Urlaub im Lazarett

Wie wir gestern auf dem Seeuferweg zurück zum Wasserschloss Hallwil wandern, entdecken wir immer noch mehr Badeplätze, die zu immer noch mehr Seebädern einladen. Die bald ablaufende Parkuhr im Hinterkopf ticken zu hören ist das eine, ein anderes sie zu ignorieren und dem lockenden Baderuf des Hallwilersees nachzugeben.

Wann, wenn nicht jetzt?, zitiert Irgendlink ein bekanntes philosophisches Bonmot.
Wer, wenn nicht ich?, sage ich.
Wo, wenn nicht hier?, sagt er und setzt sich auf die sonnengewärmten Treppenstufen. Warum, wenn nicht darum?, spinnt er weiter, während er sich aus den Kleidern schält.
Wie, wenn nicht so?, vollende ich unser philosophisches Meisterwerk und stürze mich ins Wasser.

Es ist das vierte Seebad an einem Tag, doch auf der andern Seeseite kam mir das Wasser deutlich wärmer vor. Mag sein, dass ich drüben aufgeheizter war, denn jetzt sind wir ja vor allem im Schatten der Bäume gewandert und die Seefahrt vorhin hatte auch eher eine abkühlende Wirkung. Lange bleiben können wir eh nicht, auf Parkbuße haben wir keine Lust.
Die letzten drei Tage waren wie eine Woche Urlaub, schwärme ich. Heute ganz besonders. Man soll ja immer aus allem das beste machen, auch aus der Tatsache, dass ich erst im September richtig Urlaub machen kann.

Beim Auto angelangt, sind die Haare schon fast wieder trocken. Mit offenen Fenstern fahren wir nach Hause.

Dort macht sich bald ein erstes Kratzen im Hals bemerkbar. Irgendlink sagt, dass er es auch spürt, seit dem Morgen schon. Vielleicht vom gestrigen Reussbad? Oder vom Freitagsbad in der Aare? Wie auch immer … den Rest des Abends verbringen wir mit dem Lutschen von Halsbonbons und in der netten Gesellschaft von Tröpfchen und Halswehspray.

Heute Morgen nun habe ich fast kein Halsweh mehr, dafür ein bisschen Fieber. Matt fühle ich mich und bin froh, dass ich erst morgen wieder ins Büro muss. Hoffe, dass das geht. Irgendlink hat schlecher geschlafen als ich, hat einen rauhen Hals, hustet und fühlt sich mies. Erholung ist angesagt. Keine Bäder heute. Ruhe.

Dennoch, ich bereue nichts. Es gibt nicht viel, das ich mehr liebe, als ruhig auf dem Rücken im Wasser zu liegen, die Ohren untergetaucht, den Blick in den Wolken. Solche Inseln im Leben geben mir Kraft. Die Schönheit dieser Stille, dieses Innehalten, dieses nach Innen-Lauschen – ich liebe es; und nein, ich bereue nichts.

EDIT: Irgendlinks „Wort zum Sonntag“ gibts hier zu lesen: Fleisch so weit das Auge reisch …

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Bilder und Montage:
Appspressionismen (iPhoneArt)

Anti Brumm®, der Igel (anwesend) und die Katze (abwesend)

Die gestrige Fahrt mit meinem Fiesta in die Südpfalz war bei dieser Sommerhitze alles andere als ein Fest. Trau keinem Autonamen! Schmunzelnd und beinahe vor mich hin schmelzend, dachte ich daran, wie einst jemand über die Distanzen, die Irgendlink und ich zurücklegen, um uns zu sehen, meinte: Das muss aber eine große Liebe sein. Auf dem einsamen Gehöft angekommen, besprechen wir die nächsten Tage. Volles Programm. Morgen, Freitagabend, die Vernissage im Prisma, dazu zwei Kulturevents, über die Irgendlink für die regionale Zeitung schreiben soll – ein neuer alter Nebenjob. Heute Abend wird Ray kommen, mit dem Flugzeug aus Schottland. Vor einem Jahr haben er und Irgendlink sich auf der Ums Meer-Tour kennengelernt. Ray will die Col-Art und das Prisma kennenlernen und eine Woche Ferien auf dem Bauernhof machen.

So viel Platz es auf dem einsamen Gehöft hat, so viele Möglichkeiten gibt es, Gäste unterzubringen. Aber nicht alles ist für alle passend und auch wir haben nichts gegen Privatsphäre einzuwenden. Will heißen, die Künstlerbude, das Herzstück von Irgendlinks Lebensraum, ist zwar geräumig, hat aber keine Türen (außer zum Klo). So diskutieren wir, was wohl für uns drei am angenehmsten ist – zumal ja die Bude bei diesen Temperaturen nicht der einzige warme Platz ist. Wir planen alles auch im Hinblick auf das nächste Wochenende, wenn wieder Gäste kommen, aus Paris diesmal. Dann nämlich wird auf dem einsamen Gehöft eine AfricArt-Ausstellung von fünf Kunstschaffenden aus Burkina Faso stattfinden …

Lange Rede, kurzer Sinn. Wir beschließen, mein altes Futonsofa aufzustellen – zum Beispiel in einer Ecke des Ateliers. Für Ray oder für uns.

Ich schweife ab. Eigentlich wollte ich doch nur erzählen, wie sich Wünsche manchmal ganz schnell erfüllen und warum heute Anti Brumm® im Titel steht. Nein, ich mache hier weder aktiv Werbung für Mückenschutz-Produkte, keine Angst, noch habe ich etwas gegen anwesende Katzen (außer wenn es so heiß ist, dass ich nirgends berühren und berührt werden mag, weil jede Berührung, selbst die des Stuhles und die der Kleider mich schwitzen lässt). Außer, wenn diese Katzen ein heißes Fell haben …

Was ich mir wünschte? Vor Tagen dachte ich schon, dass ich mal wieder unter freiem Himmel schlafen möchte, doch die Bequemlichkeitsschwelle war zu hoch. Bis jetzt. (Und auf einmal wäre der Sommer vorbei und ich hätte mal wieder keine einzige Nacht im Freien verbracht – ich kenne mich!)

Wir könnten heute Nacht auf dem Futon schlafen, hier, auf der Terrasse, sagt Irgendlink, als wir uns mit heißem Tee abkühlen (klingt paradox, hilft aber wirklich). Auf einmal sehe ich die Erfüllung meines Wunsches ganz nahe.

Nach dem Essen, es hat endlich ein wenig abgekühlt, bauen wir das Sofa auf der Terrasse auf. Damit wir bei Regen nicht flüchten müssen, stellen wir es unter das Scheuendach. Ich freue mich aufs Schlafengehen wie ein Kind auf die Schulreise und bin froh, dass wir allein auf dem Hof sind. Die Nachbarn, Irgendlinks Eltern, sind im Urlaub.

Noch um halb zwölf ist es so heiß, dass wir keine Decken brauchen. Am Nachthimmel ein schon fast voller Mond, verhüllt von einer zarten Nebelschicht. Die Pappeln rauschen. Zum Glück gibt es auch mit achtundvierzig noch Dinge, die ich ein erstes Mal erlebe. Eine derart schöne Nacht unter freiem Himmel hatte ich noch nie. So gediegen! Mit richtigem Bett und Bettzeug – und das alles draußen! Zugegeben, fast alle meine Nächte unter dem offenen Himmel waren schön (abgesehen von jenen ein-zwei Malen, wo es irgendwann zu regnen angefangen hatte), doch diesmal liege ich eben nicht, wie bisher immer, in einem Schlafsack auf einer dünnen Matte.

Die Nacht ist still bis auf ihre eigenen Geräusche, dort ein Rascheln im Gras, da ein Rauschen in den Bäumen. Ich erwache oft, schlafe aber immer wieder sehr schnell ein. Träume. Höre der Stille zu. Sehe, wann immer ich die Augen öffne, den wandernden Mond , der sogar durch meine Augenlider zu dringen vermag, aber den Schlaf raubt er mir nicht. Ich verschlafe sogar den Igel, der sich am Anti Brumm® , das am Kopfende unseres Lagers steht, vergreifen will (nachdem er, wie ich vermute, Mietze das Futter weggeschnappt hat). Irgendlink verscheucht ihn. Ist Anti Brumm® , das grüne, das so lecker nach Zitronen-Eukalyptus riecht, womöglich ein Pro Igel-Ding? Dass Igel mögen, was Mücken und Zecken hassen, kann ich mir gut vorstellen. Ob Mietze wohl eher wie Mücken tickt oder eher wie Igel? Jedenfalls hat sie uns in Ruhe gelassen, zum Glück, denn Katzen im Bett mögen wir beide nicht. Ist Anti Brumm® das neue Anti Schnurr?

Am frühen Morgen setzt das Vogelorchester ein. Sie geben alles und heißen den neuen Tag vielstimmig willkommen. Zwar nicht wegen uns, aber ich genieße es dennoch sehr und döse wohlig immer wieder ein. Später weckt mich eine Mücke mit ihrem Gesirr über meinem Ohr. Ich spraye mich erneut mit Anti Brumm® ein. Nachdem wir die Mücken vertrieben haben, kommen die Fliegen. Es gelingt mir zum Glück irgendwann, sie zu ignorieren. Später streicht der Morgenwind durch die Äste der Pappeln und sie beginnen zu singen.

Gibt es einen schöneren Wecker-Klingelton?, überlege ich, und bedaure alle Menschen, die ihn noch nie gehört haben. Und alle, die noch nie draußen übernachtet haben, bedauere ich auch gleich. Irgendlink räkelt sich. Wie spät es wohl ist?, überlegen wir. Neun? Falsch. Erst acht Uhr. So richtig ausgeschlafen habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt.

Schon heute Nacht werden wir nicht mehr allein auf dem Hof sein. Besonderes darf ruhig eine Ausnahme bleiben.

Wenn Bilder duften könnten

Kleine ekstatische Glückseligkeit mitten im Alltag: Mit dem Fahrrad bei Sommerwetter dem Liebsten entgegen fahren. Am Waldrand entlang. Später auf holprigen Wegen zwischen frisch gemähten Wiesen. Den Liebsten treffen, der eine fünfundsechzig Kilometer lange Radtour an Aare und Rhein entlang unternommen hat. Gemeinsam einen Geocache* heben. Pause machen. Erzählen. Lachen. Zusammen in den Abend fahren und zuhause ankommen.

Daheim sein. Beieinander. Miteinander. Nebeneinander.

Einziger Haken ist, dass Bilder nicht duften können. Frisch gemähtes Gras, von der Sonne getrocknet … gibt es einen göttlicheren Geruch? Dagegen ist jedes Bild ein kläglicher Abklatsch.

heu-pano

Zwischen Riniken und Remigen über Land …

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Bild:
undogmatischer Appspressionismus (iPhoneArt)

* Geocaching ist eine Outdoor-Schatzsuche in der realen Welt. SpielerInnen dieses Spieles versuchen, versteckte Behälter, Geocaches genannt, mithilfe eines Smartphone oder GPS-Gerätes zu finden, um anschließend ihre Erfahrungen online zu teilen. Mehr auf www.geocaching.com.

Von Hochsitzen und Tiefpunkten

Wie es sich wohl lebt, so auf einem Hochsitz? Und was sich da oben wohl so alles anstellen lässt? Irgendlink und ich phantasieren drauflos, während wir – grün, blau und waldbraun geniessend – von Hochsitz zu Hochsitz pilgern. Endlich Frühling. Über zwanzig Grad. Langes T-Shirt reicht längst.
So viele Bilder wie gestern habe ich schon lange nicht mehr gemacht. Ein letztes noch, sage ich mir, denn wir sind auf dem Rückweg zum Auto. Da, diese morastige Grube zwischen Wiese und Straßenrand! Ein Fußabdruck, ein Schuhprofil – könnte das nicht sogar ein Straßen & Wege-Bild für die aktuelle pixartix-Serie werden?
Ich setze meine Fuß auf den Morast, fast wie einen Stempel, und hebe bereits den zweiten. Leider kann ich meinen rechten Fuß nicht mehr rechtzeitig bremsen, denn der linke ist bereits schuhtief versunken. Dem rechten gelingt es, sich schnell wieder aus dem Dreckloch zurückziehen, während der linke tiefer und tiefer gezogen wird. Das iPhone in der linken Hand, mit geöffneten Fotoprogramm, bildet von alleine ab, was geschieht (das letzte Bild unten).
Nur dank Irgendlinks beherzter Rettungsaktion, beschrieben und bebildert auch in seinem Blog, konnten ich und (noch fast wichtiger) mein iPhone das Abenteuer relativ unbeschadet überstehen. Barfuß zurück zum Auto. Barfuß Autofahren … damit kann man eh nie früh genug im Jahr anfangen!
Tja, um Höhe- und Tiefpunkte herum kommt eben niemand.
(das ist eine Galerie: Bild 1 anklicken und so weiter …)


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Bilder:
undogmatische Appspressionismen (iPhoneArt mit Gimpunterstützung).

In Teufels Küche und zurück

Kennst du eigentlich Hinterweidenthal?, fragt der Liebste beim Spätstück. Er schmiert sich genüßlich ein Brot, sein Appetit kehrt offensichtlich zurück.
Hinterweidenthal? Ich runzle die Stirn. Joke oder wahr?, überlege ich, gewohnt daran, dass Irgendlink zuweilen schräg denkt und gerne mit Wörtern spielt. Hinterweidenthal klingt definitiv gut erfunden. Befinde ich. Schüttle den Kopf. Warte, was nachkommt.
Da könnten wir geocachen* heute, sagt er nun. Wenn du magst.
Ich zücke mein iPhone, öffne die Geocaching-App* und weiß zehn Sekunden später, dass es diesen Ort tatsächlich gibt – mitten im Pfälzerwald – und dass er eine ziemliche Cachedichte hat. Was für Sehenswürdigkeiten spricht. Der Teufelstisch – klingt das nicht mirakulös?
Ist es auch!,
bestätigt Irgendlink. Ich lade mir auch gleich noch den Cache „Tunnelblick“ aufs iPhone und ein paar weitere. Mal schauen, wie wir mögen. Beide sind wir noch auf Halbmast, doch es zieht uns mächtig raus in die Natur, raus in den Wald.
Die Anfahrt beschert uns den Blick auf eine Großbaustelle namens B 10. Neue Straßen werden gebaut, ganze Waldabschnitte wurden dazu gerodet. Rote Erde liegt offen. Mondlandschaften. Unterwegs in Teufels Küche? Da geht es heiß her, wie man sieht. Kalte Küche wäre hier undenkbar.
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Wir wandern vom Parkplatz zur Tischplatte des Teufels und staunen über dieses Kunstwerk der Natur. Uralt. Verwittert. Roter Buntsandstein. Erodiert. Magisch.
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Anschließend wandern wir zum Geocache „Tunnelblick“, den Irgendlink aka Pfaelzer vor vielen Jahren versteckt hat. Eine wunderschöne Ecke, trotz naher Bundesstraße. Wir hören nichts außer Vogelgezwitscher und unsere Echos, die wir im Tunnel klingen lassen.
Friedlich und still ist es hier. Zuerst zaghafte Regentropfen, kurz nur, dann Frühlingssonne vom Feinsten.
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Unterwegs schießen wir das eine oder andere Bild, ein Regenbogen guckt kurz zwischen den Wolken hervor und wir zwei kommen langsam wieder zu Kräften.
Betreten auf eigene Gefahr – müsste das nicht überall im Wald stehen? Im ganzen Lebensdschungel? An jeder Hausecke, sage ich, als ich diese Tafel hier sehe. Das ganze Leben ist Betreten-auf-eigene-Gefahr!
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Unterwegs bunter Kleinkram …
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Und zu guter Letzt auf dem Rückweg noch ein Abstecher in Blinkyblankys Atelier.
Wie bunt Leben doch sein kann!
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Bilder:
undogmatische Appspressionismen (iPhoneArt mit Gimpunterstützung).
* Geocaching ist eine Outdoor-Schatzsuche in der realen Welt. SpielerInnen dieses Spieles versuchen, versteckte Behälter, Geocaches genannt, mithilfe eines Smartphone oder GPS-Gerätes zu finden, um anschließend ihre Erfahrungen online zu teilen. Mehr auf www.geocaching.com.