GeStillt

Ich betrete den großen Raum. Sofort wird mir ein leeres Gefäß gereicht, das ich – so wird mir gesagt – nach meinem Geschmack füllen kann. Danach soll ich an der großen Theke mit einem meiner vielen Blankoschecks zahlen. Ich schaue mich um. Ein voller Raum. Voll nichts. Voll Leere, voll reicher Stille. Jene Stille, die Hunger und Durst zugleich stillt. Denn vielleicht ist es ja das wunschlose Glück, wonach ich hungere. Doch wäre jener Hunger gestillt, wäre da keine Sehnsucht mehr. Kein Ziehen mehr. Weder nach Norden noch nach Süden. Und auch nicht nach Westen oder Osten. Oben und unten schon gar nicht. Kein inneres Ziehen mehr. Kein äußeres Drängen und Schubsen. Wunschlos glücklich sein – ist das wirklich ein Wunsch von mir?

Will ich mein leeres Zeitgefäß nicht vielmehr mit Reisen, mit lustvollem, neugierigem Unterwegs sein füllen? Mit Ankommen und mit Weitergehen. Mit Fülle, mit Genug-von-allem-haben (Geld inklusive), mit Bei-mir-zuhause-sein-wo-immer-ich-bin. Mit Sein. Mein Gefäß ist groß, innen grösser als außen. Und außen grenzenlos. Aber innen, wie gesagt, noch grösser. Endloser Speicherplatz. Unendlich viele Yottabytes. Alles möglich. Immer. Jetzt.

Ich betrachte den Inhalt meines Gefäßes. Alles liegt drin. Alles Unmögliche. Das nun endlich möglich wird. Einen Blankoscheck bin ich zwar los, doch der Tausch hat sich gelohnt.

Mein Herz schlägt heftig. Freudig und dankbar mache ich mich auf den Weg.

(Inspiriert von Rebis, die am 10. April kommentiert hatte: „Durch Arbeit und Dinge, die ich mir so nicht freiwillig von der großen Theke auswählen würde …“)

Null

Null Komma Null

Summiere alle deine Ideale, Pläne, Träume, Sünden, Nachlässigkeiten, Unterlassungen und Wunden mit denen aller Menschen aus allen Ländern. Das Ergebnis wird Null sein. Immer. Ist Null viel oder wenig? Ist Null die Grundstellung? Ist Null der Same, der Ursprung von allem, oder ist es das Ziel? Ist Null Leben oder Tod? Alles, nichts? Oder ist Null gar die Liebe schlechthin?

Null Komma eins

Beim Reisen geht es – wie beim Leben – letztlich darum, bei sich selbst anzukommen. Reisende sind immer Suchende. Und Findende. Reisen ist eine Form von Kunst. Ebenso wie Suchen und Finden. Und loslassen. Schritte ins Unbekannte wagen.

wenn du könntest …

Die Frage heißt für einmal nicht, was du tun würdest, wenn du nur noch eine Woche zu leben hättest. Meinetwegen auch ein Jahr. Oder eine Woche.

Die Frage heißt diesmal, was du tun würdest, wenn dir jener hypothetische Engel, der deine Karten mischt, ewiges Leben anbieten würde. Einfach so. Kostenlos. Hm, da fällt mir Voldemort ein, der Böse bei Harry Potter. Der das ewige Leben sucht, süchtig danach ist, unsterblich zu sein. So war meine Frage allerdings nicht gemeint. Nein, ich meine nicht Macht. Zeit meine ich. Immer-Zeit. Jetzt-Zeit. Wenn du Zeit haben könntest für alles, was du schon immer tun wolltest. Für alles, worauf du je verzichtet hast! Weil du wählen musstest, da du nicht alles gleichzeitig tun konntest! Jetzt könntest du es tun!

Willst du?

Notizen über Notizen Vol.2

Irgendwann will die Geschichte auf diesem zerknüllten Zettel hier erzählt werden. Nicht heute. Ein andermal. Sie handelt von Hoku und Po-Kuss … Es wird eine Geschichte sein von zwei, die sich brauchen. Hm, doch will ich eine solche Geschichte überhaupt erzählen? Warum nicht eine, von zwei Unabhängigen? Doch was wäre jenes Baum-Teil des neulich fotografierten siamesischen Zwillingsbaumes ohne das andere Teil? Und was wäre Abra ohne Kadabra?

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Auch die Geschichte auf diesem Notizblatt hier muss der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Die Geschichte nämlich von jener Geocacherin, die statt der Koordinaten des gesuchten Geocaches einzugeben, jenen Punkt markiert, an welchem sie steht und ihn mit dem Namen des Caches benennt, den sie suchen will. Da sie dabei, so stellen wir es uns doch hier einfach mal vor, auf der Großen Schanze steht, direkt am Abgrund also, und unten dran – zwanzig Meter tiefer – die Parkplätze des Bahnhofes, wird die Lokalisierung schwierig, denn kein GPS ist metergenau. Die beiden Geocache-Suchenden gehen also, da der Pfeil Richtung Stadt zeigt, mit dem Lift ein paar Etagen tiefer, durchqueren den Bahnhof, folgen dem Pfeil der Kompassnadel und landen, wen wundert’s?, schlussendlich wieder da, wo sie mal waren. Oben. Auf der Großen Schanze. Ob sie wohl etwas gelernt hat, die Sucherin?

Notizen über Notizen Vol.1

Das Ewige Leben eines Notizzettels – Vor Jahren ver-makulatur-isiert worden, wie mir seine Rückseite verrät, wird er heute vorne vollgekritzelt, damit ich später die Zeilen – diese hier – abschreiben kann. Und schließlich landet er unnütz geworden und zerknüllt im Müll. Um des Beinahe-Reimes willen.

Gewusst? Zwei Drittel von dem, was wir tagtäglich raus lassen, ist reine Selbstverarschung. Ein Sechstel ist Bluff, ein Zwölftel Halbwissen und vier weitere Zwölftel davon maßlose Übertreibung! Doch immerhin der vierte Viertel ist reine pure Wahrheit, ich schwör!

No geits*. Warum reagieren wir erst auf Stress und Überforderung, wenn es nicht mehr geht?

Momou, es geit**! ES??? Gopf, wer ist eigentlich dieses dauergewellte und dauerstrapazierte ES wirklich? Gott oder was? Und wohin ES wohl geht? Vorwärts, seitwärts oder rückwärts? Aufwärts? Abwärts? Wie auch immer, bitte grüßt ES von mir, wenn ihr ES seht!

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* no geits! = berndeutsch für noch geht ES!

** momou, es geit! = berndeutsch für doch, doch, es geht!

Nachlese

Würde ich wissen wollen, ob …

Wa wa wa wa oda wi wa, wa wa wi?
(= War wahr, was wahr war oder wird wahr, was wahr wird?)

Straßen und Geschichten haben eins gemeinsam: Sie werden, wenn wir gehen … Oder waren sie vielleicht schon immer?

Würde ich wissen wollen, dass …

Wie Hoku und Po-Kuss sich kennenlernten … (Synergien nutzen und so!)

Zehn Methoden, die Nachttischlampe auszumachen …
(> Fortsetzung folgt?)

Es gibt keine Wahl zwischen richtig und falsch, nur zwischen richtig und ebenfalls richtig. Was Auswählen nicht einfacher macht.

(SofaSophierereien – gefischt aus S‘. und J.s Zauberkessel; © just here)

Fünftes sofasophisches Gesetz

Das Wetter, so schrieb ich neulich, sei ein Thema worüber alle sprechen können. Immer.

Ein weiteres dieser Dauerthemen, die sich für alle eignen, ist die Zeit. Den einen vergeht sie zu langsam, den anderen zu schnell. Dann gibt es solche, die – wie ich – ein sehr ambivalentes Verhältnis zum Vergehen der Zeit haben. Die nicht an die Linearität ihres Vergehens glauben mögen. Und vermutlich gibt es über die Zeit sowieso nichts neues mehr zu sagen. Also: Bitte nicht weiterlesen. Es könnte sein, dass ich dir deine Zeit vertreibe …

Einer der Kehrreime meines Lebens klingt so: Wieso ist da immer zu wenig Zeit für diese Dinge, die ich gerne tue? Immer bleibt mir zu wenig von ihr, wenn es um jene Aktivitäten,  jene Nichtstuereien und jene Begegnungen geht, die mich am meisten nähren … Was mache ich bloß falsch? Die nährenden Tage – sie sind immer zu kurz. Müssten dreißig Stunden dauern. Mindestens.

Und jene anderen Tage, wo Pflichtenberge doppelt so schnell nachwachsen, wie ich sie abtrage, müssten halb so lang sein. Weil sie ja schneller wirbeln. Und natürlich dürften sich Pflichten nicht vermehren. Und natürlich weiß ich, dass das alles Nonsens ist, kindisch, unreif. Und du bist echt selber schuld, wenn du das liest!

Na ja … Dennoch wünsche ich es mir … Möchte Zeit haben, vielviel Zeit … Und auch immer genug von allem andern, was ich sonst so brauche. Und auch das, ich weiß es, ist ein Traum. Einer meiner Lieblingsträume sogar. Und vielleicht gar kein Traum?

So, und genau dieses Geschreibsel stelle ich jetzt ins Blog. Unausgegoren. Einfach so, weil ich Lust habe. Denn alles, was wir lustvoll tun, ist gesund. Siehe Titel. Und die ersten vier?  Hm. Die haben sich irgendwo in anderen, früheren Blogartikelchen versteckt. Und ob es vier sind, weiß ich nicht mehr. Ist egal.

in den Zeitungen …

die beim finanzamt scheinen irgendwie was von magie zu verstehen. oder sitzt da jetzt auch schon die percht während ihre hunde mit den beamten spielen? irgendwie hab ich so ein gefühl. manchmal, wenn ich eine viertelstunde im gitarrengedudel von einem amt gewartet habe, hab ich mir schon überlegt, ob es den staat überhaupt noch gibt? mein einziger beweis dafür ist ja, dass die zeitungen über ihn schreiben.

Luisa Francia (Quelle: salamandra.de am 14.12.2009)

Ist, was wir wahrnehmen, wirklich wahr? Stehen die Berge wirklich auch nachts an ihrem Platz? Und ist ihr Platz wirklich ihr ewig gleicher Platz oder werden sie womöglich über Nacht reingenommen, geputzt und neu gepudert, wie ich es mit J. schon oft zusammen spinntisiert habe?

Büne Huber singt in einem seiner uralten Lieder, Niemer im Nüt (Niemand im Nichts), dass er nicht mehr glaubt, was er nur sieht. Recht hat er. Glaub ich jedenfalls …

Ist Papa Staat, ist meine Phantasie, sind die Berge wahr und wahrhaftig existent? Oder nur dann, wenn ich mit ihnen in Kontakt trete? Und wie steht es mit Freundschaft, mit Solidarität, mit Liebe? Ist womöglich alles, was wir denken, wahr, weil wir es ja nicht denken könnten, wenn es nicht wäre? Wenn es nicht wahr wäre. Anders gefragt: Können wir irgendetwas denken, was nicht ist? Und ist, was ist, wahr, weil es ist?

Nun ja, wahr ist, dass ich müde bin. Oder bilde ich mir das wohl bloß ein? Vielleicht stimmt es gar nicht, dass Menschen keinen Winterschlaf machen können …

Lasst uns, was als wahr gilt, öfters mal … aber das wisst ihr ja selbst … nicht wahr?