Feuer

Die Farben
sind gewählt
Vertrauen
Liebe
Lebensmut
ich weiß
dass Glasuren
im zweiten Feuer
ihre Farben
wechseln
weiß wird
blau
angerührt mit Tränenfluten
mit Wut auch
und mit Trauer
Verzweiflung
Entsetzen
Verlustangst
doch
und
vor allem
mit dem Wunsch
zu leben
weil ich das Leben liebe

© by Sofasophia (dm) 2003

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Liebe als
Feuer ins Eis gibt Dampf
blind auf alles Gewesene

nichts mehr ist
wie vorher schon gar nicht
das Neue noch flirrend diffus

© by Rébecca K

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Freitagmorgens im Bett, könnte dieser kleine Text hier heißen. Denn damit fängt er an: Freitagmorgen. Genießen. Dem Gerütteltwerden der Ascheschublade lauschen, ihrem Ächzen, und horchen, wie sie sich erleichtert. Das Rascheln von Papier. Scheite, die mit sicherer Hand im Ofen aufgeschichtet werden und sich dabei klopfend näher kommen. Kurzes Aufheulen eines Streichholzes, dessen Flamme gleich darauf ins Papier beißt. Schließlich zischt, knistert und singt das Feuer für uns. Der Ofen dröhnt und ich fühle mich göttlich. So klingt Glück.

Ich höre deine leisen Schritte auf der Treppe und schon liegst du wieder in meinen Armen.

© by Sofasophia (dm)

unerträglich

Wie verschieden doch die Welten sind, in denen ich mich aufhalte!, kritzle ich während des Protokollierens der morgendlichen Sitzung auf den Rand des Blocks. Bei der Arbeit stehe ich mitten in einer kalten Welt voll sozialer Ungerechtigkeit. Der Wind pfeift uns immer schärfer um die Ohren. Trotzdem kämpfen wir, meine Kolleginnen, meine Kollegen und ich gemeinsam – oft genug hilf- und machtlos, doch ausdauernd und hartnäckig – gegen Armut und Hunger, gegen Willkür, Ausgrenzung, Vorurteile und Ungerechtigkeit. Wir setzen uns für Menschen und ihre Rechte ein. So gut das eben geht. Wir sind die Guten und das fühlt sich, ich gestehe es, nützlich und gut und vor allem natürlich wunderbar sinnvoll an.

Wir setzen uns auch dafür ein, dass Alltagsmenschen wie ihr da draußen für die Not in der Welt sensibilisiert werdet. Machen Spendenaufrufe und andere Aktionen. In der zweite Hälfte der Sitzung diskutierten wir konkrete Möglichkeiten, wie Integration auch noch umsetzbar ist. Spannende Ansätze finden ans Tageslicht, kommen von der Basis her, und alles dreht sich darum, wie wir sie am effizientesten umsetzen können.

Wie anders ich in meinem privaten Leben ticke! Ich kopple mich von all dem Elend, mit dem ich beruflich zu tun habe, so gut es geht, ab. Verdränge ich? Wohl nicht. Ich komprimiere, wandle um. Wechsle die Position und versuche eben, das andere auch zu sehen. Den Rest der Welt. Meine Wahrnehmung richtet sich nun auf all die schönen Dinge, die es eben auch gibt. Und auf Genuss. Das ganze Leid schicke ich in die Ferien. Schaue Glück. Rieche Natur. Spüre Freundschaft. Berühre wohltuendes und angenehmes. Lebe lachend. Drücke aus, was ich denke und fühle.

Kontraste, die beim Hinschauen manchmal fast weh tun. Manchmal beinahe unerträglich sind.

Doch wie sagt Luisa Francia bisweilen sinngemäß in ihren Kursen, die ich jahrelang besucht habe: Wenn es dir gut geht und du gut für dich sorgst, hebst du das Niveau der lebensfördernden Kraft auf der Welt. Und das kommt letztlich allen und allem zugute!

Ein Ziel, das ich anstrebe. Unbedingt! Eine Art, eine Kunst, die Welt lebenswert zu erhalten. Wie sinnlos dieses Unterfangen vielleicht auch ist.
Doch, gopfertelli, ich mag diese Welt! Und ich mag ihre Menschen. Und ihre Tiere! Und das Leben …

… ach ja, und ich mag es ganz besonders, morgens um sieben solche SMS vom Scheff zu erhalten: Habe bereits Gipfeli geholt!