ein bisschen anders

Eine Stofftasche mit etwa zehn Äpfeln darin. Ihr gemeinsamer Duft erfüllte meine ganze Küche. Nein, keine Früchte aus dem Supermarkt, eigenhändig Selbstgepflückte waren das. Mir lief beim Anblick der rotbackigen Köstlichkeiten das Wasser im Mund zusammen. Gebündelte Sommersonne, verdichtet auf wenig Raum, ließ meine Küche buchstäblich leuchten. Was für wunderbare, kleine Kraftwerke, die mir die nächsten Tage als Pausenschmaus dienen würden!

Jeder sah anders aus. Große und kleine lagen nahe beieinander. Verschiedene Sorten friedlich vereint. Ich packte sie aus und legte sie auf einen Teller. Einer fiel mir ganz besonders auf. Er hätte es bestimmt nicht in die Auslagen des Supermarktes geschafft, so unförmig wie er war. Eingedellt auf der einen Seite. Zu viele Sommersprossen, zu viele Schrunden bedecken seine Haut. Ich legte ihn auf einen anderen, einen kleinen Teller. Ihn würde ich mir bis zum Schluss aufheben.

Schon immer haben mich Menschen und Dinge berührt, die anders aussehen, die anders sind. Die die klassischen Normen verspotten. Denen es egal ist, was andere denken. Die mutig zu ihrem inneren oder äußeren Anderssein stehen. Wie dieser Apfel hier. Wann immer ich ihn ansah, schien er zu lächeln. Strahlend machte er mir Mut. Mut, mein Sosein, mein Anderssein zu bejahen. Dieses Anderssein, das letztlich uns alle von einander unterscheidet. Alle. So ähnlich wir uns scheinbar sind, so anders sind wir doch. Und dieser Apfel mit seinen Narben, na ja, er war eben ein wenig wie ich. Geschmeckt hat er übrigens wunderbar. Vielleicht sogar ein bisschen besser als alle anderen.

„C’est simple. Man braucht nur zu träumen, immer weiter, in die Welt der Träume einzutauchen und sie nicht mehr zu verlassen. Dann kann man bis in alle Ewigkeit dort leben. (…) Dort existieren von Anfang an keine Grenzen. (…) Aber in der Realität ist das anderes. Die Realität schmerzt. Realität. Realität.“(S. 145)

„Dennoch werde ich nie wieder so sein wie vorher. Von morgen an werde ich ein anderer Mensch sein. (…) Warum müssen die Menschen so einsam sein? Wozu soll das gut sein? Stets sind wir auf der Suche nach der Nähe der andern, und dennoch sind wir so allein. Wozu? Dreht sich dieser Planet nur, um die Einsamkeit des Menschen zu nähren? (…) Als einsame, metallene Seelen in der schrankenlosen Dunkelheit des Weltalls begegnen sie sich, schießen aneinander vorbei und bleiben für alle Ewigkeit getrennt. Zwischen ihnen gibt es keine Worten und keine Versprechen.“ (S. 191/192)

zitiert aus:  Haruki Murakami, Sputnik Sweetheart, btb 2004