ned umbidingt vo mir.

De Chrischtoph isch jo immr chli e bsundrige gsi, hätt scho immr grad gmacht, was er hätt welle, scho vo chli uf. Ämel nie das, wo me vo eim wie ihm erwartet hetti. Die einte finde das vellech witzig, ich has meischtens ender nervig gfunde (was au de Grund isch drfür, dass i ne ned vrmisse). Sueche tue-n-i ned so gärn wie finde. Finde loht er sich abr ebe ned ganz so liecht wie anderi – und äuä ebe au ned umbidingt am liebschte vo mir. S’isch immr chli es Züüg mit ihm. Niemer weiss eigetli so gnau, wie-n-er würkli tiggt, de Schtöffel. Und i weiss jetzt immr noni so gnau, was ich söll mache. Zwöi Tag isch-r jetzt scho weg.

Ich glaube, ich lüüte am beschte mol im Tierheim aa. Oder ich luege uf Feissbuuk; dett hätts jo sonen Siite für verschwundeni Chatze. Vellech hätt ihm jo s’Fuetter nüm passt? Au d’Kater ässe hüt nüme eifach alles.

Zu meiner Lesung auf Soundcloud bitte hier klicken.

_____________________________________

Diese Geschichte ist Teil eines Blogprojekts, dass die Bloggerin Jutta angestoßen hat. Weitere sachdienliche Hinweise zum Verbleib Christophs dürfen gerne verbloggt werden.

Inspiriert zum diesem Text hat mich das Lied Dr Ferdinand isch gschtorbe von Mani Matter. Ferdinand, der arme Kater, ist eben auch verschwunden. Damals. Erschlagen von Herrn Brändli. Mit einem Nachttopf. Das arme Tier! Hoffentlich taucht Christoph wieder auf.

~~~

Lesetipp: Wenn du den Text nicht verstehst, da ich ihn in meiner Aargauer (Mix-)Mundart – Schwiizerdüütsch hat ja so viele Dialekte! – geschrieben habe, kannst du ihn, so du ihn auf dem Rechner liest, indem du die Maus auf den jeweiligen Abschnitt legst, in deutscher Übersetzung lesen.

(Danke, Emil, für die Anleitung, wie so was geht!)

Ein Sonntag in Meisenthal

Meisenthal in Lothringen liegt in einer wunderschönen ländlichen Gegend. Bekannter als die hier ansäßige Kunstgruppe Artopie, die an den Dezemberwochenenden zum Kunstbazar Baz’Art geladen hat, ist wohl die ortsansässige Glasmanufaktur Meisenthal.

Doch uns hat der Baz’Art gelockt, da auch einige von Irgendlinks Bildern zum Verkauf stehen. Klasse Atmosphäre und wunderschöne Kunstwerke zum Direktkauf auf engstem Raum. Dennoch toll gemacht!

In einer ehemaligen Gläsereihalle des Internationalen Glaszentrums Meisenthal findet zeitgleich die Kunstausstellung Opération Ho Ho Ho statt. Auch hier hatten wir viel Spaß.

Die echte und die echte Welt dicht an dicht in der Galerie Beck – reblogged

Wenn die Welt im Kopf ein genauso starkes Bild ist, wie die “echte” Welt, ist es dann nicht verkehrt, sich an den Parametern der echten Welt zu orientieren, und krampfhaft daran festzuhalten, anstatt an der Realisierung der Parameter der selbst erzeugten Welt zu arbeiten?

(28. September 2009 – im Vorwort zu “Schon wieder ein Jakobsweg – Yet Another Saint James”)

Was ist überhaupt echt?, muss ich heute fragen. Oder unecht? Oder ist die Grenze zwischen Echt und Unecht nur ein individuelles Empfinden? Ein Prozess jahrelanger Prägung, der einen nach dem Irgendwann-ist-aber-mal-Schluss-Prinzip einen Strich auf der imaginären Landkarte ziehen lässt, auf deren einer Seite die vermeintlich echte Welt ist und auf deren anderer Seite die unechte, virtuelle Welt?

screenie appspressionismusMit einem eigenartigen Gefühl betrete ich gestern die Galerie Beck zur Eröffnung der Ausstellung “Geschichte und Geschichten”. Die Galerietür aus Kirschbaumholz quietscht wie eh und je, genauso wie damals 2007, als meine erste Ausstellung bei den Becks präsentiert wurde. Es ist geraten, wenn man die Galerie betritt, die Tür am Knauf ein bisschen anzuheben, um das Quietschgeräusch zu vermeiden. Scherzhaft mutmaßte man einst, das sei passiver Diebstahlschutz. Neben den vielen Hunden, die überall auf dem Gelände ein eingeschworenes Rudel bilden ist es eine weitere Sicherungsmaßnahme, um den Heiligen Gral der feinen Künste zu schützen.

(Text von Jürgen Rinck | Irgendlink)

Weiterlesen? Gerne! Bei Irgendlink drüben gehts weiter …